Rundfunkgebühren: Von Raubrittern und Parteimedien (Salzburger Fenster 1/4/2012)

Als Raubritter wurden Angehörige des niedergehenden ritterlichen Standes bezeichnet, die sich durch Straßenraub und Plünderungszüge bereicherten.
Modernes Raubrittertum sind Steuern und Abgaben, denen keine erkennbaren Investitionen im selben Bereich gegenüberstehen. Budgetäres Strandgut.

Österreichs Rundfunkgebühren-System lässt den Bundesländern freie Hand, zusätzlich die sogenannte „Landesabgabe“ einzuheben. Das tut Salzburg kräftig: durch die Erhöhung ab April 2012 werden es heuer 9 Millionen sein. Medienförderung wird damit offiziell keine betrieben. Dafür werden inoffiziell in einem Sumpf aus Wirtschaftsförderung, Zuwendungen aus Parteikassen für Werbung bis Dienstleistungen nicht unbeträchtliche Mittel an einige kommerzielle Betreiber ausgeschüttet. Salzburgs Medien verlieren so an Glaubwürdigkeit.

Demokratie und Zivilgesellschaft braucht eine lebendige und parteiunabhängige Medienlandschaft. Die Geld kostet. Und uns allen wichtig sein sollte

Der Bund investiert aus den Gebühren in Salzburg nicht nur in den ORF, sondern über zwei Fonds auch in kommerzielle und nicht-kommerzielle Medien. Transparent. An Auflagen und Kriterien gebunden. Die für Qualität sorgen sollen.

Entweder schafft es die Landesregierung, einen eigenen Mechanismus zu entwickeln, der unsere Medienlandschaft absichert. Gerne ergänzend zum Bund. Mit besonderen Schwerpunkten und Kriterien. Aber transparent und glaubwürdig. Oder schafft die Landesabgabe vollständig ab.
Denn Raubritter sollten mit Ende des Mittelalters ausgestorben sein.

Malmoe fragt

Malmoe enthält in der nächsten Nummer einen zweiseitigen Schwerpunkt zum Thema “Zukunft Freier Radios in Österreich”. Nachfolgend meine Antworten.

Zur aktuellen Rolle Freier Radios / Zur Zukunft Freier Radios: Welche Rolle spielen Freie Radios heute in einem Medienumfeld, das mit Social Media, DIY-Medien im Internet Partizipationsmöglichkeiten, die zu schaffen Freie Radios angetreten sind, weiter entwickelt haben?

Community Medien haben DIY und Public Access erfunden. Lange vor dem Netz. Ich finde es erfrischend, wenn inzwischen Formen von Selbstermächtigung allgemein Akzeptanz finden. Genauso entwickeln sich die Radios weiter, Radio ist ein möglicher Kanal des Vertriebs der Inhalte neben anderen. Und es ist wichtig, diese Palette an Möglichkeiten auch energisch zu bespielen.
Heute ist Radio noch das “Alltagsmedium Nummer 1″. Die  Radiofabrik hat ihr Selbstverständnis dahingehend geändert, “90% Community” zu sein. Was die Wahl des Mediums zukünftig zu einer sekundären Frage relativiert. Primär betreiben wir “Community Building”, Ausbildung und Journalismus für die Zivilgesellschaft. Also Offline-Qualitäten über physische Kommunikation, die unersetzlich und die in jeder zukünftigen medialen “Applikation” anwendbar sind.
In diesem Können sehe ich uns auch langfristig konkurrenzlos.

Zum Selbstverständnis freier Radios / Zur Organisation Freier Radios: Viele Freie Radios haben sich von Pirat_innenradios über basisdemokratische Projekte zu hierarchisch organisierten Providern ehrenamtlich bereitgestellter Inhalte entwickelt. Inwieweit ist die innere Strukturiertheit, Demokratie und Transparenz wichtig oder obsolet?

Für mich steckt im Gründungsgedanken der österreichischen Freien Medien ein utopischer Auftrag, den es weiterzutragen gilt: höchstmögliche Demokratie und Transparenz für ProduzentInnen. Beteiligung an den Eigentumsverhältnissen der Organisationen: das Radio, das TV gehört den Menschen.
Wer dies vergisst, untergräbt ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal unserer Szene zu privat-kommerziellen Unternehmen mit „Social-Media Strategies“. Deren UserInnen-Beteiligung spart Kosten für journalistische Arbeit ein, Gewinne und Entscheidungsrechte werden hingegen nicht mit den Beteiligten geteilt. Resultat ist Ausbeutung von Engagement.
Für die Betriebe der Freien Medien mit angestellten MitarbeiterInnen hingegen gelten unternehmerische Prinzipien. Professionalität, Effizienz, Serviceorientiertheit und ähnliches stehen im Mittelpunkt. Hierarchie ist per se hier nicht böse. Dafür wird adäquate Bezahlung, Sicherheit, Karriere und betriebliche Mitbestimmung geboten.
Der Mix der Radiofabrik aus Demokratie und betrieblicher Schlagkraft hat sich bewährt, und wird auch weiterhin wichtig bleiben.

„Das rechnet sich: Wirst Du geschoben, dann ziehe! Wirst Du gezogen, dann schiebe!“ v. Alf Altendorf (Apropos 08/2010)

Grundregeln des Kampfsports – von daher kommen diese Rules – gelten auch im Kommunikationsalltag. Ich werde immer wieder gefragt, warum „Förderungen notwendig sind?“. Meint im Subtext, „man könne sich X sparen, weil bei Y auch gespart werden müsse, und überhaupt Z viel wichtiger sei“.

Jetzt lässt sich entgegenhalten: die Radiofabrik ist wichtig, weil wir Meinungsfreiheit herstellen. Den offenen Zugang zum Medium Radio einlösen, den fast 300 SendungsmacherInnen wahrnehmen. Mehrere tausend Menschen in den letzten Jahren ausgebildet haben, darunter viele Jugendliche. 150 regelmäßige Programme senden, und damit eines der größten Community Radios Österreichs sind. Und diese Arbeit regelmäßig ausgezeichnet wird.
Auf diese Leistungen sind wir stolz. Nur, solche Erklärungen sind defensiv. Weil ich nicht rechne, ausweiche, so gut die Argumente auch sind. „Wirst du geschoben…“.

Wir rechnen: die öffentliche Hand investiert jedes Jahr 73.000,- Euro in die Radiofabrik. 52.000,- die Stadt, 21.000,- das Land, um genau zu sein. 20 Prozent unseres Budgets. Ja, so wenig. Damit holen wir bis zu 250.000,- Euro pro Jahr aus Brüssel. Ja, so viel. Und seit neuesten 100.000,- aus Wien. Ja, auch so viel. Jeder Salzburger Euro wird von uns verfünffacht. Ein gutes Geschäft.

Deshalb sollte mehr in die Radiofabrik investiert werden. Es rechnet sich. Und wenn Sie diese Rechnung für neoliberales Geschwätz halten: wir machen auch noch Radio. Ein kleines, feines, wichtiges, großes. „Wirst Du geschoben, dann ziehe!“. Denn rechnen können wir auch.

Alf Altendorf ist Geschäftsführer der Radiofabrik. Kann rechnen.
(Apropos, 08/2010)

ARGEkultur Umbau – Lärm & Erde

Bedrohlich gräbt sich der Bagger an unsere Leitungen heran. Wasser weg – OK! Datenleitungen & Strom – NICHT OK! Es bleibt spannend. Und laut.

Sonnenschutz für Radiofabrik

Transparent Gesamt

Es wird wärmer: nicht nur am Globus, sondern besonders im Studio und im Büro. Leider der nächste Baumangel des ARGE-Buildings…

Wir haben uns selbst geholfen, ein “Sonnensegel” konzipiert (thanks Marcus für die Tech-Solution!), dann gabs eine Reihe an Haussitzungen, an den Kosten & den Flächen beteiligt haben sich die ARGE, das Beisl und Subnet, und endlich…
Ab Mitte Juni Realität: Kühle mit Werbewirkung. Hoffentlich!

Regen, nicht Regen? Kalt, zu kalt?

Wir schlagen uns jetzt schon seit Tagen Wetterberichte um die Ohren. Wer hat Recht? Interpretiert der Flughafen Salzburg die Daten genauer oder nicht? Warum ist der ORF prinzipiell optimistischer? Ist das Politik? Ist mehrstündiges stehen im Gatsch für Bands COOL – die Leute machen das doch eh dauernd, ok im Sommer – oder völlig daneben.

Sollen wir Reclaim the Park absagen oder nicht?

Websitebau nähert sich dem Ende – Uff ;-)

Nach wochenlangem Wording, Funktionen dazubauen und so weiter nähern wir uns einem Zwischenstand, mit dem wir leben können.
Auch wenn noch nicht alles passt: jedesmal, wenn ich den alten Website aufmache – als Archiv auch weiterhin unter history.radiofabrik.at zu finden – kann “mann” sich kaum vorstellen, dass die Radiofabrik damit jahrelang leben wollte.
Was kommt als nächstes? Unser Blogging-Site. Na klar!