Warm-up für WarmUP

Bald geht’s los! WarmUP ist die queere Frequenz der HOSI Salzburg. Ab 26. Februar begrüßen dich die SendungsmacherInnen Irene, Susi und Gernot live on air. Bei Diskussionen und Interviews erfährst du alles rund um das SchwuLesBische und transidente Leben. Studiogäste erzählen aus dem Nähkästchen und Künstler performen live. Wir blicken auch in die Welt der Heteros und beleuchten ihren Umgang mit Homosexualität. Mit dem Newsticker und Eventreminder bist du immer auf dem neuesten Stand und auch musikalisch gibt’s ordentlich was auf die Ohren.

Wie alle Aktivitäten der HOSI Salzburg, ist auch WarmUP zum mitmachen gedacht. Deine Ideen als Hörer sind gefragt und wir freuen uns auf deinen Beitrag. Du erreichst uns via E-Mail auf warmup@hosi.or.at.

Sexismus und Homophobie

Download/Podcast: Artarium Radio Sexperience vom 30. 1. – Wir stopfen einen Koller-Polster für Niki Lauda, der es offensichtlich nicht packt, wenn homosexuelle Männer öffentlich miteinander tanzen und veranschaulichen an diesem Beispiel den Begriff des Heterosexismus:

„Ja sollen wir uns demnächst alle dafür entschuldigen, dass wir heterosexuell sind?“ Gar keine so dumme Idee! Stellen wir die Welt doch mal einen Moment lang auf den Kopf: 90% der Weltbevölkerung wären homosexuell. Sie würden selbstverständlich alle Verhaltensnormen für die gesamte Gesellschaft bestimmen. Heterosexuelle wären auf einmal eine seltsame Minderheit, die jeden Tag wieder aufs neue um ihre Anerkennung und gegen Diskriminierung und Vorurteile kämpfen muss.

Schwul sein wär cool – und hetero ziemlich gay! Diese Vorstellung spukt in unseren Köpfen immer wieder herum, wenn wir fassungslos mitbekommen, wie selbstverständlich tagtäglich „normative“ Gewalt ausgeübt wird gegen alle „anders-als-hetero“ seienden Menschen. Wenn man dem dann etwa widerspricht, kommen die schillerndsten „Erklärungen“ zum Vorschein, die nur nie jemand wirklich begründen oder beweisen kann: Gottes Wille, das gesunde Volksempfinden, die abendländische Kulturtradition, der Schutz der Jugend oder der Familie, irgendein schwabbeliger Wertekanon, whatsoever…

Da kommt plötzlich von eher unerwarteter Seite Unterstützung für unsere Phantasiereise zwecks Empathietraining: Der deutsch-japanische Rapper Blumio präsentiert auf seiner aktuellen CD Tokio Bordell zusammen mit Jessica Jean den Titel „Die Welt ist schwul“ (Video) in dem er sich höchst selbstironisch genau diesem Denk- und auch Gefühlsexperiment unterzieht: „Was wäre, wenn ich als Hetero morgen früh in einer schwulen Welt aufwachte? Wenn ich von allen anderen wegen meiner Sexualität angemacht und gering geschätzt würde? Wie fühlte sich das dann für mich an?“ Genau darum ginge es aber: Einfühlungsvermögen – um die Wirkung des eigenen Redens und Handelns auf andere – auch aus deren Perspektive – begreifen zu können!

Wikipedia Exkursion: Heterosexismus bezeichnet ein gesellschaftliches und institutionalisiertes Denk- und Verhaltenssystem, das Heterosexualität anderen Formen sexueller Orientierung als überlegen einordnet. Er ist zu verstehen als eine auf Heteronormativität gründende und nicht hinterfragte gesellschaftliche Setzung heterosexueller Lebensweisen als die sexuelle „Normalität“. Noch Fragen?

Ein sehr lustiger und gleichwohl wissenschaftlich fundierter Online-Test der eigenen sexuellen Orientierung UND Verhaltenskreativität ist dieser: mysexualorientation.com (E-mail Eingabe klappt auch mit „wrdlbrmbfd@gmx.net“) Auf Facebook empfehlen wir die wunderbare Gruppe Gleichstellung – Gegen homophobe Einstellungen von Niki Lauda. Und auch auf die Ohren gibts was Feinfrequentes: Radiofeature Arno Gruen – Der Wahnsinn der Normalität.

Stadtteilradio Aigen Jänner 2011

In der Jänner Ausgabe des  Stadtteilradios Aigen

begrüßt Felix Freisinger

Das neue Jahr mit Literatur, Musik

und dem Segen von oben

 Auch der 6. Jänner wird,

einmal anders, vorgestellt

und schlußendlich lernen wir auch Menschen

hinter dem Fasching kennen.

Die Vorstellung des Teams des Stadtteilradios Aigen

komplettiert die Sendung.

Veröffentlicht unter Aigen

OCBoddity 181 (24.01.2011)

Es hat einige Monate gedauert, aber die 181. Ausgabe von OCBoddity brachte endlich wieder ein „3 from 1“ mit sich. Das aktuelle Dreierpaket widmete sich dem neuen, bemerkenswerten Rockhouse-Sampler „Xtra Ordinary Vol. 14“, der mit seinen 22 Tracks ein kräftiges und hörenswertes Lebenszeichen der Salzburger Rock-, Pop- und Indieszene von sich gibt! Herausgepickt hat sich OCB die Kögl/Fink-Connection „Trailerpark“, die „Helmut Bergers“ und „Kings & Slaves“ aus der Werkstatt von Harry Mörth.
Daneben geben sich internationale Größen wie Ryan Adams, Manic Street Preachers und The Decemberists und die hierzulande weniger bekannten Young Liars und Destroyer (beide aus Vancouver) die Ehre und runden die 181 zu einer gelungenen Sendung ab. OCBoddity – gehört gehört!

PLAYLIST
Ryan Adams, Kisses Start Wars
Manic Street Preachers, The Descent
British Sea Power, We Are Sound
“3 from 1” Xtra Ordinary 14: Trailerpark, Living In Fear
“3 from 1” Xtra Ordinary 14: Kings & Slaves, Same
“3 from 1” Xtra Ordinary 14: The Helmut Bergers, Salon Kitty
The Decemberists, Rox In The Box
Young Liars, Colours
Destroyer, Savage Night At The Opera
Ray La Montagne, NYC Is Killing Me
Kurt Wagner & Cortney Tidwell , Eyes Look Away
Badly Drawn Boy, What Tomorrow Brings

Und wer’s hören will … klickt hier

Papa Joe’s Garage mit Mary Broadcast Band (Ausgabe vom 20.01.11)

Die Band war bereits 2010 in meiner Garage zu Gast. Sie hat es heuer geschafft in die österreichische Endausscheidung zum Songcontest zu kommen. Das ist Grund genug die Frontfrau Mary Lamaro noch einmal  in die Garage einzuladen. Sie wird ein bisschen über den Weg zum Songcontest und Ihre Träume sprechen. Natürlich gibt’s Musik von MBB!

Euer Papa Joe.

Das Leben im syrischen Überwachungsstaat Teil 4: Die Sicherheit des Besuchers

Syrien 2009

Und was merkt man als Ausländer in Syrien vom Überwachungsstaat?
Syrien gilt gerade wegen der gut organisierten Geheimpolizei als sicheres Land. Wobei ich mich doch manchmal belästigt fühlte, wenn ich den Herren vom Dienst an weniger touristischen Orten erklären und rechtfertigen musst, was ich dort wolle.
Vor allem je näher man Richtung Osten, Richtung irakischer Grenze, reist, desto nervöser werden die Behörden. Als Ausländer muss man sich bei der Ankunft am Busbahnhof umgehend bei der dortigen Polizei an- und bei der Abreise wieder abmelden. Es kann auch passieren, auf offener Straße nach dem Ausweis gefragt zu werden. Zu viel Kontakt mit Einheimischen wird mit Argwohn betrachtet, was ein Bekannter von mir zu spüren bekam, als er zum örtlichen Polizeichef zitiert wurde, nachdem er mich in sein Haus eingeladen hatte. Natürlich steht hierbei die Sorge um die Sicherheit des Besuchers im Vordergrund! Mit Vorliebe wird dann auf eine Kanadierin hingewiesen, die vor einiger Zeit in Syrien verschollen ging und bis heute nicht mehr auftauchte.

Auch in den größeren Städten wird man als Ausländer überwacht. Die Hotels müssen Meldung machen, wer gerade dort wohnt und wer an Ausländer Zimmer vermietet, muss deren Identität mit Passkopien bei diversen Stellen melden.

Der Gedanke, auf Schritt und Tritt überwacht zu werden ist äußerst unangenehm und schnell nimmt man ein bisschen die syrische leicht paranoide Verhaltensweise an. Nur nicht zu viel darüber nachdenken und bloß nicht auffallen.
Als Ausländer kann man aber wieder ausreisen, die Syrer müssen mit und in ihrem System leben.
Sie nehmens aber mit Humor und sind stolz darauf, ein ausgesprochen gastfreundliches, offenherziges und kommunikatives Volk zu sein.

Das Leben im syrischen Überwachungsstaat Teil 3: Der Kunst ihre Freiheit?

Syrien 2009
Bietet nicht wenigstens die Kunst den Syrern eine Nische für Kritik und Unangepasstheit
Diese Frage kann ich nur mit einem Gähnen beantworten und einer Anekdote von der Abschlussprüfung der Malereiklasse der Kunstuniversität Damaskus. Die Absolventen mussten bei einer öffentlichen Begehung ihre Arbeiten präsentieren. Der Großteil der Werke war fades, angepasstes Zeug, Stadtansichten bespielsweise, die vielleicht ein schönes Souvenier für Touristen wären oder abstrakte Malerei ohne persönliche Handschrift. Zwei Künstler stachen aber hervor. Sie malten mit technischem Können eindringliche Bilder, bei denen man das Gefühl hatte, da habe jemand wirklich sein Herzblut investiert und seine Seele nach außen gekehrt – und das ganz ohne ins Kitschige zu kippen. Ich erwartete dementsprechend gute Noten seitens der Professoren. Doch die jungen Künstler wurden wahrlich auseinandergenommen und erhielten den schlechtesten Abschluss des ganzen Jahrgangs. Ebenfalls hervorstachen die Arbeiten einer jungen Dame. Abstrakt zwar, aber mit unglaublich tollen Formen und Farben. Es stellte sich jedoch als höchst unwahrscheinich heraus, dass diese Studentin ihre Abschlusswerke selbst gemalt hatte. Denn während ihrer ganzen Studienzeit hatte sie nichts vergleichbares produziert. Die reichen Eltern hatten also jemanden bezahlt, für ihr Töchterchen die Abschlussarbeiten zu malen. Doch wie konnte man das beweisen? Wo doch vermutlich eine nicht geringe zusätzliche Geldspende für die Universität zu erwarten war? So nahm die junge Frau mit perfekt manikürten Fingernägeln ihr Malereidiplom entgegen ohne je einen Pinsel in der Hand gehabt zu haben.

Und wie stehts mit der Musik?
Wie für die meisten arabischen Länder gilt auch in Syrien: Der Retorten-Mainstream dominiert den Musikmarkt. Rockmusik ist eher noch eine Sache der jungen gebildeten westlich orientierten Mittelschicht, elektronische Musik ist so gut wie nicht existent.
Unter dem „Alten“ (Hafez) war sämtliche Rockmusik verboten und man musste diese auf unbeschrifteten Kassetten teuer aus dem Libanon ins Land schmuggeln. Heute stehen nur noch einige wenige Bands auf der Liste der staatszersetzenden und somit verbotenen Elemente.
Trotzdem ist es ratsam, als Liebhaber harter Gitarrenmusik auf sein Äußeres zu achten. So sind lange Haare und schwarze Kleidung unerwünscht und es kann dem Träger schon passieren, von einem netten Herrn der Polizei nahegelegt zu bekommen, diese abzulegen. Hierzu eine kuriose Geschichte, die davon zeugt, wie sehr die Beamten der syrischen Geheimpolizei etwas von Jugendkultur verstehen: Die Mitglieder einer Heavy-Metalband wurden allesamt verhaftet und im Verhör dazu gedrängt ein vorgefasstes Geständnis zu unterschreiben, in welchem sie sich selbst satanistischer Praktiken bezichtigen würden. Darin beinhaltet waren nächtliche schwarze Messen, Grab- und Jungfernschändung, Tieropfer und das Trinken von menschlichem Blut. Ein Mitglied der Band wurde dazu angehalten, eine Vorführung der magischen Rituale abzuhalten, was er nach tagelangem Druck dann auch tat. Die erzwungene Spontaneität ließ ihn hierbei unglaublich erfindungsreich werden in der Konstruktion magischer Kreidekreise und Symbole. Als alle schließlich doch das Geständnis unterschrieben, konnten sie ohne weitere Behelligungen gehen, abgesehen von der Untersagung ihrer musikalischen Aktivitäten.
Rockmusik spielt eine zu geringe Rolle in Syrien, als dass sich das Regime darum wirklich kümmern müsste.

Das Leben im syrischen Überwachungsstaat Teil 2: Nur nicht auffällig hinsehen!

Syrien 2009
Was ist im Alltag eines „normalen Bürgers“ zu spüren von der Existenz der Geheimdienste?

Jahrzehnte der Überwachung haben sicherlich Spuren in der syrischen Psyche hinterlassen. Je nachdem liegt der persönliche Geisteszustand zwischen paranoider Angst und lethargischer Gelassenheit. Ausserdem lieben die Syrer Verschwörungstheorien. Die Führungselite gibt dafür Stoff genug. Nach Basil al-Asads Unfalltod beipielsweise gab es, trotz offiziellem Statement, viele Spekulationen, wer ihn getötet habe, vom israelischen und amerikanischen bis zum syrischen Geheimdienst und zur Assadfamilie selbst. Vor allem Rifaat al-Asad wird gern als Drahtzieher des Mordes genannt. Der Bruder von Hafez, der selber gerne Präsident geworden wäre, musste nach einem Putschversuch 1983 ins Exil und gibt sich dort, jetzt reicher Geschäftsmann, als Regimekritiker. Immer wieder hört man von Rivalitäten, Schießereien und mysteriösen Selbstmorden innerhalb der Führungselite, über die das Volk mit einer Mischung aus Sensationslust und der Vorliebe für Gerüchte, wird über alles und jeden geklatscht, getratscht und Intrigen gesponnen.
Weniger harmlos sind die zu jeder Tages und Nachtzeit hinter allen Ecken herumschleichenden Geheimpolizisten, in zivil gekleidet sind, mit geübtem Auge jedoch leicht am einheitlichen Schnurrbart und den Schuhen erkennbar. Sogar am Hausberg von Damaskus, dem Qasyun, begegnet man diesen Herren – als Müllsammler getarnt Sorge tragend, dass die Leute sich nicht an die falschen Stellen setzen, über die falschen Themen reden oder die Dinge beobachtet, die einen nichts angehen.

In der Nähe der Präsidentenvilla oder ähnlich delikaten Objekten stehen dezent in schwarze Anzüge gekleidete unauffällige Männer. Als Passant sollte man nicht zu viel Interesse für die Gebäude der Mächtigen zeigen. Ein Syrischer Freund merkte einmal an, dass wir nun am Haus des Präsidenten vorbeifahren würden. Nichtsahnend zeigte ich mit dem Finger und fragte „meint du dieses Gebäude da?“ Er zuckte zusammen und schrie mich an: „Bist du wahnsinnig? Nur nicht auffällig hinsehen, sonst schnappen sie uns!“

Ähnliche Reaktionen löst es aus, auf offener Straße das Wort Israel oder den Namen mancher Staatsführer zu laut auszusprechen. Misstrauische Blicke und ein ängstliches „Pssst“ des Gesprächspartners lassen spüren, dass Politik nur im privaten Rahmen erlaubt ist.

Doch auch dieser private Raum wird zensuriert. Diverse Internetseiten, z.B. von vielen ausländischen Zeitungen, unterliegen einer staatlichen Sperre. Nach welchen Kriterien die zu sperrenden Webseiten ausgewählt werden bleibt allerdings ein Rätsel. So ist Beispielsweise Facebook gesperrt, auf die Seite von Amnesty International und der anderer Menschenrechtsorganisationen kann man hingegen ganz frei zugreifen.
Und der Grund, warum youtube gesperrt sein soll, ist amüsant: Dort kursiert ein Video, auf dem zu sehen ist, wie ein Windstoß den Rock der Präsidentengattin lüftet.
In den meisten Internetcafes kann man aber sowieso auf alle Webseiten zugreifen, da diese die Sperre mit speziellen Programmen umgehen. (Stand 2009)

Vorsichtig hingegen sind die Syrer bei e-Mail Kontakt. Hier wird nur Belangloses geschrieben, wie Kettenbriefe oder lustige Geschichten.
Wer im Netz unvorsichtig ist, riskiert Gefängnis. So wurde auch mein guter Freund xxx aufgrund seiner kritischen Beiträge in seinem Webblog ins Gefängnis gesteckt. Dort saß er mit Mitgliedern von Al-Quaida in einer Zelle. Aber das ist eine andere Geschichte…

Das Leben im syrischen Überwachungsstaat Teil 1: Die Dreifaltigkeit

Syrien 2009.

Von der Wand blickt die Dreifaltigkeit auf die Untertanen herab. Der Vater ist Hafez al-Asad, Präsident Syriens von 1971 bis zu seinem Tod 2000. Der Sohn ist Bashar al-Asad, Nachfolger „des Alten“, der heilige Geist sein älterer Bruder Basil, der 1994 bei einem Autounfall ums Leben kam. Dass so ein Ende nicht ohne Mordgerüchte von statten gehen kann, versteht sich von selbst, wenn man bedenkt, dass eigentlich er dem Vater hätte nachfolgen sollen. Jahrelang wurde das Volk darauf propagandistisch vorbereitet, während der kleine Bruder in England Augenmedizin studierte. Nach dem Tod Basils wurde er eiligst zurückgeholt und zum Nachfolger aufgebaut. Im Jahr 2000 war es dann soweit, doch bis heute schmücken neben seinen Fotos die des Vaters und des Bruders die Wände Damaskus´.

Die syrische Dreifaltigkeit Basil - Bashar - Hafez

Soweit zur politische Ikonographie. Dahinter stehen eine ganze Reihe von Institutionen, Personen und Familien, auf denen das Regime aufbaut.

Hafez stützte seine Macht auf die Armee und die 4 Geheimdienste, die ihm direkt unterstanden. Mittels ihnen sorgte er für die Stabilität seiner Macht und des Landes, griff, wenn notwendig, extrem hart durch. So zum Beispiel als er 1982 Hama, damals ein Zentrum der Muslimbrüder, bombardieren ließ und dabei 20 – 30 000 Menschen ums Leben kamen.

Alle Bereiche, die die Sicherheitsbedürfnisse des Systems nicht direkt tangierten, wurden vernachlässigt. Bildungswesen, technischer Fortschritt, Bevölkerungsexplosion, Wirtschaft.

Als Bashar an die Macht kam, war die Hoffnung auf politische und wirtschaftliche Öffnung des Landes groß. Im sogenannten „Damaszener Frühling“ wurden viele politische Gefangene amnestiert, Diskussionen und Versammlungen oppositioneller Gruppen erlaubt. Im Zuge einer gut gemeinten Kampagne gegen die Korruption wurden einige Ex-Minister, Offiziere und Parteifunktionäre suspendiert oder verhaftet. Bauernopfer – denn die alte Garde um den verstorbenen Präsidenten wurde nicht wirklich angetastet. Und 2001, nach dem 11. September, war es schon wieder vorbei mit der politischen Freiheit. Eine Verhaftungswelle folgte. Was blieb, war eine gewisse wirtschaftliche Öffnung. Erstmals wurden ausländische und syrische Privatunternehmen erlaubt.

Das Land veränderte sich von einer Autokratie zu einer Oligarchie, kontrolliert von Militär und hohen Parteifunktionären, viele noch aus den alten Tagen des Vaters Hafez. Die Geheimdienste spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. Sei es im Ausland, beispielsweise bei der Ermordung des libanesischen Politikers Rafik al-Hariri 2005, oder im Inland bei der Bespitzelung und Verhaftung unangenehmer Bürger.

Dass dabei nicht zimperlicher umgegangen wird als früher, zeigten die Geschehnisse 2004 in Qamishli, als es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen arabischen und kurdischen Fußballfans kam, bei denen syrische Sicherheitskräfte gegen die Kurden exzessiv Gewalt anwendeten und Massenverhaftungen durchführten.

Nach wie vor sitzen hunderte politische Gefangene in Haft, es gibt zahlreiche Berichte über Folterungen und Misshandlungen.

Bruno Kreisky zum 100. Geburtstag

„Shades Of Red“ – Die etwas subjektivere Betrachtungsweise… gibt es jetzt auch als elegante Oral History Audio-Collage zum Runterladen, Wiederhören und Weitersagen!

Eine Collage aus Erinnerung und Fragen – eine Montage aus Medien und Musik – eine Hommage an den Menschen, den Politiker und den Visionär Bruno Kreisky. Unter Verwendung von Statements und Zitaten aus dem Album „Echolot“ von Syndikat (Nesti & Albino feat. Rudi Dutschke) sowie dem Dokumentarfilm „Kreisky. Politik und Leidenschaft“ von Helene Maimann (feat. Andre Heller).

Präsentiert in Form eines Generationen-Gesprächs zwischen Norbert K Hund als Zeitzeugen, der die ersten Aufbrüche und Auseinandersetzungen der 70er Jahre als Jugendlicher live miterlebte – und Christopher Schmall als neugierigem Fragesteller, der die aktuellen Jubiläumsfeiern und Nachrufe als vielbeschäftigter Gymnasiast der Gegenwart eigentlich nur so am Rande mitbekommt…

Gemeinsam spüren wir der Faszination einer Gefühls- und Geisteshaltung nach, die für die österreichische Gesellschaftsordnung so untypisch war, dass sie von Andre Heller zugespitzt als „Unfall – im Sinne von Glücksfall – der Geschichte“ bezeichnet wurde. Zusammen sammeln wir zum Schluss aus den Fragmenten von Kreiskys Vermächtnis einige wesentliche Anregungen auf – für einen notwendigen, neuerlichen Aufbruch:

Aus diesem „Labyrinth, in dem sich jeder auskennt“ – aus dieser „Hochleistungs-Hamsterrepublik“ und „Visionslosen Depressionsverwaltung“ – oder wie Thomas Bernhard es legendär auf den Punkt gebracht hat: aus diesem „Fürchterlichen Friedhof der Phantasien und Wünsche.“

In eine Welt, in der das Eigene dem Anderen auf Augenhöhe begegnet. In eine Welt der Liebe und des Mitgefühls. In eine authentische Welt: Den kreativen Kosmos der Möglichkeitsformen, das angewandte Paradoxon der Kunnst mit Doppel-N im realen Hier und Heute. Vielleicht wäre dies eine ganz gute Zusammenfassung: Politik ist Gestaltung. Politik ist Kunst. Politik ist Poesie!

Denn wie bereits Hegel, Einstein und Pumuckl feststellten: Was sich nicht reimt ist weder dialektisch noch naturwissenschaftlich oder emotional perzeptiv zu gebrauchen – also ein fester Dreck!

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