Weiße Liebe

> Sendung: Artarium vom 10. SeptemberAnsa Sauermann aus Dresden hat unlängst (am 18. August) sein erstes Album “Weiße Liebe” veröffentlicht. Und er kommt am Freitag, 15. September zum “Take the A-Train” Musikfestival beim Salzburger Hauptbahnhof, wo unter anderem auch Fiva, Nigrita sowie Scheibsta & Die Buben auftreten werden. Da können wir also wieder einmal gaaanz aktuell sein – und ein quasi ofenfrisches Debutalbum aus unserem Hasenhut zaubern, um es euch nicht nur vorzustellen, sondern sogar zu empfehlen. Weiße Liebe hält nämlich eine feine Balance zwischen Ansas Singer-Songwritertum und dem Volles-Brett-Sound seiner phantastischen Band“Meine Hoffnung fleht hoffnungslos leise nach mir”, das ist wahrlich ein höchst poetisches Selbstzeugnis – in einem sonst eher räudigen Jahr.

Weiße Liebe CoverIn unseren Breiten machte der kellnernde Jungmusiker erstmals mit einem schmerzzerreißenden Lied über die Hassliebe zu seiner Heimatstadt auf sich aufmerksam. Der Song “Tal der Ahnungslosen” bezieht sich in seinem Titel auf jene informationsreduzierten Gebiete der ehemaligen DDR, in denen der Empfang des Westfernsehens aus Gebirgs- und Entlegenheitsgründen nicht möglich war. Und er reflektiert die Fassungslosigkeit zahlreicher Menschen in der “verirrten Stadt mit zwei Gesichtern”, angesichts des rechtsextrem organisierten Wutbürgertums, das seit geraumer Zeit unter der Bezeichnung PEGIDA durch eine inzwischen gesamtdeutsche Medienlandschaft gespenstert. Doch er vermag seinen begründeten Unmut eben nicht nur “volles Brett” auf entsprechenden Kundgebungen auszuspeien, er kann ihn durchaus auch auf den Samtpfoten der Straßenmusik leise (und somit fast noch wirksamer) zum Ausdruck bringen. Das veranschaulicht dieses Unplugged-Video. Und sein Debutalbum Weiße Liebe verwebt beide Facetten seiner Kunst zu einem gelungenen Gesamtwerk. Darin begegnet uns eine Gefühlstiefe, die jenseits der üblichen Hieb- und Stichwörter wie Authentizität oder Street-Credibility von der Fähigkeit zeugt, sich mittels eigener (oft auch leidvoller) Erfahrungen in die Lebenswirklichkeit anderer hinein zu versetzen.

Der wahre Reichtum eines Menschen, einer Beziehung, ja einer ganzen Gesellschaft ist und bleibt eben das EinfühlungsVERMÖGEN. Und zwar steuerfrei!

 

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Über artarium

Seit Herbst 07 „das etwas andere Kunnst-Biotop“ in der Radiofabrik und seit Anfang 09 daselbst „im Schatten der Mozartkugel“ als Artarium unterwegs. Immer auf der Suche nach neuen Gästen, Themen und Gestaltungsformen…

Hochfrequenter Wortwetz- und Mundwerksmeister zwischen Live-Unmoderation und Poesie-Performance. Psychodelikate Audiocollagenkunst, stimmungsexzessive Hörweltendramaturgie, subversiver Seelenstriptease, unverzichtbares Urgewürz und…

In diesem Unsinn zeig ich euch hier einen tieferen!

Ab- und hintergründige Neu- und Nettigkeiten aus der wundersamen Welt des Artarium, seinen Gästinnen und Hörerichen. Kunnst mi eigntlich gern ham. So do mi – i di a! Bussal…