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Kastration für alle?!

Durch die Gespräche über Straßenhunde in der vergangenen Sendung angeregt, lautet das Thema der aktuellen Ausgabe „Kastration für alle!?

 

Kastration als Rechenaufgabe

Kastration hat viele Facetten, der Tierschutz im Ausland ist eine davon. Sandra Pfaffinger, Tierschützerin, Trainerin und engagierte Verfechterin der Kastration von Straßenhunden, erzählt einmal mehr über ihr SPEP – Stray Prevention and Education Program und rechnet vor, warum Kastrationen zum Beispiel in Rumänien derart wichtig sind. Dabei geht es gar nicht nur um die Straßenhunde, sondern auch um die Hunde, die zwar zu einem Haushalt gehören. Denn Hündinnen, die zuhause gefüttert werden, bekommen in der Regel mehr Welpen als jene, die „unversorgt“ auf der Straße leben. Hier gilt es, nicht nur zu kastrieren, sondern vor allem auch aufzuklären und dort Mittel bereitzustellen, wo zwar guter Wille vorhanden, aber kein Geld dafür zur Verfügung ist.

 

Mythen rund um die Kastration

Hündin mit NachwuchsDr. Carina Kriegl hat sich auf alles spezialisiert, das mit dem Hormonhaushalt unserer Hunde zu tun hat. Sie klärt zunächst die Begriffe Sterilisation und Kastration und räumt auch mit einigen Mythen rund um diesen Eingriff auf. So wird in Hundesport- oder Jägerkreisen noch immer postuliert, kastrierte Tiere würden weniger engagiert arbeiten und würden dick und faul.

 

Dick, faul und antriebslos

Was das Dickwerden betrifft, plädiert Frau Dr. Kriegl dafür, die fütternde Hand zu kontrollieren. Den Arbeitseifer betreffend, sei es oft sogar umgekehrt. Viele Tiere können sich endlich auf ihre Arbeit konzentrieren und werden nicht mehr von ihren Gefühlswallungen abgelenkt.

Hunde sind sehr individuell in ihren hormonellen Schwankungen und auch darin, wie sie darauf reagieren. Dr. Kriegl empfiehlt daher, abzuwarten und zu beobachten, ehe man sich für eine Kastration entscheidet. Denn schließlich sollte diese Entscheidung vor allem zum Besten des Hundes sein.

Servicebox:

Sandra Pfaffinger
Hundetrainerin nach Animal Learn
Hundeschule natürlich mit Hund
Facebook
SPEP – Stray Prevention and Education Programm

Dr. Carina Kriegl
Hundeforum, Tierisch gsund
Facebook: Tierisch gsund, Hundeforum

Lesefutter:
Die Kastration des Hundes, eine juristische Betrachtung
Kastration und Verhalten – Udo Ganslosser, Sophie Strodtbeck
Verhaltensbiologie für Hundehalter – Udo Ganslosser, Petra KrivyKastration beim Hund – Gabriele Niepel
Kastration u. Sterilisation – C.v.Reinhardt und Dr. Lehner
Leitsymptome der Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund, – Axel Wehrend
Reproduktionsmedizin und Neonatologie von Hund und Katze, -Günzel-Apel und Bostedt

Musik:

Nighttrain – Was macht der Hund auf dem Sofa
Everly Brothers – Bird dog

Sendung anhören:

Live auf der Radiofabrik 107,5 oder per APP immer am 2. Mittwoch im Monat um 12:08 Uhr und am 2. Donnerstag im Monat um 19:08 Uhr. Nachhören ebenfalls über die Radiofabrik, über den Hunderunde Blog oder direkt über das Archiv .

Feedback und Kontakt: Karin Immler,  www.knowwau.com

 

 

Straßenhunde, Elend oder Freiheit

Mit dem Begriff „Straßenhunde“ verbinden wir sehr unterschiedliche Bilder. Einerseits denken wir an die Freiheit und Unabhängigkeit der Straße, Sozialromantik irgendwie, andererseits tauchen vor unserem inneren Auge Bilder unendlicher Grausamkeit und schlimmster Zustände auf. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

 

Eigene Erfahrungen statt Propaganda

 

Sendungsmacherin Karin Immler, lässt 2 Menschen zu Wort kommen, die tatsächlich aus eigenem Erleben von den Straßenhunden berichten können. Sandra Pfaffinger ist Hundetrainerin aus Österreich und lebt seit 3 Jahren in Snagov, Rumänien. Dort betreibt sie die erste und einzige positiv arbeitende Hundeschule „natürlich mit Hund“ in der Umgebung von Bukarest. Außerdem engagiert sie sich für das SPEP – Stray Prevention and Education Program und betreibt unermüdlich Propaganda für Kastrationsprogramme.

Warum ist für Kastrationen im Ursprungsland spenden soviel „unsexier“ als aus Tötungen „retten“?  Sandra Pfaffinger

nach der Kastration werden die Hunde zurück in ihr Revier gebracht, wo sie von den Kumpels schon erwartet werden.

Die Hundetrainerin, die auch immer wieder Straßenhunde zu sichnimmt und verbildlich vermittelt, hat eine interessante Rechnung aufgestellt, wieviele Kastrationen mit dem Geld vorgenommen werden könnten, das der Betrieb eines Shelters im Jahr kostet. Eine beeindruckende Bilanz, die noch mehr verdeutlicht, wie wichtig Kastrationsevents, wie sie genannt werden, vor Ort sind.

Dabei geht es nicht nur darum, Hunde zu kastrieren, die tatsächlich ohne menschliche Fürsorge leben, sondern vor allem auch Hunde, die zu Menschen gehören, denen die Vorteile von Kastration zu wenig  bekannt sind bzw. die sich diese für ihre Hunde nicht leisten können.

 

Sind Straßenhunde gefährlich?

 

Bardhi Murati, seines Zeichens Dipl. Hundepsychologe & Verhaltensberater von der Hundeschule couragiert reist immer wieder nach Makedonien, unter anderem um die dortigen Straßenhundpopulationen zu beobachten. Für den Hunderundeblog hat er über die Gefährlichkeit von Straßenhunden geschrieben:

 

Gefährlichkeit von Straßenhunden in Menschenobhut

Bardhi Murati c)MuratiOb ein Tier sozialverträglich ist, hängt von vielen Faktoren ab. Erfahrungen, vorgeburtliche, züchterische und genetische Einflüsse sind maßgeblich daran beteiligt, wie sozialverträglich ein Individuum gegenüber Tieren oder Menschen ist. Kommunikation und soziale Kompetenzen müssen erlernt werden. Wir Menschen beeinflussen, zusätzlich zu den vorhin genannten Bereichen wie vorgeburtliche Einflüsse und Co., wie sozialverträglich unser Tier wird. Hunde relativ isoliert zu halten, oder aber schlecht geführte Welpenschulen können dazu beitragen, dass negative Erfahrungen gesammelt werden. Die Frage die sich hieraus ergibt ist jedoch, wer sich bei den Straßenhunden um genau dieses Thema kümmert. In der Regel sind es die Hunde selbst. Ein unverträglicher Hund wird lernen, dass es keinen Sinn macht sich ständig unbeliebt zu machen – denn es kann und wird Konsequenzen geben. Doch keinesfalls darf als Appell gesehen werden, alle Hunde von der Leine zu nehmen. Schließlich gibt es genügend „Die machen sich das schon aus“-Befürworter. Das klappt bei unseren Haushunden nicht so einfach. Straßenhunde sind ständig der Situation Straße ausgesetzt und kennen die Regeln und Gepflogenheiten. Doch auch hier darf nichts pauschalisiert werden. Schließlich leben Straßenhunde häufig in Großstädten und haben nicht selten sehr viel mit dem Menschen zu tun. Genauso wie Hunde, die von einem Menschen ausgesetzt wurden, auch andere frühkindliche Erfahrungen gemacht haben als jene, die auf der Straße groß geworden sind. Beeinflussungen durch den Menschen sind also niemals auszuschließen. Ob das eher Nach– oder Vorteile bringt, ist von Tier zu Tier unterschiedlich.

Doch nun zur eigentlichen Frage – der Gefährlichkeit.

Häufig kommt von Tierschutzorganisationen das Argument, dass ein Hund aufgrund seiner Straßenhund-Erfahrung besonders sozialverträglich ist. Auch ich bin dieser Meinung, doch mit einem wichtigen Hinweis: Ja, sind sie, sofern die Hunde auch da bleiben, wo sie sind – und zwar in ihrer gewohnten Umgebung. Nur weil ein Hund auf der Straße keinerlei Probleme innerhalb einer Hundegruppe hat heißt das nicht automatisch, dass alle Hunde toleriert werden. Hier ergibt sich schon die erste Gefahr: ein als sozialverträglich angepriesener Hund kann plötzlich, angekommen beim Menschen, nicht mehr so sozialverträglich sein wie geworben.

 

Andere Hunde zu kennen oder Sozialkontakte zu pflegen heißt nicht zwangsläufig sich zu lieben, um es vermenschlicht auszudrücken. So romantisch diese Vorstellung auch sein mag! Zum Sozialverhalten gehören auch Komponenten wie Aggressionsverhalten und Flucht. Auch die plötzliche Bewegungseinschränkung in einem Zwinger oder beim Menschen in einem Haushalt kann dazu führen, dass Verhaltensauffälligkeiten und Probleme entstehen. Es kann mitunter lange dauern, bis ein solcher Hund wirklich beim Menschen angekommen ist. Von Verhaltensstörungen bis hinzu generalisierten Angststörungen kann alles mit dabei sein. Genauso so gut kommt es aber vor, dass sie schnell zu unkomplizierten Wegbegleitern werden. Und das bei Straßenhunden zu beantworten ist nicht einfach. Sie gleichen häufig einem Überaschungsei, so wie viele Hunde aus dem Tierschutz. (Bardhi Murati)

 

Servicebox:

Sandra Pfaffinger
Hundetrainerin nach Animal Learn
Hundeschule natürlich mit Hund
Facebook
SPEP – Stray Prevention and Education Programm

Bardi Murati
Tierschutzqualifizierter Hundetrainer (Vetmeduni Vienna)
Hundetrainer der Volkshilfe Wien („A G’spia für’s Tier“)
Therapiehunde-Ausbildner (Sozial Medizinischer Dienst)
Hundeschule couragiert
Facebook

Lesetipps:

Hunde: Neue Erkenntnisse über Herkunft, Verhalten und Evolution der Kaniden , Ray & Lorna Coppinger
Streuner! Straßenhunde in Europa, Stefan Kirchhoff

Im Sinne des Tierschutzes? – Weil Wissen hilft, nicht Mitleid

 

Musik:

Hansen Band – Junger Hund
Flatt & Scruggs – Old Salty Dog Blues
Tracy Chapman – Hound Dog. a Tribute to Buddy Guy

Sendung anhören:

Live auf der Radiofabrik 107,5 oder per APP immer am 2. Mittwoch im Monat um 12:08 Uhr und am 2. Donnerstag im Monat um 19:08 Uhr. Nachhören ebenfalls über die Radiofabrik, über den Hunderunde Blog oder direkt über das Archiv .

Feedback und Kontakt: Karin Immler,  www.knowwau.com