Velvet Goldmine

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 9. Juni – Auf den Spuren des Kultfilms Velvet Goldmine würdigen wir die sexuelle Ambivalenz in der Popkultur – und würgen am heteronormativen Durchschnitt einer bumsdummen Gesellschaft aus Massenblödien, Quasselödien und Kassenschmähdien. Diese Wortschöpfung von Uwe Dick aus den “goldenen” 70er Jahren bringt ja nicht nur die Medienindustrie auf den Punkt, sie verdeutlicht geradezu das gesamte Unwesen unserer Zivilisation. Doch den Nachthasen ist kein roter Faden zu dünn, um aus ihm nicht doch noch ein mutmachendes Hurra aufs Überleben zu destillieren: “Sexuell benutzerdefiniert” im Gegensatz zu den “empfohlenen Einstellungen” eines ohnehin unklaren Anbieters, es könnte so einfach sein, wenn man sich nur ließe. Auf jeden Fall empfehlen wir uns.

velvet oscar wildeOder Oscar Wilde, den verwegenen Vorkämpfer für das Menschenrecht auf sexuelle Selbstbestimmung im viktorianisch verklemmten England. Der ging für sein stures Beharren auf gleichgeschlechtlicher Liebe als einer möglichen Lebensform nicht nur ins Gefängnis, sondern an den Folgen dieser Unmenschlichkeit zudem auch tatsächlich zugrunde. Was allerdings keineswegs verhinderte, dass er seine Mit- und Nachwelt (also uns) mit einer Überfülle an zeitlos klugen Zitaten beschenkte. Viele davon finden sich dann im Script von Velvet Goldmine wieder, als einer von vielen roten Fäden, die diesen Film so wunderbar unblöd und wertvoll machen. Und ihn über die Jahre zu einem Kultfilm, vor allem für jugendliches Publikum, werden ließen, wiewohl er an den Kinokassen gefloppt war. “Oh mein Gott, Hollywood verhungert, sammelt Steckrüben!” So eine statistische Betrachtung von Verkaufserlösen beweist einfach nur, wie unmaßgeblich kommerzielle Überlegungen für den persönlichen Wert eines Kunstwerks sind. Und wie unerheblich die Mehrheitsmeinung im Hinblick auf individuelles Berührtwerden ist. Massengeschmack kann niemals ein Maßstab für die eigene Wahrhaftigkeit sein.

velvet goldmineSo beginnt Velvet Goldmine folgerichtig mit Oscar Wildes Kindheit (als Vorgeschichte), um sich dann jener kurzen Ära des Glam Rock der 70er Jahre hinzugeben, als zum ersten Mal in der Geschichte männliche Musiker als sexuell ambivalent auftraten und öffentlich mit eventueller Bisexualität spielten. Der überaus vielschichtige, teils symbolistisch und surreal in Stimmungsbildern erzählte Film fokussiert schließlich auf die beiden Rockstars Brian Slade alias Maxwell Demon (dessen Rolle David Bowie alias Ziggy Stardust nachempfunden ist) und Curt Wild (dessen Rolle von Iggy Pop sowie Lou Reed inspiriert wurde) und erzählt von deren Begegnung, Verliebtheit – und schlussendlichem Verfall. Als ob das nicht genug wäre, an Opulenz, Dimensionalität und Vertracktheit, gibt es dazu noch die Rahmenhandlung des Erzählers Arthur Stuart, eines Musikjournalisten, dessen investigative Recherchen mittels diverser Rückblenden in die ohnehin schon überbordende Erzählung hinein verwoben wurden. Insgesamt also ein Spielfilm, der nicht durch nüchternes Frontalbewusstsein begriffen, sondern vielmehr vermittels des entgrenzten Gefühlsverstands erlebt werden möchte. Und nicht “interpretiert”.

velvet oscar wilde quoteWas mit Sicherheit auch auf die Homepage von Michael Stipe zutrifft, der Velvet Goldmine als Herzensanliegen produziert hat. Bitte halten sie mich fest! Oder sonstwas. Wie dem auch immer nicht sei, wir zwei gewinnen dieser unendlich schönen Herausforderung aller Sinne naturgemäß einiges an Gefühlen und Bezügen ab. Darob werden wir hiernachts zu schwelgen haben, dem Erzählstrang sowie dem Soundtrack dieses musikalischen Ausnahmefilms folgend. Sontstwo erschienene Rezensionen halten wir allesamt für hochgradig verschnöselt und daher nichtssagend. Statt dass etwa die Ergriffenen schrieben, denen “das etwas gibt”, verzapfen da irgendwelche dafür “Zuständige” ihre öde Maßstabsmeinung, die keinerlei authentisches Erleben wiederspiegelt, sondern den Behelfsblah des allüblichen Gesumses aus dem Eintupf sachzwänglichen Durchschnitts. Was sexuell neugierige Welpentiere interessiern darf und was nicht, das wird von abgestanden normifizierten Pudernudeln festgelegt und in den “neuen” Untenhaltungsmedien reichweitigst verbetoniert. Es hat sich nichts geändert. Was normal ist, entscheiden die Angepassten. Und die spinnen mit Sicherheit!

“Gleich am Tag nach meinem Tod setz ich mich hin und schreib meine Memoiren. Davor bin ich viel zu sehr mit meinem Leben beschäftigt.”

 

Bittersüßvermischt

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 10. MärzIm Leben, so übersetzte es der Professor für Altgriechisch einmal, sei das Bittere stets im Süßen enthalten – und umgekehrt. Also quasi vermischt, wie es in zahllosen Zitaten aus verschiedenen Kulturkreisen seit Anbeginn der Aphoristik überliefert ist. Das kommt unserem Interesse am Zweideutigen im Zwischen naturgemäß entgegen, so dass wir uns sogleich (gibts eigentlich auch “soanders”?) eine Sendung daraus drehen, die wir mit euch zusammen verrauchen lassen und/oder inhalieren. Nicht ohne die nötige Drogenwarnung, liebe Kinder, das muss schon sein, Finger weg von die Drogen! Eine alte Frau kocht nämlich Rüben. Und so ergehen wir uns alle in Fragen, auf die es keine vorgefertigten Antworten gibt, außer man macht sich selbst einen Reim

Bittersüßvermischt neu UND schönUnd so ergingen wir uns neulich auch in der Josefiau-Siedlung zwischen Überfuhrsteg und Membergerstraße, um die bauliche “Entwicklung” (!) derselben zu dokumentieren. Was der Gestalt gewordene Zeitgeist da ringsum in die Gegend scheißt, das strapaziert noch die hartgesottensten Geschmacksnerven. Das einstmals von vielen kleinen Häusern mitten in den Gärten drum herum geprägte Ensemble mit seinen verschlafenen Gassen und oft uralten Obstbäumen atmete eine ebenso schräge wie heimelige Atmosphäre, die dort wohnenden Menschen wurden gemeinsam mit ihren Geräteschuppen und Komposthaufen alt, ungepflegt, verworren und windschief. Alles in allem ein Szenario, in dem man auch der eigenen Lebenszeit entspannt beim Vergehen zuschauen konnte. Unbezahlt – und zudem unbezahlbar, wo doch heute die Zeitkomprimierung (immer noch mehr in immer noch kürzerer Zeit) das idiotische Unmaß allen Dingens zu sein hat: Homo rotationis in turboladrioh

Bittersüßvermischt FlaggschissDer gelungene Flaggschiss einer vom Verwertzweck nutzschwindlig gepuderten Arschitektur ist dieses gestrandete Dumpfschiff (sogar mit Fahne) in der Josefiaustraße. Auf dem diesem Bauklotz geopferten Grunz-Stück befand sich ehemals ein winziges Häuschen sowie eine große Wiese mit vielen Bäumen… Doch aus sowas kann man ja Geld quetschen, indem man möglichst zahlreiche Zahlende zum “Wohnen” (im Klonzoo) zusammen zwängt. Schöne neue Lebenswelt für ferngesteuerte Konsumtrotteln, deren Selbstverstand nicht über ihr Hochglanzbild vom Realitätenbüro hinaus reicht. Keine Realität ohne Realitäter! Wenn ich mir überlege, wen aller “der Blitz beim Scheißen treffen” sollte, dann sind diese Zerschandler alles Gewachsenen im Namen der Gewinnsucht ganz vorn dabei. Denn deren Auswirkung tötet das gedeihliche, sich langsam lohnende Leben ab, sie löscht zudem durch die Verbauung des Freiraums jede Erinnerung daran aus

Bittersüßvermischt NutzmenschentumDoch dieser Wahnsinn hat längst noch nicht genug von sich. Schon protzt der nächste werbefeuchte Weihrauchschwall seine perfide Ideolügie in unsere Wahrnehmung: Der ultimative Menschenkäfig mit Erlebnisklo und Lifestyletribüne für die Normlebensdarsteller aus der globalisierten Statistiktrommel. Der beigespiebene Text entlarvt sich als genau das Auseinander von Sein und Schein, welches er doch eigentlich so behübscht zu verbergen sucht. Oder nicht einmal mehr? Wir sind diesfalls auch demnächst bezucksfertig. Bis dahin fahren wir aber noch mit aller Ambivalenz durch die Nacht – und euch um die Ohren. Nicht nur im Erinnern geht es nämlich bittersüßvermischt zu, feiern Wahnheit oder Lücke fröhliche Zuaständ, auch im Entäußern unserer Überdrücke begegnen sich scheinbare Gegentümer und Sätze zu überraschend neuen Geschmacksrichtungen. Ganz zu schweigen von unseren Musik- und Textbeiträgen, doch ganz gut zu hören

Wie dem auch immer sein mag – Es muss auf jeden Fall weitergehn!

 

Sammelsurdistan

> SENDUNG: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 10. FebruarWillkommen in dem Land, das es nicht gibt und für das Google bis dato noch keinen Eintrag fand. Worauf wir übrigens stolz sein dürfen. Inspiriert von “Sammelsurium” (als was unsere Sendungen häufig bezeichnet werden) und der einst legendären Radiofabrik-Sendung namens “Willkommen in Absurdistan” sowie naturgemäß auch von Rio Reiser oder Karl May (Ardistan und Dschinnistan) haben wir dieses Kunnstwort zum Sendungstitel gemacht. Derlei Quellenstudium zwischen Artefakten und Artefiction soll uns ja noch öfter begegnen, wie Figura und Dramaturgia zeigen. Mit dem Affenschrei wird es also Umpf Uhr. Und schon befindet ihr euch gegen alle Hörgewohnheiten in diesem etwas anderen Geschmacksbiotop namens Sammelsurdistan. Mahlzeit und Guten Morgen!

Bettie Serveert Zur Erinnerung: Als Perlentaucher wollen wir aus realexistierendem Informationsvielflat jene seltenen Kleinodien ans Licht befördern, die uns deshalb sinnvoll erscheinen, weil sie nahrhaft, förderlich und inspirierend sind, wenn es um ein friedvolles und gerechtes Leben geht, in einer Welt, die eben auch ein nichtnachwachsender Planet ist. Und als kunnst-schöpferische Menschen mit Ambitionen zur Weltrettung (oder zumindest Verbesserung) wollen wir diese von uns gesammelten Kleinodien in neue Gestalten überführen und in unübliche Zusammenhänge stellen, so dass wir mit euch gemeinsam die Hoffnung hegen und das Plänzchen Perspektive begießen können. Die heiligen Collagen von Sammelsurdistan, nur durch Verwendung zu verehren, ein fröhliches Vernügen inmitten von Dreck und Tristesse. Schpritzmajim und Amen.

SammelsurdistanZudem auch eine etwas andere Spurensicherung quer durch alle Ursachen: “Wollt ihr die globale Seppublik des Humpfhiasltums? Oder darfs a bissal mehr sein?” Wenn Dummheit grenzenlos wird und Ignoranz international, dann ist es höchste Zeit, Inseln des Echten zu stiften, vom Guten, Wahren und Schönen ganz zu schweigen! Oder kreativ zu sein mit dem Eigenen im angeblich Fremden, so wie unsere unendlich produktiven Kollegen von der drittbesten Sendung der Radiofabrik (nach Artarium und Nachtfahrt) “Battle & Hum”, die in ihrer 52. Ausgabe (ab Minute 10 gut zu hören) eine Mundartübertragung des Velvet Underground Klassikers “Venus in Furs” zum Allerbesten gaben, was sich nur vorstellen lässt. Und die zudem einen Sendungsblog haben, der Phantasie und Wortwitz zu literarischer Qualität malmt. Almdudler akbar!

Mathias EnardEin weiteres Kleinod werden wir diesmal als Mittsendungseinlage vorstellen, ein Interview aus dem schier unerschöpflichen Fundus von Druckfrisch (ARD Das Erste) dem wir immer wieder inhaltliche wie musikalische Anregungen verdanken. “Sie betreiben hier in Barcelona auch ein libanesisches Restaurant…” Und schon gewinnt ein Gespräch Geruch, Geschmack, Gestalt. Da unterhält sich nämlich der Frontman der deutschen Literaturkritik, Denis Scheck, mit dem französischen Autor Mathias Enard über dessen Roman Kompass – im besten Sinne zur Lektüre appetitanregend. Wir senden dies mit Erlaubnis der Produzenten im Radio – für die Hör_innen unserer Aufzeichnung verweisen wir auf die ungemein übersichtlich gestaltete Mediathek von Druckfrisch sowie den entsprechenden Beitrag allhier. Wie schon gesagt, Mahlzeit

und Guten Morgen!

 

Nur noch Nebel

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 11. NovemberNebel legt sich über das Land – und oft auch auf die Seele. Der Spätherbst ist eben die Jahreszeit für Depressionen und artähnliche Gefahren. “Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben“, schreibt Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht “Herbsttag“, und weithin wohl noch viel geläufiger: “Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr”. Dazu muss man nicht Trakl oder drogentrüb sein, dass man derlei in diesen düsteren Stunden spürt. Oft reicht schon ein gewisses Maß an Empfindsamkeit, um von der eigenen Schwermut so in die Tiefe gezogen zu werden. Nebel verhängt den Blick – und kaum noch Orientierung bietet sich stillschreienden Sinnen. Es ist wie ein leises Verlorensein in der Welt. Allumwattet wandelt selbst Hesse seltsam allein: “Kein Mensch kennt den anderen”

Spaziergänger im NebelWiewohl noch dem dichtesten Nebel recht angenehme Seiten abzugewinnen sind. Das Dämpfen von Geräuschen (des Stadtlärms zum Beispiel) oder das Verhüllen von unschönen Anblicken (wie die Volk genannten Schiachperchten oder die Baukötze der Arschitekten). Sogar der Vereinsamungsaspekt hat eine Kehrseite, denn nebelt man sich ein, kann man nicht mehr so leicht entdeckt werden, entschwindet man elegant der möglichen Belästigung. Ich bin etwas, was du nicht siehst. Ätsch. Auch benebelt zu sein kann einen mit der Gnade impressionistischer Weltbeschau versorgen. Wie man sich dreht und wendet, ist Seelenzustand Wasserdampf oder Grundfarb für ein Gedicht. Daher wollen wir inmitten solch ineinander überfließender Beschleierung den Blick auf jene Kunstform richten, die Lyrik und Musik zu ganz neuen Eindrücken verschmilzt, gemeinhin Word over Music genannt – oder besser noch “Hörtheater”. Beispiele gibts aus dem am 30. November erscheinenden Musiklyrikalbum “tenebra” der ONchAIR Bros sowie aus dem bekannten Hesse-Projekt von Schönherz & Fleer. Was das mit Chriss’ Buch “seelen.splitter” zu tun hat, bleibt vorerst noch nebulos

Die mir noch gestern glühten,
Sind heut dem Tod geweiht,
Blüten fallen um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit.

Ich seh sie fallen, fallen
Wie Schnee auf meinen Pfad,
Die Schritte nicht mehr hallen,
Das lange Schweigen naht.

Der Himmel hat nicht Sterne,
Das Herz nicht Liebe mehr,
Es schweigt die graue Ferne,
Die Welt ward alt und leer.

Wer kann sein Herz behüten
In dieser bösen Zeit?
Es fallen Blüten um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit.

Hermann Hesse

 

Spuren suchen

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 12. August – Der Hund sucht nach den Spuren des Hasen. Was bleibt, wenn das Buch fertig gelesen ist, das Literaturfestival seine Pforten schließt und die Stimmung leise verwehtwenn die Träumer wieder erwachen? Wie “erfolgreich” muss ein Dichterleben verlaufen, damit ihm ein Denkmal gesetzt wird? Kann der Pfotenabdruck des Sanftmütigen in den Seelen seiner Nachbarn und Mitreisenden abgewogen, erfasst oder vermessen werden? Kann man den Nutzwert von Dichtung in Reichweiten und Verkaufszahlen darstellen – oder den Nutzwert von Radio in Quoten? “Den ganzen Unsinn werd ich nie verstehn, da hilft nur Einatmen und vorwärts gehn”, stellte Gisbert zu Knyphausen da schon einmal fest, sowie: “Das Leben lebt – es ist ein wunderschöner Sommertag.”

WortspurenIm August 2014 waren wir auf Einladung vom Freien Radio B138 als Gastmoderatoren beim 4553² Literaturfestival in Schlierbach und gestalteten dort eine Livesendung, unter anderem mit der Autorin Brita Steinwendtner im Gespräch über ihren Roman “An diesem einen Punkt der Welt”, in dem sie das Künstlerleben des völlig zu Unrecht so früh verstorbenen Festival-Mitbegründers Bernhard Samitz in der Käfergrabenmühle nachzeichnet – und ihn somit posthum als literarische Figur Tom weiterleben lässt. Der im realen Leben besser als “Bez” bekannte Mensch (und Menschenfreund) hat auch in meinem Leben Spuren hinterlassen mit seinem Wesen, vor allem mit der von ihm so meisterlich verdichteten und inszenierten Begegnungswelt in einem schrägen Haus: “…irgendwann einmal zwischen Nachmittag und Abend kommen dort zwei Verliebte vorbei oder ein Dichterling oder sonst irgendjemand, einfach Menschen. Und die genießen das, und denen sagt das was. Und das ist in keiner Statistik festzuhalten, das kann man in keinem Subventionsansuchen rechtfertigen, das kann man in keiner Weise systematisch dingfest machen. Das ist Lebenskultur.” Und auch darüber gibt es eine Radiosendung.

ArtefaktenSchon vor zwei Jahren geriet uns das Spurensuchen zum Spuren suchen auf verschiedenen Zeit- und Wirklichkeitsebenen. So besuchten wir auch das inzwischen verwilderte Anwesen im Käfergraben, das so viele Jahre lang auch Bühnenbild für das Bez’sche Lebenstheater war. Und wir erfuhren von der darin vor sich hin verwesenden Bibliothek, dem Ergebnis seines lebenslangen Büchersammelns. Bald darauf kam mir noch eine Anekdote aus jener Zeit in den Sinn: “Als sich unser damaliger Mitstreiter Marcello Anfang der 90er Jahre wegen einiger unüberbrückbarer Wehrpflichtdifferenzen mit der Republik Österreich aufmachte, seine Kulturbotschaft zeitweilig nach Triest in Italien zu verlegen, da hatte ich das abenteuerliche Vergnügen, ihn am Tag seiner Einberufung bei Nacht und Nebel über die Schweizer Grenze zu chauffieren. Als wir dort schließlich kurz vor dem Morgengrauen von eidgenössischen Zollbeamten angehalten wurden, dürften wir auf diese einen ähnlich, sagen wir mal, improvisierten Eindruck gemacht haben wie einst die überstürzt flüchtenden Palmers-Entführer aus Wien. Und so durchsuchten die wackeren Grenzer denn auch uns, unser Auto, und vor allem unser Gepäck, mit ganz besonderer Sorgfalt.

PhantasienAllein, der Erfolg eines ihrem Verständnis nach “kapitalen Fangs” blieb ihnen gründlich verwehrt. Weder Drogen noch Waffen waren zu entdecken, auch nicht politische Propaganda aus anarchistischem Untergrund – und schon gar kein Bargeld! Stattdessen ergoss sich aus Marcellos diversen Koffern, Taschen und Rucksäcken so ziemlich der gesamte Bestand seiner Bibliothek auf die Tische der darob immer verzweifelter werdenden Fahnder. Dieser Umstand gipfelte, kurz bevor sie uns endgültig, einigermaßen frustriert, zur Weiterfahrt scheuchten, in ihrem erstaunten Ausruf: „Was, nur Bücher?“ Eben. Die erkennbaren Spuren in all den gedruckten Gedanken und erzählten Geschichten sind nämlich die Spuren von Menschen, die uns inspiriert, die unser Leben angereichert und es im besten Fall auch befruchtet haben. “Dort, wo man Bücher verschimmeln lässt, verdrängt man am Ende auch Menschen (welche sie geliebt, gelesen oder eben einfach angesammelt haben)” So mag man Heinrich Heines berühmtes Zitat bösmundig abwandeln. Nichtsdestotrotz versucht sich das heurige 4553³ Oö Literaturfestival zu Schlierbach wieder in einer Gratwanderung zwischen Bedeutsamkunst und Liebhaberei, so liest es sich in den Spuren seines Mitgründers.

 

Mondfallsüchtig – Nachwort

Ein Nachwort zur Nachtfahrt vom Freitag, 10. Juni

Angst vor dem Tod hatte ich eigentlich nie. Angst vor dem Sterben, meine ich, die Straße löst sich, auf unbestimmte Zeit verborgt euer Schöpfen, von Wasser oder betrittst fremde Welt, zum ersten Mal, unbekannt noch, unbefleckt; da hört man das Singen des Schreibens und Pausen wie Perlen aufgefädelt, Korallenkette viel feiner als gedacht, ein Hauch nur / Wimperntäuschung, du schreitest Samt

moonchildkaramellisiertes Schweigen. Vanaprastham. Trommelnde Morgensucht während Radierungen, hier zeigt sich auch wieder meine Liebe : nocturnales Verhalten, vielleicht mehr als Lebensgewohnheit, vielleicht ja Instinkte der Nacht, die sich ergießen, über mich strömen, so glänzend Rabenfedern in erfundenen Gassen. Nicht nur Realität lässt sich biegen, keucht die alternde Entendame, der Kronkorken nickt, als ich mich nähernd : nahtloser Bruch, dass Bäume schweben, Mondhase oh wach über uns! Mein Herz dargeboten auf dem Altar der Sprache, noch schlägt es, vernarbt, zart, wer wiegt mir das Wohl, die Freude, wer die Last, das Fallen? Möglich, dass Schatten hinter mir grinsen, mit wilden Augen; Kopf gehoben und zurück in ein anderes Ich oder wie viele Leben kann ein Mensch füllen? Aufgehört mit dem Denken während des Denkens, so stiehlt sich Zeit, so durch die Finger, bald läuten die Glöckner; angeregt, beschleunigt durch leuchtende Stunden, welch Sturz in den Himmel! Diese stille Sucht, gar mondfallsüchtig, erinnernd an Haikus durch winterliche Flusslande

birthund all das Vergessen, all den Vergessenen, den Verstummten, den Geächteten : was da wuchert in meinem Kopf, neben Lichtmandalas gestreifte Farbandeutung rosé reifblau, das Knistern der Stille vor dem Schlaf, in der Früh vor dem Schlaf, sieben / siegen über Schlafkunst, Versuch einer Feststellung, zu Asche, zu Wasser, kaum saugt man die Gräser, die gläsernen Strahlen, die Schalen in Spiegelung, wohl metallische Klänge sinken ins Ohr … ihre Worte berühren etwas ganz tief in mir, wie Dunkel, das schon wieder strahlend … ich werde bald ruhen, es wandelt sich viel, halbfeuchter Asphalt unter den Kronen der Stadt, der knöcherne Traumfänger in perpetuierendem Kreisen, von Geisterhauch; so manches in regen Zuständen, ein Umwenden und -wälzen bis sich die Wellen dann glätten unter geblümten Himmeln, in Poesie verbunden

– Christopher Schmall

 

Mondfallsüchtig

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 10. Juni – Wie kann man denn vom Werden und Entstehen phantastischer Welten berichten, jenem heimlichen Vorgang, der sich dem absichtsvollen Blick entzieht – und der seinem Wesen nach jeder Beschreibung spottet? – “Das, was wir unter Kultur verstehen, lässt sich in keiner Weise systematisch dingfest machen.” Eben. Und genau das, was sich keiner Definition, Einteilung oder Zweckwidmung zuordnen lässt, nichtsdestotrotz sinnlich erfahrbar zu machen, das ist der ebenso dilettantische wie geniale Versuch, den wir seit Machensgedenken immer wieder aufs neue unternehmen. Denn was nicht explizit auszudrücken ist, davon muss man eben implizit erzählen. Durch Andeuten etwa und durch Umkreisen. Durch Assoziieren und durch Unterbewusstsein. Durch aus…

junifall

“Das, was wir unter Kultur verstehen würden, ist, dass Menschen etwas machen, das vergleichbar wäre mit einem Biotop. Das vergleichbar wäre mit einem kleinen Tümpel, einem Schlammloch, da stehen drei Bäume, da ist ein hohes Gras und irgendwann einmal zwischen Nachmittag und Abend kommen dort zwei Verliebte vorbei oder ein Dichterling oder sonst irgendjemand, einfach Menschen. Und die genießen das, und denen sagt das was. Und das ist in keiner Statistik festzuhalten, das kann man in keinem Subventionsansuchen rechtfertigen, das kann man in keiner Weise systematisch dingfest machen. Das wäre Lebenskultur.” (sprach Norbert K.Hund 1994 “Im Schatten der Mozartkugel”, einem Ö1 Spotlight von Christian und Silvana Schiller) Woher kommen uns eigentlich Worte wie Junifall, Mondobst oder Mondfallsüchtig? Das müssen sie unbedingt in der Übersetzung von Harry Rowohlt lesen – im Original geht da nämlich viel verloren. Lassen wir uns also auch den einen oder anderen Bären aufbinden!

mondobstDer Pepsodent von Ju-Es-Ah
ist ein cooler Loser seiner Macht.
Glänzend, doch schon rostzerfressen
fliegt er durch den Wilden Westen.
Ach, wo ist noch Platz für mich
oder ein Dach für dich?
Hörst du es flüstern im Land?
Old Shatterhand und Nietzsche tot,
im Kaufhof klaut sich Gott sein Brot.
Siehst du die Schrift an der Wand?

Der Turm stürzt ein.
Der Turm stürzt ein.
Halleluja, der Turm stürzt ein.

(Songtext von Rio Reiser) Ton Steine Scherben – Der Turm stürzt ein (Video)

Das Unsagbare ist also durchaus zu sagen (wenn man es mit zwei N schreibt wie “Kunnst dir vorstellen?”). Dass die Außenwelt in ihrer Gestaltung da oft so ganz und gar nicht mithalten kann, das liegt nicht an unserer fehlenden Vorstellungskraft, sondern an der furchtbaren Viereckigkeit ihrer Betreiber. Entschlüpfen wir deren Nutztumszucht – in unseren feuchtfröhlich farbenfrohen Phantasien. Und Amen!

 

Alles neu, vorläufig (Chriss)

also Regenschritte nächtens, ein zaghafter Fall, eine Barriere imagniert, Nebelmauer zwischen mir, entbeinter Anzug, ist es nicht wie eine stille Sucht, ist es nicht wie Kreisen, ist es Bedingung, ist es Muss, ist es Befehl, ist es dies Wimmern der Knospen bei Morgengrauen?

dämmerndMetallisch, acryl, was für eine Farbe, ich tische dem toten Teddy Datteln auf, ein Schluck weißen Tee, du nimmst bloß Zucker, während der gefaltete Kranich die Schwingen hebt; auch das Betrachten der Entwicklung, des Stils, der Stille zwischen der Werbung, das Bestaunen der Wiederholung, Geschichtsstunde schwänzen, dafür um 10 unter der Klostereiche Bier trinken, wir wurden photographiert von einem amerikanischen Paar, das unseren Anblick wunderschön und entgegen der Sonne, es war wohl auch die Baustelle unten vis à vis unserer Schule in kreischenden Stößen oder eine Schwester hinter den salzburgbraunen Mauern.

Während Kugelschreiberbilder gefunden Erik Satie, wie man Musik entdeckt immer wieder wundersam, während Papierschwärzung erneuter Versuch das Sujet, erweiterter Genuß wird Asche, hierhin, bis hierhin zu denken, so blaubeerversüßt, pianogeweht, scheint trivial, fast obsolet, jetzt um 3 und auch berauscht, und all der Rauch in meinem Kopf…

gedämpftes Licht wäre angenehmer, es verrännen Buchstaben zu umbrenartigen Verästelungen auf Karmesinkaramell; so fällst du also durch die Nacht und hältst Ausschau nach Augenblicken, Beiläufigkeiten, ein Festhalten der Vergänglichkeit, und flüchten vor dem Schwachsinn, in Gedanken, geh bald um Essen, demnächst wieder Stille, füllst du sie?

 

Alles neu, vorläufig

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt am Freitag, 13. Mai – Kinder, was sind das für Zeiten! Alles scheint im Wandel zu sein, doch macht der Mai wirklich alles neu? Oder handelt es sich nur um den üblichen Handel, der eben gefälligst frei zu sein hat? Ein neuer Anstrich macht noch lang keine SPÖ. Und ein neurolinguistisch tefloniertes Fieberzapferl noch lang kein schöneres Wetter für unsere Heimat. Freimat, Reimat, Seimat? Gedeihmat! Guten Morgen, wir sind die Festspielpräsidentin und alles wird schön. Aber Schurz beiseite, wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man jetzt nicht unbedingt auch noch eine Sendung machen. Aber muss man schweigen – oder soll man als Verdichter und Gestalter nicht doch versuchen, dem Unsagbaren einen Ausdruck zu verleihen? Wir hätten da schon eine entsprechende Bedürfnislage

allesMan kann ein Leben lang gegen die Hohlphrasen der Schwarzpädagogik im eigenen Kopf ankämpfen – und dann doch mit Entsetzen feststellen, dass die zubetonierte Wirklichkeit des umgebenden Weltgeschehens noch die schlimmsten Horrorvisionen in den (eigenen?) Schatten stellt. Denn das Unterbewusstsein der in Fernsehbildern und Nachrichten so genannten Realität ist voll von all den Gespenstern aus der eigenen Kindheit, die man längst auf dem Abfallhaufen der Ur- und Frühgeschichte entsorgt zu haben glaubt. Und wenn man sich dann einmal so umspürt in der “Welt” genannten Unterdrückung des Lebendigen, da kanns einem schon ordentlich schrugel werden, wie im Schlumperwald. Sollte es zumindest, sofern man sich noch irgendwie anfühlt. Da bekommt gleich auch unserer mundartiger Ausdruck “Heast, gspiast di nu?” seine eigentliche Bedeutung zurück! Das Leben, ein Traum!

neuWas gibt es Neues? Immerhin eignet sich die eigenartige Herangehensweise dieser Sendung ganz vorzüglich dafür, die Wechselbeziehung von Dichtung und Realität oder Phantasie und Wahrheit darzustellen. Wobei zwischen Wahn und Wirklichkeit zwar ein Gegensatz bestehen mag, nur das Gegenteil voneinander sind sie deswegen noch lange nicht! Vielmehr wohl eher zwei Facetten ein und desselben Phänomens: einer unendlich vielschichtigen Wahrnehmung dessen, was ist, war, sein wird, sein könnte, etc. Also die Gesamtheit aller Geschehnisse in den inneren und äußeren Welten unseres Daseins. Doch genug philosophiert jetzt. Her mit den Beiträgen, die wir auch diesmal wieder drei Stunden lang aus der Situation heraus zu einem noch unbekannten Gebilde verschmelzen wollen. Noch besser, mit den Elementen, in denen wir dergestalt umrühren werden, dass aus ihrer spontanen Verbindung wiederum etwas ganz Neues entsteht, wobei dieses Neue naturgemäß auch viel Altes enthält. Oder wie es der als Dichter unterschätzte Der Nino aus Wien meisterlich bernhardesk in einem Lied formuliert hat “Es geht immer ums Vollenden”

vorläufig

Aber hinter dir und vor dir,
doch am meisten noch daneben,
steht der Himmel, stehen die Wolken,
steht die Stadt nur deinetwegen.
Still, versäume nicht zu sagen,
was dir wirklich viel bedeutet
es gibt Menschen, es gibt Freunde,
aber meistens sind es Leute.
Manche sprechen oft von Schönheit,
viel zu oft um wahr zu sein.
Schöne Bücher, oder Tücher,
oder auch ein schöner Reim.
Du willst wissen, suchst die Wahrheit, in dem Buch das einst hier lag,
zwischen Nettigkeit und Schönheit steckt oft mehr als nur ein Tag.

Im Museum siehst du das Bild, in dem mehreres vereint ist,
in dem jeder Strich gemeint ist und nichts einzelnes allein ist.
Und es fließt alles zusammen und erzeugt ein Feuerwerk,
aus der Arbeit der Gedanken und der Farbe, die sie färbt.

 

Exklusiv Inklusiv

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 12. Februar – Es gibt nur zwei Arten von Menschen – Angenehme und Arschlöcher – soviel sei schon mal klar. Diesem Befund nach gibt es auch nur zwei Arten von Darbietungen jedweder Art: Eine einladende – und eine ausschließende. Und somit zwei Grundrichtungen in einer Gesellschaft: Exklusion oder Inklusion. Ersteres ein Untersichbleiben elitärer Kreise auf Kosten aller, die nicht mitmachen können – weil sie aufgrund der Regeln der selbsternannten Eliten nicht dabei sein dürfen. Und zweiteres ein Miteinbeziehen möglichst vieler Einzelgänger und Randgruppen, die mitmachen wollen – weil sie aufgrund ihres Menschseins, mitsamt ihren speziellen Bedürfnissen und ebenso speziellen Fähigkeiten, ebenbürtige Mitgestalter unseres Gemeinwesens sind.

whyWenn man also genau hinspürt (was schon wieder eine recht spezielle Fähigkeit aufgrund von speziellen Bedürfnissen ist), so erschließt sich einem in jeder künstlerischen Arbeit, in jeder Darbietung, Veranstaltung oder Zusammenkunft die eigentliche Absicht, der wahre Beweggrund hinter dem jeweils Stattfindenden. Entweder geht es ums Ausschließen: “Ätsch, bätsch, da darfst du nicht hinein!”, oder Nur, wenn du den festgesetzten Preis bezahlen kannst.”, auf jeden Fall darum, sich klein und ohnmächtig zu fühlen: “Schau, was wir können. Das schaffst du nie!” Oder es geht ums Einladen zu einem selbstbestimmten Mitwirken: “Verdammt, aus denen ihrem Bild, Gedicht, Lied könnt ich was ganz Eigenes machen!” Könntest? Kunnst! Das ist es, was wir meinen. Und was uns anspricht, uns gefällt, uns zusagt. Das können wir alle gemeinsam singen und spielen – oder auch jede(r) für sichüder oberhaupt nicht. Wie es euch und uns halt gefällt! Diesen feinen Unterschieden von Kunnst um des Mit-Einladens willen, des Sich-Verschenkens aus Menschenfreude – und der gängigen Geizhals-, Geldpuff- und Türzuhälterkunst wollen wir nachspüren:

InklusionInklusion ist ein Dialog auf Augenhöhe
in einer gleichberechtigten Gesellschaft.
Menschen mit besonderen Bedürfnissen
bringen ihre besonderen Fähigkeiten ein,

indem sie als ebenbürtige Mitgestalter
unserer gemeinsamen Welt ernst genommen,
und nicht in ihren abgeschlossenen Zonen
bis zur Unkenntlichkeit betreut werden.

Freundlich bevormundet und entmachtet,
wird ihnen von oben herab vorgeschrieben,
was für sie gut zu sein hat – und was nicht,
während Städte veröden und Länder verrohen.

Dabei wollen sich viele Menschen gern engagieren,
für eine Welt, die nicht ausbeutet, schändet, verkauft,
wenn man sie nur anhören würde und verstehen und
mit ihnen zusammen ihre Vorstellungen realisieren.

Die Geschichte, die jetzt kommt, wird sich
mit all euren Namen den Arsch auswischen,
mit all euren auf unsere Kosten gemachten
Firmennamen, Produktnamen, Vorteilsnahmen,
denn es ist die Geschichte vom Überleben
entweder aller oder niemandes mehr.
Die noch zu erzählende Geschichte
davon, dass das Ende eurer Macht
nicht das Ende der Welt ist,
sondern ihr Überleben.