{"id":3245,"date":"2011-11-26T19:09:28","date_gmt":"2011-11-26T18:09:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/?p=3245"},"modified":"2026-02-18T15:30:00","modified_gmt":"2026-02-18T14:30:00","slug":"deine-freiheit-meine-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/2011\/11\/26\/deine-freiheit-meine-freiheit\/","title":{"rendered":"Deine Freiheit, meine Freiheit?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Podcast\/Download: <a href=\"http:\/\/cba.fro.at\/52516\">Artarium vom Sonntag, 27. November <\/a>&#8211; Chriss begeht seinen 18. Geburtstag und darf sich dann sogleich zur Feier dieser Amtserwachsenheit zu einer grotesken staatlichen Stellung verrenken, w\u00e4hrend zur selben Zeit unser aller begnadeter Denk-Anstifter Thomas Oberender vom B\u00fcrgermeister das goldene Stadtsiegel verliehen bekommt. Norbert hingegen er\u00f6ffnet seine 5. Radio-Saison als &#8222;das etwas andere Kunnst-Biotop&#8220; und wollte diesen erfreulichen Zustand doch mit gebotener Zufriedenheit zelebrieren. &#8222;Vier Jahreszeichen Live&#8220; w\u00e4re der Sendungstitel gewesen &#8211; doch da ereilt uns pl\u00f6tzlich eine Todesnachricht nach der anderen. Wie passt das alles zusammen &#8211; noch dazu am ersten Advent? Ganz und gar wunderbar, finden wir&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/files\/2011\/11\/DSCN0739.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3246\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/files\/2011\/11\/DSCN0739-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/files\/2011\/11\/DSCN0739-225x300.jpg 225w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/files\/2011\/11\/DSCN0739-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/files\/2011\/11\/DSCN0739.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.georgkreisler.de\/\"><strong>Georg Kreisler<\/strong>,<\/a> der eigensinnige <strong>Altmeister des schwarzen Humors<\/strong> und der anarchischen Groteske <strong>mit politischem Anspruch<\/strong> ist diese Woche 89-j\u00e4hrig in Salzburg verstorben. Noch im August konnte ihn Thomas Oberender zur Teilnahme an einem <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/kultur\/klassik\/684593\/Georg-Kreisler-rechnet-mit-einer-Revolution\"><strong>Podiumsgespr\u00e4ch<\/strong><\/a> zum kapitalismuskritischen Faust-Projekt verf\u00fchren. Dort r\u00e4sonierte <strong>der gro\u00dfe Grantige<\/strong> zum letzten Mal &#8211; einigerma\u00dfen resigniert &#8211; \u00fcber die von ihm festgestellte <strong>Bedudelung und Eingelulltheit<\/strong> <strong>potentiell revolution\u00e4rer Massen<\/strong>. Im ganz Besonderen ging es bei dem <strong>radikalen R\u00fcckblick<\/strong> des Alters auch um <strong>(s)ein m\u00f6gliches Verm\u00e4chtnis an die Jugend.<\/strong><\/p>\n<p>Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an einige &#8211; leider vergeblich gebliebene &#8211; Versuche, diesen \u00fcberaus <strong>lebenserfahrenen Heimatlosen<\/strong> mit seinem <strong>grandiosen Anekdotengep\u00e4ck<\/strong> zu einem Livegespr\u00e4ch, einer Erz\u00e4hlstunde oder einem <strong>Interview mit gesellschaftskritischen Jugendlichen<\/strong> zu bewegen. Er h\u00e4tte so viel zu sagen gehabt von der <strong>Flucht vor den Nazis<\/strong> als 15-j\u00e4hriger \u00fcber die Arbeit mit <strong>Charly Chaplin in Hollywood<\/strong> oder seine <strong>Verh\u00f6re von G\u00f6ring und Streicher<\/strong> beim N\u00fcrnberger Prozess bis hin zur nie wieder erlangten <strong>\u00f6sterreichischen Staatsb\u00fcrgerschaft<\/strong> und seiner <strong>anarchistischen Ablehnung des &#8222;Staates&#8220;<\/strong> an sich. Wie gerne h\u00e4tte ich ihn<strong><a href=\"http:\/\/www.georgkreisler.de\/gk_02c_e05.html\"> jene bizarre Episode<\/a> &#8211; als Paradebeispiel j\u00fcdischen \u00dcberlebenshumors<\/strong> erz\u00e4hlen geh\u00f6rt:<em> Kreisler fiel die Aufgabe zu, <strong>Julius Streicher<\/strong>, den Chef der antisemitischen Hetzschrift <strong>\u201eDer St\u00fcrmer\u201c<\/strong> zu verh\u00f6ren. Streicher bedankte sich am Ende bei ihm: \u201eSie waren ja nett zu mir. Aber sonst die Juden haben mir sehr zugesetzt.\u201c Kreisler darauf: <strong>\u201eNa, vielleicht haben sie ja angefangen &#8230;\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/files\/2011\/11\/NoMeansNorbert-91.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3250\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/files\/2011\/11\/NoMeansNorbert-91-300x237.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"237\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/files\/2011\/11\/NoMeansNorbert-91-300x237.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/files\/2011\/11\/NoMeansNorbert-91.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die zweite Todesmeldung: <a href=\"http:\/\/www.kubus1024.at\/\"><strong>Kubus 1024<\/strong><\/a> &#8211; das geniale <strong>Kulturhaus-Projekt im Lungau<\/strong> &#8211; wurde im Gemeinderat Tamsweg mit den Stimmen von <strong>\u00d6VP und FP\u00d6<\/strong> endg\u00fcltig umgebracht. Ger\u00fcchten zufolge soll B\u00fcrgermeister <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Ulbricht#Mauerbau\"><strong>Walter Ulbricht<\/strong><\/a> &#8211; <strong>pardon, <a href=\"http:\/\/www.meinparlament.at\/p\/1089\/ing-alois-lankmayer\/?site=all&amp;profile=1115\">Alois Lankmayer<\/a><\/strong> statt dessen um Subventionen zum Bau einer <strong>Mauer<\/strong> angesucht haben.<\/p>\n<p>Dieser <strong>antifortschrittliche Schutzwall<\/strong> soll entlang der <strong>Geschmacksgrenze um den gesamten Lungau<\/strong> herum errichtet werden, um den einzigen <strong>Volksmusikantenstaat auf deutschem &#8211; pardon, \u00f6sterreichischem Boden<\/strong> vor dem verderblichen Einfluss <strong>engagierten Denkens, innovativen Gestaltens und\u00a0 kreativen Mitbestimmens<\/strong> zu sch\u00fctzen. Um jeglichen <strong>kontrakonservativen Umsturzversuch<\/strong> bereits im Ansatz hintan zu halten, soll die <strong>Lungauer Zonengrenze<\/strong> auch noch mit <strong>den modernsten<\/strong> <strong>Gesinnungsdedektoren und Kopfschussanlagen<\/strong> aufger\u00fcstet und von eigens daf\u00fcr abgerichteten <strong>Hornochsen und Kampfk\u00fchen<\/strong> kontrolliert werden. Alles, was nicht genauso <strong>schwatzblau &#8211; pardon, schwarzbraun<\/strong> ist wie die<strong> <a href=\"http:\/\/www.enzyglobe.net\/2007\/02\/19\/faselnuss\/\">Faselnuss<\/a><\/strong> und die anderen <strong><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qx9HEn8aq1c\">Heinodien<\/a> <\/strong>der<strong> <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Qvue3bf5CIo\">Vervolkskultur<\/a><\/strong>, wird hinfort wieder in bester Landestradition <strong>enteignet und exiliert<\/strong> wie einst schon die <strong>Protestierer &#8211; pardon, Protestanten<\/strong>.<\/p>\n<p>Womit wir <strong>in bester satirischer Tradition<\/strong> schon wieder bei <strong>Georg Kreisler<\/strong> gelandet w\u00e4ren, der sein <strong>Erfolgsrezept<\/strong> wie folgt formulierte:<em> \u201eDas Rezept ist ganz einfach. Man nehme <strong>ein an und f\u00fcr sich grausiges Ereignis<\/strong> und <strong>\u00fcbertreibe es ma\u00dflos<\/strong>, so da\u00df es seinen Schrecken verliert und <strong>grotesk<\/strong> wird, dann kann man noch <strong>eine Musik dazu<\/strong> schreiben, die gar nicht dazu passt und schon <strong>ist das Lied fertig.\u201c<\/strong><\/em> Unser diesbez\u00fcglicher Textvorschlag f\u00fcr eine <strong>neue Lungauer Landeshymne<\/strong> w\u00e4re somit (in Anlehnung ans dann wohl wieder \u00fcblich werdende Sprachniveau von <strong>Heimat, Heino und HJ<\/strong>) folgender:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Holdrio, duwiduwidi, holdria.<\/strong><br \/>\n<strong>Holdria duwiduwidi.<\/strong><br \/>\n<strong>Holdrio, duwiduwidi, holdria.<\/strong><br \/>\n<strong>Holdria duwiduwidi.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir jedoch spielen mit gutem Grund <strong>Querschl\u00e4ger, Georg Kreisler,<\/strong> <strong>Erben der Scherben &#8230; und &#8230; wo lassen sie sich eigentlich emp\u00f6ren?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Podcast\/Download: Artarium vom Sonntag, 27. November &#8211; Chriss begeht seinen 18. 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