{"id":34,"date":"2019-03-12T12:12:17","date_gmt":"2019-03-12T12:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/?p=34"},"modified":"2019-04-09T18:39:38","modified_gmt":"2019-04-09T18:39:38","slug":"was-wir-von-der-zukunft-zu-erwarten-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/2019\/03\/12\/was-wir-von-der-zukunft-zu-erwarten-haben\/","title":{"rendered":"Was wir von der Zukunft zu erwarten haben"},"content":{"rendered":"<p><b style=\"font-weight: 700\"><a href=\"https:\/\/radiofabrik.at\/programm\/sendungen\/sendungen-von-a-z\/der-radiofabrik-mitschnitt\/\" style=\"background-color: transparent;text-decoration: none;font-family\">Der Radiofabrik-Mitschnitt<\/a><a href=\"https:\/\/radiofabrik.at\/programm\/sendungen\/sendungen-von-a-z\/der-radiofabrik-mitschnitt\/\" style=\"background-color: transparent;text-decoration: none;font-family\"><span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/a><\/b>zum Nachh\u00f6ren<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2050.jpg\" class=\"size-full wp-image-40\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"1996\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2050.jpg 3000w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2050-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2050-768x511.jpg 768w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2050-1024x681.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/p>\n<figure id=\"attachment_40\" align=\"aligncenter\"><figcaption><strong>Stephan Schulmeister<\/strong>, moderiert von Hans Holzinger (<a href=\"https:\/\/jungk-bibliothek.org\/\">Robert-Jungk-Bibliothek f\u00fcr Zukunftsfragen<\/a> &#8211; JBZ) bei einer gemeinsamen Veranstaltung von <a href=\"http:\/\/community.attac.at\/flachgau.html\">attac Flachgau<\/a> und JBZ am 26.2.19 in der <a href=\"https:\/\/www.kunstbox.at\/nachlese\/\">Kunstbox Seekirchen<\/a>. F\u00fcr alle Fotos: Danke an Leo Fellinger!<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Volkswirtschaft kann spannend sein. Und einiges zum Verst\u00e4ndnis der Welt und unserer aktuellen Lage beitragen.<\/em><br \/>\n[Manche wussten das bereits vor den Wahlen zum Bundespr\u00e4sidenten.]<br \/>\n<em>Vor allem dann, wenn uns Pers\u00f6nlichkeiten wie Stephan Schulmeister die Welt erkl\u00e4ren.&nbsp; In der Kunstbox Seekirchen sorgte das Ende Februar f\u00fcr ein volles Haus.<\/em><\/p>\n<p>Ein Mitschnitt seines Vortrages&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.kunstbox.at\/veranstaltungen\/details\/id\/104\/\"><em>\u201e<\/em><\/a><a href=\"https:\/\/www.kunstbox.at\/veranstaltungen\/details\/id\/104\/\">Was wir von der Zukunft zu erwarten haben\u201c <\/a>&nbsp;inkl. anschlie\u00dfender Publikumsdiskussion l\u00e4uft am Donnerstag, 14. M\u00e4rz um 21:00 Uhr in der Reihe <b><a href=\"https:\/\/radiofabrik.at\/programm\/sendungen\/sendungen-von-a-z\/der-radiofabrik-mitschnitt\/\">Der Radiofabrik Mitschnitt <\/a><\/b>(und danach selbstverst\u00e4ndlich online zum Nachh\u00f6ren!)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2000.jpg\" class=\"aligncenter size-full wp-image-39\" style=\"font-size: 1rem\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"1996\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2000.jpg 3000w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2000-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2000-768x511.jpg 768w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2000-1024x681.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/p>\n<p><em>\u201eWas ist los mit Europa? 20 Millionen Menschen sind arbeitslos, 100 Millionen \u2013 ein Drittel aller Besch\u00e4ftigten \u2013 m\u00fcssen sich mit atypischen Jobs zufriedengeben, die Staatsverschuldung steigt seit vierzig Jahren, \u201awir\u2018 k\u00f6nnen uns den Sozialstaat nicht mehr leisten.&#8220; Damit beginnt Stephan Schulmeisters aktuelle Buch mit dem schlichten Titel <\/em>\u201e<a href=\"https:\/\/www.ecowin.at\/produkt\/der-weg-zur-prosperitat\/\">Der Weg zur Prosperit\u00e4t<\/a>\u201c<em>. Ein gewichtiges Werk, das die Glaubens\u00e4tze des Neoliberalismus widerlegt und Vorschl\u00e4ge f\u00fcr einen Kurswechsel darlegt. <\/em><\/p>\n<p>Bis in die 1970er Jahre herrschte in Europa Vollbesch\u00e4ftigung. Der Sozialstaat wurde ausgebaut, die Staatsverschuldung sank. Grundlage daf\u00fcr waren Erkenntnisse aus der Weltwirtschaftskrise und dem darauffolgenden II. Weltkrieg. \u201eDie Spielanordnung lenkte das Gewinnstreben systematisch auf realwirtschaftliche Aktivit\u00e4ten und zielte im Rahmen des Europ\u00e4ischen Sozialmodells auf eine Integration traditioneller Gegens\u00e4tze ab\u201c. Mit der Entfesselung der Finanzm\u00e4rkte in der \u00c4ra von Ronald Reagan und Margaret Thatcher begann laut Schulmeister der lange Weg in die gegenw\u00e4rtige Krise Europas. Sie \u00e4u\u00dfert sich nicht zuletzt im Aufstieg populistischer Bewegungen, neuen \u201eS\u00fcndenb\u00f6cken\u201c, in zunehmendem Nationalismus und einer politischen Desintegration des Kontinents.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2090.jpg\" class=\"aligncenter size-full wp-image-41\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"1996\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2090.jpg 3000w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2090-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2090-768x511.jpg 768w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/2090-1024x681.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr einen gr\u00fcndlichen Lerneffekt sei die Bedrohung der Eliten jetzt noch nicht gro\u00df genug, diagnostiziert der langj\u00e4hrige Mitarbeiter des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO. Die n\u00e4chste Finanzkrise er\u00f6ffne dann jedoch die Chance f\u00fcr einen grundlegenden Kurswechsel in Europa, kann Schulmeister dem n\u00e4chsten drohenden Crash etwas Positives abgewinnen. Seine wichtigsten Leitlinien sind eine radikale Besserstellung von unternehmerischen Aktivit\u00e4ten in der Realwirtschaft im Vergleich zur \u201eFinanzalchemie\u201c, sowie die Erneuerung des Europ\u00e4ischen Sozialmodells. Die daf\u00fcr n\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen sollten schon jetzt konzipiert werden.<\/p>\n<p>Schulmeister hat sich mit Untersuchungen zu den Finanzm\u00e4rkten einen Namen gemacht, er scheut auch nicht die Einmischung in politische und gesellschaftliche Debatten. So kritisiert er das Programm der aktuellen \u00f6sterreichischen Bundesregierung, da es den sozialen Zusammenhalt schw\u00e4che. Er rechnet nicht nur mit dem Neoliberalismus ab, er entwirft auch die Navigationskarte f\u00fcr den Weg aus der Finanzkrise. In seinen Vortr\u00e4gen und seinen Publikationen beleuchtet er den marktreligi\u00f6sen Charakter der neoliberalen Theorien und kritisiert den Neoliberalismus als Ideologie im Interesse des Finanzkapitals: In dieser Form des Kapitalismus werden keine realen Werte produziert; es wird nur noch versucht, Geldwerte zu vermehren. In der neoliberalistischen Weltordnung erscheint Arbeit allein als Kostenfaktor, den es zu senken gilt. Dies f\u00fchrt zu einem Teufelskreis zunehmender Arbeitslosigkeit, Staatsschulden und Sozialabbau.<\/p>\n<p>Sein Buch rechnet zun\u00e4chst mit der neoliberalen Theorie freier Finanzm\u00e4rkte ab, um dann Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die Wirtschafts- und Politikkrise Europas, vor allem aber auch Therapievorschl\u00e4ge zu liefern. Er sieht sich einer realistischen Schule der \u00d6konomie verpflichtet, die von empirischen Befunden ausgeht, anders als die Denkschule des Neoliberalismus, die er als idealistisch, da allein von abstrakten Modellen ausgehend, bezeichnet. Der Autor spricht von Theorieproduktion als sozialem Prozess \u2013 Wissenschaft ist immer in gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse eingebettet und nie wertfrei. Dies legt er auch in einer kurzen Geschichte der wichtigsten \u00f6konomischen Theorien dar \u2013 vom \u201emissbrauchten Adam Smith\u201c \u00fcber Karl Marx, die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise und dem Entstehen des Keynesianismus bis hin zu Friedman, Hayek und der Durchsetzung des Neoliberalismus ab den 1970-Jahren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/s2094.jpg\" class=\"aligncenter size-full wp-image-38\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"1996\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/s2094.jpg 3000w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/s2094-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/s2094-768x511.jpg 768w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/aus-dem-off\/files\/2019\/03\/s2094-1024x681.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/p>\n<p>Schulmeister macht deutlich, dass an den B\u00f6rsen psychologische Faktoren, insbesondere Herdenverhalten sowie eine \u201emanisch-depressive\u201c Grundstimmung eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen als neoliberale \u00d6konomen wahrhaben wollen \u2013 mit bedenklichen Folgen f\u00fcr die Realwirtschaft. Dies f\u00fchrt zu einer zweiten zentralen \u2013 auch unter Linken umstrittenen \u2013 These von Schulmeister, n\u00e4mlich der Abspaltung der Finanzm\u00e4rkte von der Realwirtschaft. Der \u00d6konom kritisiert nicht den Kapitalismus an sich, sondern die Behinderung einer prosperierenden Marktwirtschaft durch instabile und Eigeninteressen verfolgende Finanzm\u00e4rkte. Kapital sei vom \u201eMittel zum Zweck\u201c zum \u201eMittel zum Selbstzweck\u201c mutiert.<\/p>\n<p>Die Krise Europas \u2013 zugespitzt an der Schuldenkrise Griechenlands \u2013 macht Schulmeister demnach insbesondere in der Austerit\u00e4tspolitik seit Einf\u00fchrung der Maastricht-Kriterien sowie des Fiskal-Paktes aus. Da trifft er sich mit anderen Keynesianern, wenn er von der \u201eTherapie als Krankheit\u201c spricht, die L\u00e4nder in die Depression treibe. An Langzeituntersuchungen zeigt Schulmeister, dass Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit immer gleichzeitig auftreten, da eben der Staat mehr Kosten bei gleichzeitig sinkenden Steuereinnahmen aufgeb\u00fcrdet bekommt. Der Ausweg k\u00f6nne daher nur in der Stimulierung von Wachstum der Realwirtschaft sein.<\/p>\n<p>Schulmeister pl\u00e4diert nicht einfach f\u00fcr noch mehr Konsumwachstum f\u00fcr alle, sondern f\u00fcr Investitionen in eine sozial-\u00f6kologische Wende. Daf\u00fcr unterbreitet er zahlreiche Vorschl\u00e4ge, von einer thermischen Sanierungsoffensive \u00fcber Investitionen in erneuerbare Energietr\u00e4ger bei gleichzeitiger h\u00f6herer Besteuerung fossiler Energie bis hin zu Umverteilungsma\u00dfnahmen, die den Basiskonsum aller B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Ein wichtiges Werk, das die Glaubens\u00e4tze des Neoliberalismus dekonstruiert und pragmatische Vorschl\u00e4ge eines Kurswechsels darlegt. Ein \u201eLebenswerk\u201c, schreibt Ulrike Herrmann in ihrer <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5532004\/\">Rezension<\/a> f\u00fcr die taz.<\/p>\n<hr>\n<p><em>Nachtrag 13.3.<\/em> Aktueller Lesestoff auf englisch: <a href=\"https:\/\/jacobinmag.com\/2019\/03\/capitalism-freedom-socialism-milton-friedman-hayek\">Capitalist Freedom Is a Farce<\/a><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Radiofabrik-Mitschnitt&nbsp;zum Nachh\u00f6ren Stephan Schulmeister, moderiert von Hans Holzinger (Robert-Jungk-Bibliothek f\u00fcr Zukunftsfragen &#8211; JBZ) bei einer gemeinsamen Veranstaltung von attac Flachgau und JBZ am 26.2.19 in der Kunstbox Seekirchen. F\u00fcr alle Fotos: Danke an Leo Fellinger! Volkswirtschaft kann spannend sein. Und einiges zum Verst\u00e4ndnis der Welt und unserer aktuellen Lage beitragen. 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