{"id":489,"date":"2011-01-25T15:38:04","date_gmt":"2011-01-25T14:38:04","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/?p=489"},"modified":"2011-03-25T13:48:58","modified_gmt":"2011-03-25T12:48:58","slug":"das-leben-im-syrischen-uberwachungsstaat-teil-3-der-kunst-ihre-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/2011\/01\/25\/das-leben-im-syrischen-uberwachungsstaat-teil-3-der-kunst-ihre-freiheit\/","title":{"rendered":"Das Leben im syrischen \u00dcberwachungsstaat Teil 3: Der Kunst ihre Freiheit?"},"content":{"rendered":"<p>Syrien 2009<br \/>\nBietet nicht wenigstens die Kunst den Syrern eine Nische f\u00fcr Kritik und Unangepasstheit<br \/>\nDiese Frage kann ich nur mit einem G\u00e4hnen beantworten und einer Anekdote von der Abschlusspr\u00fcfung der Malereiklasse der Kunstuniversit\u00e4t Damaskus. Die Absolventen mussten bei einer \u00f6ffentlichen Begehung ihre Arbeiten pr\u00e4sentieren. Der Gro\u00dfteil der Werke war fades, angepasstes Zeug, Stadtansichten bespielsweise, die vielleicht ein sch\u00f6nes Souvenier f\u00fcr Touristen w\u00e4ren oder abstrakte Malerei ohne pers\u00f6nliche Handschrift. Zwei K\u00fcnstler stachen aber hervor. Sie malten mit technischem K\u00f6nnen eindringliche Bilder, bei denen man das Gef\u00fchl hatte, da habe jemand wirklich sein Herzblut investiert und seine Seele nach au\u00dfen gekehrt &#8211; und das ganz ohne ins Kitschige zu kippen. Ich erwartete dementsprechend gute Noten seitens der Professoren. Doch die jungen K\u00fcnstler wurden wahrlich auseinandergenommen und erhielten den schlechtesten Abschluss des ganzen Jahrgangs. Ebenfalls hervorstachen die Arbeiten einer jungen Dame. Abstrakt zwar, aber mit unglaublich tollen Formen und Farben. Es stellte sich jedoch als h\u00f6chst unwahrscheinich heraus, dass diese Studentin ihre Abschlusswerke selbst gemalt hatte. Denn w\u00e4hrend ihrer ganzen Studienzeit hatte sie nichts vergleichbares produziert. Die reichen Eltern hatten also jemanden bezahlt, f\u00fcr ihr T\u00f6chterchen die Abschlussarbeiten zu malen. Doch wie konnte man das beweisen? Wo doch vermutlich eine nicht geringe zus\u00e4tzliche Geldspende f\u00fcr die Universit\u00e4t zu erwarten war? So nahm die junge Frau mit perfekt manik\u00fcrten Fingern\u00e4geln ihr Malereidiplom entgegen ohne je einen Pinsel in der Hand gehabt zu haben.<\/p>\n<p>Und wie stehts mit der Musik?<br \/>\nWie f\u00fcr die meisten arabischen L\u00e4nder gilt auch in Syrien: Der Retorten-Mainstream dominiert den Musikmarkt. Rockmusik ist eher noch eine Sache der jungen gebildeten westlich orientierten Mittelschicht, elektronische Musik ist so gut wie nicht existent.<br \/>\nUnter dem \u201eAlten\u201c (Hafez) war s\u00e4mtliche Rockmusik verboten und man musste diese auf  unbeschrifteten Kassetten teuer aus dem Libanon ins Land schmuggeln. Heute stehen nur noch einige wenige Bands auf der Liste der staatszersetzenden und somit verbotenen Elemente.<br \/>\nTrotzdem ist es ratsam, als Liebhaber harter Gitarrenmusik auf sein \u00c4u\u00dferes zu achten. So sind lange Haare und schwarze Kleidung unerw\u00fcnscht und es kann dem Tr\u00e4ger schon passieren, von einem netten Herrn der Polizei nahegelegt zu bekommen, diese abzulegen. Hierzu eine kuriose Geschichte, die davon zeugt, wie sehr die Beamten der syrischen Geheimpolizei etwas von Jugendkultur verstehen: Die Mitglieder einer Heavy-Metalband wurden allesamt verhaftet und im Verh\u00f6r dazu gedr\u00e4ngt ein vorgefasstes Gest\u00e4ndnis zu unterschreiben, in welchem sie sich selbst satanistischer Praktiken bezichtigen w\u00fcrden. Darin beinhaltet waren n\u00e4chtliche schwarze Messen, Grab- und Jungfernsch\u00e4ndung, Tieropfer und das Trinken von menschlichem Blut. Ein Mitglied der Band wurde dazu angehalten, eine Vorf\u00fchrung der magischen Rituale abzuhalten, was er  nach tagelangem Druck dann auch tat. Die erzwungene Spontaneit\u00e4t lie\u00df ihn hierbei unglaublich erfindungsreich werden in der Konstruktion magischer Kreidekreise und Symbole. Als alle schlie\u00dflich doch das Gest\u00e4ndnis unterschrieben, konnten sie ohne weitere Behelligungen gehen, abgesehen von der Untersagung ihrer musikalischen Aktivit\u00e4ten.<br \/>\nRockmusik spielt eine zu geringe Rolle in Syrien, als dass sich das Regime darum wirklich k\u00fcmmern m\u00fcsste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Keiner versteht dieses System. Nur die Syrer wissen wie man darin lebt, k\u00f6nnen es jedoch jemand Au\u00dfenstehenden nicht erkl\u00e4ren.&#8220; Hier ein Versuch einer Au\u00dfenstehenden. Teil 3 &#8211; Der Kunst ihre Freiheit? <a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/2011\/01\/25\/das-leben-im-syrischen-uberwachungsstaat-teil-3-der-kunst-ihre-freiheit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":79,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3595],"tags":[3653,3654,75,3651],"class_list":["post-489","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","tag-kunst","tag-malerei","tag-musik","tag-syien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/users\/79"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=489"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":511,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489\/revisions\/511"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}