{"id":542,"date":"2011-10-16T11:27:46","date_gmt":"2011-10-16T09:27:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/?p=542"},"modified":"2011-10-20T22:04:29","modified_gmt":"2011-10-20T20:04:29","slug":"uber-die-pflicht-die-stimme-zu-erheben-el-general-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/2011\/10\/16\/uber-die-pflicht-die-stimme-zu-erheben-el-general-im-interview\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Pflicht, die Stimme zu erheben: El G\u00e9n\u00e9ral im Interview"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/files\/2011\/10\/El-General-Vendetta.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-543 alignleft\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/files\/2011\/10\/El-General-Vendetta-1024x680.jpg\" alt=\"Join The Resistance\" width=\"442\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/files\/2011\/10\/El-General-Vendetta-1024x680.jpg 1024w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/files\/2011\/10\/El-General-Vendetta-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Dieses Interview ist am 15.Oktober 2011 in der Wiener Zeitung erschienen For an English version click <a title=\"El General English\" href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/fraunowak\/2011\/10\/20\/it%E2%80%99s-my-duty-to-raise-my-voice-interview-with-el-general\/\" target=\"_blank\">HERE<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Im Arabischen Fr\u00fchling st\u00fcrzten nicht nur Diktatoren sondern es wurde im Orient auch ein Musikgenre wiederbelebt, das im Westen schon fast vergessen war: Der Protestsong.<\/p>\n<p>Von Marokko bis Syrien singen und rappen mutige junge Menschen f\u00fcr oder gegen ihre Anliegen. Einige fanden dabei den Tod, wie zum Beispiel der syrische S\u00e4nger Ibrahim Qashoush, den man mit aufgeschlitzter Kehle im Orontesfluss fand, oder der \u00c4gyptische K\u00fcnstler Ahmed Bassiouni, der in Kairo bei einer Demonstration von der Polizei erschossen wurde.<\/p>\n<p>Die Revolutionen in \u00c4gypten und Tunesien haben aber auch viele neue Hits produziert und so manchen zuvor v\u00f6llig unbekannten Musiker zum Symbol des Widerstands gemacht. Einige dieser Lieder finden sich zum Beispiel auf dem Sampler \u201eOur Dreams Are Our Weapons &#8211; Soundtracks of the Revolutions in Tunisia and Egypt\u201c, der auf dem Label \u201eNetwork\u201c erschienen ist.<\/p>\n<p>Keiner steht so f\u00fcr die derzeitige musikalische Protestkultur, wie der 23-j\u00e4hrige tunesische Rapper El G\u00e9n\u00e9ral, sein Lied \u201eRayis le-Blad\u201c gilt als \u201eHymne der arabischen Revolution\u201c. Zwar gab es in Tunesien schon seit langem eine lebendige sozialkritische Singer-Songwriterszene, doch erst El G\u00e9n\u00e9ral traf mit seinem direkten Angriff auf den Pr\u00e4sidenten, untermalt von schweren HipHop Beats, den Nerv einer jungen w\u00fctenden Generation, die sich ihrer Chancen beraubt sah. Seine vor\u00fcberhegende Verhaftung Anfang J\u00e4nner steigerte El G\u00e9n\u00e9ral Popularit\u00e4t nur noch, vom Time Magazin wurde er unter die 100 einflussreichsten Personen des Jahres 2011 gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Gew\u00e4hlt wird am 23. Oktober\u00a0 auch in Tunesien \u2013 Hamada Ben Amr, El G\u00e9n\u00e9ral mit b\u00fcrgerlichem Namen heisst &#8211; kandidiert aber nicht, sondern arbeitet an seinem ersten Album. Selina Nowak hat ihn vor seinem Konzert beim <a title=\"Salam.Orient Festival\" href=\"http:\/\/www.salam-orient.at\/\" target=\"_blank\">Salam.Orient Festival<\/a> (13.10.05.11.2011) in Wien getroffen.<\/p>\n<p><strong>Siehst du dich mehr als Musiker oder politischen Aktivisten?<\/strong><br \/>\nMein Rap spricht sowohl politische wie gesellschaftliche Themen an, die f\u00fcr die Menschen interessant sind. Die Musik ist mein Transportmedium. Ich habe es gew\u00e4hlt, da es der einzige Weg ist, den ich kenne. Ich habe keine anderen Mittel, um meine Themen zu transportieren.<br \/>\nIch bin ein ganz normaler Typ, aber in meiner Rolle als MC sehe ich es als meine Pflicht, meine Stimme zu erheben. Ich bin ein Musiker, der eine Botschaft hat.<\/p>\n<p><strong>Wer sind deine Vorbilder?<\/strong><br \/>\nPrivat kann ich das schwer sagen. K\u00fcnstlerisch gibt es einige Vorbilder &#8211; ist da auf jeden Fall der franz\u00f6sische Rapper Kery James. Er rappt nicht \u00fcber pers\u00f6nliche Dinge sondern \u00fcber Themen wie Ungerechtigkeit, Unterdr\u00fcckung, Rassismus. Er tr\u00e4gt somit etwas zur Gesellschaft bei.<\/p>\n<p><strong>Wie hat sich dein Leben in den letzten Monaten ver\u00e4ndert?<\/strong><br \/>\nDie Verantwortung ist gr\u00f6\u00dfer geworden, ich muss mehr auf meine Worte und mein Handeln achten. Denn meine Musik ist nun keine rein regionale Angelegenheit mehr sondern hat gr\u00f6\u00dfere Dimensionen bekommen. Das macht es auch viel schwieriger, das was ich erreicht habe, zu halten, was gewisserma\u00dfen auch eine B\u00fcrde bedeutet. Aber ich habe mich nun mal f\u00fcr den Rap entschieden, was anderes will ich nicht machen. Ob und wie lange ich davon leben kann? Das wird sich zeigen. Manche Rapper schaffen es, viele schaffen es nicht. Je nach Ziel und der F\u00e4higkeit, seinen Status als Rapper in der HipHop-Welt zu platzieren.<\/p>\n<p><strong>Wie hat sich die tunesische Musikszene durch die Revolution ver\u00e4ndert?<\/strong><br \/>\nVor allem f\u00fcr den Rap hat sich viel ge\u00e4ndert. Zuvor war es verboten Konzerte zu veranstalten und CDs zu verkaufen, die nicht zuvor die Zensur durchlaufen haben.<br \/>\nNun hat das Kulturministerium die Rapmusik sogar offiziell als Kunstrichtung anerkannt. Die Musik wird viel im Fernsehen gespielt und was im Fernsehen l\u00e4uft verkauft sich auch am Markt besser. Die Revolution hat dem HipHop einen Platz in der tunesischen Gesellschaft gebracht.<\/p>\n<p><strong>Viele junge M\u00e4nner deiner Generation streben nach Europa. Hast du je dar\u00fcber nachgedacht, Tunesien Richtung Norden zu verlassen?<\/strong><br \/>\nDar\u00fcber habe ich oft nachgedacht. Warum? Wegen der Unterdr\u00fcckung in einem Lande, das einem nicht einmal ein Minimum an M\u00f6glichkeiten bot um in W\u00fcrde zu leben. Keine Redefreiheit, Gef\u00e4ngnis, Repression \u2013 bei dem Wunsch das Land zu verlassen ging es nicht um mehr Geld sondern um mehr Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Hast du eine Botschaft an diejenigen, die Tunesien verlassen haben oder die vielleicht dar\u00fcber nachdenken?<\/strong><br \/>\nVieles ist derzeit in einem Umwandlungsprozess. Wir jungen Menschen m\u00fcssen uns selbst und unserem Land eine Chance geben. Aus uns kann noch viel werden und gottseidank gibt es in Tunesien eine Menge junge Leute. Wenn jemand sich aber daf\u00fcr entscheidet auszuwandern, so muss man das auch akzeptieren, denn letztendlich entscheidet jeder Mensch f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n<p><strong>Hast du dich entschieden, in am 23. Oktober zur Wahl zu gehen?<\/strong><br \/>\nNein, ich gehe nicht zur Wahl.<br \/>\nIch habe kein Vertrauen in die politischen Parteien. Wie kann ich zur Wahl gehen, wenn ich kein Vertrauen in die Politiker habe. Wie kann ich eine Partei w\u00e4hlen, an die ich nicht glaube?<br \/>\nIch sehe mich selbst als Kritiker der politischen Szene und nicht als W\u00e4hler.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrdest du dir von einem Politiker w\u00fcnschen, damit du ihn w\u00e4hlst?<\/strong><br \/>\nDass er dem Lande dient wie ein Mann!<\/p>\n<p><em>El G\u00e9n\u00e9ral\u2019s Album &#8222;La Voix Du Peuple&#8220;\u00a0 (Die Stimme des Volkes) erscheint 2012. Er rappt darauf \u00fcber tunesische, Nahost- und Weltpolitik, die Freimaurer\u00a0 sowie \u00fcber Gott und den Lauf der Welt.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0Apropos Freimaurer: Die Verschw\u00f6rungstheorie, dass diese Geheimvereinigung \u2013 gemeinsam mit den USA und Israel &#8211;\u00a0 die Weltherrschaft anstrebt, ist in der arabischen Welt relativ verbreitet. El G\u00e9n\u00e9ral rappt auch dar\u00fcber, was man aber nicht mit Antisemitismus alter deutscher Schule verwechseln darf. Ebenso unpassend ist es, El G\u00e9n\u00e9ral als \u201eIslamisten\u201c hinzustellen, wenn er \u00fcber Religion rappt. Der 23-j\u00e4hrige ist nun mal kein linker intellektueller Friedensaktivist, der Musik f\u00fcr den Westen macht, sondern ein w\u00fctender Pseudogangster, den man sehr wohl hinterfragen, gleichzeitig auch als beispielgebend verstehen muss. <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Mehr dazu bald in der Sendung Frau Nowaks Transorientalischer Musikexpress zur Tunesischen Wahl: Die Revolution und ihre Kinder.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Seid gespannt!<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keiner steht so f\u00fcr die derzeitige musikalische Protestkultur in der arabischen Welt, wie der 23-j\u00e4hrige tunesische Rapper El G\u00e9n\u00e9ral, sein Lied \u201eRayis le-Blad\u201c gilt als \u201eHymne der arabischen Revolution\u201c. 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