{"id":2356,"date":"2013-08-08T02:47:47","date_gmt":"2013-08-08T02:47:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/?p=2356"},"modified":"2013-09-10T04:23:04","modified_gmt":"2013-09-10T04:23:04","slug":"dichterwerdung-norbert-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/sendung\/dichterwerdung-norbert-2\/","title":{"rendered":"Dichterwerdung&#8230; (Norbert)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stream\/Download: <a href=\"http:\/\/cba.fro.at\/246128\">Nachtfahrt der Perlentaucher vom Freitag, 9. August<\/a> &#8211; Eine Sendung \u00fcber die Faszination der Sprache, \u00fcber das Dichten und immer noch dichter werdende Verdichten, \u00fcber das Wachsen und Werden von Ausdrucks-Weisen &#8211; und \u00fcberhaupt \u00fcber uns und unsere Wortwelten, in die wir uns verliebt verlieren. Dichterwerdung ist dabei sowieso ein Ausnahmeausdruck, beschreibt doch gerade seine Doppelbedeutung jenseits sprachk\u00fcnstlerischer Reifung oder schriftstellerischer Karriere eher einen Aggregatumstand zunehmender Innenweltverwandlung. Da sind Dichtheit und Dichtung also durchaus nicht nur etymologisch artverwandt, zumindest was die Ver\u00e4nderung des Wahrnehmens anbelangt. Was allerdings das sch\u00f6pferische Einwirken auf seine Mitmenschen betrifft, da kann es dem Dichter ab einer gewissen Dichtheit schon zur Implosion geraten. Doch Dichtheit umgibt uns ja auch noch anderweitig. Daher diesmal mein Pl\u00e4doyer f\u00fcr einen eher revolution\u00e4ren Umgang &#8211; vor allem mit Sprache \ud83d\ude09<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000109.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2393\" alt=\"Abendkonsum\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000109-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000109-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000109-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>&#8222;Das kann kein Film, kein Buch, keine Musik &#8211; und keine Droge &#8211; die Welt ver\u00e4ndern.&#8220; So t\u00f6nen sie alle heutzutage, die damals die <strong>politisch-psychedelische Aufbruchstimmung<\/strong> mitgepr\u00e4gt haben und mittlerweile wohlbestallt als Autobiographen, Ex-Terroristen, Musikkritiker oder Verlagsleiter <strong>ein Teil jener globalen Unterhaltungsindustrie<\/strong>\u00a0geworden sind, deren Ausbreitung sie damals so vehement bek\u00e4mpft hatten &#8211; und von deren reichlicher Dividende sie nunmehr so angenehm leben. K\u00f6nnte ja durchaus sein, dass sie sich einfach haben einkaufen lassen. Dass sie sich ihre abgebr\u00fcht wirkenden Statements recht gut versilbern und vergolden lassen. &#8222;Das ist eben so. Die ganze Welt ist ein Markt. <strong>Man muss halt schauen, dass man im Gesch\u00e4ft bleibt.<\/strong> U.S.-Imperialismus, Coca-Colonialization, die kulturelle Hegemonie, ein Naturgesetz.&#8220; Mediale Pr\u00e4senz, Umsatzzahlen und Einschaltquoten, marketingmechanisch werbungsk\u00fcnstliche Aufmerksamkeitserregung in einem Meer massenideologisch gleichgebl\u00f6deter Kaufkasperln, Konsumidioten, Kulturverbraucher. &#8211; Das sind doch genau <strong>die Parolen der herrschenden Wirtschaftsreligion<\/strong> &#8211; das ist doch die n\u00e4chste <strong>&#8222;Big Lie&#8220;<\/strong> nach Augustinus, Luther und Goebbels &#8211; dass n\u00e4mlich die Welt als Ganzes &#8222;endverbrauchbar&#8220;, also auftragsgem\u00e4\u00df aufzufressen sei. <strong>Und Mahlzeit!<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000252.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2398\" alt=\"Opferweisheit\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000252-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000252-225x300.jpg 225w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000252-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000252.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Doch drehen wir den Spritz einfach wieder um &#8211; ins Majim. Wie sagt das alte j\u00fcdische Sprichwort und Motto der in Yad Vashem als &#8222;Gerechte unter den V\u00f6lkern&#8220; geehrten Listenschindler und Fl\u00fcchtlingsverstecker: <strong>&#8222;Wer einen einzigen Menschen rettet, der rettet die ganze Welt.&#8220;<\/strong> Und seien wir uns ehrlich &#8211; haben die nicht auch die Welt ver\u00e4ndern wollen? Denn wenn nicht, dann h\u00e4tten sie ja wie viele andere in der Mitte der Gesellschaft auch brav Ja, Amen und Heil Hitler gesagt und weiter mitgemacht bei der Ausrottung der Andersseienden. <strong>Es gibt kein menschliches Werk<\/strong> &#8211; egal ob in Taten, Worten oder Liedern (geschweige denn Filmen) &#8211; das von irgendwelchem Interesse sein k\u00f6nnte, n\u00e4mlich <strong>im Sinne einer Bef\u00f6rderung der Entwicklung zur Menschlichkeit<\/strong> &#8211; au\u00dfer ein solches, das aus dem elementaren Verlangen nach Ver\u00e4nderung der Welt entstanden ist. Kein menschliches Werk ist von irgendwelchem Wert f\u00fcr seine Mitmenschen &#8211; seien es Zeitgenossen oder kommende Generationen &#8211; <strong>das nicht aus dem tiefen Bed\u00fcrfnis nach Ver\u00e4nderung<\/strong> der bestehenden Verh\u00e4ltnisse zum Friedlicheren, zum Gerechteren &#8211; also <strong>zum Besseren &#8211; geboren ist.<\/strong>\u00a0Diesen Umstand abzulehnen, auszublenden, ihn durch welche Verdr\u00e4ngung auch immer zu verneinen &#8211; ihn durch blo\u00dfe Nichterw\u00e4hnung au\u00dfen vor zu lassen &#8211; das ist im Grunde schon ein Kapital<strong>(aha!)<\/strong>verbrechen &#8211; n\u00e4mlich das Verbrechen des Verschweigens.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000202.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2406\" alt=\"Verwandlung\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000202-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000202-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2013\/08\/P1000202-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Wenden wir den obigen Spruch doch einmal auf die Motivation zum Kunstschaffen &#8211; und auf die Motivation zum Kunstgebrauch an &#8211; dann w\u00fcrde er wohl hei\u00dfen: <strong>&#8222;Wer eine einzige Welt (etwa die eigene) ver\u00e4ndert, der ver\u00e4ndert auch die Welt im Ganzen.&#8220;<\/strong> Wer also dichtet, singt und spielt, sich selbst auf- und anderen etwas vorf\u00fchrt, um so die Welt zu ver\u00e4ndern, der verf\u00fchrt seine Leser, H\u00f6rer und Zuschauer ebenfalls dazu, in eine sich ver\u00e4ndernde Welt einzutauchen &#8211; und <strong>ihre eigene Welt als durchaus ver\u00e4nderbar zu verstehen.<\/strong>\u00a0Und dieser Prozess vermag den inneren Wert von Ver\u00e4nderung auch in die Welt da drau\u00dfen zu bef\u00f6rdern. Da ist n\u00e4mlich <strong>kein Unterschied zwischen Innen- und Au\u00dfenwelt<\/strong> &#8211; und es gibt einen direkten und kausalen Zusammenhang zwischen <strong>Phantasie<\/strong> (der Vorstellung von der Welt, wie sie sein k\u00f6nnte und eigentlich sein sollte) <strong>und Realit\u00e4t<\/strong>\u00a0(der Wahrnehmung unserer gemeinsamen Welt, wie sie durch handelnde Personen gestaltet wurde) &#8211; auch wenn das Gegenteil dessen andauernd und mit aller verf\u00fcgbaren Geldgewalt wiederk\u00e4uend behauptet wird, ein Umstand, der \u00fcbrigens <strong>keine Aussage jemals &#8222;wahrer&#8220;<\/strong> gemacht hat &#8211; <strong>allerbestenfalls &#8222;geglaubter&#8220;<\/strong> &#8211; bis hin zur alternativlosesten Mehrheitsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stream\/Download: Nachtfahrt der Perlentaucher vom Freitag, 9. 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