{"id":4741,"date":"2014-11-12T05:36:15","date_gmt":"2014-11-12T05:36:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/?p=4741"},"modified":"2014-11-16T04:02:06","modified_gmt":"2014-11-16T04:02:06","slug":"november","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/sendung\/november\/","title":{"rendered":"November"},"content":{"rendered":"<p><strong>&gt; Sendung anh\u00f6ren: <a href=\"http:\/\/cba.fro.at\/273708\">Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 14. November<\/a><\/strong> &#8211; Passend zur Jahreszeit zwischen Allerheiligen und Adventanfang befrachten wir uns in dieser Sendung <strong>mit allerlei Zwischenzust\u00e4nden<\/strong> von <strong>Licht und Dunkel, Nacht und Nebel, Tod und Leben<\/strong>. Dabei begleiten uns Gedichte und Prosatexte von<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Trakl\"><strong> Georg Trakl<\/strong><\/a>, des wohl radikalsten Salzburger Totalverweigerers staatsb\u00fcrgerlicher Pflichtbestimmung. Sein <strong>ebenso selbst gew\u00e4hlter wie ihm auch aufgezwungener Tod<\/strong>, schon kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, ist untrennbar mit dem 100-Jahres-Gedenken an diesen Wahnsinn verkn\u00fcpft &#8211; und wird doch leider oft nur als individuelles Scheitern verstanden! Wir wollen daher einige <strong>Facetten seines Lebens und Wirkens<\/strong> nochmals eingehender betrachten, als uns dies im Rahmen einer knappen Artarium-Themenstunde m\u00f6glich war. Die Sendung\u00a0 <a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/artarium\/2014\/11\/07\/kehricht-pfeift-verliebt-ein-rattenchor\/\"><strong>&#8222;Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor&#8220;<\/strong><\/a> ist hier online verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-077.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4757\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-077-300x224.jpg\" alt=\"November\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-077-300x224.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-077-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-077-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Urspr\u00fcnglich sollte diese Nachtfahrt einfach nebelig und soundverhangen werden, ein <strong>wechselvoller Aufzug<\/strong> von d\u00fcsteren, seltsamen, aber auch tr\u00f6stlich w\u00e4rmenden, anheimelnden <strong>Musikstimmungen<\/strong>, die wir einander dann mit entsprechenden Wortbildern garnieren w\u00fcrden. Dann kam jedoch die recht intensive Besch\u00e4ftigung mit Georg Trakls zutiefst <strong>ambivalentem Sprachschaffen<\/strong> dazwischen &#8211; oder, besser noch, hinzu. <strong>Et voil\u00e1!<\/strong> \ud83d\ude42 Tauchen wir den irrlichternden Taumel dieses von Wort zu Wort gehetzten <strong>Sinnsuchenden einer untergehenden Epoche<\/strong> als roten Faden in unser sp\u00e4therbstliches Gef\u00fchlsdestillat und harren wir der kommenden Kristallisierungen. Von <strong>Sehnsucht und Schrecken<\/strong>, von <strong>Sexualit\u00e4t und Strenge<\/strong>, von <strong>Selbstangst und Schuld<\/strong> wird da zu h\u00f6ren sein, von <strong>rauschhaften Visionen<\/strong>, von <strong>Welt\u00fcberdruss und Zerst\u00f6rung<\/strong>. Doch darin auch immer vom <strong>Ahnen, Ringen und schlie\u00dflich Wissen<\/strong> um <strong>ein Ganzes<\/strong>, <strong>ein<\/strong> <strong>m\u00f6gliches Heiles<\/strong> &#8211; inmitten des durch d\u00fcnne Haut sp\u00fcrbaren<strong> Unheils<\/strong>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-129.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4770\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-129-300x224.jpg\" alt=\"Totengedenken\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-129-300x224.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-129-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Friedhof-129-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><em>&#8222;Am Heimweg traf er ein unbewohntes Schlo\u00df. Verfallene G\u00f6tter standen im Garten, hintrauernd am Abend. Ihm aber schien: hier lebte ich vergessene Jahre. Ein Orgelchoral erf\u00fcllte ihn mit Gottes Schauern. Aber in dunkler H\u00f6hle verbrachte er seine Tage, log und stahl und verbarg sich, ein flammender Wolf, vor dem wei\u00dfen Antlitz der Mutter. O, die Stunde, da er mit steinernem Munde im Sternengarten hinsank, der Schatten des M\u00f6rders \u00fcber ihn kam. Mit purpurner Stirne ging er ins Moor und Gottes Zorn z\u00fcchtigte seine metallenen Schultern; o, die Birken im Sturm, das dunkle Getier, das seine umnachteten Pfade mied. Ha\u00df verbrannte sein Herz, Wollust, da er im gr\u00fcnenden Sommergarten dem schweigenden Kind Gewalt tat, in dem strahlenden sein umnachtetes Antlitz erkannte. Weh, des Abends am Fenster, da aus purpurnen Blumen, ein gr\u00e4ulich Gerippe, der Tod trat. O, ihr T\u00fcrme und Glocken; und die Schatten der Nacht fielen steinern auf ihn.&#8220;<\/em> (Georg Trakl, aus &#8222;Traum und Umnachtung&#8220;)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Trakl-Vorstadt-072.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4775\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Trakl-Vorstadt-072-300x224.jpg\" alt=\"Wasserlicht\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Trakl-Vorstadt-072-300x224.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Trakl-Vorstadt-072-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2014\/11\/Trakl-Vorstadt-072-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Und wie ergeht es einem jungen Menschen heute, <strong>nach 100 Jahren<\/strong> abendl\u00e4ndischer Kulturgeschichte, auf der Suche nach Selbstausdruck und \u00dcbereinstimmung? Finden sich \u00fcberhaupt noch <strong>Zwischenwelten<\/strong> diesseits der Verwertbarmachung &#8211; von auch noch dem allerletzten Gef\u00fchlsr\u00fclpser? <strong>Welche Drogen<\/strong> muss einer im Jahr 2014 zu sich nehmen, um den aktuellen Weltkrieg noch halbwegs zu ertragen? Den <strong>Eroberungsfeldzug<\/strong> der Etablierten auf Kosten der Zukurzkommenden? Den <strong>Ausverkauf aller Phantasien und Ideale<\/strong> &#8211; im Namen des Konsums, der Leistung und des Wirtschaftswachstums? <strong>In Ewigkeit, Amen!<\/strong> So viel hat sich in den 100 Jahren des Fortschritts und der Zivilisation dann halt doch nicht ge\u00e4ndert, stellen wir betroffen fest. <strong>Die einige Dreiheit<\/strong> daherbehaupteter <strong>h\u00f6chster Werte<\/strong> hei\u00dft nicht mehr <strong>Gott, Kaiser, Vaterland<\/strong>, sondern je nachdem <strong>Geld, Investor, Marktanteil<\/strong>. <strong>So what?<\/strong> Same Shit as ever! Doch <strong>ab 22 Uhr<\/strong> wird jetzt <strong>zur\u00fcck geschissen<\/strong>&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&gt; Sendung anh\u00f6ren: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 14. November &#8211; Passend zur Jahreszeit zwischen Allerheiligen und Adventanfang befrachten wir uns in dieser Sendung mit allerlei Zwischenzust\u00e4nden von Licht und Dunkel, Nacht und Nebel, Tod und Leben. 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