{"id":922,"date":"2012-07-13T02:22:39","date_gmt":"2012-07-13T02:22:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/?p=922"},"modified":"2025-04-08T11:46:07","modified_gmt":"2025-04-08T11:46:07","slug":"love-and-desperation-norbert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/sendung\/love-and-desperation-norbert\/","title":{"rendered":"Love and Desperation (Norbert)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Podcast\/Download: <a href=\"http:\/\/cba.fro.at\/61609\">Die Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 13. Juli<\/a> spannt einen weiten Bogen zwischen den scheinbar so widerspr\u00fcchlichen Polen von Liebe und Verzweiflung. Sind das wirklich so extreme Gegens\u00e4tze? Wenn unsere Liebe Erf\u00fcllung findet, dann ist der Endsieg der Seligkeit ein f\u00fcr alle Mal errungen. Und wenn unsere Liebe Entt\u00e4uschung und Verlust zeitigt, dann st\u00fcrzen wir unweigerlich in den Untergang unserer Ideale. Liebe oder Tod? Gewinn oder Verlust? Zufriedenheit oder Zugrundegehen? Sind wir derma\u00dfen gehirngefickt von der uns umherrschenden Ideologie der Nutzbarmachung, Besitzbarmachung, Verwertbarmachung jeglicher Lebensregung? Sind wir dem Schwindel von der Selbstverewigung durch Anpassung und Erfolg bereits vollst\u00e4ndig verfallen? Sind wir die Gl\u00fccksjunkies des 21. Jahrhunderts?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6401.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-925\" title=\"Feuerhalle Salzburg\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6401-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6401-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6401-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6401.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nun ja, vor nicht ganz 2 Wochen musste ich auch von meiner Tante <strong>Elfriede Mader<\/strong> Abschied nehmen, die ein sehr wesentlicher Mensch f\u00fcr mich gewesen war. Sie hatte schon sehr fr\u00fch meine eigenwillige <strong>Kreativit\u00e4t und Sprachbegabung<\/strong> entdeckt und nach Kr\u00e4ften gef\u00f6rdert, sowie mich dann auch ein ganzes Leben lang <strong>gegen gewaltsame Vereinnahmungen durch die allzu Angepassten und dem Durchschnitt, der Normalit\u00e4t H\u00f6rigen in Schutz genommen.<\/strong> Ihr Tod trifft mich als <strong>ein umfassender Verlust<\/strong> &#8211; nicht nur an menschlicher W\u00e4rme und Zuneigung, sondern auch an meinem <strong>Grundgef\u00fchl von Geborgenheit und Vertrauen.<\/strong> Es ist eine ebenso subtile wie nachhaltige <strong>Ersch\u00fctterung meines gesamten Erlebens,<\/strong> wie ich mich in der Welt befinde &#8211; und wie ich mich den Eindr\u00fccken dieser Welt gegen\u00fcber verhalte. Manchmal f\u00fchle ich mich den Menschen in meiner Umgebung pl\u00f6tzlich <strong>ganz und gar schutzlos ausgeliefert<\/strong> &#8211; und meine verwirrten Empfindungen brauchen viel l\u00e4nger als sonst \u00fcblich, um <strong>die wohlmeinenden von den b\u00f6swilligen Exemplaren zu unterscheiden.<\/strong> Ich m\u00f6chte mich oft am liebsten <strong>verkriechen &#8211; und warten,<\/strong> bis jemand kommt und mir die wackelige Welt wieder zurecht r\u00fcckt&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6425.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-946\" title=\"Stille Betrachtung\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6425-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6425-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6425-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6425.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und selbst <strong>inmitten der gro\u00dfen Liebe<\/strong> macht sich die <strong>Verzweiflung<\/strong> breit. Sie wohnt ganz <strong>nahe beim Lebendigen,<\/strong> sitzt mit ihren Verwandten <strong>Mutlosigkeit, Trauer und Wut<\/strong> am Tisch unseres Herzens und zieht einen <strong>dunkelgrau tr\u00fcben Vorhang<\/strong> \u00fcber die Fr\u00fcchte des Vergn\u00fcgens. Sie ist <strong>d\u00fcster, staubig und verraucht,<\/strong> aber nicht gleichm\u00fctig oder deprimiert. Sie ist <strong>voller Zorn und Zweifel<\/strong> und <strong>verhindert sich doch selbst<\/strong> beim Versuch, sich auszudr\u00fccken. <strong>Sie plappert pausenlos<\/strong> vor sich hin, schimpft, spuckt und grantelt, doch <strong>nie von den eigentlichen Themen,<\/strong> sondern immer <strong>irgendwie drum herum.<\/strong> Die Verzweiflung als eine <strong>hochtourig am Stand laufende Maschine zur Energievergeudung,<\/strong> gespeist aus der Begegnung mit <strong>unentrinnbarer Endlichkeit<\/strong> und der Gef\u00e4hrdung durch <strong>unverr\u00fcckbare Vergeblichkeit.<\/strong> Wir k\u00f6nnten jetzt, um sie wieder los zu werden und um uns zu erleichtern, entweder <strong>uns selbst oder andere verletzen,<\/strong> etwa indem wir <strong>sinnlos herum streiten<\/strong> oder <strong>auf\u00a0 Schw\u00e4chere losgehen.<\/strong> Doch <strong>das ist unsere Art nicht,<\/strong> dazu haben wir einfach zu viel Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck, <strong>dazu sind wir &#8211; auch und gerade im Angesicht des Todes &#8211; zu lebendig.<\/strong> Also versuchen wir <strong>einen anderen Weg<\/strong> zu gehen, einen <strong>unserem Wesen<\/strong> entsprechenderen:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6437.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-951\" title=\"Grimmiger Frieden\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6437-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6437-225x300.jpg 225w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6437-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6437.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Besinnen wir uns auf das Wesentliche!<\/strong> Was hat uns bisher &#8211; und immer wieder &#8211; <strong>am tiefsten bewegt?<\/strong> Womit besch\u00e4ftigen wir uns &#8211; schon seit der <strong>Entdeckung unserer Eigensprachlichkeit?<\/strong> Und welche Themen haben <strong>uns jetzt und hier<\/strong> &#8211; in all unserer Zerbrechlichkeit &#8211; <strong>zusammen gef\u00fchrt?<\/strong> Ist es nicht die tiefe <strong>Erfahrung von Leid und Unrecht,<\/strong> wenn wir erleben, wie <strong>besondere Menschen, Individualisten, K\u00fcnstler und Tagtr\u00e4umer<\/strong> von gedanken- und gef\u00fchllosen Gruppen, von unmenschlichen <strong>Ideologien und Machtsystemen<\/strong> <strong>ausgegrenzt, herabgew\u00fcrdigt und misshandelt werden?<\/strong> Und ich meine hier gar nicht die chinesische oder syrische Milit\u00e4rdiktatur. Ich spreche von unseren <strong>Salzburger Schulen,<\/strong> von unseren <strong>Kirchen, Parteien und Vereinen.<\/strong> Von unseren <strong>Freundeskreisen, Nachbarschaften und Verwandten.<\/strong> Und ich spreche ganz klar von unserer <strong>geldhierarchisch gegliederten Gesellschaftsordnung,<\/strong> von der <strong>Erfolgsdiktatur<\/strong> und vom <strong>Leistungsterror<\/strong> unseres <strong>menschenverachtenden Wirtschaftssystems,<\/strong> vom <strong>massenbl\u00f6dial gef\u00fchlsabspaltenden Konsumwichteltum des Mozartkugelfaschismus,<\/strong> vom <strong>gutb\u00fcrgerlich maskierten Pl\u00fcnderungsfeldzug am Gemeinschaftseigentum,<\/strong> vom <strong>Verprivatisieren des \u00d6ffentlichen Raumes durch die Besitzbesatzer und ihre Amtskomplizen. <\/strong>Ich spreche <strong>vom Schrecken und von der Ungeheuerlichkeit<\/strong> all dessen, was uns tagt\u00e4glich <strong>als vorgeblich unab\u00e4nderliche Normalit\u00e4t<\/strong> umbrandet und umtost, in die wir uns angeblich <strong>ohne Widerspruch<\/strong> und o<strong>hne R\u00fccksicht aufs eigene Wohlergehen<\/strong> gef\u00e4lligst einzuf\u00fcgen h\u00e4tten. <strong>Et cui bono?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6431.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-980\" title=\"Schrei des Lebens\" src=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6431-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6431-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6431-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/files\/2012\/07\/DSCN6431.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><strong>Wir alle,<\/strong> die wir noch eine Stimme haben, k\u00f6nnen sie erheben &#8211; <strong>gegen das Vergessen und Verdr\u00e4ngen<\/strong> &#8211; und <strong>gegen die Verbl\u00f6dung<\/strong> unserer Umwelt. <strong>Wir alle,<\/strong> die wir noch zum Mitgef\u00fchl f\u00e4hig sind, m\u00fcssen <strong>unsere Wahrnehmungen mitteilen<\/strong> &#8211; und zum <strong>Gegenstand \u00f6ffentlichen Gespr\u00e4chs<\/strong> machen &#8211; <strong>f\u00fcr all jene,<\/strong> die \u00fcblicherweise <strong>an den Rand gedr\u00e4ngt, zum Opfer gemacht und ihrer W\u00fcrde beraubt<\/strong> werden. <strong>F\u00fcr all jene,<\/strong> die sonst <strong>f\u00fcr immer zum Jasagen oder zum Schweigen gebracht<\/strong> w\u00fcrden. Und nat\u00fcrlich auch <strong>f\u00fcr uns selbst,<\/strong> denn <strong>unsere Verzweiflung ist nur die dunkle Schwester unserer Liebe &#8211; und beide wohnen sie in unseren Herzen! &#8211; Bleiben wir lebendig &#8230;<\/strong><\/p>\n<p><strong>wie lange noch<\/strong><\/p>\n<p>wie lange noch<br \/>\nwerde ich alles hinunterschlucken<br \/>\nund so tun<br \/>\nals sei nichts gewesen<\/p>\n<p>wie lange noch<br \/>\nwerde ich auf alle eingehen<br \/>\nund mich selbst<br \/>\nmit freundlicher miene vergessen<\/p>\n<p>wie lange<br \/>\nm\u00fcssen sie mich noch schlagen<br \/>\nbis dieses l\u00e4cherliche grinsen<br \/>\naus meinem gesicht f\u00e4llt<\/p>\n<p>wie lange noch<br \/>\nm\u00fcssen sie mir ins Gesicht spucken<br \/>\nbis ich mein wahres<br \/>\nzeige<\/p>\n<p>wie lange<br \/>\nkann ein mensch<br \/>\nsich selbst nicht lieben<\/p>\n<p>es ist so schwer<br \/>\ndie wahrheit zu sagen<br \/>\nwenn man gelernt hat<br \/>\nmit der freundlichkeit zu \u00fcberleben<\/p>\n<p>peter turrini<\/p>\n<p><strong>PS.<\/strong> Ich empfehle \u00fcberdies, auch die <a href=\"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/nachtfahrt\/sendung\/love-and-desperation-chriss\/\"><strong>feinen Gedanken vom Chriss zu diesem Sendungsthema<\/strong><\/a> zu lesen \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Podcast\/Download: Die Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 13. 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