{"id":1319,"date":"2013-09-29T09:18:58","date_gmt":"2013-09-29T09:18:58","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/?p=1319"},"modified":"2013-09-29T09:18:58","modified_gmt":"2013-09-29T09:18:58","slug":"lou-reed-berlin-ocbs-radiofabrik-album-der-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/2013\/09\/29\/lou-reed-berlin-ocbs-radiofabrik-album-der-woche\/","title":{"rendered":"LOU REED, Berlin &#8211; OCBs Radiofabrik-Album-der-Woche"},"content":{"rendered":"<p><span lang=\"EN\"><span style=\"font-size: medium\"><strong>Lou Reed, Berlin<\/strong> (V\u00d6: UK<\/span><\/span><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1324\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Cover\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Cover-300x271.jpg\" width=\"250\" height=\"241\" \/><\/a><span lang=\"EN\"><span style=\"font-size: medium\"> Juli 1973, US September 1973, RCA)<\/span><\/span><\/p>\n<p>Endlich lief es gut f\u00fcr <strong>Lou Re<\/strong><strong>ed<\/strong>s Solokarriere. Nach dem Flop seines Solodeb\u00fcts hatte sich das ehemalige Mastermind der <strong>Velvet Underground<\/strong> auf die helfenden H\u00e4nde von <strong>Mick Ronson<\/strong> und <strong>David Bowie<\/strong> bei der Produktion seines Zweitlings <em><strong>Transformer<\/strong><\/em> verlassen und mit <em><strong>Walk on the Wild Side<\/strong><\/em> prompt den ersten (und einzigen) Hitparadenerfolg gelandet. Auf der Modewelle des Glam-Rock reitend, verpasste er sich zudem ein aufreizendes Image und bespielte zahllose B\u00fchnen auf beiden Seiten des Atlantiks. Und so war <strong>Lou Reed<\/strong> im Fr\u00fchjahr 1973 so popul\u00e4r geworden, dass ihn die Leser des NME im Popularit\u00e4tsranking sogar vor <strong>Mick Jagger<\/strong> und <strong>David Bowie<\/strong> stellten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1325 alignright\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Inlay1\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay1.jpg\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay1.jpg 600w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay1-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay1-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a> Doch hinter dieser Fassade waren schon wieder dunkle Wolken aufgezogen. Die ausf\u00fchrliche Tournee zehrte an <strong>Lou Reed<\/strong>s Nerven und seine Live-Band <strong>The Tots<\/strong> erwies sich oftmals als h\u00f6lzern und in ihren musikalischen M\u00f6glichkeiten begrenzt. Zudem wurmte ihn die Tatsache, dass er in fast jedem Interview zu <em><strong>Transformer<\/strong><\/em> mehr \u00fcber <strong>David Bowie<\/strong>s Rolle dabei erz\u00e4hlen musste, als \u00fcber seine eigene. Um diesem Ungemach zu entfliehen verfiel <strong>Reed<\/strong> zunehmend in die (Selbst-) Zerst\u00f6rung durch steigenden Alkohol- und Heroinkonsum und lie\u00df in Folge Wut und Zynismus freien Lauf. Musikjournalisten mieden den unberechenbaren Rocker zunehmend.<\/p>\n<p>Und so wurde seine Ehefrau <strong>Bettye <\/strong>zum ersten Opfer ihres groben Gatten. Erst seit J\u00e4nner 1973 verheiratet lie\u00df <strong>Lou<\/strong> keine Gelegenheit aus seine (vermeintliche) geistige \u00dcberlegenheit <strong>Bettye<\/strong> gegen\u00fcber auszuspielen und sie, w\u00e4hrend sie sich ihm in Ergebenheit und Ehrfurcht immer weiter unterordnete, auch \u00f6ffentlich zu dem\u00fctigen und sogar zu misshandeln. Dazu kamen noch das aufreibende Leben auf Tournee und die Begleiterscheinungen von Lous weiterhin steigender Popularit\u00e4t. Im Sommer 1973 hatte <strong>Bettye<\/strong> bereits einen Selbstmordversuch hinter sich, dessen Scheitern sie zus\u00e4tzlichem Spott aussetzte. <strong>Lou<\/strong> hingegen hatte den Stoff f\u00fcr sein n\u00e4chstes Album beisammen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1326 alignright\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Inlay2\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay2.jpg\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay2.jpg 600w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay2-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay2-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>W\u00e4hrend die Popwelt hoffnungsfroh auf ein zweites\u00a0<em><strong>Transformer<\/strong><\/em> wartete und RCA darauf vertraute die Label-Kollegen <strong>Bowie <\/strong>und <strong>Reed <\/strong>w\u00fcrden ihre Zusammenarbeit gewinnbringend fortsetzen, holte Lou \u00fcberraschend <strong>Bob Ezrin<\/strong>, der sich als Partner von Schock-Glam-Rocker <strong>Alice Cooper<\/strong> einen Namen gemacht hatte, an Board. Mit dem h\u00f6chsten Budget, das f\u00fcr ein <strong>Lou Reed\/Velvet Underground<\/strong> Album jemals zur Verf\u00fcgung stand, ausgestattet, rief er mit <strong>Ezrin <\/strong>eine Band zusammen, die einem <i>Who-is-Who<\/i> der Musikgeschichte gleicht: Neben den kongenialen Gitarristen <strong>Steve Hunter<\/strong> und <strong>Dick Wagner<\/strong> fanden sich <strong>Jack Bruce<\/strong> (b), <strong>Steve Winwood<\/strong> (org), <strong>Aynsley Dunbar<\/strong> (dr), <strong>Randy <\/strong>und <strong>Michael Brecker<\/strong> (sax, tr) und <strong>Tony Levin<\/strong> (b) im Studio ein.<\/p>\n<p>Auf dem Plan stand, die d\u00fcsterste und deprimierende Geschichte eines sich auseinander lebendenden Paares musikalisch umzusetzen, deren Zweisamkeit in Zynismus, Untreue, Gewalt, Drogensucht, Prostitution und Selbstmord endet. Ohne bis dahin jemals dort gewesen zu sein, w\u00e4hlte <strong>Reed <\/strong>die geteilte Stadt Berlin als symboltr\u00e4chtiges Setting f\u00fcr seinen musikalischen <i>film noir<\/i>. Die Songlist bestand \u2013 wie oft auf den 70er-Alben <strong>Reed<\/strong>s \u2013 zur H\u00e4lfte aus bis dahin unver\u00f6ffentlichten, \u201e\u00fcbrig gebliebenen\u201c <strong>VU<\/strong>-Songs und neuem Material.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1327 alignright\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Inlay3\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay3.jpg\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay3.jpg 600w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay3-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay3-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a> Nach einem feuchtfr\u00f6hlich gegr\u00f6lten <i>Happy Birthday<\/i> bringt der Titelsong\/Opener <em><strong>Berlin <\/strong><\/em>bereits ein Eigenzitat aus seinem Deb\u00fctalbum, durch seine Reduktion auf zwei Strophen \u2013 die B-Teile\/Bridges werden ausgelassen \u2013 und Bar-Piano in dunkelgraue Farbe getaucht, lassen die Schlu\u00dfzeilen \u201e<em>\u2026 it was very nice, oh honey, it was paradise<\/em>\u201c jedoch nur wenig Gutes erahnen. Die folgenden <em><strong>Lady Day<\/strong><\/em> und <em><strong>Men of Good Fortune<\/strong><\/em>, das erste eine funkige, zartbittere Hommage an <strong>Billie Holiday<\/strong>, das zweite ein ironischer Blick auf die unterschiedlichen Lebenschancen von Arm und Reich, ordnen sich zwar nur schwer in die Geschichte des Albums ein, dienen daf\u00fcr umso passender als Stimmungsbilder.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1328 alignright\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Inlay4\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay4.jpg\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay4.jpg 600w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay4-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay4-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>Nach dem ersten Einblick in die apathische Haltung des Erz\u00e4hlers \u201e<em>But me, I just don\u2019t care at all<\/em>\u201c lernt der H\u00f6rer mit <em><strong>Caroline Says I<\/strong><\/em> die weibliche Hauptperson der Handlung kennen. Nach Candy, Lisa und Stephanie reiht sich Caroline in die Liste des \u201e<em>she says<\/em>\u201c-Formats in Reeds Songwriting ein und erscheint wie ein Spiegelbild von <strong>Reed <\/strong>selbst: Sie ist hartherzig, fordernd und sarkastisch (\u201e<em>she wants a man, not just a boy<\/em>\u201c). Hinter der Bezeichnung \u201e<em>she\u2019s still a German(ic) queen<\/em>\u201c wollen <strong>Reed<\/strong>-Kenner zudem gerne einen Hinweis auf <strong>Reed<\/strong>s Aff\u00e4re mit <strong>Nico <\/strong>sehen, andere wiederum vermuten hinter dem Begriff <em>queen <\/em>eher <strong>Reed<\/strong>s \u2013 durch sein neues Image bewusst provoziert \u2013 unklare sexuelle Ausrichtung oder vielmehr noch ein Bekenntnis zu bi- oder homosexueller Liebe. Dem druckvollen Beat und \u00fcppig arrangierten Rock erw\u00e4chst dabei ein beinahe bedrohliche Kraft, die sich im ausklingenden Gitarrenduell von <em><strong>How Do You Think It Feels<\/strong><\/em><i><\/i><em><strong>? <\/strong><\/em>wiederfindet. <em><strong>How Do You Think It Feels? <\/strong><\/em>erkundet die Gef\u00fchlslage des Erz\u00e4hlers: Zwischen Alkohol, Schlaflosigkeit, drogenbedingter Isolation und sexueller Gier bewegt er sich auf den Abgrund zu. Untreue, Verlogenheit, Gewalt und (Selbst-)Hass, wie sie <em><strong>Oh Jim<\/strong><\/em> zeichnet, verdeutlichen eine Borderline-Situation, die in den Augen vieler Kritiker und Fans ein Spiegelbild von <strong>Reed<\/strong>s Gef\u00fchlswelt zu diesem Zeitpunkt darstellt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1329 alignright\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Inlay5\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay5.jpg\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay5.jpg 600w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay5-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay5-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>Mit dem Ende der ersten Schallplattenseite\/des ersten Teils hat <em><strong>Berlin<\/strong><\/em> ein Stimmungsbild erschaffen, das ersch\u00fctternder kaum sein k\u00f6nnte, und im Gegensatz zu seinem schwul-fr\u00f6hlichen Vorg\u00e4nger <em><strong>Transformer<\/strong><\/em> kein L\u00e4cheln zul\u00e4sst. Mit der Verdichtung der Handlung auf Seite 2\/im zweiten Teil erreicht das Album jedoch eine Intensit\u00e4t und Graustufe, die vielen H\u00f6rern und Kritikern zu intensiv wurde.<\/p>\n<p><em><strong>Caroline Says II<\/strong><\/em> \u2013 ein gebremstes Remake von <em><strong>Stephanie Says<\/strong><\/em> aus <strong>VU<\/strong>-Zeiten \u2013 zeigt uns die zuvor noch hochm\u00fctige Protagonistin am Boden, von Drogen gezeichnet, geschlagen und gebrochen. \u201e<em>Why is it that you beat me?\u201c<\/em> fragt sie und wird mit Sarkasmus (\u201e<em>all of her friends call her Alaska<\/em>\u201c) belohnt. Wie sehr dieser Song der Realit\u00e4t des Ehepaars <strong>Reed<\/strong> sich n\u00e4hert, l\u00e4sst sich erahnen, wenn man einen Interviewbeitrag <strong>Lou Reed<\/strong>s aus diesem Jahr kennt: \u201eIch brauche ein weibliches Arschloch in meiner N\u00e4he, um mich daran zu erg\u00f6tzen; ich brauche einen ergebenen Arschkriecher, den ich herumsto\u00dfen kann.\u201c\u00a0\u201e<em>It&#8217;s so cold in Alaska<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1330 alignright\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Inlay6\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay6.jpg\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay6.jpg 600w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay6-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay6-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>Als vermeintliche Rechtfertigung und Strafe f\u00fcr Carolines Prostitution \u2013\u201e<em>they say she was making it with sisters and brothers<\/em>\u201c, ihren Drogenmissbaruch (\u201e<em>and all of the drugs she took everyone<\/em>&#8222;) und mangelhaftes m\u00fctterliches Verhalten (\u201e<em>she was not a good mother<\/em>&#8222;) verliert <i>sie<\/i> ihre Kinder. <em><strong>The Kids<\/strong><\/em> \u2013 drei Akkorde in unbeschwerten 3\/4\u2013Takt geh\u00fcllt \u2013 stellt dabei eines der ambivalentesten St\u00fccke der Popmusik dar: Dem betont unterk\u00fchlt vorgetragenen Text stellt die Mannschaft um Produzent <strong>Bob Ezrin<\/strong> eine bitter-s\u00fc\u00dfe Atmosph\u00e4re entgegen, die in unvergleichlich eindrucksvoller Weise musikalisches Handwerk, Reduktion und Leichtigkeit vereinen. Nicht zu Unrecht gilt <em><strong>Berlin<\/strong><\/em> f\u00fcr viele Musikliebhaber und -kritiker in dieser Hinsicht als <strong>Reed<\/strong>s fr\u00fches und bis heute unerreichtes Meisterst\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1331 alignright\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Inlay7\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay7.jpg\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay7.jpg 600w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay7-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay7-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a> F\u00fcr den H\u00f6hepunkt von <strong><em>The Kids<\/em><\/strong><i> <\/i>soll \u2013 der Legende nach \u2013 <strong>Bob Ezrin<\/strong> seinen Kindern wei\u00df gemacht haben, ihre Mutter w\u00fcrde nicht mehr zur\u00fcckkommen. Das dadurch provozierte, auf Band festgehaltene Heulen, Winseln und \u201e<i>Mummy<\/i>\u201c-Rufen der Kinder am Ende von <em><strong>The Kids<\/strong><\/em> ging und geht heute noch nicht nur Eltern durch Mark und Bein. Vielen H\u00f6rern wurde und wird es hier zu viel. Der abermals betont unterk\u00fchlte Nachsatz des Erz\u00e4hlers \u201e<em>and I am much happ<\/em><em>ier this way<\/em>\u201c spiegelt sich im folgenden \u201e<i>F<\/i><em>unny thing, I\u2019m not at all sad that it stopped this way<\/em>\u201c (<strong><em>The Bed<\/em><\/strong>) wider, mit dem Carolines Selbstmord kommentiert wird. Doch in Anbetracht des Betts, wo sie einst ihre Kinder empfing und sich dann die Pulsadern aufschnitt, der kleinen und gro\u00dfen Erinnerungsst\u00fccke in dem Haus, das sie sich so m\u00fchsam erarbeitet hatten, klingen die Worte nun gebrochen und traurig, der Verlust nagt. Engelsch\u00f6re markieren Carolines Entschweben aus dem Irdischen. Am Boden geblieben res\u00fcmiert der Erz\u00e4hler, wie alles so sch\u00f6n begonnen hatte (\u201e<em>she looked like Mary Queen of Scotts<\/em>\u201c) und doch so daneben lief (\u201e<em>just goes to show how wrong you can be<\/em>\u201c). <strong>Sad Song <\/strong>beschlie\u00dft das emotional aufw\u00fchlendste Rock-Album bis dato. Dabei verschafft das gro\u00dfe Finale mit deftigen Streichern und einem butterweichen Bl\u00e4sersatz zum Ausklang dem Zuh\u00f6rer Erl\u00f6sung und Erleichterung und setzt der herausragenden Arbeit des Produzenten <strong>Bob Ezrin<\/strong>s ein Denkmal.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1332 alignright\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Inlay8\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay8.jpg\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay8.jpg 600w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay8-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay8-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>Daf\u00fcr hatte <strong>Ezrin <\/strong>allerdings auch seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Im Versuch <strong>Lou Reed<\/strong>s Launen, seine Wankelm\u00fctigkeit und den Umstand, dass der Rockstar oftmals zu betrunken war um seine (Sprech-) Gesangsparts einzubringen, zu verdauen, griff auch <strong>Ezrin <\/strong>h\u00e4ufig zu Heroin. Als RCA kurz vor Ende der Aufnahmen verlauten lie\u00df, sie w\u00fcrden lieber kein Doppelalbum ver\u00f6ffentlichen und <strong>Ezrin <\/strong>das fertige Werk um 14 Minuten k\u00fcrzen musste \u2013 die verlorenen Minuten sind entgegen den \u00fcblichen Gepflogenheiten seitdem weder auf Bootlegs noch auf Re-releases wieder aufgetaucht \u2013 half dem Produzenten nur noch eine mehrmonatige Entziehungskur, um sein Leben wieder unter Kontrolle zu bringen.<\/p>\n<p><strong>Lou Reed<\/strong> hingegen kehrte schon bald wieder auf die B\u00fchne zur\u00fcck. W\u00e4hrend die Musikpresse \u00fcber <em><strong>Berlin<\/strong><\/em> fiel und mit deftigsten Abkanzelungen abtat, zeigten Fans und Musikfreunde nur Unverst\u00e4ndnis und Ablehnung f\u00fcr Lous \u201e<em>Anti-<strong>Transformer<\/strong><\/em>&#8222;. Das wiederum n\u00e4hrte Reeds Destruktivit\u00e4t und Hass. Er radikalisierte sein Auftreten weiter, stellte eine nun deutlich kr\u00e4ftiger rockende Band (mit den <em><strong>Berlin<\/strong><\/em>-Musikern <strong>Hunter <\/strong>und <strong>Wagner<\/strong>) zusammen und gab fortan das <strong>Rock\u2019n\u2019Roll Animal<\/strong>, wovon das so betitelte Live-Album zeugen sollte. Wenige Monate sp\u00e4ter l\u00f6ste er auch den zweiten Teil seines Versprechens gegen\u00fcber RCA ein, das er abgegeben hatte, um das Label \u00fcberhaupt erst zur Ver\u00f6ffentlichung von <em><strong>Berlin <\/strong><\/em>\u00fcberreden zu k\u00f6nnen, und lieferte mit dem Album und der gleichnamigen Single <em><strong>Sally Can\u2019t Dance<\/strong><\/em> einen Verkaufsrenner ab, der allerdings den Vergleich mit <em><strong>Berlin <\/strong><\/em>in keiner Weise standh\u00e4lt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1333 alignright\" alt=\"AdW_LR_Berlin_Inlay9\" src=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay9.jpg\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay9.jpg 600w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay9-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/files\/2013\/09\/AdW_LR_Berlin_Inlay9-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>Die erhoffte Anerkennung wurde <em><strong>Berlin<\/strong> <\/em>erst im Lauf der fr\u00fchen 80er-Jahre zuteil, indem Kritiker begannen ihre vernichtenden Erstmeinungen zu revidieren und dem mittlerweile immer mehr im Mittelma\u00df versinkenden <strong>Reed<\/strong> Anerkennung zollten. 2006 brachte <strong>Ree<\/strong><strong>d <\/strong>mit <strong>Steve Hunter<\/strong> in der Band <em><strong>Berlin <\/strong><\/em>etwas \u00fcberraschend zum ersten Mal zur G\u00e4nze auf die B\u00fchne und gab sich redlich M\u00fche seinen \u00fcber die Jahre immer schlampiger gewordenen Sprechgesang am Original zu orientieren. Der von <strong>Julian Schnabel<\/strong> dabei entstandene Konzertfilm ist allerdings entbehrlich.<\/p>\n<p>\u201eH\u00f6renswert \u2013 das Radiofabrik-Album der Woche\u201c pr\u00e4sentiert anl\u00e4sslich seines 40. Geburtstags <strong>Lou Reeds <em>Berlin<\/em><\/strong> und bringt als Bonus-Tracks zwei Aufnahmen, die in Paris w\u00e4hrend der Live-Tourn\u00e9e 1973\/74 entstanden sind. <em><strong>Oliver Baumann <\/strong><\/em>w\u00fcnscht gute Unterhaltung mit einem Albumklassiker aus dem Jahre 1973.<\/p>\n<p><strong>Playlist (des Albums)<br \/>\n<\/strong>Berlin<br \/>\nLady Day<br \/>\nMen Of Good Fortune<br \/>\nCaroline Says I<br \/>\nHow Do You Think It Feels<br \/>\nOh Jim<br \/>\nCaroline Says II<br \/>\nThe Kids<br \/>\nThe Bed<br \/>\nSad Song<\/p>\n<p><strong>Bonustracks (der Sendung)<br \/>\n<\/strong>Lady Day<br \/>\nOh Jim (beide live in Paris, Mai 1974)<\/p>\n<p><span lang=\"EN\"><span style=\"font-size: small\">Und wer jetzt das Radiofabrik-Album-der-Woche h\u00f6ren will, der ist <span style=\"font-size: small\"><a href=\"http:\/\/cba.fro.at\/show.php?lang=de&amp;eintrag_id=247061\" target=\"_blank\">hier <\/a> richtig. PW: OCP<\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lou Reed, Berlin (V\u00d6: UK Juli 1973, US September 1973, RCA) Endlich lief es gut f\u00fcr Lou Reeds Solokarriere. Nach dem Flop seines Solodeb\u00fcts hatte sich das ehemalige Mastermind der Velvet Underground auf die helfenden H\u00e4nde von Mick Ronson und &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/2013\/09\/29\/lou-reed-berlin-ocbs-radiofabrik-album-der-woche\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":89,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3991,3989,3994,3993],"tags":[],"class_list":["post-1319","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album-der-woche","category-horenswert-by-ocb","category-lou-reed","category-ocb-presents"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1319","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/89"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1319"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1319\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1338,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1319\/revisions\/1338"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1319"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1319"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.radiofabrik.at\/ocblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1319"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}