Roter Punktober

Battle&Hum #165 am Samstag, 17.10.2025, 22:00 Uhr, diesmal mit Sicherheitsnadeln!

Wenn ich an Düsseldorf denke, erscheint vor meinem Auge der Erinnerung eine gemütliche biedere Vorstadtsiedlung mit Ribiselsträuchern (für die deutschen Mitleser:innen: Johannisbeeren) und Thujenhecken. Das Phantasialand ist auch ums Eck und schreit „escape from reality“, aber das sind meine persönlichen Kindheitserinnerungen von Verwandtschaftsbesuchen in der 1980er Jahren. Vom Ratinger Hof hat mir meine Tante damals nichts erzählt. Gut, es war das Jahr 1983 und ich erst acht Jahre alt, und der Ratinger Hof lag schon röchelnd am Boden.

Düsseldorf war in den späten 70ern mal das Epizentrum der deutschen Punkbewegung (Berlin, Hamburg und Hannover haben natürlich auch eine Rolle gespielt aber in Düsseldorf hat die Erde gebebt). Wer hätte das gedacht! Legendäre Bands wie: S.Y.P.H., Mittagspause/Fehlfarben, Male, Östro 430, DAF, Die Toten Hosen und viele mehr, feierten ihren Geburtstag im Hof. Was das CBGB’s in New York für die Punkgeburt war, war der Ratinger Hof für Deutschland. Die Berliner Kneipe Risiko, wo Blixa Bargeld hin und wieder hinter der Budel gestanden ist, sei hier nur der Vollständigkeit halber (was für ein Konstrukt, da soll es voll sein und ist doch halber…..;) erwähnt.

Wien läuft hier unter ferner liefen, da kam nicht wirklich was Relevantes daher, eher tote Hosen, ha ha. Nein, ja, die sind aus Düsseldorf! Obwohl ganz am barocken Perückenmief erstickt war Wien auch wieder nicht, die Bands und Musiker Chuzpe, Drahdiwaberl, Ronnie Urini (wegen dem Kampfnamen warads) und Blümchen Blau (das geht dann schon ins nachfolgende Genre NDW und ja, die Neue Deutsche Welle, kommt direkt aus der Punk Bewegung, siehe auch New Wave in England) seien hier zur Rettung der gerne beleidigten österreichischen Leber, Seele und Wurst niedergeschrieben. Zu Wien fällt mir kein fruchtbares Szenebeisl ein. Halt! Da war ein Kulturzentrum Gassergasse wo sich die eine oder andere Band auch ein Stell dich ein gaben. Sogar in Salzburg brodelte es, allerdings erst Anfang der 90er Jahre, das so genannte Punkerhaus wurde besetzt und zu einem autonomen Kulturzentrum umgemodelt. Mich laust der Affe, wir haben mit Norbert K Hund einen Zeitzeugen und Mitwirkenden unter uns Radio-aktiven.

Österreich (fast hätte ich die Linzer Szene vergessen, die war auch nicht ganz schwach auf der Brust, ich sag nur Willi Warma, Fuckhead, Attwenger) ist halt wie immer etwas langsam und behäbig und macht es sich mit Kaiserschmarrn und Peter Alexander gemütlich. Der Kreissaal des deutschen Punkkindleins bleibt aber der Ratinger Hof. Hebamme war vielleicht Joseph Beuys der an der Düsseldorfer Kunstakademie in den 70er den Professor gab. Die ganze Akademie verkehrte im Ratinger Hof. Dazu passte auch Beuys Motto: „Jeder ist ein Künstler“. Die Punkmaxime postuliert ähnliches: Do it yourself/Einfach machen. In Düsseldorf bekommt jeder sein Fett ab.

Ich will hier jetzt nicht die 1000ste Eloge bzw. Deutung in Stein meißeln, was Punk ist und wie wir ihn zu verstehen haben. Nein, diese Schubladen auf und zu Macherei kann uns gestohlen bleiben, so ein Rotz. In meinem jungen Hirn, in den auslaufenden 1980er, abgeschnitten von der Außenwelt in Schärding am Inn, pochte immer etwas. Damals konnte ich das nicht verbalisieren aber heute kann ich es halbwegs, es war ein Drang (nein, nicht aus der Leibesmitte, ich sag doch Hirn), eine Sehnsucht: „Es muss doch was geben!“ Etwas dass die Lügen hinwegfegt, die Heldendenkmäler zertrümmert. Bloß den Rockzipfel der Mama loslassen reicht nicht, die Schürze muss zerreißen und die ungewaschenen Socken müssen einem um die Ohren fliegen. Mit Punk fliegt man beim Pogo aus dem Nest und speit der Bourgeoisie ein „A“ aufs Trottoir. Auch ich hatte mit jungen Jahren einen „Iro“ und trinke jetzt mit 50, aus einem Gmundner Keramik Service Kaffee während ich in der Brigitte blättere. Punk ist Emanzipation!

Battle&Hum nährt sich ja aus einem Rap/HipHop Gründungsmythos. „Eigentlich ist das ja eine Rap Sendung!“ pflegt DJ Ridi Mama gerne zu sagen. Aber der Punk liegt uns genauso am Herzen, noch dazu handelt es sich bei den zwei Genres Punk und Rap/HipHop um wesentliche Musik Erneuerer des sterbenden 20 Jahrhunderts. Freilich so schnell wie sie da waren wurden sie auch gleich von der Musikindustrie aufgeblasen, ausgelutscht und ausgespuckt. Das hindert uns nicht daran den alten rebellischen Geist wieder zu beschwören und ihn aus der Flasche zu leeren. Wir waschen hinweg die Dogmen der Welt. Am Samstag den 17.10.2026 ab 22: 00 sagen wir hey ho, lets go! Biltzkrieg Bop!