Artarium am Sonntag, 22. Februar um 17:00 Uhr – “Das Herz ist ein Muskel in der Größe einer Faust” vom Hamburger Musikkollektiv Früchte des Zorns ist eines jener Lieder, auf das wir uns mit unserer langjährigen Radiokollegin Rosi Krenn jederzeit hätten einigen können. Die unermüdliche Beschützerin und Ermutigerin jeglicher Art von normabweichenden, unangepassten, speziellen, diversen und auch sonst “in keins von den üblichen Schachterln passenden” Lebensentwürfen ist vor kurzem und also leider viel zu früh von uns gegangen. Wenn man sie – ob ihres vielfältigen Engagements für so viele – als jemand beschreiben möchte, die (in den Worten von Roxy Music) “Both Ends Burning” war, dann darf man auch sagen, dass es für das Licht der Welt besser gewesen wäre, wenn sie noch etwas länger geleuchtet hätte …
Kennen gelernt haben wir uns im sogenannten “Streiklager” der Aktion Freiheit statt Schubhaft. Während der Jugoslawienkriege flüchteten Kriegsdienstverweigerer (natürlich illegal, wie auch sonst?) zu uns nach Österreich. Sie sollten nach damals “Restjugoslawien” zurück abgeschoben werden, wo ihnen als Deserteure, also wegen “Fahnenflucht”, oftmals sogar die Todesstrafe drohte. Ein Umstand, der die Rosi bis ins Herz verletzte, was sie auf dieser mehrmonatigen Dauerkundgebung nach außen hin immer wieder in aller Drastik und Deutlichkeit zum Ausdruck brachte. Nach innen jedoch verströmte sie eine inspirierende Atmosphäre von Wohlwollen und Gastfreundschaft, die ich rückblickend als angenehm bestätigend und zugleich als in sehr einladender Weise herausfordernd empfand. Langsam wird mir klar, was für einen wesentlichen Beitrag sie dadurch auch zu meinem ersten Radioauftritt im Ö1-Feature “Im Schatten der Mozartkugel” geleistet hat, welches dort in ihrer Gegenwart aufgenommen wurde.
Und sie lebt sogar im Untertitel dieser Sendereihe weiter. Die Idee dafür, was ein Kunst- beziehungsweise Kunnst-Biotop eigentlich ist und wie sich sein Sinngehalt, seine Bedeutung beschreiben ließe, entstand damals auch unter ihrer Mitwirkung:
“Und das, was wir unter Kultur verstehen, ist, dass Menschen etwas machen, das vergleichbar ist mit einem Biotop. Das vergleichbar ist mit einem kleinen Tümpel, mit einem Schlammloch, da stehen drei Bäume, da ist ein hohes Gras – und irgendwann einmal zwischen Nachmittag und Abend kommen dort zwei Verliebte vorbei oder ein Dichterling oder sonst irgendjemand, einfach Menschen. Und die genießen das. Und denen sagt das was. Und das ist in keiner Statistik festzuhalten, das kann man in keinem Subventionsansuchen rechtfertigen – und das kann man in keiner Weise systematisch dingfest machen.”
Nur folgerichtig wurde ihre Sendung “Radio Stachelschwein” dann fast genau 20 Jahre nach unserer ersten Begegnung im Rahmen der Feier “15 Jahre Radiofabrik” 2013 mit einem Radioschorsch für “Soziale Visionen und deren Verwirklichung” ausgezeichnet. Und – hier schließt sich dieser Kreis – ich durfte diesen Preis damals überreichen und auch die entsprechende Laudatio halten. Wenn ich mir überlege, was ich – vor allem zu Rosis Wesensart und Gestimmtheit – noch sagen könnte, dann möchte ich diesen Ball jetzt an euch weiterspielen … eine kleine Aufgabe:
Lasst uns einen Moment lang gemeinsam innehalten … und den ganz am Anfang dieses Artikels zitierten Songtitel (der ihre Wesensart, wie ich meine, recht gut auf den Punkt bringt) wie einen einfachen Satz auf uns wirken … Was spüren wir da? Was hören wir in uns? Was erzählt er … über das Leben … ?
“Das Herz ist ein Muskel in der Größe einer Faust.”
