Das wilde Denken

Artarium am Sonntag, 23. August um 17:06 Uhr – Aha, wohl eine Sendung über Hannah Arendt, die ja gesagt haben soll, “Denken ist Zwiesprache mit sich selbst.“ Und über die unlängst ein ziemlich genialer Dokumentarfilm mit dem Titel “Denken ist gefährlich” erschienen ist? Aber nicht doch … oder … das kommt schon auch noch. Heute wollen wir unter anderem “den zwei Arten von wissenschaftlichem Denken” nachspüren, die Claude Lévi-Strauss in seinem Buch “La pensée sauvage” (auf deutsch als “Das wilde Denken” bekannt) 1962 erstmals beschrieben hat. Und, wie vor allem einer dieser beiden doch sehr unterschiedlichen “Wege zum Wissen” für die Werke von Marina Abramović, Silvia Federici und Audre Lorde wesentlich ist,  angeregt durch ein faszinierendes Buch von David Wengrow und David Graeber:

Das wilde Denken“Anfänge – Eine neue Geschichte der Menschheit”. Zugegeben, ein weit gespanntes Thema – und aufgrund der Fachkompetenz der Autoren auch streckenweise atemlosmachend reich an wissenschaftlichen Ergebnissen und den verschiedensten Angeboten an daraus möglicherweise zu ziehenden Schlüssen … Nach etwa 300 Seiten sagte ich halblaut zu mir: “Jetzt verlieren wir uns aber bald in den vielen Daten und Fakten. Höchste Zeit, mal wieder etwas zu lesen, wo Menschen konkrete Dinge erleben, darüber nachdenken, miteinander sprechen – und daraus etwas Gemeinsames entsteht.” Schon sind wir mittendrinDenn das Faszinierende an diesem Buch ist ja, dass hier hochqualifizierte Wissenschafter ihre Erkenntnisse endlich nicht mehr nur auf einen überschaubaren Kreis an Expert*innen oder “das Fachpublikum” begrenzen, sondern sie in einer bemerkenswert verstehbaren Sprache allen an der Entwicklung ihrer Welt Interessierten mitteilen. Das habe ich bisher, etwa an den anthropologischen Forschungen meiner Cousine Elke Mader, von denen ich über Jahrzehnte hinweg so einiges mitbekommen habe, immer wieder schmerzlich vermisst: Dass sie über den wissenschaftlichen Dunstkreis hinaus der ganzen Gesellschaft zur Verfügung stehen.

 

Hier nun ein Zitat aus “Anfänge”, in dem die Autoren Claude Lévi-Strauss zitieren:

 

“… dass es nämlich zwei verschiedene Arten wissenschaftlichen Denkens gibt, die beide Funktion nicht etwa ungleicher Stadien der Entwicklung des menschlichen Geistes, sondern zweier strategischer Ebenen sind, auf denen die Natur mittels wissenschaftlicher Erkenntnis angegangen werden kann, wobei die eine, grob gesagt, der Sphäre der Wahrnehmung und der Einbildungskraft angepasst, die andere von ihr losgelöst wäre; wie wenn die notwendigen Beziehungen, die den Gegenstand jeder Wissenschaft bilden, auf zwei verschiedenen Wegen erreicht werden könnten, einem, der der sinnlichen Intuition nahekommt, und einem, der ihr ferner liegt …” 

 

Dass für die Entwicklung des “ersten Weges”, den Lévi-Strauss als “Wissenschaft vom Konkreten” im Unterschied zum zweiten, der “Wissenschaft vom Abstrakten”, bezeichnet, speziell Frauen maßgeblich sein könnten, das erwähnt der Begründer des Strukturalismus in den 60er Jahren mit keinem Wort. Warum wohl? Jedenfalls werden wir in musikalisch gerahmter Zwiesprache versuchen, so viel als möglich von diesen abstrakten Ausdrucksformen in konkret Sinnliches zu übersetzen, ähnlich wie das die eingangs erwähnten Frauen in ihrer Kunst und in ihrer Sprache auch tun …

 

It’s time for a treaty

 

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