Artarium am Sonntag, 25. Oktober um 17:00 Uhr – In welche Richtung fließt der Fluss der Zeit? Bilddenkmenschen verfügen ja über erstaunliche Fähigkeiten: Sie können in ihrer Phantasie die Geschwindigkeit des Zeitablaufs verlangsamen oder beschleunigen. Sie können in die jeweilige Sequenz hinein oder aus ihr heraus zoomen. Und sie können den ganzen Film auch an jeder beliebigen Stelle anhalten und ins Einzelbild hinein gehen. Man kann es drehen und wenden wie man will … und das können sie natürlich auch … eine inwendige Kameradrohne gepaart mit der Lust auf fortwährenden Perspektivwechsel ist keine Lernbehinderung, sondern eine Begabung, die wahrlich nicht jedem gegeben ist. Wollen wir also heute einmal zwei Zeitströme in einander entgegengesetzte Richtungen fließen lassen …

Am Almkanal – Foto: Ben-Luca Malzer
“Found Lyrics” wäre ein guter Titel dieses Sendungsversuchs, denn um das Wiederentdecken von längst erledigt Geglaubtem ist darin ein Reden und ein Hören und, zumindest was mich betrifft, auch ein Staunen. In Momenten zwischenmenschlicher Resonanz entstehen neue Sichtweisen auf das, was wir zu kennen meinen, von dem wir zu wissen glauben, wie es heißt, wozu es da ist und wie wir damit umgehen (sollen). Sichtweisen … sie umfassen in unserem Fall natürlich auch Hörgewohnheiten … wir hatten doch mal diesen Claim: “Ihre Ohren werden Augen machen” … sowie das ganze Spektrum von möglichen Sinneserfahrungen. Mein Neuland für diesen Versuch ist das Frühwerk von Pink Floyd (also alles, was vor der Trennung von Roger Waters zustande kam), verbunden mit den erstaunlichsten Entdeckungen der abgründig vielschichtigen Poesien in ihren Texten. “Found Lyrics” … soweit ist alles klar. Das alles regt mich dazu an, die Resonanz von Text und Musik hier auch noch einmal ganz anders zu untersuchen.
“berühren” … das ist das Wort, mit dem die Beschreibung gelingt. Sowohl von dem, was sich zwischen zwei Menschen, als auch von dem, was sich zwischen zwei Medien ereignet. Zwei verschiedene Transportgefäße, deren äußerste Verzweigungen die äußersten Verzweigungen des jeweils anderen “berühren”. Dazwischen ist das, was geschieht. Was entsteht. Was in ein zuvor nicht Dagewesenes übergeht. Aus dem ein Gemeinsames wird. Linda Sensenberger hat diesen zugleich aktiven wie passiven Vorgang, Zustand, Übergang in ihrem ersten Roman behutsam genug beschrieben:
“Leos Haarspitzen berühren meine Fingerspitzen. Meine Fingerspitzen berühren Leos Haarspitzen.”
Peter Gabriel nennt diesen Resonanzraum menschlicher Nähe “The Secret World”