Artarium am Sonntag, 18. Oktober um 17:06 Uhr – FRAGE: “Werden sie von ihren Kindern noch um Rat gefragt?” FAKT: “Laut Studien fragt nur noch die Hälfte der Kinder und Jugendlichen ihre Eltern, Lehrer oder andere nahe Erwachsene um Informationen oder um Rat bei all den Fragen, die das Erwachsenwerden so mit sich bringt.” GEDANKE: “Wie entwickelt sich eine Gesellschaft, deren nächster Angehöriger ein stochastischer Papagei, eine kalt berechnende Wahrscheinlichkeits-Software ist?” Solcherart kluge Überlegungen entnehmen wir dem Programmheft zur Salzburger Erstaufführung von Thomas Bernhards Immanuel Kant, wie gewohnt vielschichtig inszeniert von Cassandra Rühmling. Eine weitere Spezialität dieser Umsetzung zum 95. Geburtstag des Autors ist seine Salzburger Spielstätte: Das Café Bazar.
Wir konnten schon vorab einige Details dieser ungemein spannenden und zugleich visionär zeitgemäßen Inszenierung in Erfahrung bringen … und wollen jetzt in der Sendung dem gedanklichen Schwerpunkt der “transhumanen Unsterblichmachung durch künstliche Intelligenz” im Gespräch mit der Regisseurin noch näher kommen. Oder es zumindest versuchen, so wie sie uns die Arbeitsweise von und mit Thomas Bernhard beschrieben hat, “eine Reduktion der gedanklichen Essenz” durchzuführen. Es gibt nun einmal Menschen, die Eindrücke wahrnehmen, welche den meisten anderen gar nicht erst auffallen, und die sich aufgrund ihrer Gehirnstruktur (oder was auch immer) mit nichts anderem beschäftigen, als aus all diesen auf sie einwirkenden Informationen wiederum Zusammenhänge herzustellen. Und diese “weiter gefassten Spannungsbögen” oder eben auch “übergeordneten Zusammenhänge” gehören unbedingt dargestellt sowie allen Menschen zugänglich gemacht, zumal sonst ein wesentlicher Beitrag zur individuellen persönlichen Freiheit einfach fehlen würde … Cassandra, was ist bei deiner Arbeit an “Immanuel Kant” zu deinem Lieblingssatz geworden? … “Jedes Leben ist von der größten Tragweite.”
Im Programmheft heißt es außerdem: “Als Thomas Bernhard 1989 starb, gab es KI bestenfalls als feuchten Traum ambitionierter Science-Fiction-Autoren. Aber der große Dramatiker war immer gut darin, gesellschaftliche Entwicklungen aufzuspüren, vorauszusehen und sie gnadenlos zu kritisieren bzw. sie zur Kenntlichkeit zu entstellen.” Dazu fällt mir jetzt als anregende Weiterführung die bekannte TV-Serie Babylon Berlin ein. In der 3. Staffel kommt der Film “Dämonen der Leidenschaft” vor … Sein fiktionales Drehbuch speist sich aus durchaus realen Konzepten …