Artarium am Sonntag, 26. April um 17:00 Uhr – Es ist ein Buch entsprungen … Und wir haben uns (mit Vergnügen, das sei vorab gesagt) darauf eingelassen. Es heißt “Die guten Kräfte” und entstammt den Schreibfedern von Walter Gröbchen und Thomas Mießgang. Bei diesen beiden Namen klingelt nicht nur irgendwas in meiner Erinnerung, da höre ich plötzlich irgendwo aus dem Hirnarchiv auftauchend längst vergessen geglaubte Musicbox-Beiträge aus den 80ern und 90ern wieder, die von Formulierlust und Sinnstimmigkeit geradezu übergehen – und die mir schon immer Lust aufs Selbstdenken und Selbstsprechen gemacht haben. Wo der Sinn stimmt und die Stimme sinnlich Resonanz zum Eigensinn erzeugt erklären uns die guten Kräfte die Welt: “Liebe Kinder, ihr könnt ganz beruhigt sein. Ich bin wieder da…”
So findet etwa Walter Gröbchen in seiner Betrachtung von Wilfrieds frühem Austropop-Beitrag “Ziwui Ziwui” solch tröstende Worte:
“Ein Song wie Ziwui Ziwui atmet pure Lebenslust, Zeitlosigkeit, Unschuld. Und radikale Menschlichkeit. Ziwui ziwui // ziwui ziwui // ziwui ziwui ziwuia // zibal zabal Zechnkas // es wiad scho hoiba druia – Zeilen wie diese schafft, bei Gott!, keine künstliche Intelligenz. Das ist so genial jenseitig, dass es einem die Fußnägel aufrollt. Ein Landler? Ein Juchzer? Ein Jodler? Ein dadaistisches Manifest? Egal. Kinder verstehen augenblicklich, wovon die Rede ist. Menschmaschinen verzweifeln daran.”
Koinzidenz! Da begegnen wir einander am Puls der Zeit: In unserer letzten Sendung über Wolfgang Borcherts “Formulierlust und Wortschöpfkunst” gerieten wir (ab 29:30) auch in eine Betrachterei darüber, was Künstliche Intelligenz zur Sprachzerstörung beiträgt, indem sie aus ohnehin schon einseitig funktionsreduzierter Sprache “lernt” und gaben diesem Essenzierungsprozess den Namen “Verblöddichtung”. Bitte. Danke. Guten Morgen! Es ist immer wieder so unendlich befreiend und ermutigend, anderen Menschen zu begegnen, die Sprache zur lustvollen Weltaufbereitung verwenden!
Genau das, nämlich gut recherchierte Hintergründe mit lebendigen Anekdoten und persönlicher – nein, nicht Meinung, vielmehr Haltung in einer Form zu verbinden, die immer wieder Lust aufs Lesen macht – und die erkennen lässt, dass es den Autoren beim Formulieren genauso gegangen sein muss: Sprache als gepflegte Kunstform. Sich selbst lustvoll auszudrücken und das Eigene wiederum anderen resonant zu vermitteln – dafür Inseln zu stiften ist uns nicht nur zutiefstes Bedürfnis, sondern zudem der schönste selbstgewählte Bildungsauftrag. Wir sind ein geiles Institut.