Oskar Haag in Salzburg

Artarium am Sonntag, 8. November um 17:06 Uhr – Er wurde als “hoffnungslos leidenschaftlicher Live-Musiker und Bühnenmensch” bezeichnet und das passt perfekt zum Titel seines aktuellen Albums. Oskar Haag gastierte im Rahmen seiner “Lost Cause Tour” am Mittwoch, 28. 11. in der ARGEkultur und zeigte sich dabei auch als ein hoffnungsfroher Überlebender. Denn wir haben nicht nur ein Konzert erlebt, das auch über die Generationen (der anwesenden Publikums) hinweg von einer außergewöhnlichen Berührung und Berührbarkeit geprägt war … wir haben den ­“kleinen Prinzen der heimischen Popmusik”  zudem als einen überraschend ehrlich-natürlichen, spontan-lustig nahbaren sowie thematisch tiefgründigen Menschen kennen gelernt … im Rahmen einer regelrechten “Interviewreise” …

Oskar Haag Live in Salzburg… auf deren spannendste Verzweigungen wir euch in dieser Sendung mitnehmen möchten: Das aktuelle Album von Oskar Haag trägt den Titel “Lost Cause”, was ja soviel bedeutet wie “ein hoffnungsloser Fall”. Seine Entstehung wie auch seine Hintergründe wurden bereits in Rezensionen auf FM4 oder im Standard auf recht verständige Weise beleuchtet. Was uns aber nur noch mehr dazu inspiriert hat, dem “Protagonisten seines Erwachsenwerdens” persönlich begegnen zu wollen … und dabei herauszufinden, “wie sich das anfühlt” und “was das mit uns macht”, wenn einer da so direkt und so selbstverständlich von seinem eigenen Verletztwordensein erzählt … auch in seinen Liedern und mit seiner Musik. Andreas Gstettner-Brugger im FM4-Review:

 

Was andere vielleicht für ihr Leben negativ geprägt hätte, hat den Klagenfurter Musiker inspiriert. Denn sowohl der Albumtitel wie auch der gleichnamige Song sind aus einer toxischen Situation entstanden. Oskar Haag hat nämlich in seiner Schulzeit von einem Lehrer öfter gehört, er werde es zu nichts bringen, er sei ein hoffnungsloser Fall. Er sei zu faul und werde im “wirklichen Leben“ draußen scheitern.

Es ist eine große Hymne, die mit Ziehharmonika anfängt und in einem breiten Indie-Refrain gipfelt, der sehr an die Band Beirut erinnert. Das Erstaunliche an dem Song ist, dass er scheinbar jegliche Wut gegen diesen Lehrer vermissen lässt. Vielmehr liegen in Text und Gesang tiefes Mitgefühl, was selbst Oskar Haag nachträglich erstaunt hat. Schließlich heißt es im Text: “To blame you just would not be right / You’re just another broken child.“

“Ein Jahr nachdem ich den Song geschrieben hatte und ihn mir angehört habe, bin ich draufgekommen, wieviel Verständnis ich für die andere Person habe. Wenn ich länger darüber nachdenke, sehe ich auch, dass dieser Lehrer selbst nicht immer so war. Irgendetwas muss bei ihm ja auch passiert sein, dass er so geworden ist. Und irgendwer hat ihm, als er jung war, genau solche Sachen an den Kopf geworfen.“

 

Ausgehend von dieser Geschichte geraten wir in unserem etwa halbstündigen Gespräch mit Oskar Haag in eine richtiggehende “Tour de Force” quer durch alle nur erdenklichen wie auch unvermuteten Themenkreise: Von Therapieerfahrungen über Mitgefühl und Liebe … ein weites Feld, das alle Grenzen sprengt … und natürlich die Beatles … “John Lennon hat’s sehr einfach g’sagt: All You Need Is Love” … bis hin zum Songwriting, zum gemeinsamen Produktionsprozess, zum “Überfallenwerden von einer Idee” … zum Unerwarteten, zum Unverfügbaren, zum Überleben-Leben.

 

Oskar Haag – Lost Cause

 

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