Das Kind in der Suppe

Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 14. Januar – Jeder Betrachtung des Abgründigen wohnt ein Lebendigsein inne – immerhin spürt man, wie es einem da die Nackenhaare aufstellt. Und so ist die Beschäftigung mit dem Unheimlichen immer auch ein Fest des Lebens – sofern man nicht darin untergeht. Also nicht im Anstarren des Abgrunds verharren (der ja mit der Zeit zurück starrt, wie Nietzsche zu berichten weiß), sondern selbst wissen, dass man etwas empfindet, wenn man sich erschreckt. Dabei wie ein Kind einerseits in diesen Gefühlen versinken, zugleich andererseits im Vollbesitz der eigenen Phantasie das Unerträgliche inwendig umgestalten. Die lange Tradition künstlerischen Umgangs mit dem Morbiden zeugt von dieser Möglichkeit, das Unerträgliche in und um uns zu verbearbeiten – und lädt immer wieder dazu ein.

Mit Kind und KegelMit Kind und Kegel reist Familie Lemming nach St. Nimmerlein am See. Wir sitzen in der ersten Reihe und schauen zu. Von wem ist dieses Stück? Oder ist es gar ein Ganzes? Bald sind wir Menschen unter den Wiesen. Und werden Wiesen, und werden Wald. Liebe Abendlandler, das mit dem Landaufenthalt kann ja heiter werden. Almdudler akbar et cum spiritu tuo. Wo hängen jetzt die Jäger? Im Backheldensalat… Gerade die österreichische Dichtkunst ist reich an Bildern des Verfalls, wie sich an den Liedern und Gedichten von Ernst Jandl, H. C. Artmann, Helmut Qualtinger oder Georg Kreisler feststellen lässt. Dass uns diesen Umstand ausgerechnet ein Stiller Has aus der Schweiz wieder ins Gedächtnis befördert! Endo Anaconda hat allerdings (als Halbösterreicher und Wahlschweizer) die nötige Nähe und eben auch Distanz zum Objekt seiner Betrachtungsowie das Werk der Obgenannten verinnerlicht:

Das Kind in der Suppeösterreich, i steh auf di
es muss ja nicht unbedingt salzburg sein
dafür lieb ich den alten kaiser
den kreisky selig und den georg kreisler

österreich, hoch sollst du leben
du hast a rabenschwarze seel
und a feuerrotes herz
und an stinkerten pelz

So heißt es in seinem Lied “Österreich” aus dem Album “Stelzen”, dessen Texte insgesamt eine lebenslange Zweiseelenheimat erkennen lassen. Überhaupt scheint uns da ein Zusammenhang zu bestehen zwischen dem Schrecklichen und dem Schönen, ein Zusammenhang, dem speziell im Leiden fühlende Kunstschaffende Ausdruck verleihen. An dieser Stelle wollen wir wieder zwei verstorbene Salzburger Schriftstellerinnen “ins Leben denken”, deren Werk für die heimische Künstlerwelt wesentlich warund bleibt: Christine Haidegger und ihre Tochter Meta Merz, deren Text “Das Kind in der Suppe” schon zu zahlreichen Interpretationen inspirierte und der sich auch auf geradezu wundersame Weise als Titel dieser Sendung empfahl…

Das weiß doch jedes KindUnd was für eine dichte Metapher, die sprichwörtlich Welten über Welten hervorbringt! Hätte der alte Herr Adenauer nicht das Kind mit dem Bad ausschütten sollen, als sich herausstellte, dass nur noch nazibraunes Wasser in der Wanne war? Oder war da das Kind längst in den Brunnen gefallen? Wenn ja, in welchen? Und welches Kind? Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Hauptsache, das Prinzip Herrschaft bleibt erhalten. Dachte sich wohl der alte Herr. “Es ist schon in Ordnung, dass jemand regiert.” Dazu braucht es eben Beamte. Und Angst. Wir basteln uns eine Republik, die kann dann heißen, wie sie will. Der jeweilige Oberhops ist immer nackt, das weiß doch jedes Kind. Nur sagen traut sich das kaum je eins. Androhung des Ausschlusses aus der Volksgesundheit. Und Angst. Und kusch! Großjuchu ist das schönste Land auf der Welt und wir sind alle furchtbar stolz, irgendwas zu sein.

kumm schweinderl kumm
darfst noch a bisserl grunzen
weil morgen kommt der fleischhacker
und dann gibts kraut und blunzen

Stiller Has

 

Die wahren Adventeuer

Perlentaucher Nachtfahrt am Freitag, 10. Dezember von 22:06 bis 02:00 Uhr – in zwei Teilen hier als Podcast Erster Teil sowie Podcast Zweiter Teil gut zu hören.

Adventszeit oder “Leckdown, heuer wird das Leben teuer.” Genau so wie übrigens schon im letzten Jahr. “Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.” Aber ja. Als besäßen wir alle eine magische Fernbedienung, mit der sich das allzu Abgründige elegant ausblenden ließe. Wie? Die allermeisten der knapp 8 Milliarden Debilen verhalten sich genau so? Wo ist eigentlich der Regisseur, wenn man ihn einmal wirklich braucht? Jetzt sind wir also wieder einmal in uns hinein gezwungen und ringen in uns mit der Ohnmacht. Was ist überhaupt so ein Abgrund? Und wenn ja, wie viele? Egal. “Die wahren Adventeuer sind im Kopf. Und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.” Same procedure as every year, Miss Sophie …

Die wahren Adventeuer sind im Kopf “Ein Loch ist im Eimer, dear James …” The whole hole is – ein einziger Abgrund. Ein bodenloser dazu. Der Mensch ist eben ein Säugetier, und solange es noch irgendwo Milch gibt, wird er gewiss nicht aufhören. Da kann rundum Pandemie sein was will. Die sprechenden Kaufhauspuppen und Stimmungsautomaten, die sich “unsere Politiker” nennen, werden weiter planlos von einer Zukunft faseln, die schon längst ausverkauft ist. Gute Nacht – nicht nur in Österreich! Grüßgott, abgrundtiefes Loch, womit sollen wir dich stopfen? Das Moor hat seine Schuldigkeit getan und wir sind schon verschluckt. Der Treibsand rülpst und Salzburg gurgelt. Sogar die ewige Festspielpräsidentin geht. An der Stelle, wo das Abendland untergegangen ist, breitet sich eine dicke Fettschicht aus und stinkt. Bedenke, o Nackerbatz, dass du sterblich bist – dagegen lässt sich nicht ankaufen. Selig die Unwissenden, denn sie werden überrascht sein. Es gibt keinen Kaiser, der nicht nackt ist. Es gibt keine neuen Kleider, die das verschleiern könnten. Auch nicht auf Ebay. Und schon gar nicht im dahergelogenen Wunderlampenland für uns alle.

Die wahren Adventeuer sind im KopfDie Kunst, sich im Kopf eine Welt vorzustellen, die anders wäre als die mit Bosheit und Schwachsinn gepflasterte “unserer” herrschenden Realitäter*innen – das ist wahrlich ein Adventabenteuer. Die Welt, wie sie uns jahrein, jahraus alltäglich als alternativlos aufgezwängt wird zum Nutzen der Geldwechsler und Händler, gründlich auf den Kopf zu stellen, eine gänzlich neue Sicht auf die von irgendwo “da oben” herab verfügten Verhältnisse zu eröffnendas bringt Nährwert für die bedrückten Seelen. Nicht “Kunst” als hochglanzbejubelter Hochleistungssport. Nicht fälschlicher- und verschlagenerweise als “Kunst” bezeichnetes Wetthupfen im Geldgnadensack von Staat und Sponsohren. Kunst als Möglichkeitsform. Kunnst mit zwei N. “Kunnst dir a ganz a andere Welt vorstellen?” Und nicht “Eine Vorstellung besuchen – falls du dir das leisten kunnst.” To be or not to be – that is the Quetschen! The Zerquetschen von Menschen zwischen den Mühlsteinen der Geldgewalt. Ja sind wir ein Getreide?

Die wahren Adventeuer sind im KopfManches Korn entbrennt im Zorn. Und das zu Recht. Da möchte man manchmal durchaus die gute Stube der bürgerlichen Weltordnung, die uns die ganze Hoch- und Unkultur bescheret hat, pünktlich zum Fest der Liebe und des Friedens (was für eine Inszenierung) verbrennen. Wie gut, dass ich ein Künstler bin! Sonst könnte ich mich ja gar nicht mehr von und zwischen Wille und Vorstellung unterscheiden. Oder sind wir schon jenseits von Gut und Böse? Heilige Nacht, o Tannenbaum, Fragmentarium im Schleudergang postmoderner Beliebigkeit. Abendland ist abgebrannt – und Geld wird von Banken durch Bilanzverlängerung “geschöpft”. Soviel zur Schöpfungsgeschichte. Doch halt – war da nicht noch was? Da dahinter, da jenseits von jedem und unter allem hinaus? Heißt das nicht immer noch Herbergsuche? Viele scheinen stattdessen auf Herbertsuche zu sein. Es wird also erwogen, ein Beherbertungsverbot zu erlassen. Es wird scho glei dumper …

Die wahren Adventeuer sind im KopfAdventsingen 2021: “Wer klopfet an?” – “Schleich di, du Oaschloch!” Oder anders gesagt: “Wir haben vor lauter hektischem Stillstand keine Zeit für Fragen nach einem vielleicht dahinter liegenden Sinn. Also nimm dein Bett oder was du sonst noch dabei hast – und geh!” Liebes Publikum, so leicht kommt ihr uns nicht davumm. No one gets out alive. “Die wahren Adventeuer sind im Kopf – und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.” Das ist gar nicht so schrecklich. Nirgendwo kann ein sehr schöner Ort sein. Nicht verzagen – überstehn! Auch das Lied geht noch weiter: “Die wahren Adventeuer sind im Kopf, in euren Köpfen, und sind sie nicht in euren Köpfen, dann SUCHET SIE!” Und überhaupt: “Die Wirklichkeit, die Wirklichkeit, trägt wirklich ein Forellenkleid, und dreht sich stumm, und dreht sich stumm, nach anderen Wirklichkeiten um.” Dank an André Hellerfür diese Inspiration. Die begleitet uns seit Jahren durch jedes Artarium – seit dem ursprünglichen Trailer eins null neun.

Bleibts gsund!

 

Konform Konsum Kulturkollaps

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 10. SeptemberEs sind finstere Zeiten, in denen wir leben. Fragen die gestellt, Geschichten, die erzählt, und Erkenntnisse, die gewonnen werden, bleiben allesamt ohne Auswirkung auf den Lauf der Welt. Geschichte wird von irgendwelchen Siegern gemacht, die sich nicht mehr hinterfragen lassen, inwieweit ihre Machtausübung dem Gemeinwohl schadet oder nützt. Die Banalität des Bösen grinst uns schadenfroh ins Gesicht und jeder Versuch zu verstehen zerschellt an einer Wand aus sprachloser Bürokratie. Dahinter treiben die Sachzwänger und Zweckwidmer ihr grausames Spiel. Der totale Krieg gegen das Menschliche endet zwangsläufig im Untergang des Lebens an sich. Der Kulturkollaps, den wir da erfahren, der ist genauso weltumspannend wie die Zerstörung der Natur.

KonformDas trübt die Stimmung, Freunde und *innen – und verfinstert das Gemüt. Wollen wir denn nicht alle immer nur fröhlich, vergnügt, “gut drauf” – und vor allem von allem Unbill der Welt “in Ruhe gelassen” sein? Schön wärs! Die Diktatur der guten Laune ist immer und überall. Und der quietschbunt penetrante Konsumterror. Public Relations auf allen nur erdenklichen Kanälen – als “Propaganda” kennt man das diesbezügliche Grundlagenwerk von Edward Bernays, die darin erklärten Techniken wurden nur umbenannt, weil sich ein gewisser Joseph Goebbels so schamlos beim Neffen von Sigmund Freud bedient hatte. Wär ja sonst peinlich. Pfuigack, Zipferl sagt man nicht! Millionen Menschen verhungern lassen – das ist was ganz anderes. Lebt der Jean Ziegler eigentlich noch? Wir leben jedenfalls in einer geschlossenen Anstalt für Realitätsflüchtlinge, allerdings regiert und verwaltet von den eigentlichen Soziopathen. Während sie das Haus anzünden, singen wir ein fröhliches Lied. Juhu!

KonsumKonkret verstimmt sind wir auch über den allzu schnellen Tod von Elke Mader, die uns und unsere Projekte stets freundschaftlich begleitet hat. Scheißtod! Trauer mischt sich da mit Wut. Unser Blick in den Abgrund wird zunehmend deutlicher. Ob es der Abgrund ist, der zuletzt zurück blickt? Wir werden sehen… Und wir sind doch bedürftig nach einem Wort des Trostes. Was würde Leonard Cohen jetzt sagen?

You can add up the parts
But you won’t have the sum
You can strike up the march
There is no drum
Every heart, every heart
To love will come
But like a refugee

KulturkollapsIst es also längst nicht mehr kurz vor Zwölf auf der Doomsday-Clock des Atomzeitalters? Ist es vielleicht viertel nach Sieben – und zwar am nächsten Morgen? Sind wir jetzt alle tot? Haben wir es nicht mitgekriegt? Konsumismus, Kulturkollaps und Klimawandel – sind wir schon über den “Point of No Return” hinaus? Die Gegenwart stinkt gewaltig nach No Future. Die derzeitige Situation bietet kaum noch Perspektiven für eine friedliche und gerechte Welt. Eher für einen lang anhaltenden Abgang. Aberwas wäre gerade jetzt so richtig prophetisch? Was würde eine nächste Generation der verwirrten Menschheit zurufen – wenn die Möglichkeit einer Antwort besteht? “Hört endlich auf, euren Gewinn als höchsten Wert für alle anzusehen! Hört endlich auf, die ganze Welt zu eurem Glauben zwangsbekehren zu wollen! Hört endlich damit auf, im Recht zu sein, indem ihr alles Abweichende zerstört! Sonst gehen wir ALLE unter!

Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst

 

Buntes und Feines

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 12. Februar – “Ein Kessel Buntes” hieß eine legendäre Fernsehshow der DDR, in die man alles an Kraut und Ruabn hineinstopfte, von dem man irgendwie annahm, dass es “den Leuten” gefallen würde. Und weil wir, auch im Hinblick auf Mummenschanz und Maskierung oder die inzwischen ganzjährig stattfindende Faschingszeit, ein “Sackerl Gemischtes” unters Volk bringen möchten, haben wir uns an den Titel angelehnt. Rummsdibumsti – doch nicht ganz so stabil wie gedacht, die erwünschte Untenhaltung. Vielmehr ein Kessel Schmutzwäsch, den wir da vor euch ausschütten, aber fein garniert – und mit Musik. Denn wir sind kein Formatradio – wir haben Format! Wir werden euch unterhalten und nicht unten haltenversprochen! Der Unterschied ist mindestens ein Elefant

Buntes und FeinesSo ein Babyelefant hats ja wirklich nicht leicht. Schließlich wächst er und wird immer größer, bis er in die Pubertät kommt und anfängt, sich aufzuführen. Über so etwas hat sich in der Porzellanabteilung vom Kaufhaus Österreich wieder niemand Gedanken gemacht. Über was denken die da überhaupt nach, bevor sie es uns mit Gültigkeit ins Gehirn scheißen? Wir haben wohl eine etwas sehr andere Vorstellung davon, was “denken” eigentlich ist. Von klein auf habe ich Menschen verabscheut, die “berechnend” sind und andere Menschen “manipulieren”, damit die ihnen gehorchen, ohne es aber je zu bemerken. Was für eine widerliche Trickserei – und zugleich die Methode, mit der wir alle derzeit rundum beschwindelt und schwindlig gemacht werden. Entweder wir spielen dabei mit – oder wir sind schon aussortiert. Die freie demokratische Wahl zwischen Pest und Cholera. Missverstehen sie mich richtig – die pseudoalternativen Scheinheilsversprechen der aktuell herumrandalierenden Verschwörungsdiabetiker sind auch keine Lösung des Problems. Der Fisch hört nicht dadurch auf zu stinken, dass man ihm einen anderen Kopf aufschraubt. Das Problem ist, DASS ER STINKT.

Buntes und BlödesNichtsdestoweniger werden wir auch in dieser Sendung wieder die Perlen des Überlebenshumors vor die letzten Nichtsäue werfen, die es da draußen noch gibt (und hier drin sowieso). Humor ist ja bekanntlich, wenn man TROTZDEM lacht. Und wir setzen jedes noch so heimliche Kichern und Schmunzeln auf die einzige Karte, die es inmitten der alles zu verschlingen drohenden Strömung ins verplemperte Nichts immer noch gibt: Schpritzmajim, aufs Leben! Danke für die lustigen Elefantenfotos, Judah Lewis! Und danke für dein Lebenswerk voll Phantasie und Schaffenslust, Arik Brauer! Danke für deine Musik und vor allem deine Texte, Tom Liwa! Und überhaupt Peter Klien! Danke für deine Sendung “Gute Nacht Österreich”. Sie werden lachen – jetzt wirds ernst mit dem Quotenonkel vom ORF. Da hat endlich einmal einer den Mut, Satire (gewiss auch von Jan Böhmermann inspiriert) als Entstellung der Wirklichkeit bis zu ihrer Kenntlichkeit aufzubereiten, in einem schmackhaften Potpourri aus Fiktion und (ja gibts denn sowas) Realität (oh mein Gott!), und schon kommt einem ORFloch just das aus, was seit Jahrzehnten Programm zum Pogrom macht: der Quotenschas.

Buntes - und fertig!Jetzt aber genug der Sozialkritik und zurück zum Sendungstitel (der immer auch einiges über den Inhalt verrät). Also – es gibt da die Kunst des Schüttelreims, deren höchste Form ein “echter Vierfacher” ist – wie etwa dieser:

Ein Leibesriese
ging auf Liebesreise.
Er sprach: Reib es, Liese!
Und sie rieb es leise.

Vor vielen Jahren wandte ich mit einem Freund gemeinsam die darin erkennbare Technik auf alles und jedes an, das mir vor Augen (und Ohren) kam, egal ob das Ergebnis dann einen Sinn ergab oder nicht. Eines Tages begegneten wir einer Flasche (mit Waschmittel), auf der “Buntes und Feines” geschrieben stand. Sogleich schüttelten wir (den Text, nicht die Flasche):

Buntes und Feines
Funtes und Beines
Beintes und Funes
Feintes und Bunes

Dadurch wird eines deutlich: Es kommt auf die richtige Mischung an!

Auch in dieser Sendung.

Le Chaim!

 

Nacht, Nächte, am Nächsten

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 8. Januar – Nacht uns die Sinnflut! Oder wie es in der Signation heißt: “Die Nacht gehört immer noch uns.” Nachtgebet, Nachtsichtgerät, Nachttrafik. Ein Euphemismus für etwas, das entweder bis Mitternacht oder überhaupt nur in machen Nächten geöffnet hat. In Salzburg ist eben wohl auch das schier Endlose sehr enden wollend. Sperrstund is! Jetzt sogar mit nächtlicher Ausgangssperre. Höchste Zeit für eine kontaktfreie Würdigung des nächtlichen Umtriebs jenseits von Nachtdienst und Schlaflosigkeit. Es gibt nämlich gar nicht so wenige, die auch von sich aus gern “die Nacht durchmachen” oder sich sonstwie “dem Tagesgeschäft entziehen”, sei es aus Lust, aus Selbstschutz oder sonst aus Gründen. Wir fahren mit und für euch gepflegt sendend durch die Nacht.

Nacht 1Nun mag es zwar finster sein in der Nacht (und was immer stockfinster auch bedeuten mag), doch ist das Licht ja nicht völlig verschwunden, es erzeugt nur andere Farben und andere Stimmungen als am Tag. Wer jemals die Dämmerung (den Übergang vom einen ins andere) aufmerksam erlebt hat, der weiß, von welchen Drogen hier die Rede sein kann. Und wer am liebsten in Ruhe gelassen sein möchte vom lauthalsen Geschepper einer beschäftigt g’schaftelnden Gesellschaft, der (oder gern auch die, das, whatever) wird ums achtsame Wachsein in der Stille der Nacht nicht herumkommen. Denn erst dann lassen sich jene Beobachtungen festhalten und ausarbeiten, die tagsüber vom ringsum beanspruchten Geist nicht ausführlich genug aufbereitet werden können. Eine überaus produktive Zeitqualität tut sich da auf, nicht nur im Werk nach außen, sondern auch in im Wirken nach innen. Im Erschaffen wie im Erleben begegnen wir immer auch uns selbst: Das sind die Nächte der Dämonen.

Nacht 2Ein paar Beobachtungen von einem, der sich in der Nacht (oh mein Gott, das Abendland geht unter) über den Zustand der Welt seine Gedanken macht: Um die 150 Millionen Euro Förderung für eine nichtfliegende Fluggesellschaft hätte man für alle Klassenzimmer in Österreich die besten infektionsverhindernden Luftreinigungsgeräte anschaffen können. Warum drängt sich mir da beim heutigen Thema der Begriff “Umnachtung” auf? Wes Ungeistes Kind die hinter dem aktuellen Scheinheiland ihre klebrigen Fäden spinnenden Puppenspieler in Wirklichkeit sind, lässt sich leicht an dieser Geschichte erkennen. “Wer in der Früh nicht aufsteht, ist arbeitsscheu und faul.” Oder so ähnlich. Kurzifix nuamoi! “Wer die einfachsten Grundlagen eines für alle gedeihlich funktionierenden Gemeinwesens nicht versteht, ist ein dummer Mensch und sollte nicht daran herum doktern.” Machtphantasien und hohle Phrasen sind fürwahr keine Anzeichen irgendeiner “guten Entwicklung” – oder? Gute Nacht, Österreich!

Nacht 3Im nächsten Jahr wird eh alles besser. Oder halt im übernächsten. Liebe deinen Nächsten. Aber nicht den Nächstbesten. Hienieden im Jammertal musst du alles dulden, die ewige Seligkeit wird erst nach dem Tod ausbezahlt. Brimborium in excelsis trullala. Some animals are more equal than others. Volksabtei, Volksarznei, Verfolgspartei. Amen. Schleich di, du Oaschloch! Keine Macht für niemand. Und alle Nacht den Hasen! Kein schöner Land in dieser zweit. Zweiraumzeit. Mittenzwischendrin. Allnachtsphantasien. Wir laden ein zum Träumen. Wir laden ein zum aus dem Traum hochschrecken. Wir laden ein zum Jenseits – und zwar diesseits! Jenseits von Traum und Schrecken und Realitätern, die uns die Welt verstecken. Wir laden euch ein – und uns aus. Laden wir die Restln von 2020 ab – und laden wir uns wieder auf. Das Leben ist das Leben ist das Leben. Life is live. Hoppelfully yours! Auch und vor allem bei Nacht. Dunkelbunt. Gesangvoll. Wohltemperiert. Ein Märchen aus tausendundeiner

…..

RHYTHM IS IT!

 

1001 Nachtfahrt

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 11. Dezember (in 3 Teilen): Erster Teil (Einstimmung), Zweiter Teil (“Deutsche Krieger”), Dritter Teil (Schluss).

Kriegsweihnacht, Coronaweihnacht, Weltuntergangsweihnacht – oder wie es einst Roger Waters auf den springenden Punkt brachte: “Each small Candle lights a Corner of the Dark.” Norbert K.Hund & Christopher Schmall feiern 10 Jahre gemeinsames Sendungsmachen in Gestalt einer Collage aus Text, Musik und Assoziationen. Wie etwa jener zu 1001 (in Worten tausendundeiner) Nacht. Geschichten, die angesichts der täglichen Todesdrohung immer wieder aufs Neue weiter gesponnen werden – bis ins unendlich Schöpferische. “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.” Denn nichts von all dem, aus dem unsere gewohnten Ordnungen bestehen, wird unser Weiterleben sichern. Das kann nur das bislang Unverwirklichteetwas aus unserer Phantasie.

1001 Nachtfahrt KriseEtwas, das nicht nach Macht über andere Menschen strebt. Macht in Form von Herrschaft über die Welt. Herrschaft IST Gewalt und deshalb ist Gewaltherrschaft sowieso schon ein Pleonasmus. Wir phantasieren Regie statt Regierung und wollen auch Gewinn anders als allgemein üblich begreifen. Ein Kind ist uns geboren – und das sind wir selbst! Gibt es überhaupt ein Christentum – oder ist “jesusinspiriert” der viel treffendere Ausdruck? Wir sind hochschwanger auf Herbergsuche und werden mit dem Gewaltsprech der Gastronomen ins ewige Abseits vertrieben. Kann man ohne Beseitigung des weltweit herrschenden Unrechts Gewalt aus der Sprache heraus reformieren – und was für einen Sinn hätte das eigentlich? Das klingelnde Plemplem des missionarischen Marketings – wer hats erfunden? Edward Bernays oder Paulus oder doch viel früher die hohepriesterliche PR-Abteilung von König Großprotz dem Grausligen? Es ist alles so dermaßen OASCH ringsumher auf dem Globus, dass man oberhaupt nicht so viel fressen kann wie man scheißen möchte. Lokuspokus, Bäh!

1001 Nachtfahrt KriegerDa kommt uns nichts gelegener als die legendäre Trilogie “Deutsche Krieger” von Andreas Ammer und FM Einheit, die wir ab ca. 23:20 Uhr vollständig zu Gehör bringen, quasi als Collage innerhalb der Collage. Die 1001 Originalaufnahmen und Geräusche, die hier nebst eigenen Musikstücken zu einem ungeheuer vielschichtigen Hörerlebnistheater verdichtet, verknüpft und verwoben sind (das übrigens auch livehaftig aufgeführt wird), erzeugen in ihrer Gesamtkomposition eine beachtliche zeit- und mediengeschichtliche Erfahrung, deren eigentliche Aussagen (wie zumeist in der Tonkunst) zwischen den Zeilen und hinter den Klängen stecken, von wo aus sie sich zusammen mit dem tatsächlich Wahrgenommenen in den Köpfen des Publikums zu sich selbst als etwas Lebendigem zusammenfinden. Wer sich für die Gründe und Hintergründe dieser Produktion interessiert, möge sich hier im Hotel Discipline näher einlesen (ein ganz hervorragender Artikel). Darüber hinaus passt das experimentelle Gewaltwerk auch ausgezeichnet in den Kontext unserer eigenen Collagen-Arbeiten.

1001 Nachtfahrt KreativWomit können wir dann im dritten Akt unserer Advents-Andacht den erwünschten heiter-besinnlichen Ausklang erzeugen? Vielleicht mit einer dritten Steigerungsstufe der Dichtheit, der Collage aus Texten, Musik und weiteren Collagen, die alle zusammen zur Feierstunde gemeinsamer Kreativität werden. Das zwischen den Zeilen, neben den Klängen, unter den Collagen und vor allem hinter den Kulissen immer schon Daseiende, Lebendige, Schöpferische, das allüberraschende kreative Vakuum, das alles noch zu Gestaltende in uns herbeilockt und dem Erschaffen die Fanfare läutet, dass einem ganz anders wird und schwindlig und warm ums Herz. Das eine Fünkchen Hoffnung, aus dem jederzeit ein Traumtanz der Leidenschaft entstehen kann, der noch das allerverfaulteste Gehtnimmermehr in einem einzigen Augenblick lebender Gegenwart verwandelnd verzehrt. Ach, Sprach! Ach, Hasen! Sie sind frisch, sie sind zappelig – und …

sie mögen sich.

 

Out of the Light into the Dark

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 9. Oktober“Dekadenz ist ästhetischer Widerstand um den Untergang zu ertragen.” Dieser schöne Satz stammt aus einem dokumentarischen Zweiteiler, der zur Zeit in der ARTE-Mediathek wütet. Darin kommt die Ambivalenz von Dekadenz (im allgemeinen Verständnis) elegant zum Ausdruck: Einerseits die Suche nach Schönheit (speziell im Verfallen) sowie die Lust am Ergründen des Abgrunds, andrerseits die moralische Empörung über den drohenden Untergang sowie der kreative Widerstand gegen dessen Verursacher. Rückblickend haben wir uns ja schon des öfteren mit derlei “tiefgründigen Themen” beschäftigt, was läge also näher, als zwischen Herbstbeginn und Zeitumstellung der “Düsterkeit des Zwielichts” zu obliegen. Es wird finster – ist das nicht auch schön?

Dark in the LightVom Herrn Hölzel vulgo Falco, dem internationalen Erfolgsösterreicher mit dem tragischen Abgang, gibt es den Song “Out of the Dark into the Light”, dessen Hoffnungskonzept angesichts der uns bevorstehenden Untergänge doch etwas abgegriffen wirkt. Auferstehung Reloaded und Phoenix im Kontext des Abgangs des Abendlands… So ging ich auf die Suche nach dessen Umkehrung und fand nach geraumer Odyssee tatsächlich ein Musikstück namens “Out of the Light into the Dark”, komponiert von Michiel de Groot für das Online-Game-Universum von “The Elder Scrolls”. Und so ward der Inspiration für einen zur dämmrigen Jahreszeit passenden Sendungstitel füglich Genüge getan. Lasset uns schwelgen in der Schönheit des untergehenden Lebens! Zu keiner Zeit ist das Licht intensiver als im Herbst, wo es doch von Tag zu Tag weniger wird. Zu keiner Zeit dringt das Leben stärker ins Bewusstsein als im Angesicht des Todes. Da ist auf einmal alles nichtig und lächerlich, so wie Thomas Bernhard das beschrieben hat, und zwar wirklich alles, was uns zuvor noch wichtig, übermächtig und unentrinnbar erschienen ist. Mein Herz schlägt mich innerlich tot

Blackberry by XöEin kraftvolles Kunstwerk zum Thema Licht und Finsternis, hier von Helmut Xö nachbearbeitet. Versucht einmal, den Schriftzug unter der Schwarzbeere (ja, da ist einer) zu entziffern. Wo hört Licht auf? Wo fängt Schwarz an? Dark Colours sind eben auch Farben – oder doch nicht? Das Spiel mit dem Dunkeltum löst dessen schwer zu bestimmende Grenzen scheinbar auf und befördert uns dadurch in die Dimension, die es nicht gibt – oder eben doch. Mein Leben ist ein tägliches Duell mit dem Gegenteil. Und es steht nach wie vor unentschieden. Der Herr Hase radelte heut sprichwörtlich durch die Vorstadt im Fön und nahm dabei einen sehr speziellen Geruch wahr, den er nicht benennen konnte. Irgendwie süßlich jedenfalls, und da fiel mir “es riecht nach Rattenchor” ein. Das legendäre Motiv von Georg Trakl, zu dem wir vor fünf Jahren ein ganzes Artarium gestaltet haben! Dieser Dichter der Dekadenz des Fin de Siècle ist wie kein anderer berufen, auch düsterer Stimmung glühende Sprache zu verleihen.

Light in the DarkDas “im Zwischen leben” und sich nicht für irgend eine der zwei oder mehr Seiten zu entscheiden, das “zwischen den Stühlen sitzen”, sitzen bleiben und die Spannung der Ambivalenz aushalten, das ist auch eine Möglichkeitsform, egal was uns die Schwarzweißmaler ins Schachterl scheißen. Ich entziehe mich der vorgesetzten Zweiheit des Entwederoder und erweitere sie hiermit ins Entoderweder oder ins Goisern’sche Entwederundoder. Multiple Choice is no choice at all – ist Multiple Scheiß! Niemand muss sich “fürs Leben entscheiden”, um zur Welt zu kommen. Es ist eine sexuell übertragbare Tröpcheninfektion, die ausnahmslos tödlich verläuft. Und zugleich ist darin immer auch die Anfrage an einen selbst enthalten, es anzunehmen, es zu bejahen, damit einverstanden zu sein. Zelebrieren wir die Schönheit des fast unmerklichen Übergangs, des gleichzeitigen Vorhandenseins von Leben und Tod, des Ineinanderfließens von Vergangenheit und Zukunft, in der Gegenwart, die keine Zeit ist – und also auch nicht dauert. Flüchtige Anwesenheit inbetween! Die “Besitzer” der erfundenen Dauerhaftigkeit seien dahingehend gewarnt: Nobody lives forever

 

Fetzenspielsommer

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 14. August – Hochverehrtes Publikum! Die Salzenburger Fetzenspiele, wie der geniale Ernst Jandl einst dieses österreichische Kultursymbol (nebst Operam, Burgentheatern und Schrammenmusik) bezeichnete, finden auch heuer, im 100. Jahr nach ihrer Gründung, wieder statt. Und das, obwohl die COVID-19-Pandemie sonstüberall den Hochkulturbetrieb stillgelegt hat. Das große Welttheater hängt förmlich in Fetzen. “Wir wollen keine Ausnahme”, sprach unsere Lieblingspräsidentin, und promt öffnete das alljährliche Schaulaufen der Systemelefanten als einziges internationales Kunstfestival seine Pfort*innen für die zahlende Kundschaft. Das wird fürwahr ein fröhlicher Fetzenspielsommer. Und heißt Fetzentandler nicht auf Wienerisch Kleidergeschäft? Maske auf und los gehts…

Fetzenspielsommer 1Garantiert virenfrei (weil im Radio) sind unsere Einlassungen rund um ein selbstgemachtes Programm, ein wahres Festspiel der Herzen. Ein etwas anderer Ohrenschmaus der Phantasien und Wünsche. Wir spielen quasi mit der Liturgie einer allsommerlich zelebrierten Messe und eines diese Stadt unentrinnbar prägenden Hochamts der Kunst und … “Des Satans Fangnetz in der Welt hat keinen andern Nam’ als Geld.” Was würdest du dir wünschen, was kunnst du dir vorstellen, dass es im Rahmen der altehrwürdigen (manche meinen auch “zu Tode tradierten”) Festspiele stattfinden sollte – wenn du deren Intendant*in bezw. künstlerische Leiter*in wärst? Wohin könnte sich die 100-jährige Institution weiter entwickeln? Welche bislang nicht (oder kaum) in Erscheinung getretenen Kunst- und Gestaltungsformen sollten künftig stärker vertreten sein? Und welche etablierten Traditionen wären (auch in gewandelter Gestalt) erhaltenswert? Setze selbst Schwerpunkte – und erlebe, wie Beton schmeckt.

Fetzenspielsommer 2aWie prophetisch Kunst ist veranschaulicht dieses Bild: Die Behauptung, ein Ohr für die Sorgen und Nöte der einfachen Menschen (des “gemeinen” Volks) zu haben, erweist sich speziell bei näherer Betrachtung als Kunststoff-Kulisse. “Ich bin die Volkspartei”, sprach die Kirche, “und wer nicht für ihn ist, ist widerlich.Eine Idee, die sich allerdings “vor der schönsten Domfassade” genauso niemals inszenieren wird lasssen wie vor 70 Jahren Bertolt Brechts Salzburger Totentanz. Im Kopftheater unserer Vorstellung dahingegen geht alles, und so wird es eine Eröffnungsfeier mit Ernst Jandl geben, eine Lesung mit PeterLicht, eine längst überfällige Würdigung des Komponisten Frank Zappa sowie des legendären Cellisten Wolfram Huschke. Dazu Beiträge und Collagen von und mit Markus Hinterhäuser, Wilfried Haslauer, Helga Rabl-Stadler und Gerard Mortier, naturgemäß durch den Wortwolf gedreht vom Verein der Freunde der Gegenkultur (im Schatten der Mozartkugel)… Unser Fetzenspielsommer soll das Fadenscheinige entlarven, das Unvollendete einen guten Tag sein lassen – und das Zukurzgekommene in ein etwas anderes Bewusstsein rufen. Der Geldkoffer heißt nämlich nicht nur so – er ist auch einer.

Wer nichts wird verwirrt (halt nicht uns).

 

Zuvielversum

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 10. JuliWieviel Versum ist ein Zuvielversum? Und wo würde man das lernen? An der Zuvielversität? Vielleicht im Dichterwettbüro von “Zuviel Versum Hysterie” aus Klagenfurt? Zwischen dem alles enthaltenden Einen und seiner Aufsplitterung in unendlich Zuvieles muss doch auch noch genügend Platz bleiben für ein menschliches Maß in deren Auffassung. Und so spielen wir als zwischenraumfahrende Sternschnupperer mit den einander scheinbar entgegen gesetzten Weltsichtweisen herum – bis sie sich in Wohlleben auflösen. Das geheime Leben der Lebewesen möchte man sagen. Wieviele Perlen wurden nicht schon vor die Säue geworfen – und es hat wieder keine Sau interessiert. Von Hasen haben wir derlei Sprichwörtliches allerdings noch nie gehörtJuuhuu!

Zuvielversum - Die PiratenEin Fall für zwei unerschrockene Kulturfreibeuter. Nutzen wir die Kunst der Stunde! Und plündern wir das gesamte Zuvielversum der Text-, Musik- und Bildbeiträge, so dass es wiederum denen gehört, die es lieben und bestaunen, und nicht denen, die es zum Nutzzweck ihrer Geldwelt verwursten. Pfuiii Deifi!!

“Der Wald kommt zurück. – Es wäre nur schön, wenn wir dann noch da sind …”

Zuvielversum - Die richtige RichtungDer Weltraum ist ein Biotop und keine Fleischfabrik. Ja wer hätte das gedacht? Unser Weltenraum ist ein kreativer Freiraum und keine Naturzerstörung vom Fließband. Unser Kulturraum ist Platz (also auch Zeit) zum Denken, Fühlen – und zum Aussortieren der viel zuvielen Eindrücke, die werbewirksam von überallher auf uns einklingeln, einplärren und einkrakehlen wie eine Kakophonie für Millionen. Nichts wirklich Neues unter unserer Sonne seit Propangasminister Goebbels: “Wir machen Sendungen für die Millionenmassen.” Und an dieser Volksempfängnis aus Massenblödien, Quasselödien und Kassenschmähdien hängen nach wie vor die braven Bürger, der kleine Mann und seine kleine Frau, die Durchschnitte. Nicht mit uns, Oida!

“Die Artikel zur Sendung sind Assoziationsmaterial zum selbst weiter denken …”

Zuvielversum - Derdiedas ChaosmosDie Digitalisierung schreitet voran. Der freiwilligen Selbstverblödung entkommt eh kaum noch irgendwer. Zeit ist Geld – und wir sind alle eine lustige Hochleistungsgesellschaft. Thronald Dump ist Bräsigdent der Verunreinigten Statuten – und die Festspiele spielen fest. Vollholler Reidulliöh und auf ins Verderben!

“Wir schwelgen stets in ausgewählten Kostbarkeiten aus dem – Zuvielversum …”

Hurz!

 

Grenzenlos Guter Geschmack

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 8. November – Liebe Gemeinde, der Denk-, Fest- und Trauertage sind allerlei, speziell zur aktuellen Jahreszeit. Und dann auch noch die Zeitumstellung, ein Turbolader für jegliche Herbstdepression. Man spürt das nahende Ende aller blühenden Landschaftenund man ist verstimmt. Zwischen Hurrafeier- und Volkstrauertag wird des “Falls” der Berliner Mauer gedacht, die Reformation ist an sich selbst gescheitert – und Allerheiligen kann man auch als griechischen Vornamen übersetzen. “Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.” In den letzten hellen und warmen Spätsommertagen sehnen wir uns nach etwas Wohlschmeckendem, das wir auf unserer langen Reise durch die Winternacht als Verpflegung mitnehmen können.

Grenzenlos Guter Geschmack - MusikAuf persönlicher Ebene habe der Mensch eine einzige Aufgabe, so sagte ein Freund einmal, nämlich sich in allen Dingen einen ganz und gar eigenen Geschmack zu bilden. Das sei so einfach, meinte er, wie etwa beim Essen oder beim Sex, und ließe sich in folgenden Worten ausdrücken: “Mmm, das mag ich!” sowie “Wääh, das mag ich nicht!” Alles, was einen Menschen davon abbringe, so sagte er weiter, diese Geschmacksbildung ungestört auszuüben, sei ein Angriff auf die Entwicklung einer individuellen Kultur und somit ein Verbrechen. Man müsse sich nur fragen, wer jeweils den größten Nutzen daraus ziehe und schon könne man die Verbrecher identifizieren. Derlei apodiktische Anschauungen in bester Bernhard’scher Denktradition waren das Fundament unserer Freundschaft. Und sie haben sich über Jahrzehnte bewährt und bewahrheitet. Schauen wir uns doch um im Matsch der Masse, da torkeln lauter von immer noch mehr Ablenkung zerplemperte Hordiot*innen voll gestört vor sich hin.

Grenzenlos Guter Geschmack - BuchcoverDie Ausbildung eines eigenen Geschmacks würde sich auch in den Musikvorlieben eines Menschen wiederspiegeln. Oder darin, was er gern isst. Und vor allem darin, WIE er seine Sexualität ausübt. Nur, dass von Letzterem nur die Wenigsten etwas mitbekommen (was vielleicht gar nicht so verkehrt ist). Schau dir einmal drei Pornos an. Und dann vergegenwärtige dir, wie “der Sexualakt” von der Mehrheit der Durchschnittchen “vollstreckt” wird. Wenn du die beiden Bilder, die dabei entstehen, übereinander legst, scheinen sie zunächst höchst unterschiedlich zu sein. Doch hinter diesem ersten Eindruck verbindet sie etwas Erschreckendes: Die im Kopf entstehende Vorstellung davon, was wie zu tun sei. Was normal, was richtig und allgemein üblich sei – und wie man daher (sogar im Intimsten) zu leben habe. Nächste Ebene: nur ein kleiner Schritt zu Evangelisation, Produktwerbung und Wahlkampfdideldei. So entstanden im Zusammenspiel mit besagtem Freund noch weitere Kopfszenarien, wie etwa der Ausruf: “Schleichts eich aus meiner Unterwäsch!” zu jeder Belästigung durch lauthalses Marketing und dergleichen Geplärr. Es ist völlig zu Recht strafbar, sich gegen den erklärten Willen eines Mitmenschen in dessen Intimbereich zu drängen. Es ist wunderlicherweise vollkommen legal, ihm als Staat, Partei oder Glaubensdings listig und hinterrücks Heilsversprechen ins Gehirn zu scheißen. Und zwar grenzenlos

Grenzenlos Guter Geschmack - TextTrübe Tage, klare Gedanken, ein grausiger Geschmack. An einen Grenzen. Vom vom zum zum. In zwischenen Zeiten. Grenzenlos wollen wir werden, indem wir uns zwischen alle Stühle setzen, die noch im Niemandsland befindlich sind. Vom Eisernen Vorhang zur Berliner Mauer. Im Todesstreifen schmeckt der Wein besonders gut. Bedenke, Mensch, dass du erblich bist (und alles sonst gewerblich ist). Wichtig ist stets der richtige Reiseproviant. Oder wie uns Jan Böhmermann lehrt – sogar für die SPD besteht noch Hoffnung. Also schultern wir unsere Jausensackerl für die kalte Jahreszeit – und begeben wir uns in den großen Hasensaal der Radiofabrik zu Salzburg, um die süßen Früchte des letzten Sommers mit euch zu teilen. Und es wird uns allen warm werden ums Herz und wir werden alle um das Lebensfeuer tanzen, ungeachtet des internationalen Volkstrotteltums

Apropos, wenn es stimmt, dass Kohl Blähungen verursacht, dann ist auch die AfD nichts weiter als ein Vogelschas in der unendlichen deutschdeutschen Geschichte.