Perlentaucher Nachtfahrt am Freitag, 10. Oktober um 22:06 Uhr – Kreationen, das kann vielerlei bedeuten. Und vielleicht nicht immer das, woran wir zuallererst denken. So ähnlich wie bei Kompositionen, da denken die meisten wohl zunächst an Musik. Dabei können Kreationen wie Kompositionen vielerlei mehr sein: Kulinarische zum Beispiel, vom einzelnen Gang bis hin zum gesamten Menü. Oder aus verschiedenen anderen Kunstrichtungen herrührende Beiträge: Raumgestaltung und Bühnenbild, Inszenesetzung von Tanz, Film, Theater. Im Leben folgt alles einer Choreographie. Ein Bild komponieren, oder einen Text … womit wir beim zweiten Begriff angelangt wären, “erlesen”, nicht erst einmal als Beschreibung dessen verwendet, was jemand sich durch das Lesen anverwandelt … in sich aufnimmt und sich zu eigen macht …
Kaffeepause. Ein guter Kaffee ist doch ebenfalls eine auserlesene Kreation. Allein schon die Auswahl der Kaffeebohnen, ihre jeweilige Röstung, das fein abgestimmte Mischungsverhältnis und zuletzt eine so achtsame Zubereitung, die gar an japanische Teezeremonien denken lässt … Mmmm, einfach ein Gedicht! Sagt man doch so, wenns mehr als nur schmeckt, oder? Und dem werden wir heute nachspüren: Wie eigentlich aus besonderen Zutaten, also “erlesenen Rohstoffen”, ein aus dem allgemein Üblichen herausragendes Gesamtkunstwerk und eine all unsere Sinne beglückende und herausfordernde Eindrucksvielfalt entstehen kann. “Es muss Ambivalenzen geben.”, sprach der Weise (und wir wissen es nicht, ob er wusste, wie weise das war), denn genau darum geht es ab einer gewissen Erfahrung dessen, wie sich Liebe anfühlt: Gleichzeitig verschieden, aber im Zusammenklang. Glückselig und tieftraurig zugleich und mit beidem einverstanden: Es ist, wie es ist.
Unlängst ist eine 5. Staffel der auch von uns mehrfach zitierten Serie “Babylon Berlin” aufgetaucht und … Oh, mein whatever … da gehts jetzt einigermaßen verschroben zu! Und weil da einer meiner absoluten Lieblingsregisseure mitgestaltet, wollte ich unbedingt wissen, wie sich die ursprünglichen Kreationen des Autors der zugrundeliegenden Romanreihe beim unverfilmten Lesen in meinem Kopfkino zeigen würden. Und siehe oder besser erlebe (mit allen Sinnen) da – es begegneten mir nicht wenige geradezu verstörende Diskrepanzen. Nachdem ich das Gleiche bereits mit Tom Tykwers (jetzt ist es heraußen) Verfilmung von Patrick Süskinds Roman “Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders” gemacht hatte und dabei überwältigende Detailgenauigkeit in all der Üppigkeit der Bilderfluten festgestellt habe, können wir ja einmal über aus unserer Sicht gelungene oder missratene filmische Umsetzungen von literarisch erschaffenen Welten reden … Sprache kann mehr, als man glaubt.
Naturgemäß reden wir dabei nicht nur miteinander, sondern eben auch mit euch. Und wir lesen die Texte, die wir dafür auswählen, nicht nur einander, sondern eben auch euch vor. Woraus schlussendlich und in logischer Konsequenz folgt, dass wir die mitgebrachte Musik nicht nur spontan und je nach dem jeweiligen Gesprächsverlauf einsetzen werden, sondern sie auch im Hinblick darauf, was wir von euch an Unsichtbarem und “was nicht dingfest zu machen ist” wahrnehmen, zur erweiternden Abrundung unserer gemeinsamen, hoffentlich tiefergehenden Themenenverdichtung verwenden. Hier stößt Sprache, wie wir sie bisher kennen, zunächst einmal an gewisse Grenzen. Doch wir wären nicht wir, wenn wir nicht alles daran setzten, immer wieder aufs neue zu versuchen, über die bisher erfahrenen Grenzen hinaus unseren Gegenübern in so etwas, das man als umfassende Resonanz bezeichnen kann, zu begegnen – und mit ihnen – also auch mit dir, mit euch – zusammen in stimmiger Schwingung zu sein.
Frequenz ist schließlich keine Einbahnstraße … auch nicht im Radio …

























