Perlentaucher Nachtfahrt am Freitag, 9. Januar um 22:06 Uhr – Es ist schon erstaunlich – auf die Frage, was ihnen bei dem Satz “Ich will mich integrieren” als erstes in den Sinn kommt, fällt den meisten “in eine Gruppe”, “in die Gesellschaft”, “in diesen oder jenen Arbeitsablauf” und dergleichen mehr ein. Daran, dass diese Absicht zunächst einmal nicht nach außen, sondern nach innen gerichtet sein könnte, denken sie, wenn überhaupt, erst in zweiter Linie. Dabei ist “die innere Integration” überhaupt erst einmal die Voraussetzung dafür, dass einem Menschenwesen das Zusammenleben mit anderen lebensfreundlich gelingt. Und zwar auf eine Art und Weise, dass es die eigene Persönlichkeit nicht verbiegen oder verleugnen oder gar vergewaltigen muss, um nützlich zu sein und dadurch erst akzeptiert zu werden.
Wie ich eine solche “innere Integration” verstehe, das gibt folgender Ausschnitt aus einem Brief an einen Freund ganz gut wieder:
„Ich will mich integrieren.“
Den Satz könnte man jetzt natürlich so lesen, dass ich damit meine „in irgendwas außerhalb von mir“ (eine Gruppe oder Gemeinschaft oder was auch immer). Doch ich bezog mich auf meine fast verlorenen, ins Unbewusste verbannten oder sonst irgendwie „von mir abgetrennten“ inneren Kinder (die ja auch niemand anderes sind als ich ^^) sowie auf meinen Wunsch, möglichst viele von ihnen noch zu meinen Lebzeiten (wieder) in oder bei mir aufzunehmen. Also eigentlich „Ich will mich in oder mit mir integrieren.“ Das könnte jetzt sowohl ich als der Erwachsene sagen, der diese Kinder (wieder) bei/in sich aufnimmt. Aber eben auch ich als jedes dieser Kinder, das den sehr lange unerfüllten Wunsch äußert, sich jetzt endlich (wieder) bei/in mir einzufinden und zurecht zu finden.
Nun ist es ja wohl so, dass wir alle mehr oder weniger “in between” sind – also im Prozess des Austauschens von inneren und äußeren Wirkungen. Die Einwirkungen von außen können sich innerlich so oder so auswirken – und umgekehrt. Denn was da innerlich in uns wirkt, das hat wiederum Auswirkungen auf die Welt da draußen, was dann auch wieder die Rückwirkungen auf uns selbst verändert. Dies mag zunächst einmal unübersichtlich sowie in all seiner Komplexität kaum je bewusst, gesteuert, kontrolliert veränderbar erscheinen. Doch wie mir ein unlängst ganz neu zur Welt gekommener Kollege gezeigt hat, ist dieses Spiel von Wechselwirkungen vollkommen natürlich. Und zu dessen Ausübung und zunehmender Meisterschaft bringt jedes Kind auch wirklich von vornherein alles mit – aus dem unendlichen Erbe der Evolution, der Gestaltwerdung, der Schöpfung und der Sinnhaftigkeit. Nur weil die an diesem Wechselspiel des Werdens beteiligten Elterntiere oftmals nicht mehr dazu imstande sind, der Natur des Lebens hinreichend Freiraum zur Entfaltung zu geben – auch weil sie selbst allzu sehr davon entfremdet (worden) sind – braucht dieser selbst in den kleinsten Details sinnvolle Dialog nicht angezweifelt zu werden.
Wenn allerdings eine fundamentale Infragestellung der eigenen Person oder gar die Vernichtungsdrohung des Lebens an sich vorhanden sind, in der Vergangenheit des jeweiligen Menschenkinds (und das kann auch in seiner Familiengeschichte, quasi außenweltlich eingeerbt vorliegen), dann erweist sich die umfassende Gesundung der innenweltlichen Seelenlandschaft als notwendig. Denn auf jede Gewalteinwirkung (und als solche sind auch Gefühlsarmut, Gereiztheit und Gestresstheit der Eltern zu verstehen) reagiert unser sensibles System – um zu überleben – mit Abspaltung. Dieser Vorgang verdeutlicht das Grundbedürfnis nach dem Vorhandensein (oder im Fall ihres Fehlens) der Wiederherstellung von (mit einem selbst und untereinander) sinnvoll kommunizierenden und zusammenhängenden Persönlichkeitsanteilen in allen jeweiligen (betroffenen) Altersstufen. Ein einstweiliges Ergebnis: “Ich will mich integrieren in den Zusammenhang von vermitteln, verbinden und in between sein.”




























