The Soul is a Bird (Norbert)

Podcast/Download: Perlentaucher Nachtfahrt vom 14. September (Die 48. Sendung!) – Wir erleben ein vierstündiges Abenteuer frei nach Apocalypse Now und entwickeln eine Expedition ins Herz der Finsternis. Was erwartet uns nach der Begegnung mit unserem inneren Schatten? Und ist solch eine Selbsterfahrungsfahrt nicht auch als modernes Märchen erzählbar? Wir wagen den Versuch – wie immer mit kontrastierender Musik und kontroversen Texten – doch ohne „Moral von der Geschicht“. Die ist und bleibt ein offenes Ende UND jeweils der eigenen Phantasie überlassen. Das Schöpferische in uns will nämlich zur Geltung kommen – und soll dabei schön zweckfrei bleiben dürfen! Die Entstehung dieser Sendung könnt ihr also auch in den zwei Artarien „Apocalypse Solo“ und „Apocalypse Duo“ nachvollziehen. Der Weg ist das Ziel…

Es beginnt alles mit einem Auftrag. Und mit einem seltsamen Gefühl, dass hier irgendwas nicht stimmt. Nicht stimmen kann. Noch nie gestimmt hat. Irgendwie beginnen Anspruch und Wirklichkeit zunehmend auseinander zu fallen. Zunächst unmerklich, mit dem nagenden Unbehagen, das wir in Alkohol und Drogen aufzulösen versuchen, das wir immer wieder beiseite schieben, nur um weiter machen zu können. Dann wird es persönlicher, trifft uns im Versuch, einen Menschen zu lieben und eine Gemeinschaft herzustellen. Wir stellen fest, dass wir das Wesentliche, das uns im Innersten beschäftigt, nicht mehr kommunizieren können, womöglich noch nie kommunizieren konnten. Uns fehlen die Worte, dies alles auszudrücken, wir sind wie betäubt, erschlagen – und wir resignieren, geben auf, lassen den Verlust zu. Noch mehr Alkohol, noch mehr Drogen, wir sehnen uns zurück ins Abenteuer, zurück in den Kampf, zurück in den Dschungel. Doch auch der neuerliche Auftrag, der uns den Fluss hinauf schickt, ins Herz der Finsternis, jenseits der Grenzen des Vorstellbaren, erscheint seltsam ambivalent und in sich selbst unstimmig zu sein. Ja, wir wollen endlich Klarheit, wollen wissen, was das für ein Wahnsinn ist, an dem wir alle so selbstverständlich teilnehmen und der uns gleichermaßen von Grund auf korrumpiert. Ja, wir verspüren eine unausweichliche Ahnung, eine fast schon übersinnliche Gewissheit…

Das, was wir verloren haben, das, was uns fehlt, das, wonach wir schon immer auf der Suche sind, zumindest solange wir denken können, solange wir uns zurück erinnern – was ist das überhaupt? Es hat etwas mit dem Entdecken von sexueller Lust zu tun, damals als der Blitz einschlug bei der ersten intimen Berührung durch jemand anderen. Es ist nah verwandt mit den ersten Erfahrungen des Rauschzustands, mit jener euphorischen Entgrenzung im gemeinsamen Taumel von Trinken und Tanzen. Mit Verliebtheit und mit Küssen und mit dem ersten Joint im jungfräulichen Bewusstsein. Mit einem Sonnenaufgang in den Bergen nach einer durchwachten Nacht. Mit Motorradfahrten in unbekannte Landschaften, mit Sonnenuntergängen am Meer und unglaublich wohlschmeckenden exotischen Speisen in fremden Ländern – und mit dem Gefühl, ganz wo anders – unvermutet – eine neue Heimat zu finden. Diese feinen Funken beim Entdecken von etwas Neuem, dieses unvoreingenommen unschuldige Staunen in elementarer Begeisterung, sprachlos machende Naturgewalten, die über uns herein brechen und unser Bewusstsein nachhaltig verändern. Sex, LSD, ewiges Kind sein im Hier und Jetzt. Der multiple Orgasmus der Verschmelzung mit sich selbst und dem Weltall. Reine Natur. Das Sein an sich. Gott. Mensch. Leben…

Gibt es das überhaupt? Da war einmal was – und wir fühlen, dass es uns entgleitet, dass wir es eigentlich schon längst nicht mehr wiederfinden können – egal, wie viel wir trinken und wie sehr wir uns mit dem „immer mehr nehmen, haben, wollen, tun“ abmühen. Sex, Sex, Sex – langweilig. War das schon alles? Da muss doch noch – etwas? – jemand? – gewesen? – sein! – Ich? – Es? – Wir? – Wollen wir dorthin zurück, wo alles zugrunde ging, um zu verstehen, weshalb? Wollen wir begreifen, was – und warum uns das fehlt, um zu akzeptieren, dass es nun einmal so ist, und um uns damit abzufinden, uns einzurichten im Unvermeidlichen – das ist nun mal der Lauf der Dinge, unsere Vergänglichkeit? Oder wollen wir dorthin, weil wir „es“ zurück haben wollen? Müssen? Das Verlorene – ohne das wir nicht leben können – im eigentlichen Sinn. Nur vegetieren, funktionieren, als angestellte Auftragskiller einer Kolonialwarenwelt, die aus dem angeblichen Nicht(mehr)vorhandensein des ursprünglich Essenziellen gute Geschäfte macht – mit den Ersatzdrogen der Lust? Ist es nicht der blanke Wahnsinn, dass wir genau dasjenige nich mehr antreffen, nicht mehr wiederfinden können in dieser schönen neuen Welt des Fortschritts, des Wohlstands und der verwalteten Bedürfnisse, das uns zu Menschen macht, die sich auch lebendig fühlen?

Ist es nicht gerade das wesentlichste aller menschlichen Bedürfnisse, dass wir nicht nur versuchen, zu verstehen, warum und wie wir dieses Lebendigmachende überhaupt verloren haben, sondern auch mit aller Kraft versuchen, es wieder zu finden, es wieder herzustellen und es dann wieder und wieder anzuwenden? In einem solchen Augenblick umfassender Klarheit haben wir mit dem etablierten Wahnsinn gebrochen, sind ausgestiegen – und haben uns von den Betreibern dieser betrügerischen, psychopathischen, verbrecherischen Weltkonstruktion losgesagt. Wir sind aufgebrochen in dem Versuch, uns so weit als nur irgendwie möglich davon zu entfernen. Seither verfolgt uns ihr „moralischer Terror“ als unser schlimmster Feind. Gibt es noch eine andere Lösung, als deren Wahnsinn verinnerlicht widerspiegelnd im Untergang zu versinken – von sich selbst und überhaupt allem?

Eine mögliche Verwandlung – einen Übergang – eine neue Sinn-Stiftung?

Die Selbst-Erfahrung ist eine Fahrt nach innen, eine Reise zu sich selbst, hinter die Ideale und Vorstellungen, wo Schicht um Schicht alles von einem abfällt – bis man auch dem eigenen Grauen ins Gesicht sieht. Zurück kommst du von dort immer allein! Ist nicht hinter der größten Angst und inmitten der tiefsten Verstörung, dort, wo nichts mehr anderes ist als Leere, Schicksalsergebenheit, das Ende von allem – ein neuer Anfang, eine Grenzüberschreitung – der Dreh- und Angelpunkt wirklichen Lebens?

 

Apocalypse Duo

Podcast/Download: Artarium vom Sonntag, 9. September – Neues aus der Nachtfahrt-Werkstatt: Die kommende Ausgabe der Perlentaucher-Reihe wird nunmehr die Nummer XXIV sein – und das bedeutet, wir feiern mit ihr das (in Worten) VIER-jährige Jubiläum unserer freitagnächtlichen Themenreisen. Was für eine Entwicklung – von einer zweistündigen Musiksendung mit freihändigen Gesprächen über allerlei fiktionale Expeditionen durch die Aggregatzustände des Seins mit stets wechselnden Studiogästen – bis zur jetztigen, zweisam gestalteten Textmusikverdichtung mit Lesung, Liveperformance und spontaner Dramaturgie! Dies alles gibts demnächst wieder – am Freitag, 14. September, dem Anlass gebührend ganze VIER Stunden lang, von 22:00 bis 02:00 Uhr – unter dem schönen Titel „The Soul is a Bird“ in der Radiofabrik unseres Vertrauens 😉

Und nachdem wir uns bei dieser Annäherung am TOT.LEBEN der Dramaturgie von „Apocalypse Now“ bedienen wollen, bereiten wir uns auch schon rein äußerlich auf eine dementsprechend gefahrvolle, irrwitzige und im wahrsten Wortsinn grenzüberschreitende Mission vor. Darauf wollen wir euch neugierig machen!

All unsere Beiträge kreisen diesmal um eine ganz spezielle Art der Reise. Eine Expedition zu den Grenzen dessen, was wir bisher für wahr zu halten gelernt haben – über gesellschaftliche Gepflogenheiten und vermeintliche Ordnungen und Strukturen, über Gut und Böse, Licht und Schatten, über das Oben und Unten der Welt – und über uns selbst! Denn dieser wahrhaft psychedelische (also in bester Bedeutung bewusstseins-erweiternde) Jahrhundertfilm von Francis Ford Coppola schafft es, dass uns mit zunehmender Dauer dieses flussaufwärts führenden Trips die gewohnte Orientierung ordentlich um die Ohren fliegt. Und kaum steht man dann neben sich – mit einem irritierend offenen Ende, sonst nichts – beginnt man sich selbst und zugleich auch andere zu fragen, beginnt man zu phantasieren, wie es denn jetzt weiter gehen könnte…

Eine Reise in den Übergang, in die Verwandlung, in das vielleicht doch nicht so zufällige Zusammentreffen mit sich selbst – als dem, den man nicht kennt. Eine Einstimmung in die Musiken und Texte, die uns dorthin begleiten, die uns die Augen öffnen – und die uns neue Welten erschließen. Ein Anfang mit einem (immer wieder) offenen Ausgang…

Hiermit laden wir euch zu den gemeinsamen Vorbereitungen ein, die uns alle wie in einem Strudel tiefer und tiefer in den Dschungel hinein ziehen – zur Begegnung mit Colonel Kurtz – oder doch dem eigenen Schatten? Einige Eindrücke vom „Apocalypse Now Redux“ (den anzuschauen wir wirklich unbedingt empfehlen!) Ein paar Schwierigkeiten, englische Texte (etwa von Allen Ginsburg, Patti Smith, T. S. Eliot) situationsadäquat oder allgemeingültig zu übersetzen. Der Soundtrack zur nächsten Nachtfahrt, die wundersam abgründigen Gedichtvertonungen (Georg Trakl, Joseph von Eichendorff) durch Martin Schindlers Bandprojekt „Mantus“ – Erfinden wir uns ein Genre dazu, „dunkelblauen Samt-Metal“ womöglich – oder gleich eine neue Kunnstrichtung, in der es nur noch um den Prozess geht und überhaupt nicht mehr um ein Produkt 😀 Auch gut zu lesen: Apocalypse Solo

 

September – raus aus Maxglan!

Die Frauenuni lebt, auch von Deiner Teilnahme! 19.-22.09.2012 in Wien, Campus, Altes AKH, Spitalgasse 2-4, Hof 2.8
Im Gespräch mit Ulli aus dem Organisationsteam erfahren meine Hörer_innen mehr über die Frauenunis und was in diesem September geplant ist.

GUI programming …

.. is work in progress. Here are some impressions from our userface-programming workshop in Barcelona:

The arrow ball is intended to represent the main operation element and at the same time the logo of A2R. For example, the four arrows on above may represent the spectrum disassembled into bass, middle and height of the sound and thus a three-band equilzer (blue = bass, green = middle, red = high). with the size of the arrow, the appropriate frequency is controlled. the fourth may be responsible for the total volume. The two smaller in the opposite direction pointing to the balance of the individual sound.

The arrows also serve as a projection for various operating elements, like slide control, or switch to edit parameters or musical structures. Parameters that may be visualized by the arrow ball:

 

 

 

 

The 3d chladnik figure represents the spectrum of the sound by its significant overtones and gives the opportunity to manipulate these frequencies:

You can see the fft analysis in a frequency-time domain, the spectrum of the sound is possible to intervene. By soft selection of portions of the frequency- image, it will be a spectral filter:

Meta Schwarz – Nürnberg

Meta Schwarz wurde im Krankenhaus Fürth ermordet. Sie starb an einem Nierenleiden – die Ärzte und Schwestern hatten ihr die nötigen Medikamente vorenthalten, weil sie Jüdin war. Ihr Mann Ludwig starb 1937 angeblich wegen eines Schlaganfalls. 53 Jahre später stellte sich heraus, dass er von einer NS-Schlägerbande getötet wurde. Aufgezeichnet haben die Geschichte von Meta Schwarz und ihrem Mann der gemeinsame Sohn Meir Schwarz und die Historikerin Gisela Naomi Blume.

Ein Beitrag von Tobias Lindemann (Radio Z).

Hörstolperstein Meta Schwarz

Hörsturz #3: Von Freibeutern und der Welt, wie sie ist

Die Diskussion über Reform der Urheberrechte hat einen Höhepunkt erreicht. Und einen Tiefpunkt in der Überheblichkeit, was Netz kann. (von Alf Altendorf)

Tragen Ihnen Ihre 300 Facebook-Freunde beim Siedeln die Möbel hoch? Haben Sie schon mal 100 Euro ertwittert, weil die Kohle zum Monatsende alle war? Hält Sie die Flirtbörse Ihrer Wahl im Arm, wenn Sie von Ihrer Liebe verlassen wurden? Ihre Mutter gestorben ist?

Es gibt viele Situationen im Leben, wo wir „Freunde“ brauchen. Und keine „Likes“. Körperliche Zuwendung und Wärme. Hilfe, die Ihnen die Hand führt. Und keinen anonymen Rat von Online-Freunden. Denen wir egal sind. Weiterlesen

Civilmedia financing rejected again

We regret to have to tell you that our application for financing in the „Europe for Citizens“-programme of the European Union was again rejected .

We were not able  to find sufficient other sources, so there will be no Civilmedia in 2013.

 

Familienausflug

Die schöne Frau Nowak, Göttergatte Alex und Brother Adam kapern den 
Kulturtümpel am Peal Festival.
Auf dem Motorcrossgelände wurde eigens ein Badeteich ausgehoben.
Und wir vertreiben mit unserem Sound die Mücken.
Oriental Disco Bollywood Blues Tropical Funk African Discotheque 
International Bass Norwegian Wood Waldviertler Chilljazz Balkanmania Elektro Rock...

Wann: Freitag, 07.09. ab 17 Uhr in den Abend hinein.
Wo:
Pealfestival
06. - 09. September 2012

Am Gelände des Route69
Eichberg-Trautenburg 69
8463 Leutschach
http://pealfestival.com

Rosa Hofmann – Salzburg

Rosa Hofmann

Rosa Hofmann

Rosa HOFMANN, geboren am 27. Mai 1919 in Wilhering bei Linz, katholisch, war im sozialdemokratischen Arbeitermilieu sozialisiert worden. Politischer Widerstand hat jedoch auch einen familiären Hintergrund: Rosas Vater Josef HOFMANN, Sozialdemokrat, Gewerkschaftler und Schutzbund-Führer, hatte sich im Februar 1932, während der Weltwirtschaftkrise, erschossen, nachdem er von seiner Entlassung als Binder in der Stieglbrauerei erfahren hatte.

Hörstolperstein Rosa Hofmann

Die Witwe Cäcilia HOFMANN, Hilfsarbeiterin, und ihre vier Kinder wohnten weiterhin in der damals noch eigenständigen, sozialdemokratisch verwalteten Gemeinde Maxglan, Moserstraße 10, in einem Gemeindehaus. Rosas Brüder Josef und Anton erlernten die Berufe Maler und Schlosser. Rosa war Hilfsnäherin laut Meldekartei, hatte demnach keinen erlernten Beruf.

Rosa Hofmann Denkmal

Rosa Hofmann Denkmal Stölzlpark Salzburg

Unter dem NS-Regime war Rosa HOFMANN Leiterin des Kommunistischen Jugendverbandes in Salzburg. Am 17. April 1942 wurde die junge Frau von der Gestapo verhaftet. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass Rosa HOFMANN auf Bahnhöfen, in Eisenbahnwaggons und vor Kasernen Flugblätter verbreitete, auf denen zu lesen war: »Wir wollen beizeiten diesem blutigen und sinnlosen Krieg ein Ende setzen und brüderlich vereint mit den Soldaten der Roten Arbeiter- und Bauernarmee in den letzten Kampf ziehen, in den Kampf für ein freies sozialistisches Europa!«

Im Todesurteil des »Volksgerichtshofes« gegen Rosa HOFMANN heißt es, das Schwergewicht ihrer Tätigkeit habe »in ihrer Beteiligung an der Verbreitung der zur Zersetzung der Deutschen Wehrmacht bestimmten Schriften« gelegen und die Angeklagte sei »im wesentlichen« geständig, obschon sie festgestellt habe, dass die Formulierung im Vernehmungsprotokoll, sie sei »zur Zeit der Tat eine fanatische Kommunistin gewesen« und habe sich »von der Herbeiführung der Weltrevolution eine soziale Besserstellung erhofft«, ihrer eigenen Ausdrucksweise nicht entspreche.

Rosa Hofmann Stolperstein

Rosa Hofmann Stolperstein/Moserstraße 10

Rosa HOFMANN, die 23-jährige widerständige Frau, deren Eigensinn noch aus der Gewaltrhetorik der Blutjustiz hervorsticht, wurde am 15. Dezember 1942, schon zur Zeit der Kriegswende in Stalingrad, wegen »Zersetzung der Wehrkraft des deutschen Volkes in Verbindung mit landesverräterischer Begünstigung des Feindes und Vorbereitung zum Hochverrat« zum Tode und »zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit« verurteilt und am 9. März 1943, nach dem Kriegstod vieler hunderttausend Menschen auf beiden Frontseiten Stalingrads, im Zuchthaus Berlin-Plötzensee enthauptet.

Rosa, überzeugt vom Sinn ihres Widerstandes, hatte noch angesichts ihres Todes die Kraft, Worte zu finden, die ihren Lieben, den Hinterbliebenen, Trost bringen sollten:

Liebe Mutter und Geschwister!

Heute heißt es Abschied nehmen von Euch, denn das Gnadengesuch ist abgelehnt worden. Aber ich bin ganz ruhig, liebe Mutter.

Ich danke Dir, liebes Mütterlein, für Deine Liebe, und ich stehe so tief in Deiner Schuld wegen dem Kummer, den ich Dir jetzt bereite. […] Wenn Du sehen würdest, wie ruhig ich bin, dann würde auch Dein Kummer nicht so groß sein um mich. Behalte mich immer im lieben Andenken, es sterben jetzt so viele und wissen nicht wofür, musst Du Dir sagen. […] Wer weiß, was ich noch alles mitmachen müsste, denn die Jugend ist vorbei, wenn man das erlebt, was ich erlebt habe. Ich komme mir vor wie eine alte Frau und würde nie mehr genauso glücklich sein können, es ist gut so, wie es ist, glaube mir. Ich bin müde geworden in der Zeit.

Also, liebes Mutterle, bleib gesund, und auch die Resi und der Toni, werdet noch recht glücklich, und macht der Mutter das Leben schön. Meine letzten Busserln und eine heiße Umarmung schick ich Euch mit tausend Grüßen. Eure Ratzi

Berlin-Plötzensee, 9. März 1943

»Ratzis« älterer Bruder Josef, 23-jährig zum Kriegsdienst einberufen, kam im September 1942 an der »Ostfront« (Sowjetunion) zu Tode, deshalb fehlt sein Name in ihrem Abschiedsbrief an ihre Lieben. Doch im Gedanken war seine Schwester wohl bei ihm und seinesgleichen, wenn sie schreibt: »es sterben jetzt so viele und wissen nicht wofür«.

Am 4. Mai 1947 wurde im Stölzlpark, Bindergasse 11, von der SPÖ unter ihrem Landesobmann Franz Peyerl das erste Heim der Kinderfreunde eröffnet, das den Namen der »Sozialistin« Rosa HOFMANN erhielt. Der dort aufgestellte und noch heute vorhandene Gedenkstein trägt die Inschrift: »Rosa Hofmann / gefall[en] für den Sozialismus am 9. 3. 1943 in Berlin durch Henkershand / Für die Freiheit gabst Du Dein Leben / Dein Vorbild wollen wir erstreben«

Am 30. Juli 1965 wurden mit einstimmigem Beschluss des Gemeinderates der Stadt Salzburg zwanzig Verkehrsflächen neu benannt, darunter eine nach Rosa HOFMANN in Maxglan-Siezenheim.

Quellen:Salzburger Wacht (Organ der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Salzburg), 8. 2. 1932, S. 5. Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 – 1945, Band 1, S. 446ff. Salzburger Landesarchiv: Opferfürsorgeakte S-154 (Cäcilia Hofmann).
Recherche: Gert Kerschbaumer
Gestaltung & Produktion: Georg Wimmer