Due to sickness……

….wird es heute leider kein live Battle&Hum geben.

MC Randy Andy dürfte vom Märzenkalb geküsst worden sein.

Wir spielen eine alte Folge aus dem Archiv, aber keine Sorge die USA Folge wird irgendwann demnächst nachgeholt.

Greetz

Veröffentlicht unter Teaser

Mir geht es wie dem Borchert

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 19. April – Mir geht es wie dem Borchert. Naja, doch nicht so ganz. Aber schon auch irgendwie. Denn da will ein Text aus mir heraus, ein langer Text, für den ich (jedenfalls diese Woche) viel zu wenig Zeit habe. Und auch wenn es nicht meine Restlebenszeit ist, die da vor mir schwindet, so werde ich doch an seinem Ende mehr gesagt haben wollen, als mir jetzt möglich scheint. Wie machen wir nun aus dieser Not vielleicht sogar eine Tugend? Thomas Bernhard formuliert das in der Ursache so: “Aber ich deute nur an.” Was eine gute Herangehensweise ist an ein Thema, das so bodenlos abgründig ist, dass es einem sowieso lebenslang immer zu viel sein wird, von den nachfolgenden Generationen einmal ganz zu schweigen. Also versammle ich hier alle Andeutungen … und ihr könnt selber weiter suchen

Wolfgang Borchert - Draußen vor der Tür“Sag deinem Kumpel die Wahrheit, beklau ihn im Hunger, aber sag es ihm dann. Und erzähl deinen Kindern nie von dem heiligen Krieg: Sag die Wahrheit, sag sie so rot wie sie ist: voll Blut und Mündungsfeuer und Geschrei. Beschwindel das Mädchen noch nachts, aber morgens, morgens sag dann die Wahrheit: Sag, daß du gehst und für immer. Sei gut wie der Tod. Nitschewo. Kaputt.

Denn wir sind Neinsager. Aber wir sagen nicht nein aus Verzweiflung. Unser Nein ist Protest. Und wir haben keine Ruhe beim Küssen, wir Nihilisten. Denn wir müssen in das Nichts hinein wieder ein Ja bauen. Häuser müssen wir bauen in die freie Luft unseres Neins, über den Schlünden, den Trichtern und Erdlöchern und den offenen Mündern der Toten: Häuser bauen in die reingefegte Luft der Nihilisten, Häuser aus Holz und Gehirn und aus Stein und Gedanken …”

aus “Wolfgang Borchert – Das ist unser Manifest”

 

In der ARGEkultur findet am Donnerstag, 23. April, am Freitag, 24. April sowie am Samstag, 25. April jeweils um 19:30 Uhr eine Aufführung von Wolfgang Borcherts “Draußen vor der Tür” statt – in der Bearbeitung von Jakob Schulte und Johannes Brömmel, die “einen surrealen wie bedrohlich aktuellen Zugriff auf Wolfgang Borcherts berühmtes Nachkriegsdrama von 1947” ermöglicht. Thematisch abgerundet werden alle drei Abende durch die Hör-Installation “VOR UNSERER TÜR” im Foyer, wo die Besucher*innen “ein weiteres zeitgenössisches Echo auf das Stück” erleben können.

Ich habe es als Jugendlicher gelesen (geradezu verschlungen) und war zutiefst beeindruckt. Und zwar von der unmittelbaren Direktheit und Schonungslosigkeit, mit der da die Wahrheit über den mörderischen Krieg und die nach wie vor genauso lebensbedrohliche Nachkriegszeit gesagt wird, eine Wahrheit, die so wichtig ist für das Verstehen der eigenen Person und all dessen, was seither geschehen ist und noch heute geschieht sowie unter bestimmten Voraussetzungen (die wir auch nur verstehen, wenn wir die Wahrheit kennen) in der Zukunft geschehen wird

Eine Wahrheit, die mir von meiner Familie (die diesen Krieg und diese Nachkriegszeit noch selbst miterlebt hat) aus welchen Gründen auch immer weitgehend vorenthalten wurde. Doch auf einmal platzt eine lang versperrt gewesene Tür auf und ich denke mir: “Man kann über diese Dinge ja doch reden!” Und dann gibt es auch keine Grenzen mehr, von denen man geglaubt hat, dass sie existieren: Ein Traum erweist sich als ein Schlüssel für die reale Geschichte von der vermeintlichen Schuld. Gott tritt auf und … resigniert. Der Fluss kann sprechen … sie spuckt den Lebensmüden an Land

 

Ein in vielerlei Hinsicht herausragendes Werk, dem wir näher kommen wollen.

 

Breaking Glass (Film Soundtrack)

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 12. April – Seit einiger Zeit tauchen sie wieder öfter auf, die 70er und 80er Jahre, speziell im Hinblick auf die radikalen Einflüsse von Punk, New Wave und D.I.Y. (“Do it yourself”) auf die Musikkultur jener Zeit und darüber hinaus auf weite Teile des Musik- und Kunstschaffens bis heute. Zeit für einen Zeitsprung oder Die Zeitkapsel ist hiermit eröffnet: Wir schreiben das Jahr 1980. In Großbritannien zerfällt die Gesellschaft in gewaltsamen Unruhen. Margaret Thatcher hetzt berittene Polizei gegen demonstrierende Arbeiter*innen. “Anarchy in the UK”. Die Hymne der Sex Pistols aus dem Jahr 1976 hat die Eskalation längst vorweg genommen. Punk mischt das kulturelle Selbstverständnis einer ganzen Generation auf. Und da erscheint der Film “Breaking Glass” mit Hazel O’Connor.

Breaking GlassProduziert von jenem Dodi Fayed, der 18 Jahre später zusammen mit Lady Diana bei einem Autounfall Im Jahr 1980 jedoch, genau an der Grenze zwischen gewohnten Rock-Strukturen und unerhörten Punk- und New-Wave-Sounds, im Umbruch der althergebrachten Verwertungsindustrien und noch bevor alternativ selbstbestimmte Lebens-, Öffentlichkeits- und Marktformen für Bands erfunden und ausprobiert werden konnten, da dazwischen – im Inbetween –erzählt sich uns die etwas andere Geschichte der No-Future-Generation in ihrem lebensbejahenden Kampf mit den verlogenen Verhältnissen, in denen sie sich auf ihrer Suche nach Liebe (was denn sonst, seit Anbeginn der Menschheit, seit jeder Geburt seither) zunächst fassungslos wiederfindet. Bemerkenswert ist hierbei, dass die Protagonistin in ihren Versuchen, “die Welt da draußen mit ihrer Botschaft zu erreichen”, ganz ähnliche Erfahrungen macht wie Pink aus dem etwa zur selben Zeit und ebenfalls in England entstandenen Pink-Floyd-Opus “The Wall” – nämlich von der Menschenvernichtungsmaschine der Musikindustrie bis zum Zerbruch ausgebeutet und ausgewrungen zu werden.

Und auch die Rettungs- und Erlösungsphantasien aus der Nazibildwelt kommen bei beiden Hauptfiguren vor – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Wobei man hier schon fragen kann, inwieweit die jeweiligen Erlöserposen“Die anderen als Lichtgestalt vor den Naziumtrieben retten” (Breaking Glass) oder “Zur Rettung der Gesellschaft selbst zum Diktator werden wollen” (The Wall) nicht zwei Seiten desselben Scheiterns auf der Suche nach Liebe sind, wie Arno Gruen das in dem Kapitel über linke und rechte Rebellen aus “Der Verlust des Mitgefühls” nahelegt.

“Then comes „Will You?“, the jewel. Tender, almost fragile, then broken open by saxophone. For me, it was the first time I realized Hazel could devastate as well as rage.”, schreibt Howard Salmon in einer Betrachtung des Soundtracks wie auch des Films und seiner Begleitumstände. Lesenswert! Und auch für mich als ein Perlentaucher in vielerlei Hinsicht ist dieser Song eine herausragende Kostbarkeit. Zeigt er doch die Feinfrequenz und Behutsamkeit auf, die uns allen in dem Moment der Resonanz eigen ist, wenn wir der Liebe (wieder oder zum ersten Mal) begegnen.

Nur von dort aus können wir maßnehmen (erkennen und feststellen) inwieweit Weltpolitik, Wirtschafts-, Gesellschaftsordnung, whateveroder wir selbstvom eigentlichen Leben abweichen. Es ist die Perspektive des Neugeborenen. Alles andere ist Breaking Glass.

 

Glaub nicht alles, was du denkst

 

Und überhaupt: Die Texte des Albums mit ihrer in biblisch-apokalyptischen Bildern verpackten radikalen Zivilisationskritik sind gut 45 Jahre nach ihrem Erscheinen allemal eine neuerliche Betrachtung und Interpretation (aus heutiger Perspektive) wert. Hier die komplette Tracklist mit sämtlichen Lyrics. Allein schon die Titel der Songs lassen Freunde und *innen der gepflegter Metapher interessiert aufhorchen: “Writing On The Wall” (Menetekel), “Monsters In Disguise” (Angepasstendiktatur) oder “Big Brother” (Kontrolle, Überwachung, Zensur). Ein zeitloses Aufbegehren.

In dieser Hinsicht hat Breaking Glass ein noch darüber hinaus weisendes und aus heutiger Sicht geradezu prophetisches Stück zu bieten, nämlich “Eighth Day”, ein an die biblische Vorlage angelehnter alternativer Schöpfungsmythos, in welchem der Mensch am vorletzten Tag “zu seinem Ebenbild” Maschinen erschafft, die am achten Tag durchdrehen und das biologische Leben auf dem Planeten zerstören. Soweit, so gruselig. Passt allerdings, wiewohl vor 45 Jahren ausgesagt, erstaunlich präzise in die derzeitige Diskussion rund um die Gefahren künstlicher Intelligenz:

 

In our image, let’s make robots for our slaves
Imagine all the time that we can save
Computers, machines, the silicon dream
Seventh he retired from the scene

And he said, “Behold what I have done
I’ve made a better world for everyone
Nobody laugh, nobody cry
World without end, forever and ever”
Amen, amen, amen

On the eighth day machine just got upset
A problem man had never seen as yet
No time for flight, a blinding light
And nothing but a void, forever night

He said, “Behold what man has done
There’s not a world for anyone
Nobody laughed, nobody cried
World’s at an end, everyone has died”
Forever amen, amen, amen

 

Na dann, Gute Nacht

 

Sommerzeit


Von Daniel FR, Plenz - Original by Daniel FR, SVG by Plenz, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1837016

In Tuning ab ist diesmal der Wechsel in die Sommerzeit das Thema. Mit zetlichen Musikalien von John Coltrane, Pink Floyd, Alan Parsons Project, Mr. Käfer u.a.

Nachzuhören unter: https://cba.media/767040