Liebe Battlemaniacs!

Leider spielts heute (16.03.2019 22:00) keine Livesendung! Wir sind an unseren Frühlingsgefühlen erkrankt und haben nur mehr eines im Kopf und das ist sicher nicht Radio machen

Dafür bekommt ihr die Februarsendung (2019) um die Ohren gepackt. (Natürlich gibts da auch keine Abstimmungsmöglichkeit.)

Bis dann im April und lasst euch nicht für dumm verkaufen! (20.04.2019 22:00)

Verdutzend

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 17. März – Die wortkreative Entsprechung zu Salzteigprothese muss einfach Vollkornschraubenschlüssel sein. Verdutzend? Den Ein- und Ausgeweihten wird schnell bewusst, worum es hier geht: Vor inzwischen zwölf Jahren (in Worten 12) erschuf der nimmermüde Querkünstler Peter.W. die Sendereihe Artarium und somit ist das Dutzend voll. Uns verdutzen seitdem die schöpferischen Spätfolgen dieser Unternehmung aufs vortrefflichste – und immer wieder aufs neue! Zur Würdigung dieses Umstands, liebe Schlagerfreunde, wollen wir diesmal einem ebenso umtriebigen Wortschwurbler und Zusammenhangstifter unser Gehör leihen, nämlich Rainald Grebe, dieser Allroundrampensau zwischen Wahnsinn und Erfolg. Und wir wollen ihm dabei sogar sein abgeschlossenes Studium verzeihen. Kunnst!

Im Verdutzend billigerVolksbildnerischer Exkurs: Verdutzend als titelspendende Wortvermischung aus Dutzend und verdutzt vereint zwei etymologisch nicht verwandte Begriffe zu einer bisher dergestalt noch nicht dagewesenen Bedeutungsebene. Durch die absichtliche Legierung der beiden Wortelemente entsteht ein Kunstsinngehalt, der wiederum zu selbsteigenem Sprachspiel weiter entwickelt werden kann. Womit wir bei den philosophischen Grundfragen angelangt wären: Was ist ein Künstler? Warum gibt es kein bedingungsfreies Grundeinkommen? Und wann gibts endlich Mittagessen? Diese höchst ernsten Probleme der Zivilisation (und der mit ihr verbundenen Müdigkeit) werden wir hier in gewohnt ironischer Weise verhandeln, indem wir die Wirklichkeit bis zu ihrer Kenntlichkeit entstellen. Damit sie uns nicht allzusehr verwirrt, die Verwirrklichkeit. Ein Kunstuniversum ist eben keine Hochschulvorlesung übers Reimeschmieden.

Höchst hörenswert ist jedenfalls die bei Freirad in Innsbruck produzierte Sendereihe Ethnoskop – Kultur für die Ohren, die zudem an jedem zweiten Sonntag im Monat um 18 Uhr (also gleich nach dem Artarium) auf den Frequenzen der Radiofabrik gut zu hören ist. Wir freuen uns immer wieder über deren thematische und gestalterische Vielschichtigkeit – und eben auch darüber, dass der von uns so geschätzte Rainald Grebe dortselbst des öfteren zu (meist gesungenem) Wort kommt. Ein vielfaches Hoch also auf die gepflegte Collage aus Strandgut und Kultur. Zur Einstimmung wie auch zur Abrundung ein Amuse Geule zur angeregten Verdauung des 20. Jahrhunderts

 

Fridays for Future

Im strömenden Regen heute tausende SchülerInnen, Omas gegen Rechts, alte Säcke wie ich und eine junge Frau, die ein riesiges Lastenrad schiebt. Sie sagt mir, dass die schon als 1jährige bei ihrer ersten Tschernobyl-Demo dabei war.

Find ich fein, wenn Zivilcourage bereits im Kindesalter eingeübt wird 🙂

So viele (1.000? 4.000?) kamen vom Unipark Nonntal und vom Hauptbahnhof zum Residenzplatz, dass den gscheiteren unter den Politikern gar nix anderes überbleibt, als Wohlwollen zu zeigen.


Hüftgold ade – Fastenzeit für moppelige Hunde

Nicht nur wir Menschen haben um diese Jahreszeit mit überflüssigen Pfunden zu tun. Auch Hund haben nicht immer eine funktionierende „Appetitbremse“ und wenn dann auch noch zuwenig Bewegung dazukommt,  dann ist auch bei Fifi oder Nero schnell die Taille futsch.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollten Sie als HundehalterIn von vorneherein auf die richtige Ernährung achten. Diese sollte nicht nur passend für das jeweilige Tier zusammengestellt, sondern auch in der Menge an den Lebensstil und damit den tatsächlichen Bedarf abgestimmt werden.

 

FdH – lieber nicht

Wir haben auch keine Freude, wenn wir uns voller Appetit zu Tisch setzen und dann nur ein Miniportiönchen bekommen. Hunden geht es wohl ähnlich. Die meisten fressen gerne und freuen sich über einen vollen Napf.

Doch nicht nur aus diesem Grund rät Frau Dr. vet.med. Susanne Lautner, Haus- und Nottierärztin, sowie Hundetrainerin, von FdH – Friss die Hälfte – nachdrücklich ab. Denn wer einfach nur die Menge reduziert, der hat am Ende zuwenige Vitamine und andere wichtige Nahrungsbestandteile im Napf. Daher berrechnet Frau Dr. Lautner nach den Angaben der HundehalterIn, wie die ideale Kost für den Vierbeiner zusammengestellt werden soll. Dabei wird natürlich auch auf die Vorlieben und Möglichkeiten der Menschen eingegangen: wer barft, darf das weiter tun, wer nicht barft, bekommt einen Futterplan, der auf Fertigfutter abgestimmt ist.

Frau Dr. Lautner ist Spezialistin für Verhaltensmedizin und -therapie und auch für die gesunde Ernährung von Vierbeinern. Sie erstellt Futterpläne, sowohl in ihrer Praxis als auch per Internet.  Sie ist im Vorstand der PET Dog Trainers of Europe und hält Vorträge im In- und Ausland zum Beispiel über Schmerzen beim Hund.

Zu ihrem Haushalt gehören  Staff-Pit-Mix Flecki, Chihuahua Jessy und der griechische Mix Minos, sowie 2 Katzen und 2 Pferde.

 

Wer rastet, der rostet

Cavaletti-Training ist gesund und macht Spaß

und nicht nur das. Zuwenig Bewegung wirkt sich natürlich auch auf das Hüftgold aus – auch bei unseren vierbeinigen Gefährten. Dabei bewegen Hunde sich im allgemeinen sehr gerne, wie Margot Wallner, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin und Inhaberin der Hundeschule „Grinsehunde“ berichtet.  „Bodenturnen“ nennt sie das Bewegungsprogramm, dass sie bei Grinsehunde anbietet. Geeignet ist es für alle Altersklassen, für Groß und Klein und für alle Rassen. Das Bewegungstraining wird individuell auf das spezielle Tier, seine Beweglichkeit zugeschnitten und bei Bedarf mit der TierärztIn abgesprochen.

Ihre Arbeitsschwerpunkte als Hundetrainerin sind neben Bodengerätearbeit (Turnen für Jederhund, Muskelaufbau und Erhalt, Koordinationstraining) auch verschiedene Bereiche der Nasenarbeit (Mantrailen, Nosework – Geruchsdifferenzierung, Stöbern) und Dummytraining als hervorragende Auslastung für Hunde. Sie arbeitet viel und gerne mit zum Teil sehr schwierigen Hunden (aus dem Tierschutz) und findet dieses Begleiten in ein neues Leben als unglaublich bereichernd – wenn auch anstrengend.

Privat ist sie bekennende Schäfer-Freundin, derzeit begleitet sie der  Tierschutz-Schäfer Aragorn of the Woods.

Servicebox

Dr vet.med Susanne Lautner
Tierarztpraxis Lautner
Tierarztpraxis für Kleintiere, Hundeschule Wien Hietzing.

Margot Wallner
Hundeschule Grinsehunde
Facebook
Blog

 

Lesefutter

Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik von Helmut Meyer und Jürgen Zentek
Hunde barfen: Alles über Rohfütterung von Julia Fritz – auch für Laien gut verständlich
Cavalettitraining für Hunde von Steffi Rumpf
Physiotherapie und Bewegungstraining für Hunde: Rehabilitation, Massage und Hundesport von Sabine Mai

Zum Nachlesen und Nachhören:

Hier geht es zum Sendungsarchiv

Der Kampf ums Idealgewicht

Musik

Sweet Rosalie, Brotherhood of man
Dogs, Mhabongo
Puppy Song, Harry Nilsson

 

Sendung anhören

Live auf der Radiofabrik 107,5 oder per Livestream am 2. Mittwoch im Monat um 12.06 und am 2. Donnerstag im Monat um 19:06 Uhr. Alle Sendungen zum Nachhören finden Sie hier.

Demokratie retten oder „deppert reden“ ?

Die Entwicklung unserer Demokratie ist eines der Themen für Gegenwart und Zukunft. Demokratie in Frage zu stellen und Versuche, sie teilweise außer Kraft zu setzen, werden in der Mitte Europas in diesem Jahrtausend leider wieder salonfähig. Zumindest in einigen Nachbarländern sind sie sogar schon erfolgreich.

Ein lesenswerter Kommentar Haftgrund „deppert reden“ von Peter Pilz* im Online-Standard vom 12. März 2019 und eine Headline im gleichen Medium zum tagesaktuellen BVT-U-Ausschuss:  Ermittlerin hielt Aufwand im Tierschützerprozess für übertrieben sind für mich Anlass, am Tag der Ausstrahlung der Radio Bob-Sendung zum Gender Gap (17:00 Uhr, Radiofabrik) — mehr dazu zuvor schon am 11. März  in diesem Blog — bereits die nächste Sendung am 27. März anzukündigen: da geht’s um „Gemeinsam die Demokratie retten“.

*Zitat Pilz: Den Haftgrund „Gefährdung der öffentlichen Ordnung“ durch Asylwerber gibt es längst. Trotzdem will ihn der Innenminister in der Verfassung verankern. Etwa um ihn auf andere Personengruppen auszuweiten?

… Einfache Regierungsmehrheiten beschließen, wer in Schutzhaft genommen werden kann: heute einzelne Asylwerber, morgen Fußballfans, übermorgen Tierschützer, und bald darauf die, die gegen die Regierung auf die Straße gehen und die öffentliche Regierungsordnung stören…

… Aber was ist die „öffentliche Ordnung“, und wer stört sie? Ein Haftgrund dürfte Kickls ÖVP-Staatssekretärin in der ORF-Pressestunde einfach herausgerutscht sein: „wenn jemand durch besondere Gewaltbereitschaft auch in der Kommunikation mit Behörden auftritt“. Anderer Meinung sein und die lautstark und vielleicht sogar auf unhöfliche Art vertreten. Schutzhaft für „deppert reden“.


Am 27. März auf Radio Bob:
„Eine freundliche Revolution – Gemeinsam die Demokratie retten“



Dieses Anliegen vertritt Philippe Narval in seinem 2018 erschienen gleichnamigen
Buch. Darin berichtet er über gelungene Bürgerbeteiligung und konkrete Lösungswegen aus der Demokratiekrise: vom demokratischen Kindergarten über das Büro für Zukunftsfragen in Vorarlberg bis zur irischen Bürgerversammlung.

Stefan Wally hat Narval in die Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen eingeladen. Beim Europäischen Forum Alpbach, bei dem er seit 2012 Geschäftsführer ist, werden [nebst dem legendären peinlichen Auftritt von Peter Pilz. SCNR ;)] wichtige Zukunftsthemen wie eine Bürgerbeteiligung zusätzlich zu den periodischen Wahlen diskutiert, genauso wie in der JBZ.


Radio Bob ist live jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat um 17:00 Uhr live auf der Frequenz der Radiofabrik in Salzburg hören, als Wiederholung jeweils am Samstag darauf um 9 Uhr. Auf Radio Proton in Vorarlberg jeden zweiten Samstag mittags um 12:30.

Und im Internet jederzeit auf radiofabrik.at und auf der Website der JBZ.


Frankenstein Capitalism Is Stalking Europe

Eine Dissenting Opinion zu Stephan Schulmeisters Standpunkt, Europa möge sich ein Vorbild an der einst (von Konservativen wie Franz Josef Strauß) getroffenen Entscheidung nehmen, der US-Dominanz im Flugzeugbau mit der Gründung und staatlichen Unterstützung des Airbus Konsortiums zu begegnen:

After getting knocked back on Alstom-Siemens, France and Germany are eager to back the cobbling together of European champions. It’s a recipe for disaster.

France and Germany want to make more Airbus-style European industrial champions. But what happens when they start fighting over jobs and strategy?

https://www.bloomberg.com/opinion/articles/2019-03-05/after-alstom-siemens-frankenstein-capitalism-is-stalking-europe


Einige Links zum Thema Airbus, insbesondere dem möglichen Aus für den A380 und den Folgen für SteuerzahlerInnen wie Umwelt. Die entstanden allerdings großteils bereits vor dem und durch den Bau des Supervogels durch massive Eingriffe in die Natur rund Hamburg.

https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2019-03/a380-airbus-staatskredit-rueckzahlung-flugzeug

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/airbus-269.html

https://www.nabu.de/news/2005/04283.html

http://www.taz.de/!5570388/

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/airbus-produktion-aus-muehlenberger-loch-wird-muehlenberger-plateau-1178964.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21662460.html

https://rp-online.de/politik/hamburg-und-der-super-airbus_aid-8457181

 


Was wir von der Zukunft zu erwarten haben

Der Radiofabrik Mitschnitt zum Nachhören

Stephan Schulmeister, moderiert von Hans Holzinger (Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen – JBZ) bei einer gemeinsamen Veranstaltung von attac Flachgau und JBZ am 26.2.19 in der Kunstbox Seekirchen. Für alle Fotos: Danke an Leo Fellinger!

Volkswirtschaft kann spannend sein. Und einiges zum Verständnis der Welt und unserer aktuellen Lage beitragen.
[Manche wussten das bereits vor den Wahlen zum Bundespräsidenten.]
Vor allem dann, wenn uns Persönlichkeiten wie Stephan Schulmeister die Welt erklären.  In der Kunstbox Seekirchen sorgte das Ende Februar für ein volles Haus.

Ein Mitschnitt seines Vortrages  Was wir von der Zukunft zu erwarten haben“  inkl. anschließender Publikumsdiskussion läuft am Donnerstag, 14. März um 21:00 Uhr in der Reihe Der Radiofabrik Mitschnitt (und danach selbstverständlich online zum Nachhören!)

„Was ist los mit Europa? 20 Millionen Menschen sind arbeitslos, 100 Millionen – ein Drittel aller Beschäftigten – müssen sich mit atypischen Jobs zufriedengeben, die Staatsverschuldung steigt seit vierzig Jahren, ‚wir‘ können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten.“ Damit beginnt Stephan Schulmeisters aktuelle Buch mit dem schlichten Titel Der Weg zur Prosperität. Ein gewichtiges Werk, das die Glaubensätze des Neoliberalismus widerlegt und Vorschläge für einen Kurswechsel darlegt.

Bis in die 1970er Jahre herrschte in Europa Vollbeschäftigung. Der Sozialstaat wurde ausgebaut, die Staatsverschuldung sank. Grundlage dafür waren Erkenntnisse aus der Weltwirtschaftskrise und dem darauffolgenden II. Weltkrieg. „Die Spielanordnung lenkte das Gewinnstreben systematisch auf realwirtschaftliche Aktivitäten und zielte im Rahmen des Europäischen Sozialmodells auf eine Integration traditioneller Gegensätze ab“. Mit der Entfesselung der Finanzmärkte in der Ära von Ronald Reagan und Margaret Thatcher begann laut Schulmeister der lange Weg in die gegenwärtige Krise Europas. Sie äußert sich nicht zuletzt im Aufstieg populistischer Bewegungen, neuen „Sündenböcken“, in zunehmendem Nationalismus und einer politischen Desintegration des Kontinents.

Für einen gründlichen Lerneffekt sei die Bedrohung der Eliten jetzt noch nicht groß genug, diagnostiziert der langjährige Mitarbeiter des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO. Die nächste Finanzkrise eröffne dann jedoch die Chance für einen grundlegenden Kurswechsel in Europa, kann Schulmeister dem nächsten drohenden Crash etwas Positives abgewinnen. Seine wichtigsten Leitlinien sind eine radikale Besserstellung von unternehmerischen Aktivitäten in der Realwirtschaft im Vergleich zur „Finanzalchemie“, sowie die Erneuerung des Europäischen Sozialmodells. Die dafür nötigen Maßnahmen sollten schon jetzt konzipiert werden.

Schulmeister hat sich mit Untersuchungen zu den Finanzmärkten einen Namen gemacht, er scheut auch nicht die Einmischung in politische und gesellschaftliche Debatten. So kritisiert er das Programm der aktuellen österreichischen Bundesregierung, da es den sozialen Zusammenhalt schwäche. Er rechnet nicht nur mit dem Neoliberalismus ab, er entwirft auch die Navigationskarte für den Weg aus der Finanzkrise. In seinen Vorträgen und seinen Publikationen beleuchtet er den marktreligiösen Charakter der neoliberalen Theorien und kritisiert den Neoliberalismus als Ideologie im Interesse des Finanzkapitals: In dieser Form des Kapitalismus werden keine realen Werte produziert; es wird nur noch versucht, Geldwerte zu vermehren. In der neoliberalistischen Weltordnung erscheint Arbeit allein als Kostenfaktor, den es zu senken gilt. Dies führt zu einem Teufelskreis zunehmender Arbeitslosigkeit, Staatsschulden und Sozialabbau.

Sein Buch rechnet zunächst mit der neoliberalen Theorie freier Finanzmärkte ab, um dann Erklärungen für die Wirtschafts- und Politikkrise Europas, vor allem aber auch Therapievorschläge zu liefern. Er sieht sich einer realistischen Schule der Ökonomie verpflichtet, die von empirischen Befunden ausgeht, anders als die Denkschule des Neoliberalismus, die er als idealistisch, da allein von abstrakten Modellen ausgehend, bezeichnet. Der Autor spricht von Theorieproduktion als sozialem Prozess – Wissenschaft ist immer in gesellschaftliche Verhältnisse eingebettet und nie wertfrei. Dies legt er auch in einer kurzen Geschichte der wichtigsten ökonomischen Theorien dar – vom „missbrauchten Adam Smith“ über Karl Marx, die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise und dem Entstehen des Keynesianismus bis hin zu Friedman, Hayek und der Durchsetzung des Neoliberalismus ab den 1970-Jahren.

Schulmeister macht deutlich, dass an den Börsen psychologische Faktoren, insbesondere Herdenverhalten sowie eine „manisch-depressive“ Grundstimmung eine viel größere Rolle spielen als neoliberale Ökonomen wahrhaben wollen – mit bedenklichen Folgen für die Realwirtschaft. Dies führt zu einer zweiten zentralen – auch unter Linken umstrittenen – These von Schulmeister, nämlich der Abspaltung der Finanzmärkte von der Realwirtschaft. Der Ökonom kritisiert nicht den Kapitalismus an sich, sondern die Behinderung einer prosperierenden Marktwirtschaft durch instabile und Eigeninteressen verfolgende Finanzmärkte. Kapital sei vom „Mittel zum Zweck“ zum „Mittel zum Selbstzweck“ mutiert.

Die Krise Europas – zugespitzt an der Schuldenkrise Griechenlands – macht Schulmeister demnach insbesondere in der Austeritätspolitik seit Einführung der Maastricht-Kriterien sowie des Fiskal-Paktes aus. Da trifft er sich mit anderen Keynesianern, wenn er von der „Therapie als Krankheit“ spricht, die Länder in die Depression treibe. An Langzeituntersuchungen zeigt Schulmeister, dass Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit immer gleichzeitig auftreten, da eben der Staat mehr Kosten bei gleichzeitig sinkenden Steuereinnahmen aufgebürdet bekommt. Der Ausweg könne daher nur in der Stimulierung von Wachstum der Realwirtschaft sein.

Schulmeister plädiert nicht einfach für noch mehr Konsumwachstum für alle, sondern für Investitionen in eine sozial-ökologische Wende. Dafür unterbreitet er zahlreiche Vorschläge, von einer thermischen Sanierungsoffensive über Investitionen in erneuerbare Energieträger bei gleichzeitiger höherer Besteuerung fossiler Energie bis hin zu Umverteilungsmaßnahmen, die den Basiskonsum aller Bürger und Bürgerinnen ermöglichen.

Ein wichtiges Werk, das die Glaubensätze des Neoliberalismus dekonstruiert und pragmatische Vorschläge eines Kurswechsels darlegt. Ein „Lebenswerk“, schreibt Ulrike Herrmann in ihrer Rezension für die taz.


Nachtrag 13.3. Aktueller Lesestoff auf englisch: Capitalist Freedom Is a Farce


Warum sind Frauen in der Politik – noch immer – unterrepräsentiert?

Ab 13. März zum Nachhören auf Radio Bob (und auch archiviert im cba)

Der Weltfrauentag ist abgehakt.
Mitsamt den eigens dazu angebotenen Bildungsveranstaltungen:
„Profis zur Fortbewegung in High Heels“ und „Seminarbäuerinnen übers Herstellen von Butter“, wie einem Blatt aus unserem Nachbarbundesland zu entnehmen war.


Aber keine Sorge, Shopaholics!
Der Countdown zum ersten „Woman Day“ des Jahres (in weniger als einem Monat), mit Sonderangeboten für Reizwäsche, Gehwerk, Leckerli und Appetitzügler läuft bereits.

Der 100. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts in Österreich ist ebenfalls abgefeiert,

die (erste Runde der) Gemeindewahlen in Stadt und Land Salzburg detto.


Ein Kuriosum zur künftigen Stadtregierung: Das sog. „Stadtratskollegium“ der Landeshauptstadt setzt sich zusammen aus dem neuen Bürgermeister und seinem Stellvertreter (Preuner [ÖVP] /Auinger [SPÖ] oder Auinger/Preuner, die Reihenfolge entscheidet sich bei der Stichwahl am 24.3.), der 2. Vizebürgermeisterin Unterkofler [ÖVP], und den Stadträtinnen Hagenauer [SPÖ] und Berthold [GRÜNE]. Damit sind die Frauen erstmals in der Überzahl!


Was wenig an der grundlegenden Frage ändert:
Wer vertritt dich und mich im Parlament – besonders dann, wenn du kein Mann bist.
Darum gehts am Mittwoch, 13. März ab 17:00 Uhr in Radio Bob.

Corinna Kröber, Sarah C. Dingler, Moderator Stefan Wally (JBZ) und die Frauenbeauftragte der Stadt Salzburg Alexandra Schmidt bei der Vorstellung des Arbeitspapiers „Warum sich der Gender Gap durch den Reißverschluss nicht schließen lässt“ in der JBZ. Fotos (c) Reinhard Geiger

Frauen machen eine knappe Mehrheit der Bevölkerung aus. Aber nicht im heimischen Nationalrat, nicht in den neun Landtagen, nicht in den meisten Gemeindevertretungen oder in den Regierungen (von Ländern und Bund).

Auch in Österreich wird schon lange darüber diskutiert, dass sich das ändern soll. Immer wieder wurde versprochen, die Listen der KandidatInnen und Kandidaten würden nach dem Reißverschluss-Prinzip erstellt. (Das würde nach der selben Logik funktionieren wie im Straßenverkehr.) Damit sollten dann jeweils eine Hälfte Frauen und Männer in die Parlamente kommen.

Aber selbst dort, wo sich die Parteien an den Reißverschluss gehalten haben: Der Anteil der Frauen in den gesetzgebenden Körperschaften beträgt nur ein gutes Drittel. Er ist damit noch immer weit weg von den angestrebten 50 Prozent.

Der Anteil der Frauen im österreichischen Parlament liegt aktuell bei 34%. EU-Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder Schweden mit knapp 44 Prozent, vor Finnland mit 42 und Norwegen mit 41,4 Prozent. Am unteren Ende befindet sich Ungarn mit nur 10% Frauenanteil.

Wo Frauen im Nationalrat stark vertreten sind: in den Ausschüssen zu Familie oder Bildung, aber kaum in Ausschüssen zu Themen wie Verkehr, Finanzen oder Wirtschaft. Obwohl die Frauenagenden davon wesentlich betroffen sind: von Öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu Geldern für Frauenförderung oder Arbeitsmarktmaßnahmen. Nur ein Viertel der Ausschüsse im österreichischen Parlament werden von Frauen geleitet.

Mehr Frauen in politischen Positionen sind wichtig, sagt die Politikwissenschaft: sie könnten dort ihre Erfahrungen einbringen. Internationale Studien belegen, dass die Zufriedenheit mit der Demokratie in jenen Ländern am höchsten ist, die einen hohen Frauenanteil in der Politik aufweise

Die beiden Politikwissenschafterinnen Corinna Kröber und Sarah C. Dingler benannten bei der Präsentation ihrer Forschungen in der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen jene Barrieren, die Frauen von der Mitarbeit in der Politik abhalten:

  • Politische Ambitionen sind in der Bevölkerung generell schwach vorhanden, bei Frauen noch geringer.
  • Frauen haben häufig weniger Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten.
  • Sie stellen Aspekte wie Familie und Kindererziehung in den Vordergrund.
  • Der geringe Anteil von Frauen in der Gemeindepolitik — ein wichtiges Rekrutierungsfeld für höhere Funktionen — führt dazu, dass diese auch in den Parlamenten geringer vertreten sind.
  • Das Reißverschluß-Prinzip hilft nur bedingt: in vielen Wahlkreisen kommen nur die Listenersten zum Zug – das sind in der Regel meist die Männer. Wirksamer wäre eine Frauenquote bei den „realistischen Listenplätzen“ – dort, wo eine Partei bereits in der Vergangenheit ein Mandat erreicht hat.

Kröber (Juniorprofessorin an der Uni Greifswald) und Dingler, die nach Abschluss ihres Doktoratsstudiums in Salzburg an der Uni München forschen wird, plädieren für Mentoringprogramme. Dort werden Frauen ermutigt und unterstützt, in die Politik zu gehen. Zudem fordern sie ein weiteres Umdenken in den Parteien: Frauen müssten mehr eingeladen werden, sich politisch zu engagieren.


Die Partizipationsexpertinnen – beide Co-Autorinnen des Blogs COUNTING COUNTS – waren Interviewgäste von Stefan Wally in der JBZ. Ihr Arbeitspapier heißt „Warum sich der Gender Gap durch den Reißverschluss nicht schließen lässt – Eine Analyse der Repräsentation von Frauen im österreichischen Nationalrat“ und ist über die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen zu beziehen. Gedruckt oder als pdf-File.

Geschlechterverhältnis bei der Veranstaltung (Podium & Publikum) 30:10


Terminhinweise

  • Stichwahl
    Die Bürgermeister der Landeshauptstadt Salzburg, einiger Bezirkshauptstädte wie Hallein, Hallein, St. Johann im Pongau, Zell am See und der Gemeinden Bad Hofgastein, Elsbethen, Mattsee, Oberalm, Oberndorf, Seekirchen und Straßwalchen: Sonntag, 24. März 2019


Die nächsten überregionalen Wahlen:


Radio Bob ist live jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat um 17:00 Uhr live auf der Frequenz der Radiofabrik in Salzburg hören, als Wiederholung jeweils am Samstag darauf um 9 Uhr. Auf Radio Proton in Vorarlberg jeden zweiten Samstag mittags um 12:30.

Und im Internet jederzeit auf radiofabrik.at und auf der Website der JBZ.