Mikroaggression

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 23. Juni“Beim Reden kommen die Leut zamm.” So auch Slavoj Žižek und Jordan Peterson, als deren Gemeinsamkeit die Kritik am Konzept der “Political Correctness” gilt, just am Karfreitag, und dann auch noch zum Thema “Happiness: Capitalism vs. Marxism”. Eine stets hektisch nach Aktualität hechelnde Medienwelt hat diesen professionell vermarkteten Event schon im Vorfeld zu einem “Philosophenduell” hochgejodelt – und bespricht ihn im nachhinein auch wie einen Boxkampf oder Ähnliches. “Wer hat gewonnen?” Derlei geht uns naturgemäß am Arsch vorbei. Doch das Wort Mikroaggression (und wie Jordan Peterson dessen aktuellen Gebrauch wahrnimmt) ist im Kulturoskop der Artarium-Redaktion hängen geblieben, und so wollen wir es gern näher betrachten…

Mikroaggression ist ein sozialpsychogischer Begriff aus den 70er Jahren, der speziell an Universitäten des englischen Sprachraums derzeit ein fragwürdiges Revival durchmacht. Apropos Macht, ich verstand damals darunter ein Erscheinungsbild struktureller Gewalt und finde es daher heute mehr als zweifelhaft, die Verantwortung dafür wiederum dem Verhalten einzelner Individuen zuzuschieben. Sowas ist doch reaktionär. Oder christlich konservativ. Weltfinanzquadratfundamentalistisch. Genau andersrum würde ein linker Schuh draus, liebe Genoss*innen. Oder? Wenn ich das “Konzept Mikroaggression” im Kontext von “politischer Korrektheit” einmal logisch durchdenke, dann dürfte ich keinen schwarzen Taxifahrer mehr fragen, wo er her kommt (weil er sich dadurch abgewertet fühlen könnte) – und so würde ich weder Interessantes über zum Beispiel Somalia erfahren, geschweige denn Nähe und menschliche Verbundenheit herstellen können. Aber die fortschreitende Entfremdung der humanoiden Plemplems von einander (und somit vom Leben an sich) ist ja eh kein besonderes Problem unserer Gesellschaft. Viel mehr, ob und wie man nicht Neger sagt. Da hat Žižek wohl recht, wenn er hier das visionäre Versagen der gesamten Linken konstatiert. Und Peterson ist vielleicht nicht “der Stichwortgeber” der neuen Rechten, als der er gern verkauft (oder vereinnahmt?) wird. Zwischen dem Bericht über das “Showduell” (im “Zeit”-Feuilleton) und der inhaltlichen Analyse des Gesprächs (von Benjamin Studebaker) liegen jedenfalls Welten an Wirklichkeit.

Reden wir drüber.

Slavoj Žižek hat wie immer seinen ganz eigenen Zugang and so on and so on…

So wie übrigens auch Jordan Peterson, hier im norwegischen Fernsehen

 

Battle&Hum#97

Samstag 15.06.2019 (Stairway zum Nachhören)

Die zwei Ohrbeiter im Soundgarten des Herrn schütten ihr Füllhorn der Liebe über Salzburg aus!

the playlist:

MC Randy Andy’s Love :

  • 1. Sam Ragga Band (loktown hi-life) – wasser
  • 3. Dr. John (gris-gris) – gris-gris gumbo ya ya
  • 4. Black Mountain (destroyer) – boogie lover

DJ Ridi Mama’s Liebstrunk :

  • 3. Sleaford Mods (eton alive) – into the payzone
  • 4. Yasmo (useless information) – useless information

„… Mit wem haben wir dort nicht herzliche Stunden verbracht, von der Terrasse hinausblickend in die schöne und friedliche Landschaft, ohne zu ahnen, dass gerade gegenüber auf dem Berchtesgadener Berg der eine Mann saß, der all dies zerstören sollte?“  (Stefan Zweig)

lt30 – Radioaktivität – Wiederholung der Sendung vom 14.4.2017

Radioaktivität

  • Was ist überhaupt Radioaktivität und wo kommt sie vor?
  • Wie kann man Radioaktivität „aufspüren“ und messen?
  • Wie war/ist das mit der Radioaktivität nach den Katastrophen von  Chernobyl und Fukoshima.
  • Wie ist/war die Radioaktivität in Salzburg, Chernobyl, Fukoshima?
  • Dazu gibt es Interviews mit ExpertInnen, AktivistInnen und Betroffenen der Chernobyl-Auswirkungen
  • Strahlenschutz: Was haben wir aus der Chernobyl-Katastrophe gelernt – wie kann man mit solch einer Katastrophe umgehen / sich „schützen“?
  • Als Gäste waren im Studio: Gerhild Kremsmair und Thomas Neff – sie haben viel über Aktivitäten, Messungen und Erfahrungen berichtet.
  • In einem Interview hören Sie Stellungnahmen des Strahlenexperten Prof. Edmund Lengfelder. Er hat in den von Chernobyl betroffenen Gebieten in Weißrussland eine Klinik zur Behandlung der Schilldrüsenerkrankungen gegründet, hat viel zum Thema „Folgen der Reaktorkatastrophe von Chernobyl“ geforscht und gearbeitet.

Das Thema „Radioaktivität ist so umfassend dass es noch weitere Sendungen und Informationen zu dieser Thematik geben wird.
Die Beiträge aus dieser Sendung sind hier zum Nachhören: https://cba.fro.at/339107

Besuchen Sie daher weiter den Blog und hören Sie unsere Sendungen jeweils am 2. Freitag im Monat.

Kommentare und Anregungen zur Sendung oder Vorschläge für weitere Themen können gerne hier im Blog deponiert werden.

Hundehaltung quo vadis – am Beispiel Tirol

HundehalterInnen in Österreich weht derzeit ein scharfer Wind entgegen. Nach einer Reihe von Beissvorfällen, sehen sich PolitikerInnen zum raschen Handeln veranlasst. Speziell die neue Hundehalteverordnung der Stadt Wien ist in Fachkreisen äußerst umstritten. Den zuständigen EntscheidungsträgerInnen wird vor allem vorgeworfen, dass sie sich nicht kompetent beraten haben lassen. Österreich hat viele anerkannte SpezialistInnen zum Thema Hund und Hundeverhalten, doch niemand von diesen Fachpersonen wurde in Wien miteinbezogen.

Ganz anders dagegen in Tirol. Dort hat sich eine engagierte Gruppe von Fachpersonen zusammengefunden, um gemeinsam mit Politik und TierärztInnen einen gangbaren Weg zu finden.

Der Arbeitskreis besteht aus derzeit 11 engagierten Damen,  HundetrainerInnen, HundebewegungsleherInnen, TierenergetikerInnen und einer Referentin von „Tierschutz macht Schule“, die ich gerne hier namentlich nenne: Sabine Pribil, Sylvia Ernst, Bettina Specht, Michaela Orfeo, Michaela Braunhofer, Gabi Berr, Sarah Weber, Elisabeth Lierschof, Daniela Zangerle, Verena Pöhli und Ulrike Kerber.

Durch die Ereignisse in Wien alarmiert, die in einer äußerst umstrittenen Verordnung gipfelten, fanden sich die Hundefachleute zusammen und stellten ein Konzept auf die Beine, in dem sie versucht haben, Kompromisse zu finden. Kompromisse zwischen denen, die Hunde halten und denen, die daran keine Freude oder womöglich sogar Angst vor Hunden haben.

„Wir müssen versuchen, gute Kompromisse zu schaffen“ Bettina Specht

Bettina Specht und Ulrike Kerber erzählen in der Hunderunde über die Ideen, die sie für die Tiroler Hundehaltungsverordnung haben. Eines ist jedenfalls klar: die absolute Freiheit in der Hundehaltung wird es nicht mehr geben. Zu viele Hunde gibt es, nicht nur in den Städten, zu dicht leben wir zusammen und zu viele Reibungsflächen gibt es zwischen HundehalterInnen, LandwirtInnen, Grund- und WaldbesitzerInnen, und überhaupt Nicht-HundehalterInnen.

Servicebox:

Bettina Specht
www.hundeschule-tirol.at
www.vierpfotenasanas.at
www.hundepension-tirol.at
www.futterkiste.at
Facebook

Ulrike Kerber
Ortsbäurin und Hundeverhaltensberaterin in Pettneu am Arlberg

Angsthunde: Definition, Diagnostik, Management, Trainingsansätze – Bettina Specht
Calming Signals – Turid Rugaas
Sei höflich zu deinem Hund, Kommunikation auf Augenhöhe – Masih Samin
Herz, Hirn, Hund, Expertenmeinungen zur modernen Hundeerziehung – Thomas Riepe
Entspannter Mensch – entspannter Hund… so glückt das Zusammenleben wie von selbst – Alexandra Wischall-Wagner
Mensch und Hund – ein starkes Team: Die Erfolgsformel für Vertrauen und Partnerschaft – Yvonne Adler und Gudrun Braun

Österreichisches Tierschutzgesetz
Sicherheitspolizeigesetz
Tierschutzkonforme Ausbildung von Hunden

Musik:

Hansen Band – Junger Hund
Wallenstein, Abi & Friends – Walking the dog
David Bowie – Diamond Dogs

Sendung anhören:

Live auf der Radiofabrik 107,5 oder per Livestream am 2. Mittwoch im Monat um 12.06 und am 2. Donnerstag im Monat um 19:06 Uhr. Alle Sendungen zum Nachhören finden Sie hier.

Feedback und Kontakt: Karin Immler, www.knowwau.com

And then there were three…

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 16. Juni – “Da waren es nur noch drei” wäre wohl etwa der deutsche Titel des 1978 erschienenen Studioalbums von Genesis, durchaus selbstironisch “…And Then There Were Three…” geheißen. Nachdem wir nun schon dem üppigen Gesamtwerk von Peter Gabriel eine ganze vierstündige Nachtsendung gewidmet haben, soll hier auch noch eine frühe Arbeit von Genesis gut zu hören sein, und zwar das erste Album, das nach dem Aussteigen von Sänger Peter Gabriel (1975) und Gitarrist Steve Hackett (1977) entstand, als die Band also tatsächlich zu einem Trio geschrumpft war, in dem zunehmend Phil Collins den Ton angab (nicht zuletzt weil er ja jetzt anstelle von Gabriel sang). Ein Album, auf dem ihr etablierter Art-Rock und ihr künftiger Mainstream-Rock noch miteinander können.

GENESIS - And then there were threeEs ist unbestreitbar, dass mit dem Fortschreiten ihrer Weltkarriere und dem immer stärker werdenden Einfluss von Phil Collins (von dem noch eigens ein reden sein soll) die versponnenen Surrealitäten und dramaturgischen Arrangements der Peter-Gabriel-Ära zunehmend verschwanden. An ihre Stelle traten griffige radio- wie stadiontaugliche Popismen, die ein Mitschwelgen breiterer Massen möglich machten. “…And Then There Were Three…” versammelt noch beide Seiten der Musikmedaille – auf einem Album: Das opulent symphonische “Burning Rope” erinnert vom Aufbau her stark an Stücke aus “The Lamb lies down on Broadway”, das flott gespielte “Scenes from a Night’s Dream” gibt inhaltlich die phantastischen Abenteuer von Little Nemo wieder und im abschließenden “Follow You, Follow Me” taucht bereits der später so omnipräsente “Charts-Collins” auf, von dem Peter Huth sinngemäß schreibt: “In den späten 80ern und frühen 90ern konnte man fast keinen Fahrstuhl betreten, in dem Phil Collins nicht längst drin war.” Da sollte man jetzt allerdings schon wissen, was Fahrstuhlmusik als Synonym für penetrant-kommerzielles Hintergrundbedudel bedeuten kann. Oder, wie es das trojanische Pferd ausdrückt: “Der nächste, der Kunst sagt, kriegt eine aufs Maul.”

Da schau her – die F-Musik (Funktionale Musik) gibt es wirklich. Fahrstuhlmusik, für viele im wahrsten Sinn Musik zum Weghören.

 

Peter Gabriel Message

> Sendung(en): Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 14. Juni (Erster Teil) UND Perlentaucher Nachtfahrt vom Samstag, 15. Juni (Zweiter Teil) – Es begann alles damit, dass der Hase dem Hund ein Stöckchen zuwarf: “Machen wir doch mal eine Nachtfahrt-Sendung NUR über Peter Gabriel.” Anfangs war ich darob eher reserviert, zumal wir just diesem Künstler bereits einige Stunden an Sendezeit gewidmet hatten (so etwa im Artarium oder auch in der Nachtfahrt in Gestalt eines ganzen Konzerts). Doch dann packte mich schleichend die Neugier, ob es denn möglich sein könnte, ein musikalisches Lebenswerk, das immerhin 5 Jahrzehnte umfasst, in chronologischer Form so unterhaltsam aufzubereiten, dass es in unser spontanistisches Livekonzept passt. Als ich dann noch vom Anlass dieses Zuwurfs erfuhr (ein Kollege meinte: “Ja, Peter Gabriel, das ist so 80er-Jahre-Pop.”), gab es kein Halten mehr. Also, nimm das:

Peter Gabriel 1978Im Jahr 1967 gründete der damals 17-jährige Gabriel zusammen mit einigen Schulfreunden jene Band, die bald schon unter dem Namen Genesis bekannt werden und das Genre des Progressive Rock in den frühen 70ern entscheidend mitprägen sollte. Allerdings waren ihre ersten Veröffentlichungen noch einfache Beat-Nummern im Stil der damaligen Zeit, so wie man das auf ihrem Debutalbum “From Genesis to Revelation” deutlich hören kann. Doch schon bald vertiefte sich das (damals noch) Quintett in sehr viel komplexere Arrangements und experimentierte mit Tontechnik und Bühnenshow, wozu 1970 der Einstieg von Phil Collins (als herausragender Schlagzeuger) einiges beitrug. Der Höhepunkt ihres gemeinsamen Schaffens war sicher das Konzeptalbum “The Lamb lies down on Broadway”, das speziell durch seine Livedarbietungen als progressiv-psychedelisches Opus Magnum der Peter-Gabriel-Ära von Genesis in die Geschichte einging. Nach diesem Welterfolg kam es (aus diversen persönlichen Gründen) zur Trennung und der nunmehr Ex-Frontman begann seine Solokarriere.

Peter Gabriel 1983Naturgemäß produzierte er in den darauffolgenden Jahrzehnten auch einiges an gefälligem Pop (damit ließ sich das nötige Geld verdienen), doch war das eben bei weitem nicht alles, was der als Slow-Worker und Soundtüftler berüchtigte Meister des Surrealen auf die Welt brachte. Unbestreitbar bleibt, dass es zwei seiner Hervorbringungen waren, die das Phänomen des 80er Jahre Pop nachhaltig prägten: Zum einen die (ziemlich zufällige) Entdeckung des Gated Reverb, der schließlich den charakteristischen Sound der ganzen Dekade begründete. Ein Beispiel aus dem kommerziellen Mainstream ist der James-Bond-Titelsong “A View to a Kill” von Duran Duran, ein weiteres aus Peter Gabriels eigenem Werk (als Vergleich) ist “Intruder” (vom 3. Soloalbum). Und zum anderen die äußerst innovative Ästhetik seines Hit-Videos“Sledgehammer”, das von MTV damals rauf und runter gespielt wurde und (unter anderem dadurch) inzwischen schon sowas von totgerumpelt ist. Doch vertraut uns – wir spielen es (wahrscheinlich) nicht – wir holen lieber Raritäten aus dem Musikfundus, die man so nicht so kennt…

Peter Gabriel 1994Dazu werden wir Songtexte und Passagen aus Interviews in dem Deutsch übersetzen sowie einige Anekdoten erzählen. So wie die hier, die ich unlängst im Rolling Stone Magazine aufstöberte – und die etwas über sein Verhältnis zu Drogenkonsum und Phantasie ausdrückt. Unter vielem anderen. Ein Künstler, der etwas schaffen MUSS, weil es ihn sonst zerreißt. Ein Mensch, der so lebhaft träumt, dass er lieber kein LSD nimmt, weil es ihm sonst zuviel werden könnte. Ein kreativer Geist, der einerseits von allem um ihn herum angeregt und begeistert sein kann und daraus spontan eine Idee nach der anderen gebiert – und der zum anderen an einzelnen Werkstücken wie Sounds, Songs oder Inszenierungen über Jahre hinweg herumfeilt, bis daraus wieder ganz neue Arbeiten entstehen. Wir sind jedenfalls ungemein dankbar für diesen so reichhaltigen, überbordenden und vielschichtigen Kosmos an Erscheinungsformen, den uns Meister Musentanz da über die Zeitalter hinweg zur Verfügung gestellt hat – und bedienen uns gern hemmungslos daraus, ganz im Sinne seines Schöpfers, Amen.

Peter Gabriel 2010Es überrascht uns auch nicht, dass sein jüngster Soundtrack-Beitrag ausgerechnet zum Oliver-Stone-Film “Snowden” erfolgte, nämlich das Lied “The Veil”. Gut zu hören:

Let it all go set it all free
You let the whole wide world see
Exactly what is going on
Exactly who was looking on
Theres no safe place to go
Now you’ve let that whistle blow
Show exactly what is going on
Show exactly who was looking on
Some say youre a patriot
Some call you a sile
An American hero
Or a traitor that deserves to die
In the heart of the free world
In the home of the brave
You gave up everything
To bring down the veil

Hier gibts noch eine gute dokumentarische Zusammenfassung seiner Arbeitsweise.