lt35-Raum und Zeit

Nachdem wir in der letzten Sendung das Thema Zeit behandelt haben, widmen wir uns heute dem Raum und natürlich auch dessen Zusammenhänge mit der Zeit.

Wir werden uns mit Entfernungen, Strecken, Wege oder Räume von kleinen bis zu ganz großen im Universum auseinandersetzen und natürlich auch, wie in der Sendung üblich, gewisse physikalische Eigenschaften und Hintergründe behandeln.

 

Links:

https://voyager.jpl.nasa.gov/mission/status/

Nachzuhören unter: https://cba.fro.at/432154

Musik aus der Serie „Der Kommissar“

Diesmal gibt es in Tuning Up Musik aus der Krimiserie „Der Kommissar“. Dieser Klassiker der deutschen Filmgeschichte hat sich neben den tollen Stories und zum Teil experiementierfreundigen Kameraaufnahmen auch mit Musik am Puls der Zeit einen Namen gemacht.

Mit Musik von den Rolling Stones, Peter Thomas, Herbert Jarczyk, Larry Coryell, Daisy Door u.a.

Nachzuhören unter: https://cba.fro.at/432045.

Gerald Fiebig – New Enamel

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 10. November – Vor einiger Zeit erreichte uns das freundliche Angebot des Augsburger Autors und Klangkünstlers Gerald Fiebig, sein Radiostück “New Enamel – Vom Karl-Marx-Hof zum Utopiaweg” in unserem etwas anderen Kunnst-Biotop auszustrahlen. Es handelt sich dabei um den finalen Teil einer für das Ö1 Kunstradio produzierten Trilogie rund um die Februarkämpfe 1934. Das zentrale Element der Komposition sind die Lebenserinnerungen seiner Großmutter, deren Vater Hermann Wurmbrand im Republikanischen Schutzbund gegen den Austrofaschismus kämpfte. Die damaligen Ereignisse sind inzwischen auch als Österreichischer Bürgerkrieg bekannt. Weshalb jedoch bringen wir diese gespenstische Zeitreise ausgerechnet jetzt im November – und nicht im Februar?

Gerald Fiebig - Karl Marx HofUnd warum hat der ORF, der den ersten Teil dieser Trilogie heute noch feiert, deren Schlussstück nicht gesendet? Das hat wohl mit einem “ersten Eindruck” zu tun, den die radiophone Komposition zunächst beim Zuhören bewirkt: Weil viel erzählt und zitiert wird, kommt einem das Stück wie ein klassisches Feature entgegen. So erlebte ich das beim ersten Mal. Zumindest die erste halbe Stunde lang. Doch dann springt mich die Hörwelt plötzlich lauthals an und wiederholt monoton das Geplärr der Kristallnacht. Von dem Punkt an war klar: Die Dramaturgie des “Hörspiels” ist viel hintergründiger als eingangs vermutet – und: Das müssen wir zum Gedenken an die Novemberpogrome des 10. November 1938 öffentlich machen. Gerade jetzt, wo unser ältester KZ-Überlebender und Zeitzeuge Marko Feingold gestorben ist – und das grölpöbelnde Dumpftum der neurechten Rattenfänger schon wieder grausige Urständ feiert, ist emotional berührende Zeitgeschichte fast schon lebensrettend. Gerald Fiebig verdichtet hier die Erinnerungen seiner Großmutter mit thematisch passenden Geräuschen und literarischen Einschüben zu einem Erlebnisraum mit starker Anziehungskraft. Genau das macht das Gelingen der erwähnten Zeitreise erst aus, die Begegnung mit den Gespenstern, leben sie denn – oder bin ich dort?

Welch ausgefeilte Arbeit hinter dieser Produktion steckt, könnt ihr im Konzept & Manuskript dazu nachlesen – und weiterführend auf seiner Homepage erforschen…

Der Bezug zum Projekt Hörstolpersteine (in unserer Signation) ist bestimmt KEIN Zufall. Genauso wie die Reverenz an den großen Georg Danzer: Der alte Wessely

 

Grenzenlos Guter Geschmack

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 8. November – Liebe Gemeinde, der Denk-, Fest- und Trauertage sind allerlei, speziell zur aktuellen Jahreszeit. Und dann auch noch die Zeitumstellung, ein Turbolader für jegliche Herbstdepression. Man spürt das nahende Ende aller blühenden Landschaftenund man ist verstimmt. Zwischen Hurrafeier- und Volkstrauertag wird des “Falls” der Berliner Mauer gedacht, die Reformation ist an sich selbst gescheitert – und Allerheiligen kann man auch als griechischen Vornamen übersetzen. “Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.” In den letzten hellen und warmen Spätsommertagen sehnen wir uns nach etwas Wohlschmeckendem, das wir auf unserer langen Reise durch die Winternacht als Verpflegung mitnehmen können.

Grenzenlos Guter Geschmack - MusikAuf persönlicher Ebene habe der Mensch eine einzige Aufgabe, so sagte ein Freund einmal, nämlich sich in allen Dingen einen ganz und gar eigenen Geschmack zu bilden. Das sei so einfach, meinte er, wie etwa beim Essen oder beim Sex, und ließe sich in folgenden Worten ausdrücken: “Mmm, das mag ich!” sowie “Wääh, das mag ich nicht!” Alles, was einen Menschen davon abbringe, so sagte er weiter, diese Geschmacksbildung ungestört auszuüben, sei ein Angriff auf die Entwicklung einer individuellen Kultur und somit ein Verbrechen. Man müsse sich nur fragen, wer jeweils den größten Nutzen daraus ziehe und schon könne man die Verbrecher identifizieren. Derlei apodiktische Anschauungen in bester Bernhard’scher Denktradition waren das Fundament unserer Freundschaft. Und sie haben sich über Jahrzehnte bewährt und bewahrheitet. Schauen wir uns doch um im Matsch der Masse, da torkeln lauter von immer noch mehr Ablenkung zerplemperte Hordiot*innen voll gestört vor sich hin.

Grenzenlos Guter Geschmack - BuchcoverDie Ausbildung eines eigenen Geschmacks würde sich auch in den Musikvorlieben eines Menschen wiederspiegeln. Oder darin, was er gern isst. Und vor allem darin, WIE er seine Sexualität ausübt. Nur, dass von Letzterem nur die Wenigsten etwas mitbekommen (was vielleicht gar nicht so verkehrt ist). Schau dir einmal drei Pornos an. Und dann vergegenwärtige dir, wie “der Sexualakt” von der Mehrheit der Durchschnittchen “vollstreckt” wird. Wenn du die beiden Bilder, die dabei entstehen, übereinander legst, scheinen sie zunächst höchst unterschiedlich zu sein. Doch hinter diesem ersten Eindruck verbindet sie etwas Erschreckendes: Die im Kopf entstehende Vorstellung davon, was wie zu tun sei. Was normal, was richtig und allgemein üblich sei – und wie man daher (sogar im Intimsten) zu leben habe. Nächste Ebene: nur ein kleiner Schritt zu Evangelisation, Produktwerbung und Wahlkampfdideldei. So entstanden im Zusammenspiel mit besagtem Freund noch weitere Kopfszenarien, wie etwa der Ausruf: “Schleichts eich aus meiner Unterwäsch!” zu jeder Belästigung durch lauthalses Marketing und dergleichen Geplärr. Es ist völlig zu Recht strafbar, sich gegen den erklärten Willen eines Mitmenschen in dessen Intimbereich zu drängen. Es ist wunderlicherweise vollkommen legal, ihm als Staat, Partei oder Glaubensdings listig und hinterrücks Heilsversprechen ins Gehirn zu scheißen. Und zwar grenzenlos

Grenzenlos Guter Geschmack - TextTrübe Tage, klare Gedanken, ein grausiger Geschmack. An einen Grenzen. Vom vom zum zum. In zwischenen Zeiten. Grenzenlos wollen wir werden, indem wir uns zwischen alle Stühle setzen, die noch im Niemandsland befindlich sind. Vom Eisernen Vorhang zur Berliner Mauer. Im Todesstreifen schmeckt der Wein besonders gut. Bedenke, Mensch, dass du erblich bist (und alles sonst gewerblich ist). Wichtig ist stets der richtige Reiseproviant. Oder wie uns Jan Böhmermann lehrt – sogar für die SPD besteht noch Hoffnung. Also schultern wir unsere Jausensackerl für die kalte Jahreszeit – und begeben wir uns in den großen Hasensaal der Radiofabrik zu Salzburg, um die süßen Früchte des letzten Sommers mit euch zu teilen. Und es wird uns allen warm werden ums Herz und wir werden alle um das Lebensfeuer tanzen, ungeachtet des internationalen Volkstrotteltums

Apropos, wenn es stimmt, dass Kohl Blähungen verursacht, dann ist auch die AfD nichts weiter als ein Vogelschas in der unendlichen deutschdeutschen Geschichte.