Frühlings Erwachen

Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 11. März als Podcast/Download: Vier Stunden Experimentaldramaturgie zwischen Gegenkultur und Musiktextase zum 4. Artarium-Geburtstag. Eine abgründige Versuchung zum Zwischenleben im einstweiligen Trotzdem – recht frei nach Frank Wedekind und jedenfalls jenseits von Nuran David Calis‘ Umdichtungen – wie etwa dem gleichnamigen Film mit Wilson Gonzales Ochsenknecht! Die etwas andere Betrachtungsweise zum 120. Erscheinungsjahr eines sehr speziellen Skandal-Stücks: „Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie“

Erwachendes Interesse: Im Theaterstück (den Text gibts hier) geht es eindeutig um 14jährige, welche das „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ ihrer Epoche erforschen und es in ihrem Leben zu integrieren versuchen – und nicht um erwachsene Berufsschauspieler, die sich karrierebedingt noch einmal recht jugendlich lässig geben wollen.

Das – und der Umstand, dass ein mittlerweile erwachsener Autor seine eigenen Pubertätserlebnisse nicht als abgeschlossene Angelegenheit betrachtet, sondern sie nach wie vor dermaßen (man könnte sagen, tod-) ernst nimmt, dass er sie der herrschenden Gesellschaftsordnung als eine himmelschreiend unbeantwortete Fragestellung ins Gesicht schmeißt – macht die skandalträchtige Brisanz dieser im wahrsten Sinn zeitlosen Arbeit aus. Wedekind schuf keine Pose für irgendein Podest, sondern ging ein Leben lang schwanger mit der schweren Verwundung seines von der Unmenschlichkeit der Funktionsidioten zu Tode zerquetschten Freundes Moritz.

Gefährliches Befremden: Natürlich ist das Entdecken bislang unbekannter Welten mit konkreter Gefährdung verbunden: Alkoholvergiftung, Freizeitunfall, Schwangerschaft – um nur einige zu nennen – doch inwieweit kann ein Selbstmord aus Verzweiflung ein rein individuelles Problem sein?

Jeder junge Mensch findet sich mit dieser gesamten Erfahrungswelt in ein unhinterfragt vorhandenes Wertsystem aus Begriffen, Reaktionen und Zuordnungen gestellt, welches sein dem Verhalten zugrunde liegendes Erleben ständig entweder als ein Erwünschtes bestätigt – oder eben als ein Verwerfliches bestraft. Noch in den 70er Jahren waren zum Beispiel sexuelle Handlungen oder gar Schwangerwerden in Salzburger Gymnasien Grund genug für einen schnellen Schulverweis. Noch viel subtiler und somit brutaler spielt sich die „vorauseilende Verhaltenskontrolle“ in der Familie und im Freundeskreis ab. Intime Gefühle werden bereits bei ihrem ersten Auftauchen im Sinne irgendwelcher Vorstellungen von „richtig oder falsch“ definiert, interpretiert und zweckgewidmet. Diesen alltäglichen Mechanismus von Missbrauch und Unterdrückung vermag Wedekinds Stück aufzudecken.

Tragische Gesellschaft! Und sie entlarven sich alle schlussendlich selbst – auf den Begräbnissen, in den Lehrerkonferenzen und zwischen den Zeilen ihrer Briefe und Erklärungen: Um das vielbeschworene Wohlergehen der ihnen anvertrauten Kinder ist es im Grunde nie gegangen, sondern lediglich um Anpassung und Erfolg.

Die Herausforderung dieser Sendung – wie auch des Lebens an sich – besteht in der Verwegenheit, diesem „Wahnsinn der Normalität“ ins Gesicht zu blicken, ohne dabei das eigene Empfinden auszuschalten und somit selbst verrückt zu werden. Narren und Narkotisierte gehen dieser Tage eh schon bis zum Erbrechen um in unseren Gehirngängen. Nein, bewaffnet mit der Echtheit des eigenen Erlebens wollen wir uns der Auseinandersetzung mit dem Moloch der angeblich so sinnvollen Gefühlskonditionierung stellen – denn was wäre das denn überhaupt für ein Sinn, den man nicht zuvor schon ordentlich hinterfragt hätte? Womit wir bei der noch viel umfassenderen Aufgabenstellung angelangt wären, nämlich diesem nach wie vor verkrusteten System des „Schein statt Sein“ nicht nur eine individuelle Sinnstiftung abzutrotzen, sondern dieser sinnlos verselbständigten Scheißgesellschaft sogar noch einen kreativen Gegenentwurf ins Schaufenster ihrer Selbstgefälligkeit zu pflanzen.

Ein vermummter Herr… Taucht auf einmal auf – mitten in der Lebenskrise, am Friedhof der Phantasien und Wünsche, neben dem Grab des toten Freundes – und meint: „Ich mache dir den Vorschlag, dich mir anzuvertrauen.“ Wer könnte das wohl sein? Gott? Der Dichter selbst? Das Leben – ein Symbol? Oder doch nur der alte Eros…

„Wer sind Sie? Wer sind Sie? Ich kann mich einem Menschen nicht anvertrauen, den ich nicht kenne.“ – „Du lernst mich nicht kennen, ohne dich mir anzuvertrauen.“ -„Glauben Sie?“ – „Tatsache!“ So entwickelt sich in der Schlußszene jener geniale Dialog zwischen dem lebensüberdrüssigen Schüler Melchior und dem vermummten Herrn, den uns Nuran David Calis aus welchen Gründen auch immer vorenthält – und der immerhin zu der fundamentalen Erkenntnis führt, dass man sich mit leerem Magen nicht wirklich zwischen Leben und Tod entscheiden kann. Welch prophetische Sicht auch auf die grassierende Anorexie unserer Tage!

Postscriptum: Das bringt auch das Prinzip Perlentaucher auf den Punkt. Wir nähern uns dem Thema an, umkreisen die Fragestellung, assoziieren spontan zur Musik und beleuchten den einen oder anderen Aspekt mit unseren Texten. Nicht um Antworten vorzugeben, sondern um Fragen aufzuwerfen und zum eigenem Entdecken anzustiften. Werdet selbst Perlentaucher! Wir sind alle ein kreatives Vakuum…

Ohrenblicke unterwegs mit der Mirno More Friedenflotte

Wenn hierzulande der Winter länger dauert, schweifen die Gedanken schon mal ab in wärmere Gefilde. Sonne, Sand und Meer – das wär doch was. Um unsere Stimmung etwas aufzuhellen, haben Sarah und Sebastian Traugott den folgenden Beitrag gestaltet. Sie haben letzten Herbst an der Mirno More Friedensflotte in der Adria teilgenommen. Die Mirno More Friedensflotte ermöglich Kinder mit Behinderungen einmal im Jahr einen aufregenden Segeltörn. Sarah und Sebastian waren mit dabei. Meeresrauschen, Ankerlichten und Möwen-Geschrei im O-Ton kommen uns jetzt gerade richtig.

Gestaltung (Sebatian Traugott, Sarah Traugott, Marcus Diess)
www.mirnomore.org

8th of March with Welcome to Salzburg

Today, 8th of March, is international Women’s day. It is a day to celebrate the Women’s rights movement and all the great steps forward that have been made up until today. Gender equality and breaking gender roles is NOT exclusive and are causes everyone is welcome to work and be active for. Enjoy our show where we interview Salzburg’s ÖH Frauenreferat Veronica about feminism and the exclusion of men in the march scheduled for today in Salzburg. We also have a studio guest, Simon B., who joins our discussion about positive activism within the women’s rights movement and in general. As always, we have great music to fancy your ears- Anthony and the Johnsons, Lau Nau and more. Happy day for everyone and stay tuned!

Timeframe Civilmedia 2011

This is the general time frame for the thematic streams and the open UnConference.
The detailled programme will be published approx. 2 weeks before the event.

Thursday, 14:
Room 1:
9:30 Welcome/Introduction
10 -13:30 Public Value
14:30 – 18 Feminist Media Production II

Room 2:
10 – 13:30 Feminist Media Production I
14:30 – 18 UnConference (Please add your proposals on the wiki)

19:30 Common dinner

Friday, 15:
Room 1:
10 – 13:30 Democracy and Quality
14:30 – 18 Researching Community Media Audiences

Room 2 and 3:
UnConference (Please add your proposals on the wiki)

Saturday, 16:
Room 1:
10 – 13 Crowdfunding
14 – 17 Cross Media Publishing

Room 2 and 3:
UnConference (Please add your proposals on the wiki)

OCBoddity 184 (28.02.2011)

Was kann schöner sein, als eine Stunde Rock, Pop & Indie at its Best zu genießen. Das hat sich auch OCB gedacht und im Rahmen der 184. Ausgabe von OCBoddity genau das zusammengezimmert. Mitgeholfen haben u.a. Ron Sexsmith, Mumford & Sons, Radiohead, James und Bright Eyes, die das Jahr 2011 jetzt schon prächtig klingen lassen. Da freut sich nicht nur die Maus!

PLAYLIST
Ron Sexsmith, Believe It When I See It
British Sea Power, Observe The Skies
The Veils, The Stars Came Out Once The Lights Were Out
The Keys, Chemistry
Radiohead, Little By Little
James, Make For This City
Ben Folds & Nick Hornby, Your Dogs
Admiral Fallow, Squealing Pigs
Mumford & Sons, Awake My Soul (live)
John Vanderslice, Overcoat
Iron & Wine, Rabbit Will Run
Bright Eyes, One For You One For Me

Und wer’s hören will … klickt hier

Blogreport #2

Und da ist er ja! Der zweite Blogreport ist online und in diesem ist gleich mehr los. Es wird mehr geredet, geatmet und gesessen! Dazu wird der Blogreport auch musikalisch aufgebessert mit einem wunderschönen akustischen Stück von einem jungen Nachwuchsmusiker aus Salzburg! Also hört rein und viel Spaß!

Blogreport2

Maxglan im März: Wider das Vergessen

Anhand von Auszügen aus dem Film „Die Zeit heilt keine Wunden“ von Hermann Peseckas, Norbert Huber und Erika Thurner (Danke!) widmet sich die Sendung dem Romalager, welches in Maxglan/Moos zwischen 1940 und 1943 bestand. Rassismus und Fremdenhass sind längst in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Faschistische Übergriffe und rechte Gewalt in Salzburg sowie Antiziganismus liefern Anlass zu größter Sorge und machen Widerstand erforderlich.

Sendung zum Nachhören

Blogreport #1

Der erste Blogreport von mir und ja, er ist kurz! Aberrrrr die nächsten werden folgen und sie werden es in sich haben oder an sich oder für sich bzw. pfir-sich. Dieser kleine Report ist nur ein Warm-Up für die Kommenden und diese werden länger, lauter, dann wieder kürzer, dann wieder länger und am Schluss wieder lauter! Seid also gespannt und freut euch auf die nächsten Reports! Oder nicht?

Blogreport # 1

Dossier: Internationaler FrauenKAMPFtag – Clara Zetkin

Musik der Sendung

Lieder der Märzrevolution 1920 Auf, auf zum Kampf

Anna Marly: Le Chant de la Libération

Novecento: La Lega

Georg Kreisler und Barbara Peters: Wir sind doch alle Terroristen

Videoausschnitt

Clara Zetkin: Rede zur Reichstagseröffnung 1932

Links

Karl Renner Institut: Geschichte des Internationalen Frauentages

Transkription der Rede von Clara Zetkin im Reichstag

Buchempfehlung

Badia, Gilbert (1994). Clara Zetkin. Eine neue Biographie, Berlin.

erschienen im Dietz Verlag

The Creeps of Spring

Das aktuelle Radiohead Album „The King of Limbs“ als Empfehlung der Woche.

Mir ist neulich etwas echt Eigenartiges passiert – und zugleich war dieses Etwas auch noch was sehr Seltenes. Daher rührt nun mein dringendes Bedürfnis nach Berichterstattung und Mitteilung an die Mitwelt: Die Herren Yorke und Greenwood haben nämlich gemeinsam mit den drei anderen Radioheads wieder einmal ein Klangwerk erschaffen, das sich der vorschnellen Kategorisierung durch Hörgewohnheit mal Erwartung dividiert durch Befriedigung listig zu entziehen vermag. Dieser Umstand an sich ist ja nun nicht wirklich überraschend, wenn man die stilistischen Brüche, Sprünge und Weltverschmelzungen im Werkverzeichnis dieses Klangkunst-Kollektivs seit ihrem umfänglich gecoverten Hit „Creep“ von 1992 auch nur ansatzweise mitverfolgt hat.

Und damit kehre ich auch schon wieder zum Subjektiven zurück – ich bin schließlich nicht die Musikredaktion, sondern das etwas andere Kunnst-Biotop. Ich lud mir also die neue Erscheinung herunter und hörte hinein, ging dann Tee aufgießen, begann einen Text zu schreiben, telefonierte zwischendurch, checkte meine E-mails und Facebook-Nachrichten, telefonierte abermals, begab mich ins Bad, schrieb an meinem Text weiter – und bemerkte plötzlich, dass meine Viktualienhandlung demnächst die Sperrstunde ausrufen würde und ich mich folglich beeilen müsste.

Moment mal – es war also kurz vor 7 Uhr abends und seit dem frühen Nachmittag lief „The King of Limbs“ ununterbrochen im Hintergrund – ohne dass es mir aufgefallen wäre! Das verwunderte mich jetzt schon einigermaßen, bewegen sich doch üblicherweise an die 30.000 mp3s mittels ausgeklügelter Algorithmen von Assoziation bis Zufall in meiner Musik-Maische zwecks Vorgärung von emotionalen Essenzen und ähnlichen Ohrdestillaten, welche von gefühlsleeren Ödschnöseln aus der Unterwelt des Rundfunkpopulismus zur schlichten „Playlist“ herab qualifiziert – aha, ich schweife!

Um es also auf zumindest ein paar Punkte zu bringen: Ein Lokal, in dem diese Musik als Bühnenbild, Knotzmöbel und Wandbrunnen selbstverständlich ist, gibt es in Salzburg sträflicherweise noch nicht – aber ich wäre dort Stammgast! Und zwar weil diese Klangwelten in genial angewandter Paradoxie Unaufdringlichkeit mit Intensitätssteigerung verbinden, so dass echte Gespräche als hochdramatisch entspannende Gefühlsdialoge, wie sie für mein Arbeiten grundlegend sind, befördert werden. Ein solcherart breitwandepischer Soundtrack zum ambivalenten Innenleben des Baumes kurz vor der Austriebsphase im Vorfrühlig erfüllt auf unheimlich anheimelnde Weise alle Bedingungen einer C. G. Jung’schen Synchronizität, zumal er mit Ende Februar punktgenau mitten ins mitteleuropäische Frühlingserwachen hinein veröffentlicht wurde, in welchem wir alle noch traumverloren unter der Auszehrung vermeintlich ewigen Wintertums vor uns hin vegetieren. Es erscheint mir mit einem Mal röntgenhaft die Innenansicht vom Aufsteigen meiner Säfte. Sehr seelenschmatz!

In diesem Sinne soll also ein weiteres einstweiliges Zwischenprodukt des seit Mitte der 80er Jahre baumartig wachsenden, myzelhaft wuchernden und vielschichtig sich verzweigenden Schaffens von Radiohead am Freitag, 11. März im Rahmen der Radiofabrik Reihe „Hörenswert – Das Album der Woche“ ab 14.08 Uhr zu Gehör und Gespür kommen, wohingegen wir selbst ab 22:00 Uhr die Perlentaucher-Nachtfahrt zum Thema „Frühlings Erwachen“ zelebrieren werden. Wie geheimnisvoll und dabei doch voll bio-logisch sich auch unsere inneren Themen, Träume und Turteltauben zu einander fügen! Schlussendlich zusammengefasst: ein Album zum mit den Ohren spüren und Bildwelten in sich hoch steigen lassen, die man auch nur mit dem Herzen gut sehen kann. Viel Vergnügen!