70. Jahrestag der Deportation von 101 Erfurter Jüdinnen und Juden am 9. Mai 1942

Produktion: Radio F.R.E.I., Erfurt

Jugendliche gedenken den unter 18-jährigen Deportierten

Lautsprecherdurchsage um 6:00 Uhr

Sehr geehrte Reisende,

wir bitten Sie um Aufmerksamkeit für eine Aktion des Gedenkens, die von Erfurter Bürgerinnen und Bürger initiiert wurde.

Heute vor 70 Jahren begannen die Massendeportationen der jüdischen Bürger aus Thüringen.

Um 6 Uhr mussten sich 101 Männer, Frauen und Kinder aus Erfurt hier auf dem Bahnhof versammeln. Der jüngste war vier, der älteste 66 Jahre alt. Sie mussten ihre Wohnungsschlüssel abgeben. Die Gestapo zwang sie, den Zug nach Weimar zu besteigen. Von dort aus wurden sie in das Ghetto Bełżyce in Polen gebracht.

Keiner kehrte zurück.

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Leopold Stein

Produktion: Radio F.R.E.I., Erfurt

„Geliebte Kinder, Euch, liebste Kinder und Marta sowie allen Lieben ein Lebewohl. In wenigen Stunden reisen wir. Gott beschütze Euch und uns. Hoffentlich sehen wir uns wieder. In inniger Liebe, Vati und Mutti“

Rot Kreuz Brief des Ehepaars Stein an ihre Tochter Ruth, geschrieben am 2. März 1943 kurz vor ihrer Deportation 

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:Love:Sex:Death:Japan:, Theater für Kinder und Bilder, die zum Leben erwachen..

In den letzten Wochen wurde im Toihaus „Love:Sex:Death:Japan“ aufgeführt, ein Tanztheater von und mit der Choreografin und Tänzerin Cornelia Böhnisch. Eine Auseinandersetzung mit dem vielseitigen aber auch mysteriösen Land im Osten, eine Verbindung von eigenen Eindrücken, persönlichen Interessen, Erfahrung mit japanischen Theaterformen und deren Körperverständnis. Genaueres zum Stück und Ausschnitte draus hört ihr in der aktuellen Ausgabe von „Sa A Theater“. Und auch für Kinder gibt es im Toihaus wieder Spannendes zu erleben. Das Stück „Im Rundherum… und anderswo“ führt die kleinsten Theaterbesucher in ein Zelt des Staunens, wo sich Theater, Tanz und Musik zu geheimnisvollen Geschichten für die Allerjüngsten verbinden. Außerdem gibt es im Mai wieder „Blubb! Geschichten zum Eintauchen für Kindergärten“, die Lesung „Hier gibt es Löwen“ und „Tanz mir ein Bild“ im oder auch außerhalb des Toihaus zu sehen – mehr dazu hört ihr in dieser Ausgabe der Toihaus-Sendung.

The More Or The Less, Keep Calm – OCBs Radiofabrik-Album der Woche

„Es war wirklich viel los in den letzten drei Jahren“, meint Tobias Pötzelsberger – Headmaster von The More Or The Less – auf die Frage, warum das neue Album, so viel Zeit in Anspruch genommen habe, „und außerdem sind wir Perfektionisten!“ Dass sich diese Zeit gelohnt habe, davon ist der Sänger und Songschreiber überzeugt und ein ausverkaufter ARGE-Saal zur Release-Show zeigt, dass ihm sein Publikum die Wartezeit zugestand.
In der Tat enthüllt „Keep Calm“ auf jedem seiner 11 Songs eine Fülle an ausgereiften musikalischen Ideen. Schon der Opener „Oh, Santiago“ überrascht mit deftigem Einstieg: die einst bescheidene Kombo rund um Pötzelsberger ist kräftiger und reicher an Instrumenten geworden. Auch inhaltlich gibt „Oh Santiago“, das die Angstzustände Pötzelsbergers während des Erdbebens in der Hauptstadt Chiles 2010 aufarbeitet, einen Ausblick auf die konstrastreiche Fülle der Themen: Neben sommerlicher Entspanntheit („When We Happen to Collide“), Vorfreude auf daheim („Home“) und innigster Liebe („Seven Wonders“) stehen Trennungssschmerz („Odyssey“), Krankheit („The Best (That You Can Do Now)“) und Trauer („Long Live The Queen“).
Durch hörbare Liebe zum Detail gelingt es The More Or The Less den weitgefächerten Themen im Stürmischen wie im Introspektiven feine Melodien zu entlocken. Sparsam und mit vorsichtiger Sorgfalt kleiden The More Or The Less ihre Songs in passende Arrangements. Vorbilder wie Ron Sexsmith, Teitur, Ben Gibbard (Death Cab For Cutie) und Feist sind bisweilen erkennbar. Neben traditionellem Singer/Songwritertum ist auch Platz für breite flirrende Sounds.
Selbstbewusst bietet „Keep Calm“ ein Abbild des Lebens, spiegelt das Wechselspiel von Freude und Trauer, die Gegensätze von Lust und Leiden wider, und trägt in seinem Titel auch schon das Idealrezept zur Lebensbewältigung. Dieser unprätentiösen Unmittelbarkeit des Täglichen ist auch die optische Umsetzung verhaftet: Die Panoramaaufnahme des Tennengebirges auf dem Albumcover, die an Familienfotos erinnernden Konzertplakate und das beim Baden am See von Pötzelsberger selbst gedrehte Video zu „When We Happen To Collide“ sprechen dieselbe bescheidene Sprache, wie „Keep Calm“, ein Album an dem nicht nur das österreichische Popjahr 2012 schwer vorbeikommt.

Playlist (des Albums)
Oh, Santiago
When We Happen To Collide
I Won’t Let You Down
Show Me Where Your Heart Is
Home
Mr. Undertaker
Seven Wonders
Long Live The Queen
Odyssey
Poetry And Farmer Chords
The Best (That You Can Do Now)

BonusTracks der Sendung
When We Happen To Collide
Home (beide unplugged im Götterfunk 2012)
Odyssey (unplugged 2009 bei OCBoddity)
I Will Follow You Into The Dark (Ben Gibbard, unplugged im Götterfunk 2012)

Hier zum Nachhören

Arcade Fire – Scenes from the Suburbs

Podcast/Download: Artarium vom Sonntag, 13. Mai – ein paar Gedanken zu einem kommerziell erfolgreichen und mehrfach preisgekrönten Album? Das Ganze komplett zu spielen geht sich diesmal allerdings wegen dessen stolzer Länge nicht aus. Aber wir werden in so vielen Titeln wie möglich schwelgen und die Atmosphäre von “The Suburbs” entsprechend zur Geltung bringen. Getreu dem Grundsatz, dass auch Erfolgreiches gespielt werden kann – wenn es denn gut ist! Doch es steckt noch etwas anderes dahinter – unser lieber Freund Dima hat uns neulich ein ungemein berührendes Musikvideo ans Herz gelegt, nämlich den Titeltrack “The Suburbs” in der Regie von Spike Jonze:

Die Szenen zu diesem Video stammen aus seinem zusammen mit Arcade Fire produzierten 30-minütigen Kurzfilm “Scenes from the Suburbs”, in welchem sich die ganze abgründige Geschichte des Zerbrechens von Jugendliebe an der Härte und verinnerlichten Gewalt ihrer Umgebung, einer zunehmend faschistoid durchmilitarisierten Gesellschaft, erst voll und ganz erschließt. Den emotionalen Erzähler Kyle, einen in seinen Erinnerungen kramenden humanen Idealisten, verbindet eine innige Freundschaft mit dem eher introvertierten Winter, der von seinem rigiden Vater schikaniert und zur Anpassung gezwungen wird. Mit der Zeit wendet sich Winter immer mehr von seinem früheren Freundeskreis ab und verhält sich ihnen gegenüber und auch sonst nur noch seltsam. Die von ihm verlangte Abspaltung aller unerwünschten Gefühlsregungen stürzt ihn jedoch in eine tiefe Persönlichkeitskrise. In einem Ausbruch unkontrollierter Wut greift er seinen ehemals besten Freund Kyle an und verprügelt ihn hemmungslos. Dann bricht er weinend zusammen. Die Polizeikräfte haben indes Wichtigeres zu tun (nämlich willkürlich und brutal irgendwelche “Illegalen” zu verhaften) während die gesamte Bevölkerung des Ortes mehr und mehr in Angst und Agonie versinkt…

Ein echtes Meisterwerk! Doch wir sollten uns nicht von der drastischen Darstellung US-amerikanischer Verhältnisse blenden lassen. Nichts anderes erleben wir hier Tag für Tag, wenn auch in subtilerer Form. Gefühlsunterdrückung führt unweigerlich zur Gewaltsinnigkeit der Gesamtgesellschaft – und diese Gewalt entlädt sich dann konkret untereinander, in Gesten, in Beschimpfungen, in Aggressionsausbrüchen. Solange aber solche künstlerischen Statements wie dieser Film – und dieses Album – derartige Entwicklungen thematisieren, ist wohl doch noch nicht aller Tage Abend. Stiften wir mit dieser Sendung wieder einmal eine Insel für den Widerstand!

 

GÖTTERFUNK mit STUBNBLUES ft. WILLI RESETARITS (live & unplugged, 03.05.2012)

Und wieder in Zuckerl: GÖTTERFUNK präsentiert live & unplugged STUBNBLUES ft. WILLI RESETARITS! Unter der Moderation von Oliver Baumann stehen Stefan SCHUBERT, Peter ANGERER, Klaus KRCHER und Willi RESETARITS – der Eingebürgerte – vom Salzburger Stubnblues Rede und Antwort. Dazu gibts Songs aus ihrem aktuellem Album „Ois Off’n“ – live und unplugged! Das kann man sich hier nicht entgehen lassen! Hier zum Nachhören!

„Untotigkeit“ (Norbert)

Podcast/Download: Die Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 11. Mai erfindet sich schon wieder neu und wagt sich an ein weiteres Produktions-Konzept. Schon seit längerem wollte ich mit dem Fex gemeinsam eine freischwebende Themensendung gestalten, um einige dieser spontanen Assoziationen und philosophischen Aushängigkeiten zu veröffentlichen, die uns in vielen Gesprächen immer so unterhaltsam inspiriert haben. Allerdings sollte dafür schon auch ein geeignetes Zeitfenster gefunden werden, in dem sowohl Chriss als auch ich mit dem kreativen Input vom Fex gleichermaßen umgehen könnten. Nun ist es soweit – die Triade kann beginnen!

„Wir werden tatsächlich von frühester Kindheit an zu einem Höchstmaß an fremdbestimmter Zeiteinteilung gezwungen und außerdem noch zur Beschäftigung mit fremdbestimmten Themen und Inhalten vergewaltigt. Wir werden von klein auf mit System und Methode von uns selbst, von unseren Gefühlen und Bedürfnissen abgelenkt und dadurch nachhaltig von uns selbst entfremdet. Vor lauter Widerstand gegen dieses massive „woanders hin geschoben werden“ haben wir kaum noch Zugang zu unserem inneren Sein. Ein derart von sich selbst „ver-rückter“ Mensch glaubt, kauft, funktioniert – und fürchtet sich vor der Bestrafung für seine Nichtanpassung.“

Aus solchen und ähnlichen Gedankensplittern werde ich diesmal vortragen, während Chriss seine immer stärker ins rhythmische Spoken-Word gehenden Texte rezitieren und auch zur Gitarre singen wird. Und der Fex, der uns auf Anfrage spontan den Begriff der „Untotigkeit“ zuwarf, wird wohl ebenso spontan für dementsprechenden Gesprächs- und Denkstoff sorgen.

„Der vollständig entkernte und vom Empfinden seiner eigenen Lebendigkeit abgetrennte Mensch ist das Endprodukt der Gesellschafts-Erziehung und entspricht forthin nur noch den Interessen der Industrie. Ein profitorientierter Funktionsidiot, ein angepasster Hampelkasper, ein Reiz-Reaktions-automatisierter Arbeitshamster, ein ebenso blödböser wie tödlich-öder Restmensch, ein ins Produktionsprofil passender Placebowichtel und pseudopolitischer Programmpapagei, ein seelenamputierter, spezialisierter und sozialsedierter Staatssklave, ein wie untot umher irrender Untertan…“

Es muss einem ja nicht nur Sozialkritisches rund um den Begriff der „Untotigkeit“ einfallen – man kann durchaus auch über Zombies, Vampire, Werwölfe und andere Wiedergänger reden. Mir allerdings drängt sich bei dem Thema immer wieder der Totstellreflex von Tieren in ausweglosen Situationen auf – und eine Gesellschaft voller sich tot stellender Menschen.

„Auf der einen Seite der Statistik brechen Menschen wirklich zusammen, werden im wahrsten Wortsinn verrückt oder bringen sich tatsächlich um. Auf der anderen Seite ziehen ganze Gruppen gemeinsam in die innere Emigration einer fortwährenden Vollnarkose. Dazwischen, wo die Mehrheit wohnt, in der Gauß’schen Normalmitte, im Main- und Allgemeinstream, in des Mozartpudels patzig-süßem Kugelkern, in der gestaltlosen Fettcreme der Durchschnitte, da werden die Geschäfte gemacht, die Massen bewegt und die Wahlen gewonnen, da gehen die Restfunktions-Lebenden scheintot und schreckstarr ans Werk.

Und wir? – Widerstand im Komaland!“

In diesem Sinne ist auch wieder einmal alles möglich, was uns in diesem Zusammen-Aushängen ein-, auf- und zufällt. Nicht zu vergessen die Dreieinigkeit der gemeinsamen Playlist, welche den Begriff der „Untotigkeit“ von allen unmöglichen (drei) Seiten zu beleuchten vermag. Verhellen oder erdunkeln, das ist hier nicht die Frage. Zu dritt verboten? Wir sind ein geiles Institut! 😀