Artarium am Sonntag, 12. Juli um 17:00 Uhr – Der leider viel zu früh verstorbene “Crossover-Pionier des Maghreb” und kulturübergreifende Ausnahmemusiker Rachid Taha hat uns ein sowohl künstlerisch als auch menschlich inspirierendes Gesamtwerk hinterlassen. Und einige Aspekte davon wollen wir in dieser Sendung hervorheben, indem wir sein 2004 erschienenes Meisterwerk “Tékitoi?” zumindest anspielen, denn das originale Album würde voll ausgespielt insgesamt 1:12:48 dauern. Viel zu lange – und das eine oder andere möchte ich schon auch sagen, etwa zur sehr belebenden Wirkung seiner Musik … in der sich traditionelle algerische Musiken wie unter anderem der Raï, dem er zeitlebens eng verbunden war) sowie moderne Einflüsse aus Rock, Punk und Electronic auf ganz einzigartige Weise verbinden …
So kommen im speziellen Fall gewohnte Worte wie verbinden, vermischen oder verschmelzen schnell an die Grenzen ihrer Aussagekraft und wirken beliebig. Ich möchte sie daher für die Art und Weise, wie Rachid Taha mit dem Zusammensein von Musikwelten aus Nordafrika und Europa und weit darüber hinaus umgeht, gar nicht mehr verwenden, sondern einer biosystemischen Metapher nachgehen: “Da geben sich die beiden Gehirnhälften die Hand.” Und ungefähr so stelle ich mir das Zusammenkommen und Zusammensein dieser vielen verschiedenen kulturellen Traditionen vor, wenn ich seine Musik höre, spüre und erlebe: Da geben sich Afrika und Europa die Hand, grinsen sich gegenseitig an, essen miteinander, erzählen sich Geschichten, packen ihre Instrumente aus und fangen an, gemeinsam zu musizieren. Es dauert nicht lange, bis sich daraus ein völlig selbstverständliches Fest entwickelt und sich auch die verschiedensten Tänze in einem einzigen zeitlosen Feiern des Lebendigseins auflösen. Genau so etwas in der Art habe ich schon einmal erlebt …
Das war Anfang der 80er Jahre in Marokko, als ich einmal zu einer Berberhochzeit eingeladen wurde, bei der ich dann spätabends (was für mich völlig überraschend war) aufgefordert wurde, mit einigen bärtigen Scheichs zu tanzen … Zu meinem großen Glück hatte ich zuvor “im alten Mark” in Salzburg die Gelegenheit gehabt, einen ganz eigenen spontanen Ausdruckstanz zu entwickeln, den ich alsdann, einem Luftgitarre fudelnden Derwisch nicht unähnlich, zur allgemeinen Freude vollführen konnte. Das ich dabei das genaue Gegenteil von nüchtern war, erwies sich als durchaus hilfreich.
Wenn ich heute darauf zurückblicke, wäre ich neugierig, was ich ohne enthemmende Berauschung damals an verschiedenen feinen Nuancen von Gesichtsausdrücken und Stimmungen noch so alles hätte mitbekommen können. Aber da schau her – ich kann ja mein Heute-Ich in mein Damals-Ich zurückschicken und überhaupt auch im Hier und Jetzt neue Erfahrungen machen, nüchtern betrachtet. Wie zum Beispiel mit dem zauberhaften Stück “Stenna (wait)” von Rachid Taha, das mich jedesmal beim Anhören in einen gesamtkörperlichen Friedens- und Entspannungszustand versetzt.








