Von Doppelgängern und Königen: Aktuell im Toihaus

Humorvoll, absurd, witzig, todernst dreht sich an den Theaterabenden auf der Bühne des Toihaus Theaters aktuell alles um Macht, Krieg, Verrat, Gier und Intrigen. Das hauseigene Ensemble und Regisseur Arturas Valudskis wühlen wieder mal einen Abend lang herrlich in absurden, emotionalen Situationen, im tiefsten Schwarz menschlicher Abgründe. „König Ubu:ng“ ist noch bis Mitte Februar im Toihaus zu sehen, mehr dazu gibts in der aktuellen Sendung. Und auch ein Gastspiel gibts wieder im Toihaus, und zwar „Le Passage.
Traktat eines Schattenwandler“, ein Stück der jungen Künstlergruppe „Strings Theatre“. Erzählt wird die Geschichte von Doppelgängern, von Veränderung aber auch vom Tod. Auch zu „Le Passage“ gibts aktuell in SO A THEATER

BARFEN – optimale Ernährung oder gefährlicher Trend

BARFEN – ein Trend, der die Gemüter erhitzt. Optimale Ernährung oder gefährlicher Trend, da spalten sich die Geister.  Selbst innerhalb der eigenen Reihen, sind sich die BARFer nicht einig: mit Knochen oder ohne, mit Getreide oder ohne, mit Grammwaage oder ohne…..

Dr. Stefanie Handl, von der Futterambulanz bekommt oft BARF-Fütterungspläne zur Überprüfung vorgelegt. Richtig zusammengestellt sind sie ihrer Erfahrung nach in den seltensten Fällen. Beispielsweise wird oft auf Vitamin D vergessen, dass Hunde und Katzen nicht wie Menschen in der Haut bilden, sondern über die Nahrung aufnehmen müssen.

Dass Menschen ihre Hunde mit selbstzubereitetem Futter ernähren möchten, stellt Frau Dr. Handl nicht in Frage.  Roh sein muss das dargebotene Fleisch allerdings ihrer Meinung nach nicht. Wissenschaftlich gesehen bietet die Rohfütterung mehr Gefahren als Vorteile, vor allem unter hygienischem Gesichtspunkt. Und dies betrifft nicht nur die Gesundheit des Vierbeiners sondern vor allem auch die des Menschen, der ja sehr eng mit seinem Tier zusammenlebt.

Dr. Stefanie Handl, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik, Diplomate ECVCN

Futterambulanz Dr. Handl

Patricia Bisztron, die mit ihrer Tochter, Hunden und Katzen auf einem Bauernhof lebt („ein Privileg!“), hat in ihrer täglichen Praxis als Hundeverhaltensberaterin in der Entspannerei ein kritisches Auge auf den Gesamtzustand der Hunde. Denn ein Hund, dem es mit seinem Futter nicht wirklich gut geht, hat auch keine guten Voraussetzungen zum Lernen.  Auch die eigenen Hunde und Pfleglinge im Hause Bisztron werden nach der BARF-Methode gefüttert – mit etwas Information kein allzu großer Aufwand, meint Frau Bisztron.

Patricia Bisztron,

 

Ute Wadehn

Ute Wadehn

Einige wichtigte Grundlagen muss sich der/die Barf-Willige  unbedingt aneignen, darauf besteht Ute Wadehn, Tierheilpraktikerin mit Schwerpunkt Ernährung. Auf ihrer Seite Barf-gut bietet sie Produkte und Wissen rund ums Barfen an.  Um diese Grundlagen kommt man nicht herum, wenn sich die Fütterung nicht womöglich über kurz oder lang ungesund auf den Vierbeiner auswirken soll.  Dass man bei der Verarbeitung von rohem Fleisch auf Sauberkeit achten muss, sei dabei ebenso wichtig wie bei der Zubereitung der menschlichen Ernährung. Wer sich nicht so intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchte, der kann sich auch ganz bequem die Futterpläne maßgeschneidert von ihr zusammenstellen lassen.

„Man kann bei BARF Fehler machen und das sollte einem auch bewusst sein!“

Barf-gut, Gutes für Futterselbermacher

Servicebox

Webinare für BARF-Einsteiger und BARFer
Kostenlose Broschüre „Checkliste für Barf-Einsteiger“
Lesefutter
Dr. Julia Fritz, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik,  Hunde BARFEN, alles über Rohfütterung
Hans Ulrich Grimm, Katzen würden Mäuse kaufen
Richard und Susan Pitcairn, Natürliche Gesundheit für Hund und Katze
Nadine Wolf, Das Barf-Buch – mit Rezepten

 

Die Musik zur Sendung:

Gavin Frankie – Dog big and dog little
Mama Oliver – Cats and dogs
Attwenger – Dog

Sendung anhören:

Live auf der Radiofabrik 107,5 oder per Livestream immer am 2. Mittwoch im Monat um 12:08 Uhr und am 2. Donnerstag im Monat um 19:06 Uhr. Nachhören ebenfalls über die Radiofabrik oder über den Hunderunde Blog.

Feedback und Kontakt: Karin Immler, www.knowwau.com

Wer auf sich hält, der barft?

Wer in Sachen Hundeernährung im Internet unterwegs ist, der stößt früher oder später auf den Begriff „BARF“(steht für biologisch artgerechte Rohfütterung).

Wer auf sich hält, der barft? Da scheiden sich die Geister. Es gibt eine eingeschworene Barfergemeinde einerseits und warnende Stimmen, vor allem aus den Reihen der VeterinärmedizinerInnen, andererseits.  In der kommenden Hunderunde werden wir dem Phänomen BARF  ein wenig auf den Grund gehen.

Patricia Bisztron und Mia

Patricia Bisztron und Mia

Wir, das sind in diesem Fall Patricia Bisztron, Hundeverhaltensberaterin mit Schwerpunkt ängstliche und traumatisierte Hunde. Zur ganzheitlichen Herangehensweise von Frau Bisztron gehört auch ein kritischer Blick auf die Ernährung der vorgestelten Hunde. Frau Dr. Stefanie Handl, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik, Diplomate ECVCN,berät in ihrer Futterambulanz TierhalterInnen über Vor- und Nachteile der verschiedenen Fütterungsarten.  Sie ist sozusagen Fütterungsexpertin und beruft sich auf wissenschaftliche  Erkenntnisse und aktuelle Forschungsergebnisse.

und Ute Wadehn, die nicht nur alles liefert, was man zum Barfen braucht, sondern auch Webinare anbietet, die Hunde- und KatzenhalterInnen den Umstieg auf BARF-Ernährung erleichtern sollen.  Eine kostenlose Broschüre, die auf ihrer Website zum Download bereit steht, soll ebenfalls helfen, Fehler beim Barfen zu vermeiden.  Ganz so einfach scheint also diese Ernährungsform nicht zu sein.

Verunsicherte HundehalterInnen

Hunde- und Katzenbesitzer, die ihren Liebling gesund füttern möchten, sind mit den Informationen durch Werbung, Tierarzt, Hundeschule und Internet oft ziemlich überfordert. Schließlich möchte jeder das Beste für sein Tier. Und Hundefutter kostet ja auch eine Menge Geld. Doch was genau ist das Beste? Und gibt es überhaupt eine Ernährungsform, die für jeden Hund passt?

Füttern ohne Risiko?

Was die BefürworterInnen als natürliche Ernährung anpreisen, wird von den Gegnern als potentiell gefährlich eingestuft. Umgekehrt werden die KonsumentInnen immer wieder durch ekelerregende  Informationen über Fertigfutter verunsichert.

Sendung anhören:

Live auf der Radiofabrik 107,5 oder per Livestre am 13. Jänner um 12:08 Uhr und am 14. Jänner um 19:06 Uhr. Nachhören ebenfalls über die Radiofabrik oder über den Hunderunde Blog.

 

Happy Birthday, Lemmy

> Sendung: Artarium Weihnachtsspecial 24. Dezember – Ist uns heute der Heiland geboren? Damit es nicht allzu heilig (und zu still und zu leise) wird an diesem Abend, bescheren wir uns eine Geburtstagsfeier der etwas spezielleren Art: Lemmy Kilmister, Bassist und Sänger (sowie Erfinder und überhaupt Mastermind) der einigermaßen sehr harten Rockgruppe Motörhead, wird haargenau heute 70 Jahre alt. Oder auch jung, je nachdem. Wir gratulieren jedenfalls schon mal heftiglich – und bedröhnen euch mit Auszügen aus seiner Autobiographie “White Line Fever” nebst insgesamt 6 (in Worten Sex) launigen Musikstückerln aus Lemmys frohem Schaffen sowie seinem lauthalsen Umfeld. Es darf also gekracht und gescheppert werden, liebe Heiligabendgemeinde der aufmüpfigen Kinder und junggebliebenen Großeltern. Lassen wir die Sau raus!

lemmy christLemmy Christ by Carny-Kapturek. Die Zeichnung ist nebenbei das einzig wahre Bild für den heutigen Anlass, nämlich den zufällig auch am 24. Dezember geborenen Religionsverweigerer namens Ian Fraser Kilmister hochleben zu lassen, der für nicht wenige Hardrock- und Metal-Afficionados selbst so etwas wie Heilandsstatus besitzt. Und ein guter Hirte seiner Schäfchen ist er allemal, wie die Anekdoten aus seinem bewegten und kaum jemals nüchternen Leben uns beweisen. Zudem gibts die Fortsetzung (den Schluss) der Artarium-Weihnachtsgeschichte vom “barmherzigen Rumänen” zu hören, was also will das bescherungsschwangere Herz zur Feier des christlich-alpenländischen Eilighabens mehr? Vielleicht einen kleinen Vorgeschmack auf die heiligabends zu hörenden Musikalien? Also gut, dann will ich mal nicht so sein – und ergehe mich knietief im Kryptischen. Auf 3 von 6 (Sex!) Liedern singt Lemmy selbst, aber nur 2 gemeinsam mit Motörhead, eins davon ist noch dazu ein Cover. Hähähä, weiter mit der Verwirrung! Apropos, 3 von 6 (you know) Musiktiteln heißen aus Anlass des Abends “Sympathy for the Devil”, doch keinen davon spielen die Rolling Stones. Einen jedoch (sowieso das genialste Cover) Daniel Kahn, Psoy Korolenko & Oy Division (aus ihrem Album The Unternationale). Hähähähähä! Den könnt ihr euch gleich reinziehen. Und Lemmy singt wieder einmal (no, na!) vom Ende der Welt. Dann passt doch alles wunderbar zum Thema, oder?

 

Lebenswertes Hundeleben!

Lebenswertes Hundeleben – trotz Behinderung?!

Sieht man mehr behinderte Hunde, weil es ein Trend ist, einen Hund mit Handicap aus dem Tierschutz zu sich zu nehmen? Oder sieht man sie deshalb, weil nicht mehr so schnell euthanasiert wird, wenn ein Hund durch Krankheit, Alter oder Unfall eine Behinderung erleidet? Wie auch immer, es ist augenscheinlich, dass mehr Hunde mit Behinderung mit uns leben als früher. Ist das nun besonders schwierig? Sind diese Hunde „glücklich“ oder sollte man sie „erlösen“, weil sie eine Behinderung haben?

Tuffy läuft auf 3 Beinen durchs Leben und zwar durch ein durchaus glückliches, wie uns Frauchen Claudia erzählt. Auch mit anderen Hunden kommt Tuffy gut zurecht. Nur bei allzu wilden Spielgefährten muss Claudia manchmal schützend eingreifen, damit er nicht über den Haufen gerannt wird. Für Claudia jedenfalls ist Tuffy ein ganz toller Hund mitsamt seiner Behinderung.

Mag. Alexandra Wischall-Wagner, c)tanja hoferNicht nur privat sondern auch beruflich mit Hunden zu tun, hat Mag. Alexandra Wischall-Wagner. Sie ist Psychologin und bietet in ihrer Hundeschule „Freud und Hund“ ganzheitliches Hundetraining an. Ihrem Weimaraner-Jungspund Linus ist es zu verdanken, dass Frau Mag. Wischall sich besonders für das Leben und die Erziehung von behinderten Hunden interessiert. Auch Linus hat eine Behinderung: er ist blind. Linus, Grauer Star, ist schon richtig prominent, seine FB Seite Blind Dog Linus hat eine ganze Menge Fans, die er mit Fotos, Videos und Geschichten aus seinem Alltag unterhält.

Unter anderem haben wir uns über die Kennzeichung von blinden Hunden unterhalten. Linus hatte eine solche Kennzeichnung (drei schwarze Punkte auf gelb), die er aber kaum mehr trägt. Abgesehen davon, dass manche Menschen daraus schlossen, das Frauchen sei blind, gibt es noch einen Grund, warum er die Kennzeichnung kaum trägt:

„Ich wollte, dass er als ganz normaler Hund gesehen wird, dass man ihm ganz normal begegnen kann und ihn nicht ständig bedauern muss….“

Was heißt schon Behinderung?

Linus soll als der  Hund wahrgenommen werden, der er ist: lustig, fröhlich und durchaus in der Lage, ein schönes und hundgerechtes Leben zu leben!

Linus ist ein echter Weimaraner und seine Nase ist demnach sein wichtigstes Instrument. Mantrailing oder Verlorensuche sind seine absoluten  Beschäftigungsfavoriten – ungeachtet seiner Behinderung.

Wichtig ist es, dass sein Mensch fürsorglich und vorsorgend mit ihm  umgeht und z. B. beim Spaziergang Fallen und gefährliche Stellen erkennt und dem Hund entsprechend signalisiert.

Hunde leben im Hier und Jetzt, sie lieben das Leben und mit ein bisschen Unterstützung und Verständnis und vielleicht der einen odr anderen Veränderung im Alltag kommen behinderte Hunde erstaunlich gut zurecht.

Wie traurig, dass die BesitzerInnen behinderter Hunde immer wieder – womöglich von völlig Fremden – hören, der Hund hätte kein lebenswertes Leben und man sollte ihn doch „erlösen“.

Doch Linus, Tuffy und Cleo zeigen, wie glücklich behinderte Hunde sein können und stehen stellvertretend für viele Hunde mit Behinderung, die dank eines liebevollen Umfelds ein lebenswertes und hundgerechtes Leben führen dürfen.

Servicebox:

Buchempfehlungen

Gelähmte Hunde: Ratgeber für Hundebesitzer, Tierärzte und Interessierte, Katharina-Hengl-Schmidl

In der Welt der Stille, Barry Eaton, Clarissa v. Reinhardt

Siehst du es? Leben mit einem blinden Hund, Corinne Egger und Romy Illi

Die Musik zur Sendung:

Bob Marley – Maga dog
Ten years after – Losing the dogs
Tori amos – You can bring your dog

Vorschau auf die nächsten Sendungen:

Hundehaltung in der Stadt: Artgerecht? Rücksichtslos? Ein Kompromiss?

Tierkommunikation: Möglichkeiten und Grenzen  – Gespräch mit Mag. Elisabeth Berger, www.online-mit-tieren.at

Kollege Hund: der Hund am Arbeitsplatz

Erziehung ersetzt Bindung? Oder doch nicht? mit Mag. Iris Schöberl, www.der-hund-und-du.com.

Sendung anhören:

Live auf der Radiofabrik 107,5 oder per Livestream immer am 2. Mittwoch im Monat um 12:08 Uhr und am 2. Donnerstag im Monat um 19:06 Uhr. Nachhören ebenfalls über die Radiofabrik oder über den Hunderunde Blog.

Feedback und Kontakt: Karin Immler, www.knowwau.com

 

Behinderung und Lebensqualität

Behinderung und Lebensqualität – wie passt das zusammen?

Für die Sendung „Hunderunde – Gespräche und Gedanken über Hunde und Menschen“ habe ich 2 HalterInnen behinderter Hunde dazu befragt.  Auf dieses Thema gebracht hat mich Sabine Marzi, die in der Hunderunde „Beschäftigung – was und wie tut Hunden gut“ über ihre 5 behinderten Bullies erzählt hat. Frau Marzi engagiert sich für den Verein Behinderter Hund und tritt mit ihrer blinden Hündin Cleo bei passenden Gelegenheiten sogar auf. Cleo ist nämlich begeisterte Trickkünstlerin. Diese Auftritte, die im Rahmen verschiedenster Veranstaltungen für Hundemenschen stattfinden, sind nicht nur dazu gedacht, Menschen Mut zu machen, deren Hunde eine Behinderung haben. Vor allem geht es dabei auch darum, die Öffentlichkeit behinderten Hunden gegenüber „gnädiger“ zu stimmen. Denn allzu schnell wird rhetorisch das Todesurteil über einen Hund mit Handicap verhängt, weil „das ist doch kein Leben für einen Hund. Was hat denn der noch davon?“

Wer bei Hund mit Behinderung automatisch an Hunde aus dem Auslandstierschutz denkt, liegt übrigens falsch. Es kann jeden Hundehalter,  jede Hundehalterin treffen: Krankheit, Unfall und Alter sind alltägliche Ursachen für Behinderungen. Und so kann es durchaus passieren, dass auch jemand, der niemals einen Hund mit Behinderung zu sich nehmen würde, plötzlich genau einen solchen zuhause hat.

Wie schön, dass es mehr und mehr Menschen gibt, die ein solches Tier nicht einfach als wertlos empfinden, sondern in ihm weiterhin einen lebens- und liebenswerten Gefährten sehen.

Tuffy

Tuffy, Lebenslust auf 3 Beinen

Zu Gast in der Hunderunde ist Claudia aus Gänserndorf, deren Hund Tuffy nur 3 Beine hat. Denn ein Hinterbein wurde bereits in den ersten Lebensmonaten amputiert.

Frau Mag. Alexandra Wischall-Wagner ist eine VÖHT-Kollegin von mir. Ihre Hundeschule heißt „Freud und Hund“ und besondere Freude bereiten ihr die 3 Hunde. Einer davon ist blind. Blind Dog Linus hat sogar seine eigene Facebookseite und eine große Fangemeinde. Er ist ein riesen Schlingel und ist für sein Frauchen genauso herausfordernd wie sehende Heranwachsende.  Die Integration eines blinden Hundes ist dementsprechend eines ihrer Lieblingsthemen.

Sendung anhören:

Live auf der Radiofabrik 107,5 oder per Livestre am 9. Dezember  um 12:08 Uhr und am 10. Dezember um 19:06 Uhr. Nachhören ebenfalls über die Radiofabrik oder über den Hunderunde Blog.

Feedback und Kontakt: Karin Immler, www.knowwau.com

Toiartiges Kindertheater / Vorschau auf „König Ubu“

Im Toihaus im Andräviertel steht der Herbst und auch der Winteranfang ganz im Zeichen den Kindertheaters – gleich 3 Stücke für Kinder zwischen 1,5 und 5 Jahren gibt es in den nächsten Wochen zu erleben: „Hin und Her“, „Träume Träume“ und „Aufbruch“, wir werden euch die Stücke und auch gleich Yoko Yagihara vorstellen, sie wirkt musikalisch an 2 der Stücke mit. Und besonders freuen kann man sich jetzt schon auf Jänner, einer der Lieblingsgäste im Toihaus, Arturas Valudskis kommt wieder ans Toihaus und bringt ein neues Stück mit – „König Ubu“ heißt es und die ersten Informationen dazu gibt’s aktuell in So A Theater zu hören.

Wohlfühlfriedhof

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 13. November – Der Tod ist kein Beinbruch oder Schöner Sterben in Salzburg. Zwischen kuscheln und gruseln am Friedhof der Phantasien und Wünsche. Unterhalten wir uns einmal mit den Toten und erleben wir die Auferstehung der verdrängten Geschichte(n). Zelebrieren wir die Poesie der scheppernden Weinheizung in einer nebelschwangeren Novembernacht. Entreißen wir dem Memento mori unserer nazikatholischen Abendlandsheimat etwas lebendige Lyrik – von gegen den Strom des Vergehens andichtenden, sinnsuchenden Selbstmenschen. Lassen wir uns hineingleiten in dieses seltsame Schattenreich aus Erinnern und Loslassen, diese eigenartige Übergangswelt zwischen Sommerlust und Winterschlaf, diesen doch illegalen Grenzwechsel von Tod, Leben und – was?

georg kreislerVor allem sei eines,
sei unzufrieden jederzeit,
denn Gleichmut ist schädlich,
Bescheidenheit macht dick.

Sei zornig, sei giftig,
vertraue nie der Obrigkeit,
sonst bist du verraten,
sonst bricht man dirs Genick!

Georg Kreisler – Das Finale

Hier auf dem Aigner Friedhof befindet sich nun die Grabstätte dieses großen Unbequemen, gleich neben der von Rafi Chaimowicz übrigens, was wir ja bereits in unserem Artarium mit dem Titel Schuldig! (über Feindbilder, Judenhass und den Kapitalismus als Religion) beleuchtet haben. Doch auch in dieser Sendung wollen wir Geniales vom Grantgroßvater des Widerborstigen zu Gehör bringen, etwa das oben zitierte vielstimmige Protestlied aus dem Programm “Hurra, wir sterben!”

Wer sich nicht gefallen lässt, dass man ihn schikaniert,
muss es unterstützen, dass die Jugend rebelliert,
ihr seid mit verantwortlich, drum legt euch nicht aufs Ohr,
helft uns mit der neuen Welt, machts besser als zuvor!

gruseligDoch was ist das? Nur einen Steinwurf vom Grab Georg Kreislers entfernt erheben sich sonderbare Silhouetten gegen das Braun dieses herbstlichen Nachtlichthimmels. Riesenhaft wirkende Statuen und Stelen thronen am höchsten Punkt des Friedhofs und verströmen von dort eine unbestimmte, irgendwie unheimliche Atmosphäre…

Draußt is koid und drunt is woam,
nua monchmoi a bissl feicht,
und wonn ma so drunt liegt, gfreid ma si,
wonns Groblaterndal leicht…

gruseligerTatsächlich, es ist das wuchtige Grabmal des NS-Lehrers und Organisators der Salzburger Bücherverbrennung Karl Springenschmid, nebstbei noch Autor des Lamprechtshausner Weihespiels, einer textlich üblen, dafür umso schwülstigeren Lobpreisung des Opfertods für Führer und Vaterland, die er aus Anlass der dortigen Schießereien während des NS-Juliputsches 1934 verbrach. Ekelweh!

Auf amoi is di Musi stü,
und olle Augn glänzn
wei duat drübn steht da Knochnmonn
und winkt mit seina Sensn

Recherchen zu den damaligen Ereignissen fördern die Geschichte des von den Nazis noch kurz vor Kriegsende ermordeten Bundesheer-Hauptmanns Franz Rosenkranz zu Tage – sowie die skandalös unbehelligten Nachkriegskarrieren seiner Ankläger und Denunzianten (allesamt üble Hetzer und Schergen), in einem Fall sogar auf Intervention des damaligen Erzbischofs Rohracher. Siehe auch: Stolperstein Franz Rosenkranz Über den dort erwähnten Dr. Stefan Balthasar heißt es andernorts: “…(1938) wurde er leitender Staatsanwalt und verfolgte nun die Repräsentanten der Vaterländischen Front ebenso vehement wie er vorher illegale Nationalsozialisten verfolgt hatte, als er selbst noch Mitglied der Vaterländischen Front gewesen war.” (Hubert Stock, Böhlau 2010)

nazikatholisch

Hier passt Thomas Bernhards Wendung vom “architektonisch-erzbischöflich-stumpfsinnig-nationalsozialistisch-katholischen Todesboden” wieder einmal wie die Faust aufs Auge. Und auch: “Die Stadt ist für den, der sie und ihre Bewohner kennt, ein auf der Oberfläche schöner, aber unter dieser Oberfläche tatsächlich fürchterlicher Friedhof der Phantasien und Wünsche.”

Doch einmal abgesehen von diesen einigermaßen gespenstischen “Zufällen” und Zusammenhängen werden wir uns naturgemäß in der allgemeinen Ambivalenz der Friedhofgefühle ergehen. Denn, so tröstlich es einerseits sein mag, dass die ganzen Arschlöcher tot sind und einem folglich nichts mehr anhaben können, so schmerzlich ist es andererseits, dass die hier an- und verwesenden (man verzeihe mir das sich aufdrängende Wortspiel) Weggefährten bestimmt kein Bier mehr mit einem trinken. Oder ähnliches. So beschweben wir jedenfalls ungeurteilt das Zwiespältige eines Verweilens im Unaufgelösten und assoziieren unser Eigenes drum herum…

“Is there a heaven? I’d like to think so!”

Roxy Music – In every dream home a heartache