Hermann Rubenkes – Salzburg

Hermann Rubenkes Stolperstein

Hermann Rubenkes Stolperstein/Werkstättenstraße 14

Hermann »Harri« RUBENKES, geboren am 10. Juli 1901 in Wien, war ein Sohn des aus Galizien stammenden jüdischen Ehepaares David und Berta RUBENKES und von Beruf Schlosser und Maschinentechniker. Er arbeitete seit den 1920er Jahren in Deutschland und wurde als Jude unter der nationalsozialistischen Herrschaft im September 1934 nach Österreich ausgewiesen. Er lebte seither in Salzburg, fand hier aber keine feste Anstellung und konnte sich bloß mit Gelegenheitsjobs in jüdischen Häusern über Wasser halten. Für das Verteilen von Reklamezetteln bekam er drei Schilling pro Tag. Anspruch auf staatliche Unterstützung hatte er nicht.

Hörstolperstein Hermann Rubenkes

Hermann RUBENKES zählte zu den Arbeitslosen, die sich der kommunistischen Widerstandsbewegung gegen den österreichischen Faschismus in den Jahren 1934 bis 1938 anschlossen. Seine Genossen nannten ihn »Harri«: sein Deckname in der Illegalität. Die politische Agitation der Kommunisten im Haus Glockengasse 8, in der damaligen »Arbeitslosen-Ausspeiserei« der Stadt Salzburg1, war seit Beginn des Jahres 1938 aktenkundig. Im Bericht der Bundespolizeidirektion Salzburg vom 20. Februar 1938 wurden zehn Verhaftete, die der Landesleitung der verbotenen Kommunistischen Partei (KPÖ) angehörten, aufgelistet, darunter Hermann RUBENKES mit seinen Personaldaten inklusive Glaubensbekenntnis, letzteres abgekürzt: »mos.« (mosaisch) – unter den politisch Verfolgten in Salzburg der einzige Jude.2  

RUBENKES wurde noch im Februar 1938 im Zuge der österreichischen Amnestie für politische Gefangene freigelassen und wohnte hernach als Untermieter im Stadtteil Itzling, Werkstättenstraße 14. Bei seiner Anmeldung deklarierte er sich als »bekenntnislos«, vermutlich in der Annahme, damit einer weiteren Verfolgung zu entgehen. Er war aber nach wie vor Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Außerdem ließ sich seine Religionszugehörigkeit nicht verheimlichen, da diese in den Polizei- und Justizakten aufschien. Er war zwar nicht vorbestraft, jedoch als Jude und Kommunist »amtsbekannt«, weshalb seine Freiheit von kurzer Dauer war. Der erste Deportierte des organisierten Widerstandes unter dem NS-Regime in Salzburg war Jude, weil er Jude war.

Hermann RUBENKES wurde am 20. Juni 1938 verhaftet, am 25. Juni 1938 vom Polizeigefangenenhaus in Salzburg ins KZ Dachau deportiert und dort als Jude und »AZR«-Häftling3 Nr. 17129 registriert. Am 11. Dezember 1940 wurde er ins KZ Buchenwald überstellt und als Häftling Nr. 5514 registriert. Der dort bescheinigte Tod des Häftlings am 25. März 1942 im KZ Buchenwald ist nicht richtig. Der 40-jährige Hermann RUBENKES zählte vielmehr zu jenen Häftlingen, die im Zuge der »Sonderbehandlung 14f13«4 am 12. März 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg an der Saale vergast wurden.
Die Urne mit der Asche des ermordeten Juden wurde nach Wien geschickt, mit verrechneten Kosten, beglichen von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, und laut Protokoll am 14. Juli 1942 »ohne Partei«, demnach in Abwesenheit von Trauernden, in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs beigesetzt (IV/18a/21/29). Dort befindet sich auch das Grab seiner 1920 verstorbenen Mutter Berta (Scheindl Rebekka). Die Schicksale seiner übrigen Verwandten sind wegen der spärlichen Daten ungeklärt. Außerdem sind keine Opferfürsorgeakten von Überlebenden oder Hinterbliebenen vorhanden. In den Shoah-Datenbanken steht beim einprägsamen Namen Hermann RUBENKES der Vermerk: »letzte bekannte Wohnadresse Salzburg«.

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1 jetzt Haus der Stadtgeschichte, Sitz des Stadtarchivs Salzburg
2 Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 – 1945, Band 1, S. 124, 133f., ohne Hinweis auf die Schicksalsverläufe der politisch verfolgten Kommunisten
3 Häftlingskategorie »AZR«: Abkürzung für »Arbeitszwang Reich«
4 »Sonderbehandlung 14f13«: »14« = Inspekteur der Konzentrationslager, »f« = Todesfälle, »13« = Vergasung in Tötungsanstalten der »T-4«-Organisation

Quellen: Stadt- und Landesarchiv Salzburg, Israelitische Kultusgemeinde Wien, Gedenkstätten Dachau und Buchenwald
Recherche Gert Kerschbaumer
Gestaltung & Produktion: Georg Wimmer

Maria Bumberger – Salzburg

Maria Bumberger

Maria Bumberger

Maria BUMBERGER, geborene EBNER, geboren am 21. Dezember 1901 in Elsbethen bei Salzburg, und ihr Ehemann waren keine Mitglieder einer illegalen Partei oder Widerstandsgruppe. Dennoch wurden beide am 11. Juni 1942 von der Gestapo verhaftet. Die Frau bekam im Unterschied zu ihrem Ehemann keine Chance, sich vor Gericht zu verteidigen. Die 40-jährige Maria BUMBERGER wurde am 21. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert, dort am 17. November 1942 ermordet.1

Hörstolperstein Maria Bumberger

Am 9. Juli 1943 wurde der verwitwete Franz BUMBERGER, seit 18. Juli 1942 Häftling in Dachau, wegen »Unterlassung der Anzeige eines hochverräterischen Vorhabens« zu einem Jahr Gefängnis verurteilt – mit folgender Begründung:

Maria Bumberger Stolperstein

Maria Bumberger Stolperstein/Linzer Bundesstraße 26

Aus Anlass eines politischen Gesprächs wurden der Angeklagte und seine Gattin [Maria Bumberger] von Anton Schubert2 im Frühjahr 1940 aufgefordert, der bestehenden illegalen KPÖ beizutreten. Er behielt sich samt seiner Gattin Bedenkzeit vor, worauf Schubert ihnen den Lorenz Brucker3 nannte, an den sie sich wegen eines Beitritts wenden sollten. Angeklagter und seine Frau unterließen eine Beitrittsanmeldung. Nachdem Angeklagter von seinem Einsatz in Köln im Oktober 1941 zurückgekehrt war, traf er neuerlich mit Schubert zusammen, der ihn an das Gespräch im Vorjahr erinnerte und wieder aufforderte, seinen Beitritt zu erklären. Auch jetzt lehnte der Angeklagte ab, unterließ es jedoch, von seiner Kenntnis eine Anzeige zu erstatten.

Franz BUMBERGER, der bis zum 9. Juli 1943 in Dachau inhaftiert war, konnte nach seiner Freilassung nach Salzburg zurückkehren und starb hier im Jahr 1980.

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1 Maria Bumbergers Tochter Maria Golser und Schwester Anna Rinnerberger hatten vergeblich versucht, mit ihrer Mutter bzw. Schwester in Auschwitz Kontakt aufzunehmen und waren deshalb vorübergehend inhaftiert. Im Kriegsjahr 1942 wurden noch fünf Frauen aus Salzburg in Auschwitz ermordet: Rosa Bermoser, Anna Frauneder, Marianne Innerberger, Anna Prähauser und Anna Reindl. Die Kommunistin Josefine Lindorfer aus Hallein wurde ebenfalls vom Polizeigefangenenhaus in Salzburg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
2 Anton Schubert, KPÖ-Funktionär, wurde am 22. 7. 1943 in München-Stadelheim hingerichtet.
3 Lorenz Brucker, KPÖ-Funktionär, starb 1983 in Salzburg.

Quelle: Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 – 1945, Band 1, S. 352ff
bzw. www.stolpersteine-salzburg.at
Recherche: Gert Kerschbaumer
Gestaltung & Produktion: Eva Schmidhuber

Battle&Hum#35

Battle&Hum #35

(Samstag 21.04.2012)

 

Herzblutschüttbilder in den Äther gesäuselt!

the playlist:

MC Randy Andy’s Grrrls:

  • 1. The Slits (cut) – i heard it trough the grapevine
  • 2. Consolidated/Yeastie Grils (play more music) – you suck
  • 3. Huggy Bear (single) – herjazz

DJ Ridi Mama’s Boooys:

  • 1. Wallace Vanborn (lions,liars,guns&god) – cougars
  • 2. Oasis (familiar to millions -live) – acquiesce
  • 3. Blood Red Shoes (in time to voices) – je me perds
  • 4. De La Soul (first serve) – the book of life

„I am not gay. Although I wish I were, just to piss off homophobes.“ (Kurt Cobain)

 

Zur Abstimmung HIER entlang! (Die Wahlkabinen sind nach der Sendung 48 Stunden lang geöffnet, hernach seht ihr unter demselben LINK das Ergebnis!)

Seid was ihr wollt – Kinskis Villon

Podcast/Download: Artarium vom Sonnteg, 22. April – Das etwas andere Spoken Word Projekt “Kinskis Villon” der Berliner Band “Seid was ihr wollt”. Eine erstaunliche Musik-Neu-Inszenierung der bekannten Villon-Interpretationen von Klaus Kinski, die weit über das gewohnte Genre “Lyrik mit Musik” hinaus geht. Punktgenau rhythmisch synchrone Arrangements, die an den Stil moderner Mash-Ups erinnern, verwoben mit Klangschalen und Ambient-Sounds, getragen von treibendem Bass und Schlagzeug, der Dynamik des Vortrags entsprechend mit E-Gitarre, Posaune, Keyboard, Cello und noch mehr – zum Gesamteindruck einer kraftvollen Liveperformance verdichtet, zeitgemäß und zeitlos!

Wir haben ja erst kürzlich der Inspiration des Künstlers und Radikal-Individualisten Kinski in einer eigenen Sendung nach gespürt. (Klaus Kinski Reloaded) Zum anderen erforschen Chriss und ich in unseren monatlichen Perlentaucher-Nachtfahrten immer wieder Ausdrucksformen der mit Klangwelten interagierenden Spoken-Word-Darbietung. Wie kann man auf interessante Weise Textdarbietung mit Musik und Sounds verschmelzen, um ihre Intensität zu steigern? Und da haben wir schon so einiges an Anregendem ausgegraben, zum Beispiel von Patti Smith, Joolz, Heather Nova, Ernst Jandl, Uzzi Förster – und haben damit herum gespielt, gedacht, gebrütet, gebastelt…

Kinskis Villon von Seid was ihr wollt ist in diesem Kontext ein Meilenstein. Eine gelungene Umsetzung von Lyrikvortrag und Bandauftritt in beeindruckender Ausgewogenheit, bei dem beide Teile für sich noch an Deutlichkeit gewinnen. Das merkt man an Klaus Kinskis Stimme. Wer ihn nicht mehr live erleben konnte und seine Lesungen” nur vom Tonträger kennt, wird erstaunt sein über die jugendliche Frische und Wildheit, mit der er einem hier ins Gesicht fährt. Das wirkt noch um einiges eindringlicher als auf so manchem Videomittschnitt. Chapeau, Freunde! Eine geniale Interpretation, die zudem noch als Online-Album gratis zum Download steht. Und die – in all ihrer Ausgereiftheit – auch sehr viel Raum für eigene Ideen und Inspirationen bietet.

 

Von MC’s, Community Fernsehen und vom Erinnern

Liebe FabrikantInnen und Radiofreunde,

das erste halbe Jahr meiner Ausbildung has come and gone. Nach meiner Berufsschulzeit galt es meine ersten Projekte zu konzepieren, umzusetzten und teilweise auch durchzusetzen.
Neben der ein oder anderen kleineren Aufgabe, gab es drei größere Projekte, die ich euch hier vorstellen will:

P R O J E K T 1:  Die Visitenkarten.

Das Büro und auch die vielen SendungsmacherInnen der Fabrik hatten sich seit langen neue Visitenkarten verdient. Meine Aufgabe war das Design so festzulegen und zusammen zu basteln, dass sie zum Einen ansprechen und als seriös durchgehen, aber auch zu UNS passen.
Geworden ist es eine schöne MC im Radiofabrik-Style:

20032012_vistenkarte_jess

Und warum eine MC? Weil sie unseren DIY – Charakter und unsere berufsbedingte Verbundenheit zur Musik wunderbar unterstreicht – und das auch noch auf coole Art 😉
Das beste daran ist, dass ihr als Sendungsmacher auch eine haben könnt! Alles was es braucht ist ein Besuch im Büro! Visitenkarten – Gut zu verteilen!

P R O J E K T 2: Der Radiofabrik Werbeclip.

Wie ihr sicher alle wisst, ging unser Fernseh-Pendant FS1 im Februar dieses Jahres On Air. Ein kleiner, aber feiner Werbespot der Fabrik durfte natürlich nicht fehlen. Nachdem ein Versuch für einen Party-Clip mit echten FabrikantInnen aus zeitlichen Gründen nach hinten verschoben werden musste, habe ich dieses Schätzchen zusammengebastelt.
Ihr dürft euch aber in der Zukunft noch über weitere Radiofabrik Spots freuen.

P R O J E K T 3: Hörstolpersteine.

Zusammen mit sechs Partnern aus Deutschland und Österreich produzieren wir von der Radiofabrik (Kurz-)Biografien von Opfern des Nationalsozialsmus. Angelehnt an die Stolpersteine, die eingelassen in den Gehsteigen und Straßen mehrere Länder Europas, das Erinnern fördern sollen, unterstützen wir in Zukunft die gute Sache auditiv.
Mein Part besteht im Betreuen des Hörstolpersteine Blogs.

So viel zu meinen Aufgaben der letzten Monate. Wer mehr wissen will, liest brav meinen Blog und hört fleißig MARK.radio.

Ihr hört von mir.

the apprentice

All for a bottle of rum!

Battle&Hum am Samstag!

Ja ich weiß, ihr musstet schon wieder soo lange warten, aber alles wird gut! Am kommenden Samstag (21.04.12) surfen wir ab 22:00 Uhr auf den ultrakurzen Wellen in euer allerwertestes Ohr!

Es gibt wieder einen zünftigen Battle, mit der Möglichkeit über das Schicksal der beiden Proponenten mitzubestimmen. Die Playlist wird wie gehabt direkt im Anschluss an die Sendung freigegeben und ist für 48 Stunden offen.

Der Kuh-Dung Clan (feat. DJ Ridi Mama und MC Randy Andy) ist schon gespannt wie ein Gummiringerl. Also seid dabei wenn es wieder heißt „Bubirock versus Halbstarkenmetal“!

Dig that shit!

Veröffentlicht unter Teaser

A Echta Weana – FNTOME im April 12

„Wien ist ein einziger großer Platsch, schlammig, faulig, wurstig, vielleicht das Einzige in der Welt von dem man sagen kann: „Ein bisschen tot.“
Georg Kreisler hatte ein schwieriges Verhältnis zu seiner Heimatstadt.

Hermann Leopoldi sang „Wir ham schließlich kan Charakter, doch wir ham ein gold’nes Herz.“
Er wurde nach der Rückkehr aus dem Exil vom Wiener Publikum gefeiert, ganz ob nichts geschehen wäre.

FRAU NOWAKS TRANSORIENTALISCHER MUSIKEXPRESS widmet sich im April dem jüdischen Beitrag zum Wienerlied.

Hierzu ein ARTIKEL

Die Sendetermine:

23. AprilRadio Fro um 20 Uhr

25. AprilTIDE 96.0 um 18 Uhr

29.April –  Radiofabrik  um 20 Uhr.

 

 

…“doch wir ham ein gold’nes Herz“

Dieser Artikel erschien am 16.04.2012 in einer gekürzten Version in der Wiener Zeitung

„Sei Bluat war so lüftig und leicht wie der Wind. Ja, er war halt: a echt’s Weanakind.“
So endet das berühmte Fiakerlied, das vielen als „heimliche Hymne Wiens“ gilt.
Unter den Nazis war dieses Lied verboten. Nicht jedoch, weil der Ausdruck österreichisch-wienerischen Nationalstolzes dem großdeutschen Anschlussgedanken widersprach. Der Grund: Gustav Pick, der Autor des Fiakerliedes, war Jude.
So wie auch Fritz Spielmann (Schinkenfleckerl), Jimmy Berg (Sperrstund Is) oder Peter Hammerschlag (Krüppellied).

Bis 1938 waren in Wiener Kabarett, Chanson und Revue  jüdische Komponisten, Texter und Musiker überdurchschnittlich vertreten.
Unzählige Volkssänger, Komiker und Musiker tummelten sich um die Jahrhundertwende in den Kaffeehäusern und Singspielhallen Wiens. Etablissements wie das Kabarett „Hölle“, oder das „Budapester Orpheum“ waren Talentschmieden für Künstler wie Fritz Grünbaum, Karl Farkas, Hugo Wiener, Armin Berg oder Hans Moser. Letzterer war übrigens kein Jude, aber mit einer Jüdin verheiratet, spielte in der Nazizeit aber trotzdem – oder deshalb? – in fragwürdigen Propagandastreifen mit. Aber das sei hier nur am Rande bemerkt.

Die Identitätsfrage – Jude oder Nicht-Jude – war noch bis in in die Zwischenkriegszeit hinein von geringer Bedeutung, wichtiger war die Einstellung zu Begriffen wie Nation und Heimat.
Im ersten Weltkrieg hatten sich noch viele jüdische Künstler, wie Robert Musil, Stefan Zweig, Franz Werfel, Oskar Kokoschka oder Alfred Kubin für den Krieg freiwillig gemeldet oder ihre Kreativität in den Dienst militaristischer Propaganda gestellt. Damit entsprachen sie dem allgemeinen Zeitgeist.
So auch der berühmte Hermann Leopoldi, einer der meist gefeierten „Klavierhumoristen“ der 20er Jahre, Komponist und Interpret unzähliger Schlager und Wiener Lieder.

Leopoldi hieß eigentlich Hersch Kohn, entstammte einer jüdischen Meidlinger Musikerfamile und wurde 1938 ins KZ Dachau und dann ins Lager Buchenwald deportiert. Er hatte Glück, seine Frau konnte ihn freikaufen, und er emigrierte in die USA.

Weniger Glück hatte Fritz Löhner-Beda, Leopoldis langjähriger Textdichter. Ihr letztes gemeinsames Stück war der Buchenwälder Marsch, den sie auf Anordnung des sadistischen KZ-Leiters komponiert hatten. Löhner-Beda überlebte den Nazi Terror nicht. Genauso wie unzählige andere jüdische Musiker, Komponisten und Schriftsteller. Kein Wunder, dass die meisten Überlebenden im Exil nicht gerade das Bedürfnis hatten, in ihre alte Heimat zurückzukehren.

Hermann Leopoldi kam zurück – und wurde jubelnd in Wien empfangen. Es schien, als hätten die Österreicher vergessen, warum er emigriert war, „Sagen’s Herr Kohn wann kommen’s z’rück“, heisst es denn auch in einer Textzeile des Liedes „An der schönen roten Donau“, in dem Leopoldi mit der anbiedernden Verdrängungsmentalität der Österreicher abrechnet. „Wann kommen’s z’rück?“, als ob er nur mal auf Urlaub gewesen sei. Weiter heisst es in dem Lied: „Wir ham schließlich kan Charakter, doch wir ham ein gold’nes Herz.“
Schon bald schrieb der Leopoldi aber wieder wie gewohnt typisch „Österreichische“ Schlager über Weinseligkeit und Schmähtandlerei und wurde dafür bis zu seinem Tod 1959 vom Österreichischen Publikum gefeiert.

Auch Gerhard Bronner kam nach dem Krieg zurück. Seine  gesamte Familie war von den Nazis umgebracht worden, er selbst hatte eine abenteuerliche Fluchtgeschichte nach Palästina hinter sich und wollte eigentlich 1948 nach London, wo er ein Engagement erhalten hatte. Doch seine damalige Frau bestand darauf, noch vorher ihre Eltern in Wien zu besuchen. Er blieb hängen. „Wir dürfen die jungen Menschen hier nicht mit den alten Nazis allein lassen“, war das ausschlaggebende Argument seines Freundes Hans Weigel. Bronner wurde zu einer österreichischen Rundfunk- und Wiener Kabarettkoryphäe, legendär waren seine Programme mit Helmut Qualtinger (dessen Vater übrigens überzeugter Altnazi war), legendär seine „Marietta Bar“, in der unter anderem auch Georg Kreisler seine ersten musikalischen Schritte in Österreich machte.

Kreisler war 1955 aus den USA zurückgekehrt und hatte Zeit seines Lebens ein – milde ausgedrückt – ambivalentes Verhältnis zu Wien und Österreich. „Wie schön wäre Wien ohne die Wiener“, heisst es in einem seiner Lieder. Zu seinem 75. Geburtstag 1996 bat er  er gar in einem offenen Brief an die Repräsentanten der Republik, ihm in Zukunft nicht mehr zu seinen Jubiläen zu gratulieren, „weil sich die Republik Österreich in den über vierzig Jahren, seit ich nach Europa zurückgekehrt bin, noch nie um mich geschert hat.“ Die Österreichische Staatsbürgerschaft habe er nie zurückerhalten, stattdessen besäße er immer noch seinen alten Deutschen Pass mit einem großen J Stempel darin.

In seinem Buch „Das böse Wien“ schrieb Kreisler:
„Wien ist ein einziger großer Platsch, schlammig, faulig, wurstig, vielleicht das Einzige in der Welt von dem man sagen kann: „Ein bisschen tot.“

Die Lieder Kreislers, Bronners, Leopoldis und all der anderen unzähligen jüdischen Komponisten, Musiker, Texter und Kabarettisten, werden heute noch gesungen.

Beim Wean Hean Wienerlied Festival vom 19. April bis 23. Mai 2012 zum Beispiel, das dieses Jahr den Schwerpunkt auf jüdische Komponisten und Textdichter setzt.

HIER geht’s zum Programm.

 

Lebendiges Lehen am 20. April 2012 um 17:00: Stadtwerk Lehen und Stiegenhaustheater

Karl Zankl ist heute LIVE im Studio der Radiofabrik mit folgenden Themen:

http://www.radiofabrik.at/fileadmin/radiofabrik/design/images/zahnrad_mini_icon.png Interview mit Fang Liang He vom Infopoint Stadtwerk Lehen

http://www.radiofabrik.at/fileadmin/radiofabrik/design/images/zahnrad_mini_icon.pngDas war das Stiegenhaustheater in Lehen und Itzling

http://www.radiofabrik.at/fileadmin/radiofabrik/design/images/zahnrad_mini_icon.pngEinladung zum Fairkehrten Fest am 19. und 20. Mai

Im Studio mit dabei ist Terence Goster von TEEN FM  – vielen Dank für die technische Unterstützung!

Danke auch an Franz Fleissner vom Stadtwerk, der das Interview mit Fang geführt hat – wir hören sicher bald mehr von ihm 🙂

 

Wiederholung der Sendung: Dienstag, 24. April um 8 Uhr

Helene Heyckendorf

Produktion: Freies Sender Kombinat, Hamburg

Die Vereinsstraße im Hamburger Schanzenviertel heute.

Helene Heyckendorf. Die Hamburger Kommunistin wurde im April 1945 im KZ Neuengamme ermordet. Erhängt. Sie und ihr Mann Max hatten sich beide dem Widerstand gegen die Nazis angeschlossen. Gewohnt haben sie im Schanzenviertel – in der Susannenstraße – dann in Eimsbüttel. Vor ihrem letzten Wohnhaus, in der Vereinsstraße 59, liegt nun zu ihrem Gedenken ein Stolperstein. 

Helene Heyckendorf gehörte zum Umkreis der Widerstandsorganisation Bästlein-Jacob-Abshagen, einer der wichtigsten Widerstandsgruppierungen gegen den NS. Vor allem aus Großbetrieben heraus wollten die 300 Mitglieder der Gruppe den Kampf gegen das NS-Regime führen und für ein schnelles Kriegsende arbeiten. In über 30 Hamburger Betrieben und Werften entstand ein konspiratives Netzwerk. Die Widerstandskämpferinnen und -kämpfer halfen ausländischen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, informierten über den tatsächlichen Kriegsverlauf und betrieben Sabotage. Helenes Ehemann Max beispielsweise organisierte Fluchtwege nach Skandinavien. Über ihre Aktivitäten ist heute leider nichts Bekannt. Nachdem die Gruppe durch die Gestapo enttarnt war, floh Max Heyckendorf vor der Verhaftung. An seiner Stelle nahm man Helene Heyckendorf in die so genannte „Sippenhaft“. Im Arrestbunker des KZ Neuengamme wurde sie im April 1945, also kurz vor Kriegsende, mit 12 anderen Frauen und 58 Männern erhängt. Ohne Prozess und ohne Gerichtsurteil. Damit versuchten die Nazis in der Endphase des Krieges wichtige Zeugen auszulöschen, die den Alliierten hätten aussagen können.  Weiterlesen