Beidseitig, gleichzeitig, zweischneidig…

Podcast/Download: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 13. Januar über EMOTIONALE AMBIVALENZ – passend zum gefühlsabgründigen Jahreswechsel wie auch zur perspektivischen Janusköpfigkeit unserer heurigen Winterschlafwandlerei! Jenseits der seltsamen, jedoch weit verbreiteten Vorstellung von klar unterscheidbaren oder sozusagen „reinen“ Empfindungen und einer möglichen Einteilung in positive oder negative, „gute“ oder „schlechte“ Gefühlszustände – da beginnt nämlich die Grauzone, das Schattenreich, die Traumwelt – oder aber das eigentliche Leben. Wir bereisen drei Stunden lang das weite Land der Indifferenz – zwischen Irritation und Verwirrung…

Abgesehen davon, dass wir beide uns ganz gern in diese Grau- und Grenzbereiche des Erlebens begeben, um das vorgeblich „Normale“ zu hinterfragen, entsprang die Idee zu dieser Sendung der scheinbar harmlosen Frage „Wie gehts dir so?“ Gerade zur Weihnachtszeit konnte eine ehrliche Antwort nur ambivalent  ausfallen: „Beidseitig gleichzeitig…“

Eine höchst zweischneidige Angelegenheit, denn einerseits sind wohl alle tiefen zwischenmenschlichen Selbsterfahrungen von der gleichzeitigen Vorhandenheit lichter wie dunkler Gefühlsanteile geprägt, andererseits aber wünschen wir uns oft nichts sehnlicher als emotionale Ausgeglichenheit – überschaubare Zeiträume von empfundener Eindeutigkeit, Geborgenheit, Sicherheit. Ein Widerspruch in sich selbst also, der nur verdrängt, nie jedoch aufgelöst werden kann? Ein schicksalhaftes Dilemma, dem zu entrinnen wir die erwünschten Gefühle hervor kitzeln und die Unerwünschten unerdrücken müssen?

Zudem ist ja die Vorstellung von Normalität gerade im Gefühlsbereich (gesundes Volksempfinden) oft etwas Vorgegebenes, mit dem man (!) immer schon Menschen zu manipulierbaren Massen machen konnte, also in höchstem Maße verdächtig. Die eigene Wahrnehmung von innerer Ausgeglichenheit muss dann wohl auch etwas ganz anderes sein…

Eine gewisse Portion an emotionaler Vermischung und Zwiespältigkeit scheint durchaus so etwas wie eine natürliche Gegebenheit zu sein. Was ich mir heute zutiefst ersehne, das kann mir schon morgen – sogar schon im selben Moment ebenso zutiefst zuviel sein. Was mich über alle Maßen belebt, beseelt und erfüllt, das kann mich im selben Augenblick ebenso heftig vereinsamen, erschrecken und ausbrennen. Das Gegenteil seiner selbst scheint in unserer Gefühlswelt geradezu angelegt zu sein. Inwieweit dies einen Sinn ergibt – und wenn ja, welchen – das bleibe hier zunächst einmal auch dahin gestellt.

Bevor die Reizüberflutung mit Doppelbotschaften uns endgültig propagandistisch – pardon, werbetechnisch zur Strecke bringt und wir dringend zum Apotheker unseres Arztes müssen, bleibt uns schon noch ein ziemlicher Spielraum an eigener Interpretation, den wir uns bewahren – und zu dem wir einander auch ermutigen sollten!

Ein Koffer voller Fragen – doch wer kennt die Antworten? Ist der Buddhismus womöglich überlebenstechnisch betrachtet eine geeignetere Philosophie als der Manichäismus des Christentums? Wem können wir überhaupt noch vertrauen, wo doch sogar wir selbst fortwährend hohe Wellen schlagen, somit allem Anschein nach höchst unberechenbar sind? Und – um es in den Worten der Bibel auszudrücken – ist nicht eigentlich überhaupt „alles eitel und Haschen nach dem Wind?“ Mit Peter Licht immerhin könnte man es auf einen einstweiligen, also springenden Punkt bringen: „Was du hast ist ein offenes Ende.“

Bis dahin bleibt alles ambivalent.

 

NOFX RELOADED (Cokie the Clown 2.0)

Download/Podcast: Artarium vom Sonntag, 8. Januar – Was soll man denn nun von einem fast 45-jährigen Musiker und Labelchef halten, der spät nachts lachend in eine Tequilaflasche brunzt und anschließend eine dermaßen abgefahrene Solo-Performance zelebriert wie Fat Mike von NOFX? Wobei er Bühnengästen und Publikum dann auch noch Drinks vom nämlichen Tequila verabreicht – und dann die auf Video dokumentierte Piss-Aktion live vorführt? Wir finden – sehr viel! Denn selten seit den 80ern war Punk so pointiert wie 2010 beim SXSW Festival in Austin, Texas – und selten wurde aus berufenem Schwanz – äh – Mund ein derart profundes Statement zur Musikindustrie – ähm – abgesondert…

In diesem Sinne – Prost! Und gleich auch noch unsere glücklichsten Herzwünsche zum demnächst wirklich drohenden 45. Geburtstag, Cokie the Clown! Mit solch einem Überlebenshumor besteht echt die Gefahr, dass du uns noch einmal 45 Jahre den Schädel knetest und das Gehirn ausputzt.

By the way – wir bedanken uns artig grinsend bei Pinpoint Music für den feinen Bericht von der Cokie-Performance und die entsprechende Fotostrecke. 🙂 Lohnt sich auf jeden Fall zu lesen – ebenso wie dieses nüchterne Hintergrund-Gespräch mit Fat Mike ein Jahr nach dem „Skandal“ – das war doch bitte bester Aktionismus! Haut rein, auch wenn euer Englisch nicht gerade uptempo daher kommt – jetzt nach den wein- und weihrauchschwangeren Weihnachtsferien. Prost Neujahr also nochmal von uns – mit einer für heuer durchaus prototypisch gemeinten Sendung:

Denn das Wesentliche an Fat Mike’s punk-atypischer Performance war ja nicht die medial skandalisierte Brunzflaschlerei, sondern die von ihm nachgerade legendär vorgetragene Emo-Explosion aus erlebten Geschichten und schrägen Versionen bekannter NOFX Songs. Ein echter Abgrund!

Das war doch die Essenz des Punk – bevor er zur merkantilen Pose verkam: Unverstellteste Aufrichtigkeit gepaart mit einer gehörigen Portion Scheiß-dir-nix und einem bewundernswerten Mut zur eigenen Lächerlichkeit – auch und gerade im Angesicht der besoffenen Wertvorstellungen des „Entertain-us-Publikums“. Wenn Fat Mike gegen die johlen wollende Meute in leisen Tönen an-erzählt, wie er und Eric Melvin als 16, 17-jährige bei einem Punkkonzert die Hilfeschreie eines vergewaltigt werdenden Mädchens ignorieren und mittels Musik verdrängen, weil sie von einem der Täter bedroht werden, dann kehrt die Ambivalenz des traurigen Clowns mit unhörbarem Krachen in unsere Herzen zurück – verschreckt, verwirrt und verzweifelt.

Auch das Outro von The Decline erzeugt plötzlich eine andere Betroffenheit: Wir alle werden tagtäglich gefickt von inhumaner Machtausübung und Gewaltanwendung, von verlogenen Ideologien, wirren Sozialsystemen und einer zutiefst destruktiven Weltwirtschaft. Scheiße!

Und die Moral von der Geschicht? Die Sendung zur Story (Abgründe aushalten und selbst weiter denken!) – Der Graffitikünstler (und selbst Musiker) Leo Tischendorf sowie die emoreale Konzeptextase Norbert K.Hund spielen prototypische und ungewohntere Tracks von NOFX und versuchen sich dabei rotzspontan an der Philosophie dieser konsequent independent gebliebenen Punkband zwischen Selbstdarstellung und Sozialkritik. Abschließend bitten wir zum gemeinsamen Gehör-Genuss von The Decline, dem gut 18-minütigen Opus Magnum dieses ebenso faszinierenden wie verstörenden Kunnst-Kollektivs mit politischen D.I.Y. Ambitionen. NOFX – Da hilft weder Arzt noch Apotheker!

 

OCBoddity 207: TOP-10-Alben 2011 (30.12.2011)

OCB hat seine TOP-10-Alben 2011 gewählt und schließt mit einer Sondersendung (zum ersten Mal OCBoddity an einem Freitag) das Jahr ab. Dabei präsentiert OCB – wie aus den letzten Jahren gewohnt – keine ohnehin müßige Rangliste, keinen hysterischen Countdown, sondern allein das Top-Album 2011 wird besonders (durch drei Tracks daraus) herausgehoben. Eine Sendung voller Sieger aus einem – rockgeschichtlich gesprochen – eher unspektakulärem Jahr, diese jedoch sollten in keiner wohlsortierten Musiksammlung fehlen! !

PLAYLIST
The Decemberists, Down by The Water aus The King is Dead
R.E.M., Überlin aus Collapse Into Now
Elbow, Neat Little Rows aus Build A Rocket Boys!
Blitzen Trapper, Might Find It Cheap aus American Goldwing
Joseph Arthur, Over The Sun aus The Graduation Ceremony
Feist, The Bad In Each Other aus Metals
Tom Waits, Bad As Me aus Bad As Me
Iron & Wine, Rabbit Will Run aus Kiss Each Other Clean
The Leisure Society, Dust On The Dancehall aus Into The Murky Water
und die Nummer 1
PJ Harvey, Let England Shake, All & Everyone und The Glorious Land aus Let England Shake

Zum Nachhören

OCBoddity 206 (26.12.2011)

Das Jahr 2011 ist zu Ende und OCB nimmt die Qual der Wahl der 10 besten Alben des Jahres auf sich. Und schnell zeigt sich, dass es kein herausragendes Rock-Jahr war und dass so die Liste der Alben, die’s nicht unter die Top 10 geschafft haben, deutlich länger ist …
Die „Gescheiterten“ finden neben brandneuen Songs (von The National, Clap Your Hands Say Yeah, Los Campesinos! und My Brightest Diamond) aus Rock, Pop und Indie Platz in der 206. Ausgabe (26.12.), die „Sieger“ des Jahres zieren dann die 207. Ausgabe (30.12.) von OCBoddity

PLAYLIST
The Features, Golden Comb
Los Campesinos!, Hello Sadness
Clap Your Hands Say Yeah, Hysterical
Real Estate, It’s Real
Red Hot Chili Peppers, Annie Wants a Baby
The Black Keys, Hell Of A Season
My Brightest Diamond, High Low Middle
Sade, Love Is Found
Kate Bush, Wild Man
Bon Iver, Calgary
The National, Rylan
Fleet Foxes, Bedouin Dress

Zum Nachhören

AIDS

Danijela und Katerina reden über AIDS  und  den 01. December Der Weltweit Anerkannte AIDS-Tag ist.
Danijela i Katerina razgovaraju o Sidi i o 01.decembru kao svetskom danu side.

OCBs Alternate Christmas (Parts III & IV)

Immer noch die Nase voll von Last Christmas und War is over? OCB hat nochmals zwei Sendungen Alternate Christmas III & IV parat, um dagegen zu helfen! Diese sind wie gewohnt garantiert frei von nervigen Ohrwürmern und erlauben entspannende Momente ohne Horrorvisionen von übervollen und nervtötend beschallten Einkaufszentren vor Augen! Einfach anhören oder downloaden und jetzt schon gelassener auf Weihnachten 2012 zugehen! Und OCB wünscht besinnliche Tage!

OCB’s Alternate Christmas III
Julian Casablancas, I Wish It was Christmas Today
Over The Rhine, Darling Christmas Is Here
Je Suis France, Baby, Please Don’t Get Stoned (It’s Christmas)
Christ Garneau, It’s Almost Christmas
Ben Folds Five, Bizarre Christmas Incident
The Hush, Wishing You A Happy Christmas
Sufjan Stevens, Put The Lights On The Tree
John Cale, Child’s Christmas In Wales
Poe, Grandmother Got Run Over By A Reindeer
Best Coast & Wavves, Got Something For You
Matt Pond PA, Snow Day
Robert Earl Keen, Happy Holiday Y’All
Simon & Garfunkel, Silent Night / Seven O’Clock News
Carter USM, Lonely This Christmas
Feist, Lo, How A Rose E’re Blooming
Travis, River
Belle & Sebastian, Are You Coming Over For Christmas
Snow Patrol, Just Like Christmas
Coldplay, 2000 Miles
Badly Drawn Boy, Donna And Blitzen

OCB’s Alternate Christmas IV
Paul Simon, Getting Ready For Christmas Day
Rufus Wainwright, Spotlight On Christmas
Leona Naess, Christmas
Sufjan Stevens, That Was The Worst Christmas Ever
Robbers On High St., Seasons Greetings
Declan O’Rourke, Christmas Wine
Neko Case, Christmas Card From A Hooker In Minneapolis
The Youngsters, Christmas In Jail
Richard Hawley, Silent Night
The Three Wise Men (aka XTC), Thanks For Christmas
Bright Eyes, God Rest Ye Merry Gentlemen
Camera Obscura, Happy New Year
Glam Chops, Baby Jesus was The First Glam Rocker
Regina Spektor, My Dear Acquaintance (A Happy New Year)
Fleet Foxes, White Winter Hymnal
The Garlands, Christmas Song
Sufjan Stevens, Only At Christmas TIme
She & Him, Have Yourself A Merry Little Christmas
Martha Wainwright, Merry Christmas And A Happy New Year

OCB’s Alternate Christmas III
OCB’s Alternate Christmas IV
Parts I & II

Schluss mit Textase

Podcast/Download: DAS LETZTE ARTARIUM (des heurigen Jahres) vom 25. Dezember: Christopher Schmall und Norbert K.Hund zelebrieren die etwas andere Weihnachtsfeier der Perlentaucher – mit stimmungsvoller Musik und schrägen Textbeiträgen – in Gestalt einer spontanen Nachtfahrt-Miniaturausgabe. Allerdings wollen wir nach nunmehr gut einem Jahr ersprießlicher Zusammenarbeit endlich einige inhaltliche Schwerpunkte der Artarium-Reihe neu bestimmen. Also feiern wir diesmal auch Abschied – und brechen zugleich wieder auf zu neuen Ufern. Natürlich, wie immer: Das Leben!

Was soll denn nun eigentlich so dramatisch neu werden? Müsst ihr euch in Zukunft gar vor uns fürchten? Aber ja doch, aufs Angenehmste! Denn der Meister des aushängigen Empfindens und der diplomierte Fettnäpfchentreter werden forthin genau das tun, was sie am besten können: Alle Themen noch mehr im eigenen Erleben spiegeln.

Aber sind wir nicht ohnehin genau dafür bekannt, dass wir unsere Sendungen sehr subjektiv und emotional gestalten? Ja, schon – aber trotz all der atmosphärischen Individualität, die wir dieses Jahr vor allem in den Nachtfahrt-Perlentaucher-Sendungen angewendet haben, berichten wir im Artarium immer noch viel zu sehr von Personen und ihren Produkten. Und was soll daran schlecht sein? Erstens, dass man diese Art von Magazin-Journalismus mit der Zeit von uns erwartet. Und zweitens, dass es keine kreative Herausforderung für uns bietet, in gewohnten Formen zu arbeiten, die es außerdem so ähnlich bereits x-mal in der Kultursparte gibt. Also werden wir die Gestaltung des etwas anderen Kunnst-Biotops mehr an unseren künstlerischen Interessen und unserer persönlichen Wesensart ausrichten…

Wir wollen also im kommenden Jahr weniger berichten, dafür aber mehr erzählen. Unsere Themen und Gäste sollen noch unmittelbarer mit unseren Innenwelten verbunden sein. Die Sendungen werden jedenfalls ein gemeinsames Erlebnis darstellen, auch in Form von Expeditionen und Experimenten. Und den Begriff „Kunnst“ im Sinn von Ausdruck, Möglichkeit und Überleben, den müssen wir noch viel weiter fassen. Schließlich geht es uns darum, unsere Eindrücke gemeinsam mit euch zu verdichten, so dass etwas für uns alle Inspirierendes dabei entsteht. Nennt es, wie ihr wollt, am besten aber gar nicht!

Auf jeden Fall FROHE FEIERTAGE und EIN GUTES NEUES JAHR! Wir sind ein geiles Institut. Und wir haben noch lange nicht genug.  😀  Bitte. Danke.

 

Spitz die Ohren, Mini Andrä im Jänner: verspottet und blöd angemacht

Ärgern, niedermachen, anmotzen. Hänseln, schwach anreden, aufziehen. Blöd anquatschen, nachmachen, ausspotten.

traurig und einsam

verspottet und blöd angemacht. bild von flickr.com/bildbunt

Es gibt viele Wörter für diese Sache.

Sie passiert auf dem Schulweg, in der Pause und in der Freizeit. Manche machen es allein, andere tun sich dafür mit anderen zusammen.

Egal, wo, wann und wie oft: wer dem Opfer keine Chance lässt, sich zu wehren, der mobbt.

Aber Kinder sollen es gut haben! Das ist das Wichtigste auf der ganzen Welt. Seit mehr als einem Jahr sind die Kinderrechte der UNICEF auch in Österreich endlich Gesetz. Mit unserer Sendung rufen wir besonders zur Einhaltung des Artikels 19 auf: keine Gewalt.