Battle&Hum#112

Samstag 19.06.2021 (Stairway zum Nachhören)

Wir lassen Züge entgleisen und die Glocken läuten! O.B.X.T. von Trains&Bells ist heute zu Gast, da fährt der Zug drüber.

the playlist:

O.B.X.T. ’s Covernauten:

  • 1. Age of chance (kiss crush collision) – kiss
  • 4. Nick Cave & the Bad Seeds (kicking against the pricks) – all tomorrow’s parties

 

MC Randy Andy’s Plagiatoren:

  • 1. Ostbahn Kurti & die Chefpartie (a blede gschicht….oba uns is wuascht) – bertl braun
  • 4. Johnny Cash (american IV: the man comes around) – hurt

 

DJ Ridi Mama’s Übermalungen:

  • 2. Death (…for the whole world to see ) – rock-n-roll victim
  • 4. Cari Cari (FM4 live studio session) – sabotage

“Heimat ist da, wo man sich aufhängt.“ (Franz Dobler)

Erich Mühsam Requiem

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 13. Juni – Inzwischen beinah regelmäßig einmal im Monat präsentieren wir im Rahmen der Reihe “Das ganze Album” jeweils ein ganz spezielles Ohrwerk, das unserer Meinung nach gehört gehört. Dazu bringen wir dieses Mal das Vermächtnis mehrerer “Unbequemer” (endlich wieder) zu gefälligem Gehör: “Ich lade euch zum Requiem” Eine Hommage an den anarchistischen Dichter und Freiheitskämpfer Erich Mühsam – gemeinschaftlich zubereitet von Dieter Süverkrüp und Walter Andreas Schwarz. Ein lebenslang linker Liedermacher, dem wir Titel wie “Der Kapitalismus, ein eiserner Engel scheißend Bomben und Napalm” verdanken, und ein KZ-überlebender Hörspielautor, der 1956 beim allerersten Eurovisions-Grand-Prix mit “Im Wartesaal zum großen Glück” das deutsche Nachkriegsidyll torpedierte,

Erich Mühsamsie würdigen hier einen, der immer und überall auszog, um sich selbst treu zu bleiben. Das kann nur dicht werden im besten aller Sinne! Die 31 auf diesem Album versammelten Sprechtexte und Vertonungen des unendlich vielfältigen Erich Mühsam bieten einen tiefen Einblick in Leben und Werk dieses Revolutionärs und Pazifisten, der seine Idee von der herrschaftsfreien Gesellschaft im deutschen Kaiserreich, im ersten Weltkrieg, in der Räterepublik in München und in der sogenannten Weimarer Republik ständig weiter entwickelte – bis ihm 1934 die Grausamkeit des Nazi-Terrors den Garaus machte. Er wurde im KZ Oranienburg auf bestialische Weise beinah zu Tode gefoltert – und anschließend von den SS-Schergen im Scheißhaus erhängt. Apropos Scheißhaus: Ich scheiß dir ins Geschichtsbuch, Gauland, du Vogel! Zurück zu Erich Mühsam – und was die Umstände seines Todes betrifft, war sein Name (tschuldigung) Programm – man legte ihm nämlich nahe, dass er sich gefälligst selbst umbringen möge. Darauf soll er gesagt haben: “Die werden nicht erleben, dass ich mir das Leben nehme.”

Gedenktafel Erich MühsamErich Mühsam war ein Mensch, der seine Stimme bis zuletzt für den Wert jedes einzelnen Lebens wie für das Leben an sich erhob. Sein Tod ist tragisch und ein viel zu früher Verlust. Über seinen so wie er zur Unzeit aus dem Leben gemordeten Mitstreiter Gustav Landauer sagte er in einem Brief:

“Du hast deinen Menschen herausgeschrien, und es ist ein wertvoller Mensch.”

Von seiner Hoffnung, auch über den Tod hinaus, zeugt ein Gedicht, das Konstantin Wecker in der Sendungs-Signation vorträgt: “Sei’s in Jahren, Sei’s schon morgen”

Sei’s in Jahren, sei’s schon morgen,
dass das Glück sich wende,
einmal nehmen Leid und Sorgen
sicherlich ein Ende.

Mensch, vertraue deinem Wollen,
wirk es aus zu Taten!
Ströme fließen, Wolken rollen,
Frucht entkeimt den Saaten.

Über Nöten und Gefahren
wird die Freude thronen.
Sei’s schon morgen, sei’s in Jahren
oder in Äonen.

 

PS. Eine kurze Biographie zu Erich Mühsam mit Schwerpunkt auf seine überaus vielfältigen Unternehmungen, Bekanntschaften und Liebesabenteuer. Gute Reise!

 

Oboe


(c) Hustvedt

In der Reihe der Tuning Up „Instrumentenkunde“ wird diesmal die Oboe vorgestellt, die zwar sehr stark aber nicht nur im Bereich der klassischen Musik verankert ist. Musik von Albinoni, B. A. Zimmermann, Nick Drake oder Ustad Bismillah Khan.

Nachzuhören unter: https://cba.fro.at/503032.

Das ist doch nicht normal

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 9. Mai – Das Gesunde Volksempfinden ist wieder da! Die Entscheidung darüber, was normal (und daher erlaubt) ist, wurde an den Volksgerichtshof der Sozialen Medien ausgelagert. Fürderhin urteilt Richterin Shitstorm darüber, was geht – und was ganz sicher nicht. Solches dem schnöden Pöbel dann auch noch als demokratisch zu verkaufen, das riecht nach Stephen Bannon und den Neuen Rechten. Deren Strategie heißt: Flood the Zone with Shit! Und die breite Masse besorgt sichs selbst. So schnö kaust goa ned schaun”. Da wird gejubelt und vernichtet wie bei den Gladiatoren. Das ist doch nicht normal! Was jetzt? Sprechen sie Sprache? Können sie Kontext? Gibt es nicht sowas wie Übertreibung als Stilmittel? Scherz? Satire gar? Ironie und tiefere Bedeutung?

Das ist doch nicht normalDerzeit haben es sogar Menschen mit Kommunikationshintergrund nicht leicht, ihre Aussagen ins Ziel des Verstandenseins zu bringen, bevor irgendeine Meinungsflut sie nach völlig Woandershin umlenkt. Noch viel schwerer haben es aber jene Menschen, die aufgrund einer schon vorhandenen Überflutetheit durch innerseelische Vorgänge gar keine Möglichkeit zu so etwas wie regelkonformer Ausdrucksweise mehr haben. Sie sind auf unser aller Verständnis der jeweiligen Situation wie deren Begleitumstände angewiesen. Und bekommen sie das auch – etwa wenn sie vor Gericht stehen? Da treffen sie nur allzu oft auf Richter oder Richterin Gnadenlos und werden flugs in den Maßnahmenvollzug abgeschoben. Potentiell lebenslänglich. Like, Dislike, erledigt, R. Ächzstaat. Du sollst normal sein. Abweichler an die Wand! Wir wenden uns daher lieber der “experimentellen Psychose” zu, wie sie im Rausch, in der Kunst, überhaupt im Exzess (und sei der auch noch so leise) anzutreffen ist.

Der bekannte deutsche Raptilienforscher Danger Dan (Antilopen Gang) hat, ganz in der Tradition des großen Satirikers Georg Kreisler, einen Beitrag zur Kunstfreiheit gestaltet, den wir euch ungeachtet der zu erwartenden Online-Meinungsrülpser nicht vorenthalten möchten. Und ich wär nicht wirklich Norbert K.Hund, wenn ich nicht Lust hätte auf ein Publikum, das die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten ist, als Einladung versteht, dies auch zu tun

Satire ist, die Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit zu entstellen. Das linke Hosenbein ist weiter, hat ein weiser Schneider gesagt (oder wer auch immer). Im Namen des Wahnsinns, sie sind verhaftet! Sie haben zu laut und zu weit gedacht. Verzieren wir die Apokalypse mit einer dezenten Provokation. Pro-vocare, das heißt hervor rufen”. Das ist doch ein geeigneter roter Faden für dieses querassoziative Sammelsurium zum neoliberalen Status Quo. Dankwart ist Tankwart. Exzentrisch betrachtet.

 

Musik aus Bulgarien


https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8375596

Tuning Up diesmal mit Musik aus Bulgarien – traditionellen Chorgesängen, virtuosen Klängen der Kaval-Flöte, klassischen Klavierstücken oder Fusionklängen mit traditionellen Rhythmen und tanzbaren beats.

Nachzuhören unter: https://cba.fro.at/494737.

Rosa Resonanz

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 28. März – Bei unserer Beschäftigung mit der Überlebenskultur – in diesen Zeiten der pandemiebedingten Einschränkungen, in denen auch viele vertraute Formen unseres gewohnten Austauschs miteinander still gelegt sind – entdecken wir immer wieder Themen und Inhalte, deren Aneignung wir entschieden vielversprechend finden. Wenn es für “jegliches” eine geeignete Zeit gibt, dann ist die gegenwärtige, von vielen oft als mühselig, langweilig und leer empfundene, doch genau die richtige, sich schon jetzt mit kraftvollen Konzepten für die nächste Runde im Weltgedümmel der Wahnsinnigen auszurüsten. Oder sich mit einer geistig-seelischen Schutzimpfung gegen das Virus der Vernutzzweckung zu wappnen. Ein solches Mittel finden wir im Begriff der Resonanz bei Hartmut Rosa.

ResonanzDer Professor an der Universität Jena und Leiter des Max-Weber-Kollegs in Erfurt veröffentlichte unter anderem ein Buch mit dem Titel “Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung”, auf das wir uns in dieser Sendung beziehen. Einige der üblichen akademischen Schachterlscheißer (Was ist ein Korinthenkacker und geht es ihm nicht eigentlich um den Machtkampf der Definitionen?) lehnen den Resonanzbegriff nach Hartmut Rosa wegen seiner “umfassenden Herleitung” als “beliebig” und “für einen sozialphilosophischen Grundbegriff zu unpräzise” ab. Pardon, doch da muss ich  jetzt noch einmal auf den Begriff des Korinthenkackers eingehen: “Sobald ihn der Stuhldrang affiziert, eilt er in sein Hirn und scheißt Sessel aus Sperrholz.” Eine irgendwie trockene Angelegenheit – wogegen Hartmut Rosa diesbezüglich oft von einer “Verflüssigung des Verhärteten” spricht. Die chronische Verstopfung ist eben in vielerlei Hinsicht ein Symptom von patriarchalen Hierarchien. Gesundheit!

Als Einstieg in die Materie empfehlen wir seinen erfrischend präzisen und dabei doch flüssigen Vortrag “Sinnsuche und Resonanzbedürfnis” aus der SWR-Reihe Teleakademie. Unter einer weiteren Fülle von Vorträgen und Gesprächen, die auf YouTube unter den Stichwörtern Hartmut+Rosa+Resonanz auftauchen, findet sich auch ein Interview, das Carsten Rose von Radio F.R.E.I. in Erfurt unter dem Titel “Steigerungslogik bringt stumme Weltverhältnisse – Resonanzmomente mit Hartmut Rosa” publiziert hat – und dem er ein Zitat von Hartmut Rosa voranstellt:

 

             “Die entfremdete Welt ist kalt, leer, bleich und bedeutungslos.”

 

Battle&Hum#111

Samstag 20.03.2021 (Stairway zum Nachhören)

Spring Break in Battlehum, bindet euch die Bikinioberteile um die Ohren!

the playlist:

MC Randy Andy’s Bikini’s:

  • 1. Mickey ft. Kerosin95 (single) – alle up
  • 2. Arbeiterchor ( ) – Arbeiter von Wien
  • 4. Chika (industry games) – industry games

DJ Ridi Mama’s Bräunungscreme:

  • 3. Allyawan & Eek-A-Mouse (single) – smugglaren
  • 4. Dr. Dre (the chronic) – rat-tat-tat-tat

“Vernünftig ist wie tot. Nur vorher.” (Grafiti)

Tuning Up 100

Tuning Up – die Musikbox mit Reflektor(h)ren ging das erste Mal im Herbst 2014 on air. Ein Thema – möglichst viele unterschiedliche musikalischen Genres. Das war das Konzept dazu. Heute wird nun die 100. Sendung von Tuning Up in den Äther geschickt.
Live – aus dem Studio – mit Erik und Paul.
Als besonders Thema wird heute enthüllt, was sich alles in der Signation von Tuning Up verbirgt – beginnend beim spannungsgeladenen, gefährlich anmutenden Tremolo bis zum abebbenden kleinen Aufbäumen am Schluss. Traditionelle ethnische Musik, Jazz, Alte und Neue Musik, Rock, Pop etc. sind die Bestandteile einer typischen Reflektor(h)ren-Sendung.
Wer sich mit uns auf die Reise machen will durch die mannigfaltige Landschaft des Hörbaren (und Unhörbaren) ist eingeladen mitzukommen.  
Nachzuhören unter:
Viel Vergnügen!