Lost & Found Lyrics & Songs

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 25. Oktober – In welche Richtung fließt der Fluss der Zeit? Bilddenkmenschen verfügen ja über erstaunliche Fähigkeiten: Sie können in ihrer Phantasie die Geschwindigkeit des Zeitablaufs verlangsamen oder beschleunigen. Sie können in die jeweilige Sequenz hinein oder aus ihr heraus zoomen. Und sie können den ganzen Film auch an jeder beliebigen Stelle anhalten und ins Einzelbild hinein gehen. Man kann es drehen und wenden wie man will … und das können sie natürlich auch … eine inwendige Kameradrohne gepaart mit der Lust auf fortwährenden Perspektivwechsel ist keine Lernbehinderung, sondern eine Begabung, die wahrlich nicht jedem gegeben ist. Wollen wir also heute einmal zwei Zeitströme in einander entgegengesetzte Richtungen fließen lassen …

Lost & Found Lyrics & Songs

Am Almkanal – Foto: Ben-Luca Malzer

“Found Lyrics” wäre ein guter Titel dieses Sendungsversuchs, denn um das Wiederentdecken von längst erledigt Geglaubtem ist darin ein Reden und ein Hören und, zumindest was mich betrifft, auch ein Staunen. In Momenten zwischenmenschlicher Resonanz entstehen neue Sichtweisen auf das, was wir zu kennen meinen, von dem wir zu wissen glauben, wie es heißt, wozu es da ist und wie wir damit umgehen (sollen). Sichtweisen … sie umfassen in unserem Fall natürlich auch Hörgewohnheiten … wir hatten doch mal diesen Claim: “Ihre Ohren werden Augen machen” … sowie das ganze Spektrum von möglichen Sinneserfahrungen. Mein Neuland für diesen Versuch ist das Frühwerk von Pink Floyd (also alles, was vor der Trennung von Roger Waters zustande kam), verbunden mit den erstaunlichsten Entdeckungen der abgründig vielschichtigen Poesien in ihren Texten. “Found Lyrics” … soweit ist alles klar. Das alles regt mich dazu an, die Resonanz von Text und Musik hier auch noch einmal ganz anders zu untersuchen.

“berühren” … das ist das Wort, mit dem die Beschreibung gelingt. Sowohl von dem, was sich zwischen zwei Menschen, als auch von dem, was sich zwischen zwei Medien ereignet. Zwei verschiedene Transportgefäße, deren äußerste Verzweigungen die äußersten Verzweigungen des jeweils anderen “berühren”. Dazwischen ist das, was geschieht. Was entsteht. Was in ein zuvor nicht Dagewesenes übergeht. Aus dem ein Gemeinsames wird. Linda Sensenberger hat diesen zugleich aktiven wie passiven Vorgang, Zustand, Übergang in ihrem ersten Roman behutsam genug beschrieben:

 

“Leos Haarspitzen berühren meine Fingerspitzen. Meine Fingerspitzen berühren Leos Haarspitzen.”

 

Peter Gabriel nennt diesen Resonanzraum menschlicher Nähe “The Secret World”

 

Die in dieser Sendung zu hörenden Texte von Christopher Schmall und Norbert K.Hund entstammen den Sendungen Erlesene Kreationen (“Editorial mit Bernd und Maurice” ab 33:05 und “In Resonanz” ab 02:43:34) sowie Sarajevo, nicht nur 1914 (“Letzter Wille” ab 22:18) bzw. Das lyrische Wir – Tenebra (“Letzter Wille” in Musik von Maik & Pirmin Styrnol ab 18:43).

 

IN RESONANZ

 

Battle&Hum#165

Samstag 17.10.2026 (Stairwas zum Nachhören)

Schnell, kurz und laut, willkommen am Punkerhof!

 

DJ Ridi Mama’s Punker:

  1. Misfits (collection 2) – last caress
  2. Bad Religion (recipe for hate) – american jesus
  3. ZSK (herz für die sache) – antifascista
  4. The Exploited (fuck the system) – fuck the system

 

MC Randy Andy’s Anarchisten:

  1. The Jesus Lizard (down) – fly on the wall
  2. Dead Pioneers (same) – bad indian
  3. Franz Fuexe (>musik) – everybody linksextrem
  4. Minor Threat (first two seven inches) – steppin‘ stone

 

Well, I don’t use the toilet much to pee in. I almost always pee in the yard or the garden, because I like to pee on my estate. (Godfather of Punk, Iggy Pop)

 

 

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Immanuel Kant im Café Bazar

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 18. Oktober – FRAGE: “Werden sie von ihren Kindern noch um Rat gefragt?” FAKT: “Laut Studien fragt nur noch die Hälfte der Kinder und Jugendlichen ihre Eltern, Lehrer oder andere nahe Erwachsene um Informationen oder um Rat bei all den Fragen, die das Erwachsenwerden so mit sich bringt.” GEDANKE: “Wie entwickelt sich eine Gesellschaft, deren nächster Angehöriger ein stochastischer Papagei, eine kalt berechnende Wahrscheinlichkeits-Software ist?” Solcherart kluge Überlegungen entnehmen wir dem Programmheft zur Salzburger Erstaufführung von Thomas Bernhards Immanuel Kant, wie gewohnt vielschichtig inszeniert von Cassandra Rühmling. Eine weitere Spezialität dieser Umsetzung zum 95. Geburtstag des Autors ist seine Salzburger Spielstätte: Das Café Bazar.

Immanuel Kant im Café Bazar by Foto FlausenWir konnten schon vorab einige Details dieser ungemein spannenden und zugleich visionär zeitgemäßen Inszenierung in Erfahrung bringen … und wollen jetzt in der Sendung dem gedanklichen Schwerpunkt der “transhumanen Unsterblichmachung durch künstliche Intelligenz” im Gespräch mit der Regisseurin noch näher kommen. Oder es zumindest versuchen, so wie sie uns die Arbeitsweise von und mit Thomas Bernhard beschrieben hat, “eine Reduktion der gedanklichen Essenz” durchzuführen. Es gibt nun einmal Menschen, die Eindrücke wahrnehmen, welche den meisten anderen gar nicht erst auffallen, und die sich aufgrund ihrer Gehirnstruktur (oder was auch immer) mit nichts anderem beschäftigen, als aus all diesen auf sie einwirkenden Informationen wiederum Zusammenhänge herzustellen. Und diese “weiter gefassten Spannungsbögen” oder eben auch “übergeordneten Zusammenhänge” gehören unbedingt dargestellt sowie allen Menschen zugänglich gemacht, zumal sonst ein wesentlicher Beitrag zur individuellen persönlichen Freiheit einfach fehlen würde … Cassandra, was ist bei deiner Arbeit an “Immanuel Kant” zu deinem Lieblingssatz geworden? … “Jedes Leben ist von der größten Tragweite.”

Im Programmheft heißt es außerdem: “Als Thomas Bernhard 1989 starb, gab es KI bestenfalls als feuchten Traum ambitionierter Science-Fiction-Autoren. Aber der große Dramatiker war immer gut darin, gesellschaftliche Entwicklungen aufzuspüren, vorauszusehen und sie gnadenlos zu kritisieren bzw. sie zur Kenntlichkeit zu entstellen.” Dazu fällt mir jetzt als anregende Weiterführung die bekannte TV-Serie Babylon Berlin ein. In der 3. Staffel kommt der Film “Dämonen der Leidenschaft” vor … Sein fiktionales Drehbuch speist sich aus durchaus realen Konzepten …

 

Man wird sehen.

 

Roter Punktober

Battle&Hum #165 am Samstag, 17.10.2025, 22:00 Uhr, diesmal mit Sicherheitsnadeln!

Wenn ich an Düsseldorf denke, erscheint vor meinem Auge der Erinnerung eine gemütliche biedere Vorstadtsiedlung mit Ribiselsträuchern (für die deutschen Mitleser:innen: Johannisbeeren) und Thujenhecken. Das Phantasialand ist auch ums Eck und schreit „escape from reality“, aber das sind meine persönlichen Kindheitserinnerungen von Verwandtschaftsbesuchen in der 1980er Jahren. Vom Ratinger Hof hat mir meine Tante damals nichts erzählt. Gut, es war das Jahr 1983 und ich erst acht Jahre alt, und der Ratinger Hof lag schon röchelnd am Boden.

Düsseldorf war in den späten 70ern mal das Epizentrum der deutschen Punkbewegung (Berlin, Hamburg und Hannover haben natürlich auch eine Rolle gespielt aber in Düsseldorf hat die Erde gebebt). Wer hätte das gedacht! Legendäre Bands wie: S.Y.P.H., Mittagspause/Fehlfarben, Male, Östro 430, DAF, Die Toten Hosen und viele mehr, feierten ihren Geburtstag im Hof. Was das CBGB’s in New York für die Punkgeburt war, war der Ratinger Hof für Deutschland. Die Berliner Kneipe Risiko, wo Blixa Bargeld hin und wieder hinter der Budel gestanden ist, sei hier nur der Vollständigkeit halber (was für ein Konstrukt, da soll es voll sein und ist doch halber…..;) erwähnt.

Wien läuft hier unter ferner liefen, da kam nicht wirklich was Relevantes daher, eher tote Hosen, ha ha. Nein, ja, die sind aus Düsseldorf! Obwohl ganz am barocken Perückenmief erstickt war Wien auch wieder nicht, die Bands und Musiker Chuzpe, Drahdiwaberl, Ronnie Urini (wegen dem Kampfnamen warads) und Blümchen Blau (das geht dann schon ins nachfolgende Genre NDW und ja, die Neue Deutsche Welle, kommt direkt aus der Punk Bewegung, siehe auch New Wave in England) seien hier zur Rettung der gerne beleidigten österreichischen Leber, Seele und Wurst niedergeschrieben. Zu Wien fällt mir kein fruchtbares Szenebeisl ein. Halt! Da war ein Kulturzentrum Gassergasse wo sich die eine oder andere Band auch ein Stell dich ein gaben. Sogar in Salzburg brodelte es, allerdings erst Anfang der 90er Jahre, das so genannte Punkerhaus wurde besetzt und zu einem autonomen Kulturzentrum umgemodelt. Mich laust der Affe, wir haben mit Norbert K Hund einen Zeitzeugen und Mitwirkenden unter uns Radio-aktiven.

Österreich (fast hätte ich die Linzer Szene vergessen, die war auch nicht ganz schwach auf der Brust, ich sag nur Willi Warma, Fuckhead, Attwenger) ist halt wie immer etwas langsam und behäbig und macht es sich mit Kaiserschmarrn und Peter Alexander gemütlich. Der Kreissaal des deutschen Punkkindleins bleibt aber der Ratinger Hof. Hebamme war vielleicht Joseph Beuys der an der Düsseldorfer Kunstakademie in den 70er den Professor gab. Die ganze Akademie verkehrte im Ratinger Hof. Dazu passte auch Beuys Motto: „Jeder ist ein Künstler“. Die Punkmaxime postuliert ähnliches: Do it yourself/Einfach machen. In Düsseldorf bekommt jeder sein Fett ab.

Ich will hier jetzt nicht die 1000ste Eloge bzw. Deutung in Stein meißeln, was Punk ist und wie wir ihn zu verstehen haben. Nein, diese Schubladen auf und zu Macherei kann uns gestohlen bleiben, so ein Rotz. In meinem jungen Hirn, in den auslaufenden 1980er, abgeschnitten von der Außenwelt in Schärding am Inn, pochte immer etwas. Damals konnte ich das nicht verbalisieren aber heute kann ich es halbwegs, es war ein Drang (nein, nicht aus der Leibesmitte, ich sag doch Hirn), eine Sehnsucht: „Es muss doch was geben!“ Etwas dass die Lügen hinwegfegt, die Heldendenkmäler zertrümmert. Bloß den Rockzipfel der Mama loslassen reicht nicht, die Schürze muss zerreißen und die ungewaschenen Socken müssen einem um die Ohren fliegen. Mit Punk fliegt man beim Pogo aus dem Nest und speit der Bourgeoisie ein „A“ aufs Trottoir. Auch ich hatte mit jungen Jahren einen „Iro“ und trinke jetzt mit 50, aus einem Gmundner Keramik Service Kaffee während ich in der Brigitte blättere. Punk ist Emanzipation!

Battle&Hum nährt sich ja aus einem Rap/HipHop Gründungsmythos. „Eigentlich ist das ja eine Rap Sendung!“ pflegt DJ Ridi Mama gerne zu sagen. Aber der Punk liegt uns genauso am Herzen, noch dazu handelt es sich bei den zwei Genres Punk und Rap/HipHop um wesentliche Musik Erneuerer des sterbenden 20 Jahrhunderts. Freilich so schnell wie sie da waren wurden sie auch gleich von der Musikindustrie aufgeblasen, ausgelutscht und ausgespuckt. Das hindert uns nicht daran den alten rebellischen Geist wieder zu beschwören und ihn aus der Flasche zu leeren. Wir waschen hinweg die Dogmen der Welt. Am Samstag den 17.10.2026 ab 22: 00 sagen wir hey ho, lets go! Biltzkrieg Bop!

The Dark Side Of The Moon

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 11. Oktober — Zum 50. Jubiläum? Eines im Jahr 1973 erstmals erschienen Albums? Heuer? Nun, bei diesem im wahrsten Sinn epochemachenden Kapitel der Musikgeschichte soll in unserem Fall auch meiner persönlichen Erstbesteigung – besser gesagt Erstbehörung – im Jahr 1976 gedacht werden. So wie jedweder erstmaligen Begegnung mit diesem Stück musikalischen Selbstausdrucks, das jedesmal und für jede(n) eine Tür zu einer bislang so noch nie betretenen Welt öffnet. “The Dark Side Of The Moon” von Pink Floyd war das erste Konzeptalbum, bei dem die erzählte Geschichte sowie ihre klangliche Umsetzung eine vom Anfang bis zum Ende ineinander übergehende Einheit bildeten, dass die Assoziation mit den zwei Seiten des besagten Himmelskörpers unvermeidlich ist …

Pink Floyd - The Dark Side Of The MoonOder sind es gar drei Seiten? The Bright Side (Vollmond), The Dark Side (Neumond) sowie “Another Dark Side” (The Far Side of the Moon), nämlich die Rückseite des Mondes, die wir von der Erde aus nie zu Gesicht bekommen? Bei der psychologischen Vielschichtigkeit der auf diesem Album vermittelten Gedanken und Gefühle und bei all seiner musikalischen Komplexität drängen sich doch jede Menge an weiterführenden philosophischen Betrachtungen auf, die wir zuerst einmal jedem einzelnen System, das diese außergewöhnliche Erlebniswelt bereist, sowie seiner ganz individuellen Sicht zum Weiterspinnen überlassen wollen … Gemeinsam mit Ben-Luca Malzer, der mit diesem Album auf einem anderen Weg als ich in Berührung gekommen ist und dabei doch sehr ähnliche Erfahrungen gemacht hat (eine Tür öffnet sich und ein neuer Raum will betreten werden), entdecken wir das immer gleiche Phänomen des “in Resonanz Gehens” mit einer neuen Welt – einem Musikwerk der Extraklasse, das schon bei seinem ersten Erscheinen die Welt der Wahrnehmung verändert hat.

Dabei bleiben sowohl die äußeren, formalen Entwicklungsschritte der Band hin zu diesem wirklich bewusstseinserweiternden (Zeitzeugen bestätigen dies) Meisterwerk – etwa das Cover-Artwork von Hipgnosis oder die Entstehung des Gesamtsounds und “Echoes” – wie auch persönliche und gesellschaftliche Bedingungen – etwa Roger Waters‘ Verlusttrauma oder die allgemeine Depression nach den weithin als unvollendet empfundenen Aufbrüchen der späten 1960er Jahre – nicht unerwähnt. Der gemeinsame Nenner ist und bleibt, sich mit allen Sinnen darauf einzulassen.

 

Oder eben: “All you need is love … und genau so is es a.”

 

Takeshi’s Cashew

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 27. September – Dass es hier in nächster Zeit die eine oder andere musikalische Neuentdeckung zu erleben gibt, das hat sehr viel mit Hans Webersdorfer zu tun. Besser gesagt mit der nach ihm benannten Straße im Süden Salzburgs. Dorthin werde ich nämlich jetzt eine Zeit lang unterwegs sein. Und wenn man sozusagen “auf Reisen” ist, dann nimmt man ganz andere Eindrücke mit von dieser Welt, die da an einem vorüber zieht. Und man “sieht” auf einmal Details, “entdeckt” dahinter verborgene Geschichten und “erzeugt” (oder mediopassiv, es entstehen in einem) neue Verknüpfungen und Zusammenhänge, auf die man sonst nie gekommen wäre … Der kongeniale Soundtrack zu diesem Roadmovie kommt heute von Takeshi’s Cashew und heißt “Enter J’s Chamber”. Fare well, my love!

Takeshi's MahnmalIn der Hans Webersdorfer Straße steht ein eigenartiges Denkmal, das aus lauter Arbeitshandschuhen zu bestehen scheint. Bei näherer Betrachtung stellte sich mir die Frage, wie “die” das so derartig realistisch hingekriegt haben als Bronzeguss und so … Wie es der Zufall (oder die Regie des Lebens) haben will, traf ich kurz darauf einen Freund, der mir erzählte, dass er mit dem Schöpfer dieses Kunstwerks namens Benjamin Zsak gemeinsam die Bildhauer-HTL in Hallein besucht und sogar noch bei der Herstellung der Gussform mitgewirkt hat. Frage findet Antwort! Darüber hinaus erfuhr ich von ihm, dass besagter “Benji” nicht nur Banjo spielt, sondern auch Bass bei einem international erfolgreichen Musikprojekt namens Takeshi’s Cashew. Und deren Musik, die er mir nach unserem ersprießlichen Gespräch noch hinterher schickte, die berührt mich auf so ungewohnt angenehme Weise, dass ich sie schlicht nicht für mich allein behalten mag. Weshalb ich sie euch hier auch weiterempfehle.

Im MICA-Interview “Auskennen im Musikbusiness” erfährt man von Florian Feit (Woodwinds) einiges über den Werdegang der Multiinstrumentalistentruppe sowie deren Self-Learning-Odyssee durch die Wirrungen des Musikmarkts. Mich hat vor allem die Aufzählung der unterschiedlichsten Instrumente, die einige der Mitglieder da einsetzen, fasziniert: Benjamin Zsak und Lukas Zettl spielen etwa Gitarre(en) und dazu noch Synthesizer. Solches “Musik verstehen” aus Gitarrengefühl und zudem aus Keyboard-Soundigkeit heraus, das erzeugt einen ganz eigenen Klangteppich …

 

Welcome to my heart!

 

Battle&Hum#164

Samstag 19.09.2026 (Stairway zum Nachhören)

Die Füße tun uns weh, in den neuen Sandale des is a Skandale, Urlaub ist aus!

 

  MC Randy Andy’s Reisegruppe:

  1. Huun-Huur-Tu (the orphans lament) – prayer
  2. Fortuna Ehrenfeld (glitzerschwein) – leck mich am arsch, amore mio
  3. big boy bedauerlich & young jämmerlich (single) – om ah hum
  4. Bilderbuch (schick schock) – feinste seide

  DJ Ridi Mama’s Backpacker:

  1. Jochen Distelmeyer (songs from the bottom vol. 1) – toxic
  2. Danger Dan (das ist alles von der kunstfreiheit gedeckt) – ich verprügelte die sextouristen in bangkok
  3. Little Simz (no thank you) – gorilla
  4. Joy Crookes & Ravyn (single) – feet don’t fail me now (part 2)

 

„Auf kühlen Eisen will ich verreisen,

auf einer Bank, die rattern tut.

Schischischischischen.

Der Dampf dazwischen,

das tut den kranken Nerven gut.“

(Kurt Schwitters)  

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Austrodrama

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 20. September – Machen wirs kurz: Im Jahr 2025, als wir selbst gerade mit der Produktion unserer dokumentarischen Erzählung “IN BETWEEN. Ein Doppelportrait” beschäftigt waren, geriet ein lieber Kollege, den ich noch aus seiner Salzburger Zeit kenne, in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. Mwita Mataro hatte da soeben seinen Film “Austroschwarz” erfolgreich in die Kinos gebracht, dessen Themen und Hinterfragungen vor allem mich selbst zu ein paar Nachforschungen im Kolonialwarengeschäft meiner Vorfahr*innen inspirierte. Und so sollte Kunst unserer Ansicht nach funktionieren, dass sie immer auch Anregungen zu wiederum neuen und eigenen Verbearbeitungen anbietet. So stellen wir euch heute das auf Vinyl bereits erschienene Soloalbum “Austrodrama” von Mwita Mataro vor …

AustrodramaEinige der Songs daraus hat er auf seinem YouTube-Kanal (auch als recht schräge, launige Musikvideos) auch schon vorab veröffentlicht. Die komplette digitale Playlist wird sich dann noch bis zum CD-Release im Oktober Zeit lassen … Wir spielen jedoch bereits heute “das ganze Album”, zumal wir finden, dass es gehört gehört (danke, Wolf Haas). Wir, das sind diesmal Der kleine Ich und Ben-Luca Malzer, der mich auf erfrischendste Weise schon beim Digitalisieren der “Schallplatte” (yes, it’s analogue, so wie damals) mit seiner zeitlosen Hardware unterstützt hat. Was uns sogleich in die klanglichen Finessen des vorliegenden Musikwerks einsteigen lässt. Der Produktion hört man die langjährige Erfahrung des Sängers von At Pavillon im Funkpop Indierock whatever jedenfalls genreverschmelzenden Musikbetrieb deutlich an – und auch sämtliche am Zustandekommen von einem so runden und schillernd vielseitigen “Austrodrama” wie diesem Beteiligten tragen zu seinem Gelungensein bei. Allein die Texte, die ich bemerkenswert finde, könnten da für meinen Geschmack noch deutlicher klingen …

 

Zum Beispiel “Es begann alles mit Feuer”

 

Hast du’s kommen geseh’n, kommen geseh’n, kommen geseh’n?
Hör’s auf dir schönzureden, schönzureden, schönzureden
Du weißt, nichts wird, wie’s früher einmal war
Schau mich an, wenn ich mit dir red‘, schau mich an
Die Blumen am Feldrain sind keine Blumen mehr
Sondern bunte Farbflecken, oder viel mehr
Bäume führen einen endlosen Tanz um uns rum

Es begann allеs mit Feuer, dann kam Strom
Es begann allеs mit Feuer

Es dampft aus dem Kopf, aus dem Kopf, aus dem Kopf
Du schaust zum Himmel auf, Himmel auf, Himmel auf
Beobachtest die Wolken, du schaust ihnen nach
Kann sein, dass sie von mir sind? Kann das sein?

Hören wir auf, in Metaphern zu reden
Hören wir auf, in Zahlen zu leben
Du weißt, es begann alles mit Feuer, dann kam Strom
Es begann alles mit Feuer

 

Mwita Mataro – Austroschwarz in progress

 

A Mediterranean Odyssey

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 13. September – Nach über 15 Jahren gedeihlicher Zusammenarbeit schließt sich hiermit einer von nicht wenigen Kreisen, die eine spontan-assoziative, musik/textdramaturgische sowie themenvielfältige Arbeitsweise wie die unsere immer und immer wieder in neugieriger Bewegung gehalten haben. “A Mediterranean Odyssey” von Loreena McKennitt, ein ganzes Album, das im Zusammenwirken mit der Perlentaucher-Nachtfahrt zum Thema “Synästhetische Symphonie” zur Selbsterfahrung synästhetischer Phänomene einlädt, die in streng abgrenzenden Definitionen (entweder bist du im Schachterl drin oder eben draußen) nicht vorkommen: Das Entstehen von neuen Gefühlszuständen durch von äußeren Eindrücken ausgelöste Innenwahrnehmungen zum Beispiel.

A Mediterranean OdysseyOder auch die Möglichkeit, durch entsprechende Übungen neue und bisher nicht vorhanden gewesene Verknüpfungen von Nervenbahnen im eigenen Gehirn herzustellen. Ich erinnere mich da an einen in dieser Hinsicht ganz besonders begabten Musiklehrer, den ich in den 70er Jahren in der 5. Klasse Gymnasium erleben durfte. Professor Kaspar spielte uns die unterschiedlichsten klassischen und modernen und … Musikstücke vor – und stellte uns dabei jedes Mal die Aufgabe, die Augen zu schließen und darauf zu achten, was für innere Eindrücke (Bilder, Farben, Formen, Gerüche, Szenarien, Stimmungen, Geschichten …) wir in uns wahrnehmen würden. Und anschließend lud er uns dazu ein, die jeweiligen Wahrnehmungen mit ihm und der ganzen Klasse zu teilen. Sogar die wortkargsten Mitschüler*innen, die ich als irgendwie “emotional spröde” empfand, erzählten auf ein Mal von ihren inneren Erlebnissen. Bei mir selbst fand ich heraus, dass sich zunächst nur einzelne Eindrücke einstellten, die nach mehreren Versuchen zu ganzen Filmszenen wurden.

“A Mediterranean Odyssey”, wie überhaupt die Musik von Loreena McKennit ist für solche Experimente und Expeditionen (ins eigene Gehirn und dadurch auch darüber hinaus) ganz vortrefflich geeignet, weil sie so vieles ineinander verwebt, was unsere gewohnten und (von wem auch immer) normierten Vorstellungen von uns selbst und “von unserem Platz in der Welt” auflösen, fließend machen und neu (und vor allem selbstbestimmt) entdecken und dadurch bestimmen hilft. Hier begegnen sich uralte Weisheiten der keltischen Ursassen mit orientalischen Formen und Traditionen …

 

… und auch mit uns, wenn wir offen sind …

 

Die Hundeblume

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 30 August – Ein Mann sitzt im Gefängnis. Warum? Für wie lange? Man weiß es nicht. Das einzige, was wir wissen, ist, dass er in Einzelhaft ist und dass er sich dabei sehr genau beobachtet: “Und nun hat man mich mit dem Wesen allein gelassen, nein, nicht nur allein gelassen, zusammen eingesperrt hat man mich mit diesem Wesen, vor dem ich am meisten Angst habe: Mit mir selbst.” Einmal am Tag eine halbe Stunde in den Hof, das heißt immer in einer Reihe, immer in demselben Kreis, immer von denselben aggressiven Gefängniswärtern mit lautem Geschrei angetrieben. Sein einziger Lichtblick ist ein einsam blühender Löwenzahn, eine Hundeblume, wie man in Norddeutschland sagt, und an diesem einzigen farbigen Lebewesen inmitten all der grauen und grausamen Eintönigkeit hält er sich fest …

Die HundeblumeSie wird zum Objekt seiner Begierde und erst durch sie findet er – in einer Situation, die ihm nur aussichtslos erscheinen kann – zu einem neuen Ziel, auf das er sein ganzes Dasein ausrichtet. Die Geschichte, die hier erzählt wird, begleitet ihn dabei bis zur tatsächlichen Begegnung “mit dem Lebendigen”. In dem Moment, wo sich sein inneres Überleben und die äußere Wirklichkeit des Lebens berühren (das in seiner Hundeblume verkörpert ist), in dem Moment “erkennt sich das Leben im anderen selbst”. Und für den “lebendig Begrabenen”, dessen einzige Aussicht bislang das Zugrundegehen war, erschließt sich in einem zeitlosen Augenblick der eigentliche Sinn allen Lebens: “Er war so gelöst und glücklich, dass er alles abtat und abstreifte, was ihn belastete: Die Gefangenschaft, das Alleinsein, den Hunger nach Liebe, die Hilflosigkeit seiner zweiundzwanzig Jahre, die Gegenwart und die Zukunft, die Welt und das Christentum – ja, auch das!” Ihr könnt die ganze Geschichte hier lesen, sie heißt “Die Hundeblume”.

Geschrieben hat sie Wolfgang Borchert kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs, aus dem er sterbenskrank heimgekehrt war – als er bereits wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. An diesem Punkt seines Lebens entschied er sich, die ihm noch verbleibende Zeit zu nutzen, so viel als möglich von dem, was er selbst erlebt und überlebt hatte, zu verdichten und für die Nachwelt (uns) aufzuschreiben. Über sein bekanntestes Theaterstück “Draußen vor der Tür”, das noch in seinem Todesjahr 1947 auch als Hörspiel gefeiert wurde, haben wir im April eine Sendung gestaltet.

“Die Hundeblume” scheint mir jedoch noch dichter, noch wesentlicher zu sein. Weil sie nämlich einer grundsätzlichen Frage nachgeht: Was macht den Unterschied zwischen Untergehen und Überleben aus? Und dabei ähnliche Antworten gibt wie Viktor Frankls “Trotzdem Ja zum Leben sagen” – ebenso beglaubigt durch seine eigene Erfahrung: “Noch kurz vor seinem Tode erklärte Borchert, dass es diesen Hundeblumen-Mann gab, dass er 21 Jahre alt war und 100 Tage in einer Einzelzelle saß mit dem Antrag des Anklagevertreters auf Tod durch Erschießen.” (Wikipedia)

 

Walid Ben Selim & Agathe Di Piro – Live at the MuCEM, Marseille