The Unternationale

Artarium am Sonntag, 16. August um 17:06 UhrMeine Großmutter war schon eine eigenartige Frau. Sie wohnte seit den 50er Jahren bei ihrer Tochter, meiner Tante, die zeitlebens eine überzeugte Nationalsozialistin war. Und dennoch (oder gerade deswegen) versorgte sie mich während meiner gesamten Jugendzeit mit Literatur vornehmlich jüdischer Autoren. So zum Beispiel Friedrich Torberg, Ephraim Kishon  oder Joseph Roth. Ihr verdanke ich einen gewissen Einblick in die unterschiedlichen Entwicklungen jüdischen Denkens und jüdischer Kultur. Was mich dazu befähigt, “The Unternationale” von Daniel Kahn, Psoy Korolenko und Oy Division als eine besonders inspirierende Arbeit zu begreifen. Oder, wie meine Großmutter gemeint hätte, lassen wir jüdische Musiker ihre Identitäten doch einmal selbst hinterfragen.

The UnternationaleUnd im Falle ihrer Verbearbeitung von “Sympathy For The Devil” mit dem jiddischen Titel “Rakhmones Afn Tayvl” wirds auch sprachlich interessant. Wer kann hierzulande schon hebräisch lesen, wer versteht den jiddisch gesungenen Part mit den vielen versteckten (oder sinds doch offensichtliche) Anspielungen? Hier einmal die “Romanization” des hebräisch/kyrillischen Originals. Und wenn man sich ein bisserl mit der Google-KI spielt (für sowas können Sprachmodelle ganz sinnvoll sein), dann kann man, wenn man möchte, schon etwas weiter in die Welt des Witzes und der Selbstironie eindringen. Oder seh das nur ich so, weil ich einseitig vorentlastet bin, will heißen, dass ich schon mit 12, 13 Jahren über wirklich Witziges lachen konnte? Mir tut heut noch der Bauch weh … aber sehr angenehm 🙂 Meine Großmutter und ich waren geheime Partisanen in unserer Familie, einem fundamentalistisch totalitären Herrschaftssystem, in dem Gewalt und Unterdrückung durch hinterrücks schleichende Gewissenskorruption ausgeübt wurde. Aber ich war (schon wieder) nicht allein. Hoch die Unternationale!

Der sehr sehenswerten Film “Lauf Junge lauf” erzählt die Geschichte eines jüdischen Jungen, der die Nazizeit in Polen überlebt, indem er seine ursprüngliche Identität verleugnetja, beinah vollständig auflöst und dann die Identität eines polnischen katholischen Jungen annimmt. Am Ende des Films hilft ihm Moshe, väterlicher Freund aus dem jüdischen Widerstand, sein fast schon komplett abgespaltenes Selbst wieder anzunehmenseinen Platz in der Weltunter behutsamer Achtung seines freien Willens – selbstbestimmt zu finden und einzunehmen:

 

„Ich habe keine Angst vor dir!“

„Ach, wirklich?“

„Die haben auf mich geschossen. Mich mit Hunden gejagt. Ein Haus über mir angezündet. Aber ich lebe noch immer. Ich lass mich nicht wieder einsperren! Und wenn, dann lauf ich wieder weg. Lass mich also in Ruhe.“

„Ich kann nicht. Wir brauchen solche wie dich.“

„Wer ist Wir?“

„Wir Juden. Dein Volk. Die Kinder Israels.“

„Ich will aber kein Jude sein. Dann hätte ich meinen Arm noch.“

„Jurek, vielleicht glaubst du mir nicht, aber ich verstehe dich. Bis jetzt bist du deinen eigenen Weg gegangen. Mit deinen eigenen Entscheidungen. Das ist gut. Ich bewundere dich dafür. Wirklich. Aber wir wollen dir jetzt einen Weg zeigen, von dem wir denken, dass er der richtige ist. Für dich. Für uns. Und für unser gequältes Volk. Ob du diesen Weg dann auch gehen willst, das darfst du allein entscheiden.“

 

Die Zeit

Zeit ist ja ein umfassendes Thema, von der Philosophie, Psychologie, Soziologie über Geschichte und Literatur bis hin zur Technik und Physik. Wir werden verschiedene Zeitbegriffe, Zeit“maschinen“ und Zeitdefinitionen kennenlernen und setzen uns auch mit der vergangenen Zeit und deren Zeitbegriff bis zurück zum Urknall auseinander.

Als Musik habe ich, wie ich glaube, ebenfalls passend „Flaschenmusik“ eines Straßenmusikanten ausgewählt.

In der Sendung erwähnte Links:

Engel des Erinnerns

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 9. August – Unlängst ist Misha Schoenebergs neuer Roman erschienen: “Vielleicht wollte er gar nicht schweigen, er fand bloß die Worte nicht.” Ein insofern bemerkenswertes Buch, als es sich mit dem Nachhall des Schweigens der Kriegsgeneration im Leben ihrer Kinder auseinandersetzt. Mit dem, was diese als oft schwer fassbare “Leerstellen” auf der Suche nach ihrer Identität erleben. Aber auch deshalb, weil in dieser Familie zwei Seiten des Traumas wie in einer Miniaturausgabe der deutschen und österreichischen Nachkriegsgesellschaft eine Verbindung mit unterschwelliger Sprengkraft eingehen: Der Vater, ein Berliner Jude, hat Auschwitz überlebt – die Mutter, ein deutsches Mädel aus Westpommern, ist von Nazis geprägt. Der Engel des Erinnerns sucht nach dem Sinn der Geschichte.

Engel des ErinnernsMitten in die Arbeit an dem Manuskript platzen am 7. Oktober 2023 die Hamas-Massaker in Israel sowie gleich darauf das Wiederaufflackern von eigentlich unbegreiflichen antisemitischen Umtrieben in ganz Europa. Nach einer längeren Phase überfallsartig (und wie ich meine, retraumatisierungsbedingt) über ihn hereingebrochener Sprachlosigkeit gelingt es Misha Schoeneberg schließlich, die ideologische Vereinnahmung von Nichtausgesprochenem zu entzaubern. Und zwar in einer derart klaren und präzisen Sprache, dass das in diesen Zeiten voll von zunehmend verschwommener Aufgeregtheit eine wahre Wohltat ist. Das Kapitel “Shabbat im Oktober” fügt sich auf diese Weise organisch an das früher entstandene und penibel recherchierte Kapitel “Auschwitz” und erzeugt zusammen mit weiteren Erinnerungsperspektiven (aus der Kindheit, aus dem frühen Erwachsenwerden, aus der sich verwandelnden Einstellung zur Familiengeschichte bis hin zur Begleitung seiner zunehmend dement werdenden Eltern) “… ein Buch von atemberaubender Intensität … das geschichtliche Tatsachen mit einer Tiefe und Unmittelbarkeit vermittelt, die sie nachfühlbar macht.” Marianne Rosenberg in den Verlagsinfos. Weil wir den Autor selbst zu einer Lesung im November einladen werden, wollen wir euch schon jetzt darauf neugierig machen.

Warum ich für diese Sendung den Titel “Engel des Erinnerns” gewählt habe, das hat mit meiner eigenen Familiengeschichte und ihrer Erforschung im Kontext einer traumatherapeutischen Aufarbeitung zu tun. Und natürlich bezieht er sich auch auf das unlängst zitierte Buch “Engel des Vergessens“ von Maja Haderlap. Was meine/unsere Arbeit mit den Texten von Misha Schoeneberg betrifft, dem kann man in der Sendung “Unzerstörbar” nachspüren. Und wie die ganze Expedition in die Abgründe des Grauens und des Unsagbaren vor drei Jahren begann, erzählt “Der Krieg in mir”

Die Arbeit an der eigenen Familiengeschichte, so sie durch Trauma, Krieg, Gewaltdurch Verfolgtwerden und durch Verfolgenalso durch Opfersein und Tätersein geprägt ist, führt uns unweigerlich ins Labyrinth des Fragmentarischen, wo uns bis zu einem gewissen Grad nachprüfbare Fakten begegnen – zugleich jedoch auch allerlei Auslassungen, Umdeutungen sowie (aus welchem Grund auch immer) absichtsvoll Verschwiegenes. Sich seine eigene Geschichte daraus hervor zu erschließen, das Gefundene und das Verschwundene mit sich selbst vergleichen und überprüfen …

 

auf Stimmigkeit

 

Sturm


Foto: dexmac/Pixabay

Sturmereignisse sind keine Seltenheit im Hochsommer. Die Intensität scheint hier auch zuzunehmen. Tuning Up nimmt sich dieses Mal dem Phänomen Sturm an und bringt Musik von: The Doors, REO Speewagon, Vivaldi, Beethoven, Wayne Shorter u.a.

Nachzuhören unter: https://cba.media/787733

Die ultimative skeptische Sendung

Sendetermin: Dienstag, 4. August 2026 um 20 Uhr auf der Radiofabrik Salzburg

In dieser Folge Engelsgeflüster begrüßt Euch gleich eine ganze Engelsschar: Wir haben Mitglieder des Vereins Skeptix.org eingeladen, um über wissenschaftlichen Skeptizismus und kritisches Denken zu sprechen.

skeptix logo

In einer vorherigen Folge haben wir bereits über wissenschaftlichen Skeptizismus gesprochen und es wurde neben viel Lob auch Kritik geübt. Neben der Vorstellung von Skeptix, deren Tätigkeiten und Inhalten, ist auch produktiver inhaltlicher Streit geplant.

 

Filmusik mit Max

Max ist heute im Studio und präsentiert.
Von Jazz (Eddie Harris) über Rap (Eminem) Filmusik.
Die Filme „8Mile“, Sunflower oder auch der Name „Clint Eastwood“ sind nicht nur für ihre Bilder bekannt.
Auch der Soundtrack trägt dazu bei, dass ein ikonischer Film entsteht.

Hört,Hört

Max und Aaron und Melina sind on Air

Max und Aaron eröffnen diese Sendung.
Aaron ist an den Mischpult-Reglern. Max stellt uns Lieder vor. Vom „King of Pop“ über „twenty-1 Pilots“ zu einem Barden an der Gitarre: Tom Petty.
Und im zweiten Teil ist Melina am Mikrofon:
Melina hat Elli Goulding und Adele dabei und stellt uns ein Buch aus der Serie „Bitte nicht öffnen vor“.

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