Denkmal der Deserteure

-> Download: Nachtfahrt-Mahnmal vom fairkehrten Fest (Live 29:20 min) – Wir widmen ein Kriegerdenkmal kurzfristig um – in einen Ort der Erinnerung an Deserteure und Kriegsverweigerer – am Beispiel der mutigen Männer vom Böndlsee in Goldegg-Weng. Dort hatten sich 1944 einige Wehrmachts-Fahnenflüchtige aus der Region versteckt, um ohne weiteres Blutvergießen das schon absehbare Ende des 2. Weltkriegs zu erwarten. Doch dem Naziregime waren 6 aufrechte Neinsager eine solche Bedrohung, dass über 1000 Mann Waffen-SS und 60 Gestapo-Beamte ausschwärmen mussten, diese „Landplage“ ein für allemal zu beenden. Dies gelang ihnen auch mittels massiver Gewaltanwendung gegen die ansässige Bevölkerung – so wurden etwa Verwandte der Gesuchten gefoltert und in KZs verschleppt oder Unbeteiligte einfach erschossen.

ICH MAHN MAL DU DENK MALUnd während Österreich mit den Namen zahlloser gefallener Soldaten in Form von Denkmälern für „Unsere Helden“ übersät ist – so fehlen bis heute die Namen der Menschen, die gegen Unrecht, Krieg und Terror aufstanden, indem sie sich der „Pflicht zum Gehorsam“ entzogen. Und dies auch oft mit dem eigenen Leben bezahlten! Deren Einstellung sollte uns allen zum Vorbild gereichen, möchte man meinen, speziell der heutigen Jugend, die wir zu mündigen Bürger_innen zu erziehen behaupten. Doch weit gefehlt! Nicht nur, dass sich die Republik Österreich erst im Jahr 2009 (-> 64 Jahre nach Kriegsende) dazu durchringen kann, die Desertions-Urteile der NS-Militärgerichte aufzuheben. Was im Klartext heißt, dass jeder Kriegsheimkehrer, der wegen Desertion verurteilt worden war, bis 2009 als vorbestraft galt. Nein, jetzt kommt auch unser aller langjähriger Landesgrüner als Obmann des Goldegger Kulturvereins daher und meint, dass die Zeit immer noch nicht reif sei für ein Denkmal der Deserteure, solange es nicht „von der (mehrheitlichen) Bevölkerung mitgetragen wird“. (Beitrag SN-Debatte)

Unseren Helden?Wir fassen es nicht! Und geben daher den Namen der 6 Männer hier erst recht einen Gedenkort:

Karl Rupitsch

Peter Ottino

Gustl Egger

Georg Kössner

                                                                                     Richard Pfeiffenberger

sowie Franz Unterkirchner, der als Einziger und mit sehr viel Glück den „Sturm vom Böndlsee“ am 2. Juli 1944 überlebte, sich noch bis Kriegsende erfolgreich versteckte und erst 1972 eines natürlichen Todes starb. Er hätte uns aus erster Hand erzählen können, was ihn und seine Kameraden bewegte, worüber sie in ihren Verstecken so sprachen, und was jeder von ihnen als ganz persönlichen Grund für seine Flucht vor dem System genannt hätte. Von Karl Rupitsch ist immerhin dieser Satz überliefert: „Warum soll ich jemanden erschießen, der mir nichts getan hat?“ Das macht durchaus Sinn, ebenso wie die Forderung nach einem Ort des Andenkens mit den Namen der Widerständler. Auch wenn das nicht mehrheitsfähig ist – es wäre jedenfalls gerecht!

-> Gespräch mit Brigitte Höfert, Tochter von Karl Rupitsch, auf talktogether.org 😉

 

Kochen mit Knochen – FNTOME Juni 2014

Die schöne Frau Nowak präsentiert:
Das megalomanisch-dynamische DJ Team:
Knochen Hartmann, Brother Adam & Sister Know.

Einen Mittschnitt der MY Sound Of Music Homebase am 18.06.2014
im Jazzit Salzburg.
Gefeiert wurde an diesem Abend die Fertigstellung des MY Sound Of Music Festivaltrailers, den man sich HIER anschaun kann.

Es gab russischen New Wave, ägyptischen Autotune Wahnsinn, viele lustige Diktatorenansprachen und straighten Teutschen Techno.

Zum Nachhören am:

MO 23. JUNI – 20:00 Uhr Radio Fro Linz http://fro.at
DI 24. JUNI – 21:00 Uhr Radiofabrik Salzburg http://www.radiofabrik.at
MI 25. JUNI – 08:00 Uhr TIDE 96.0 Hamburg http://www.tidenet.de

MY Sound Of Music Jazzit

Denk mal fairkehrt

-> Download: Artarium vom Sonntag, 22.Juni – LIVE vom fairkehrten Fest in der alten Nonntaler Hauptstraße, daher diesmal auch mit Live-Lesung und Live-Musik aus dem Fundus des etwas anderen Kunnst-Biotops! Außerdem wollen wir die Gelegenheit nutzen, um euch unsere monatliche Perlentaucher-Nachtfahrt ans Herz zu legen. Denn in dieser „musikliterarischen Gefühlsweltreise“ wechseln sich ebenfalls live gelesene Textbeiträge mit vorbereiteten Soundcollagen und Titeln aus dazu passenden Playlisten ab. Und zwar jeweils in spontaner Dramaturgie – rund um das ausgewählte Thema assoziiert. Was läge also näher, als für den Programmschluss des Radiofabrik-Außenstudios den Standort des Geschehens als inhaltliche Inspiration auf uns wirken zu lassen: Ein Kriegerdenkmal, mit den Namen aller im ersten und zweiten Weltkrieg elend zu Tode gekommenen Nonntaler – und mit der Aufschrift „Unseren Helden“…

Christopher SchmallImmer, wenn sich der Hund im Artarium wieder mal in einen Wirbel redet, freut es eine(n) so richtig, diese andere angenehme Stimme zu hören: Christopher Schmall, unentbehrlicher Freund und Coproducer 🙂 sonst seines Zeichens auch Dichter, Musikschaffender und Seelenforscher. Er ist einigen noch als Sänger der Band In Confusion in Erinnerung und war seither schon des öfteren mit seinen Solonummern und SpokenWord-Experimenten im Radio zu hören. Nun wird er zum ersten Mal seit geraumer Zeit wieder live and unplugged vor versammeltem Publikum zu erleben sein – und uns mit zwei zu diesem speziellen Setting passenden Eigenkompositionen – befremden, erfreuen – oder trösten? Wir wissen es nicht – wir können uns nur darauf einlassen! Derlei ist jedenfalls selten genug heutzutage…

Felix Vali SteinhauserEbenso rar und kostbar sind auch jene Momente, in welchen sich Potenzial plötzlich entfaltet – und wir staunenden Auges die im Erschaffen begriffene Welt betreten. So erging es uns erst unlängst, als wir beim gemeinsamen Vorlesen eigener Texte Felix Vali Steinhauser kennenlernten. Und zwar bei Writers On The Storm, einer überaus empfehlenswerten Veranstaltungsreihe des Salzburger Kunstkollektivs Bureau du Grand Mot für alle „Bühnenneulinge, heimliche SchreiberInnen und sich nicht ins RampenlichttrauerInnen“. Offenbar funktioniert diese Anstiftung zur Öffentlichkeit auch irgendwie auf wundersame Weise – denn schon zwei Monate nach unserem ersten Zusammen-Auftreten begrüßen wir ihn als poetischen Mitgestalter zur Lesung seiner Stimmungsbilder im Open-Air-Studio:

„Unbekannt erscheint mir meine Umwelt…“

-> Zur Aufzeichnung unserer Aktion für ein Deserteursdenkmal

 

30 Jahre Toihaus – Rückblick auf die Anfänge und Vorschau auf die nächste Saison 2014/2015

Der Sommer hat bereits begonnen und die Sommerpause im Toihaus steht vor der Tür. Der Rückblick auf die vergangene Saison ist ein bunter, von zahlreichen Kinderstücken, Abendprogrammen und Konzerten, über Gastveranstaltungen, Theater im Kindergarten bis hin zu Soundpaintig und Workshops. Das Toihaus ist bereits seit 1984 eine fixe Institution in der Salzburger Kulturlandschaft und sticht vor allem durch sein internationale renomiertes Kindertheater, für die seine außergewöhnlichen Eigenproduktionen und seine spezielle Mischung von Tanz, Performance, Musik und Schauspiel hervor. Und das gilt natürlich auch für die kommende Saison.

Als Abschluss dieser Saison und auch schon als Ausblick auf das Programm im Herbst haben wir für diese letzte Sendung vor der Sommerpause mit Myrto Dimitriadou, der künstlerischen Leiterin des Toihaus, gesprochen. Sie gibt schon ein paar Vorschauen auf das Programm im Herbst und auch einen Rückblick zu den Anfängen des Toihaus.

Das Progressive Album

-> Download: Artarium vom Sonntag, 15. Juni – Ein selbst zusammen gestelltes Album rund um das Genre „Progressive Rock“ gibt es diesmal zu hören, und zwar ebenso Jahrzehnte- wie Generationen übergreifend! Warum nicht auch das Radiomachen und seine lieb gewordenen Gewohnheiten wieder mal progressiv betreiben? Denn der Begriff selbst bedeutet ja nichts anderes als „stetig erweiternd voranschreiten“ und so war er wohl auch in der Entwicklung der Rockmusik gemeint, als man Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre damit anfing, die im Blues verhafteten Formen aufzubrechen und mit immer neuen Einflüssen aus anderen Musikwelten wie Jazz, Klassik oder Folklore anzureichern. So schreiten also auch wir unaufhaltsam über das Altbewährte hinaus – und interpretieren die Tradition unseres einmal im Monat vorgestellten „Ganzen Albums“ neu – im Sinne einer „Best Of Compilation“ 😉

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„Eine weitere Deutung des Begriffs stammt von Robert Fripp,  dem Gitarristen der Genrevorreiter King Crimson. Er sieht Progressive Rock weniger als stringenten Stil denn als Haltung. Diese zeichne sich aus durch den Willen zur Neudefinition der stilistischen und konzeptuellen Grenzen der Rockmusik unter Anwendung produzeduraler Abläufe (nicht Oberflächeneigenschaften) aus klassischer Musik und Jazz. Sobald sich aber aus dieser Haltung heraus ein neues Gefüge von Konventionen eines eigenen Stils entwickelt hatte, betrachtete er den progressiven Charakter als hinfällig und beendete vorerst seine Aktivitäten innerhalb des Genres. Das geschah im Jahr 1974, als die erste Inkarnation des Genres noch in seiner kommerziellen Blüte stand.[2] “ (aus Wikipedia)

traumtänzerWir haben aus dem reichhaltigen Fundus dieses oftmals zu Unrecht als „verkopftes und artifizielles Gefudel“ geschmähten Musikschaffens einige Beispiele ausgewählt, die sein kreatives Potential auch jenseits der Genregrenzen zum Ausdruck bringen: Mit einer ersten Skizze von Robert Fripp für Peter Gabriels „Here comes the Flood“ aus dem Jahr 1975 beginnend, über zwei richtige (10+ min) Prog-Rock-Hymnen von Marillion-Sänger Fish (2013) sowie von Porcupine Tree Mastermind Steven Wilson (2009), bis hin zur einzig bekannten Genesis Reunion-Aufnahme featuring Peter Gabriel „The Carpet Crawlers“ (1999) spannen wir den weiten Bogen …

Die Sätze und ihre Bezeichnungen 😀 lauten:

01 Artarium – Signation feat. Aviv Geffen (Blackfield) & Yes (Yessongs 1973)

02 Peter Gabriel & Robert Fripp – Here Comes The Flood (Skizze 1974/75)

03 Fish – Perfume River (A Feast of Consequences 2013)

04 Porcupine Tree (Steven Wilson) – Time Flies (The Incident 2009)

05 Midnight Oil – Mountains of Burma (Blue Sky Mining 1989)

06 Genesis feat. Peter Gabriel – The Carpet Crawlers 1999 (432 Hz Aufnahme)

 

STADTTEILRADIO AIGEN 13. JUNI 2014

 

DAS STADTTEILRADIO AIGEN IST AIGNERN ZU EINER VERANSTALTUNG IN EINEM ANDEREN STADTTEIL GEFOLGT, DENN, BITTE WAS SIND LEBENDIGE BÜCHER? DIE FÜRSTLICHE MUSIK KOMMT VON DER ERSTEN VERANSTALTUNG “MIT SWING INS WOCHENENDE“ IM BEWOHNERSERVICE AIGEN-PARSCH, UND WAHRLICH, ES SWINGT SICH FINGERSCHNIPPEND UND TAKT WIPPEND, FÜRSTLICH EBEN.

Neue Sendung für Menschen mit Hund

1. Sendetermin: 9. Juli, 12.06 Uhr

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Karin Immler mit Sebadja und Tara

Thema: Mehrhundehaltung – Vor Risiken und Nebenwirkungen wird gewarnt
Zu Gast in der Sendung ist u.a.  Frau Dr. Anne Roth von der Tierarztpraxis Parsch, langjährige Mehrhundehalterin.
Redaktion: Karin Immler

Kraut und Ruabn

-> Download: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 13. Juni – Potpourri, Sammelsurium, Bastelnacht der Möglichkeiten – eine Dramaturgie, die sich aus der Aneinanderreihung all dessen ergibt, was sonst in keinerlei Schachtel passt – oder eben in alle. Diesseits der Ordnung – und jenseits des Systems – überlassen wir das Ersprießen von sinnvoller Botschaft diesmal der Auswahl unserer Beiträge – und den geneigten Sinnen unseres Publikums. Kunst (und umso mehr Kunnst) entsteht eben in euren Köpf_innen 😀 sonst ist es nirgendswo. In diesem Unzusammenhang vertrauen wir auf unser emotionales Zusammengehör – und schmeißen einfach alles „Kraut und Ruabn“ durcheinander in den großen Eintopf der Weltwerdung. Dieser Chaosmos aus Licht und Schatten kann schöner schillern als der übliche Mainstream aus Obrigkeit und Unterleib. Diese Collage aus Sinn und Zufall kann uns mehr erzählen – als wir…

UmleitungUmleitung ins Unbewusste oder „Let the art do the talking“ – Die Kunst des Liebens beruht auch im gelegentlichen Loslassen dessen, was wir zu wissen und zu können glauben. Und das Beharren auf dem Bekannten und Gekonnten bewirkt ja nicht noch mehr Vertrauen, sondern statt dessen einzwangs Beton Zementierung von immer und wieder Holungszweck 😉 Ausgestiegen? Gut so, denn derlei wollen wir in unserer textmusikalischen Nachtrundreise auch erleben – und zugleich als Denk- und Spürübung weiter geben: Ein plötzliches Abdriften vom Erwartbaren ins Unverhoffte – und dadurch ein gründliches Durchlüften jener Gehirnwinkel, die sich unserem absichtsvollen Zugang ansonsten entziehen. Denn auch das Gehirn gehört gelegentlich geschüttelt, bis etwas dabei heraus kommt – nur keineswegs das, was man (wer auch immer das sei) erwartet!

SeelenfremdSo haben wir für diese unsere Seelenheimat im inzwischenen Unterwegs einige Gegensätze und (scheinbare) Widersprüche zusammen getragen, auf dass aus ihren Kontrasten jene Harmonie erwachse, die sonst nur dem Spiel des ganz selbstvergessen träumenden Kindes eigen ist – und unserem, so wir zu verstehen vergessen 😛 Es treffen ebenso typische wie artfremde Musikstücke aufeinander – unter anderem von M83/Placebo, Stiller Has, R.E.M., Sandi Thom, Finch, Rammstein, Nancy Sinatra, Hubert von Goisern, Djélimady Tounkara, Austra, Pansy Division, Jan Lauwers & Needcompany, Fever Ray und Swingin‘ Utters. Ebenso verschiedenartig sind die Textbeiträge, die wir vorbereitet haben – zu hören sind da etwa Oskar Werner (Heinrich Heine), Ernst Jandl, K3, Leonard Cohen (Early Poem), Thomas Bernhard (Lesung) und Hanns Dieter Hüsch…

Gegen SätzePräventive Psychohygiene und Selbstverteidigung inspirierten uns dazu, die auf uns andauernd heftig einprasselnden Gegenteile und Unvereinbarkeiten dergestalt abzubilden, vielleicht gar verwegener Hoffnung, sie zumindest rund um unsere Inseln aufzulösen, auszugleichen oder halt einigermaßen zufrieden zu jandln 🙂

doppelchor

es mann spielst unser frauen mit nur schilfharfe
gehst ans fingerspitzen und vorbei es.
es frau spielst unser männer mit nur klarinettich
knopfst an und bläst ein immer lied aus es.
es mann spielst unser frauen mit nur momentharmonika
sperrst um und pfeifst schlüsselrüssel.
es frau spielst unser männer mit nur es violinerin
stellst an diriganten hin und wickelst den orchaster aus.

 

2 Jahre Lilli ON AIR!

2 Jahre Lilli ON AIR Bild

2 Jahre Lilli ON AIR!! Das muss gefeiert werden – und am Freitag, den 13. gleich extralang!
In der XXL-Ausgabe von Lilli ON AIR gibt’s neben den besten Songs und viel guter Laune auch das “Best-of” aus 2 Jahren Lilli ON AIR.
Und eines sei verraten: Lilli wird auf jeden Fall nicht alleine im Studio sein – lasst euch überraschen 🙂

Also, unbedingt reinhören am 13. Juni in die Lilli ON AIR-Jubiläumsparty von 16-17 Uhr, von 17:30-18 Uhr und von 19:06-20 Uhr!

Von den Besten lernen

-> Download: Artarium vom Sonntag, 8. Juni – Das Herzstück dieser Sendung bildet eine alte ORF-Aufnahme von Oskar Werner aus dem Jahr 1952, nämlich seine Lesung von Rilkes „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“, zu finden auf der schon seit geraumer Zeit unter verschiedenen Labels kursierenden Poetry-CD „Oskar werner spricht Rainer Maria Rilke“. Sind wir jetzt also vollends literarisch geworden – oder warum tun wir das? Nun, wir sind eben selbst „lyrische Menschen“ (so tragen wir etwa am 18. 6. bei der KulturKeule im Das Kino sowie am 22. 6. beim Fairkehrten Fest im Nonntal aus eigenen Texten vor) und gern auch für jedwederlei generationenübergreifende Begegnung mit Ausdruckskunst zu haben. Allerdings muss derlei auf Augenhöhe geschehen, nicht als ehrfürchtige Belehrung! Denn im Anfang war das Gedicht – und erst viel später wurde daraus ein Geschäft.

DOskar Werner spricht Rainer Maria Rilkeoch wir wären nicht wir, wenn wir es bei der bloßen Vorstellung eines durchaus denkwürdigen Werks, noch dazu in einer schlichtweg einzigartigen Interpretation, bewenden ließen 😉 Dieses Gustostückerl an zeitloser SpokenWord-Intensität ist nicht nur an und für sich inspirierend und stilbildend, es bietet auch noch ein paar spezielle Anregungen für die Weiterentwicklung unserer sozialkritischen Gedanken:

„Es ist eigenartig, dass sich ein Mensch, dessen Existenz von Terror bedroht ist, mit der ihn bedrohenden Instanz identifiziert, mit ihr verschmilzt, seine Identität einer vermeintlichen Rettung wegen aufgibt. Der Dichter Rainer Maria Rilke erfasste diese Tatsache intuitiv in seiner „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“.

Auf einem Feldzug gegen die Heiden wird dieser Cornet Rilke von Feinden umzingelt. Als Selbstschutz erlebt der Held des Gedichts die auf ihn einschlagenden blitzenden Säbel als einen lachenden, auf ihn niederrieselnden Wasserbrunnen. Um den Terror nicht zu registrieren, mit dem wir konfrontiert sind, und um die eigene seelische Einheit zu bewahren, werden wir blind. Anstatt den Realitäten ins Auge zu schauen, halluzinieren wir eine Einheit mit dem uns bedrohenden Anderen und verlieren so die eigene Identität und manchmal sogar das Leben.

Dieser Prozess verursacht und steuert Gewalt, psychische oder körperliche. Die Wurzeln dieses uralten Mechanismus liegen in frühester Kindheit, wenn die versorgenden Eltern versuchen, dem Kind ihren Willen aufzuzwingen. Diese Erfahrung von Gewalt bedroht jedes Kind mit dem Erlöschen seines eigenen, gerade erst im Entstehen begriffenen Selbst. Gerade solche Kinder, deren eigener Wille besonders gewalttätig unterdrückt wurde, entwickeln einen verhängnisvollen Gehorsam und eine pathologische Treue gegenüber der Gewalt. So kommt ein Kreislauf in Gang, in dem Gewalt zur Grundlage des Seins wird.“

Zitate aus: Arno Gruen – Der Kampf um die Demokratie