Engel des Erinnerns

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 9. August – Unlängst ist Misha Schoenebergs neuer Roman erschienen: “Vielleicht wollte er gar nicht schweigen, er fand bloß die Worte nicht.” Ein insofern bemerkenswertes Buch, als es sich mit dem Nachhall des Schweigens der Kriegsgeneration im Leben ihrer Kinder auseinandersetzt. Mit dem, was diese als oft schwer fassbare “Leerstellen” auf der Suche nach ihrer Identität erleben. Aber auch deshalb, weil in dieser Familie zwei Seiten des Traumas wie in einer Miniaturausgabe der deutschen und österreichischen Nachkriegsgesellschaft eine Verbindung mit unterschwelliger Sprengkraft eingehen: Der Vater, ein Berliner Jude, hat Auschwitz überlebt – die Mutter, ein deutsches Mädel aus Westpommern, ist von Nazis geprägt. Der Engel des Erinnerns sucht nach dem Sinn der Geschichte.

Engel des ErinnernsMitten in die Arbeit an dem Manuskript platzen am 7. Oktober 2023 die Hamas-Massaker in Israel sowie gleich darauf das Wiederaufflackern von eigentlich unbegreiflichen antisemitischen Umtrieben in ganz Europa. Nach einer längeren Phase überfallsartig (und wie ich meine, retraumatisierungsbedingt) über ihn hereingebrochener Sprachlosigkeit gelingt es Misha Schoeneberg schließlich, die ideologische Vereinnahmung von Nichtausgesprochenem zu entzaubern. Und zwar in einer derart klaren und präzisen Sprache, dass das in diesen Zeiten voll von zunehmend verschwommener Aufgeregtheit eine wahre Wohltat ist. Das Kapitel “Shabbat im Oktober” fügt sich auf diese Weise organisch an das früher entstandene und penibel recherchierte Kapitel “Auschwitz” und erzeugt zusammen mit weiteren Erinnerungsperspektiven (aus der Kindheit, aus dem frühen Erwachsenwerden, aus der sich verwandelnden Einstellung zur Familiengeschichte bis hin zur Begleitung seiner zunehmend dement werdenden Eltern) “… ein Buch von atemberaubender Intensität … das geschichtliche Tatsachen mit einer Tiefe und Unmittelbarkeit vermittelt, die sie nachfühlbar macht.” Marianne Rosenberg in den Verlagsinfos. Weil wir den Autor selbst zu einer Lesung im November einladen werden, wollen wir euch schon jetzt darauf neugierig machen.

Warum ich für diese Sendung den Titel “Engel des Erinnerns” gewählt habe, das hat mit meiner eigenen Familiengeschichte und ihrer Erforschung im Kontext einer traumatherapeutischen Aufarbeitung zu tun. Und natürlich bezieht er sich auch auf das unlängst zitierte Buch “Engel des Vergessens“ von Maja Haderlap. Was meine/unsere Arbeit mit den Texten von Misha Schoeneberg betrifft, dem kann man in der Sendung “Unzerstörbar” nachspüren. Und wie die ganze Expedition in die Abgründe des Grauens und des Unsagbaren vor drei Jahren begann, erzählt “Der Krieg in mir”

Die Arbeit an der eigenen Familiengeschichte, so sie durch Trauma, Krieg, Gewaltdurch Verfolgtwerden und durch Verfolgenalso durch Opfersein und Tätersein geprägt ist, führt uns unweigerlich ins Labyrinth des Fragmentarischen, wo uns bis zu einem gewissen Grad nachprüfbare Fakten begegnen – zugleich jedoch auch allerlei Auslassungen, Umdeutungen sowie (aus welchem Grund auch immer) absichtsvoll Verschwiegenes. Sich seine eigene Geschichte daraus hervor zu erschließen, das Gefundene und das Verschwundene mit sich selbst vergleichen und überprüfen …

 

auf Stimmigkeit

 

Sturm


Foto: dexmac/Pixabay

Sturmereignisse sind keine Seltenheit im Hochsommer. Die Intensität scheint hier auch zuzunehmen. Tuning Up nimmt sich dieses Mal dem Phänomen Sturm an und bringt Musik von: The Doors, REO Speewagon, Vivaldi, Beethoven, Wayne Shorter u.a.

Nachzuhören unter: https://cba.media/787733

Die ultimative skeptische Sendung

Sendetermin: Dienstag, 4. August 2026 um 20 Uhr auf der Radiofabrik Salzburg

In dieser Folge Engelsgeflüster begrüßt Euch gleich eine ganze Engelsschar: Wir haben Mitglieder des Vereins Skeptix.org eingeladen, um über wissenschaftlichen Skeptizismus und kritisches Denken zu sprechen.

skeptix logo

In einer vorherigen Folge haben wir bereits über wissenschaftlichen Skeptizismus gesprochen und es wurde neben viel Lob auch Kritik geübt. Neben der Vorstellung von Skeptix, deren Tätigkeiten und Inhalten, ist auch produktiver inhaltlicher Streit geplant.

 

Filmusik mit Max

Max ist heute im Studio und präsentiert.
Von Jazz (Eddie Harris) über Rap (Eminem) Filmusik.
Die Filme „8Mile“, Sunflower oder auch der Name „Clint Eastwood“ sind nicht nur für ihre Bilder bekannt.
Auch der Soundtrack trägt dazu bei, dass ein ikonischer Film entsteht.

Hört,Hört

Max und Aaron und Melina sind on Air

Max und Aaron eröffnen diese Sendung.
Aaron ist an den Mischpult-Reglern. Max stellt uns Lieder vor. Vom „King of Pop“ über „twenty-1 Pilots“ zu einem Barden an der Gitarre: Tom Petty.
Und im zweiten Teil ist Melina am Mikrofon:
Melina hat Elli Goulding und Adele dabei und stellt uns ein Buch aus der Serie „Bitte nicht öffnen vor“.

Listen!

Handverlesene Playlist

Ki hat bei der Auswahl der Songs noch keine Chance.
Wir suchen uns noch die Songs und Lieder nach unserem Geschmack aus.

Viel Spaß mit dieser, von uns aus den WG’s des Augustinum, ausgewählten Playlist: Listen!

Incontro culturale

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 26. JuliEine ganze Sendung nur mit italienischer Musik! Weil es bei jedem “ins Leben treten”, bei jeder Begegnung zuallererst darum geht, wie es sich anfühlt. “Wenn es nicht spüren darf, dann fängt es halt an zu denken” (das kleine Lebewesen). Natürlich, sonst hätte es nicht überlebt. Doch Spüren und Denken müssen zusammenwirken, damit ihr ganzer Reichtum und ihre ganze Kraft zur Entfaltung kommen. Und dieses gleichzeitige Vorhandensein und sich auswirken können von Intellekt und Emotionalität ist ein Wesensmerkmal italienischer (und überhaupt mediterraner) Lebenskultur. Ein Incontro culturale, bei dem sich unsere beiden Hirnhälften (und noch mehr) begegnen und das Gefühlte mit dem Gedachten in Einklang bringen. Das Leben umarmt sich sozusagen selbst.

Als das Kind noch ein Kind war, verbrachte ich mehrere Wochen jedes Sommers in der Bucht von Sistiana. Dort begann meine Reise ins Eigene – etwa bei den bunten Fischen unter Wasser oder in den Vorstellungen des Freiluftkinos. Seitdem verbinde ich emotionale Spontaneität und ein dem Leben zugewandtes Entdecken (und in weiterer Folge auch beschreiben können) der eigenartigsten Abenteuer mit dem, was passiert, wenn man in Italien ist. Und das reimt sich auf erstaunliche Weise darauf, worüber Christopher und ich uns in einigen der letzten Perlentaucher-Sendungen unterhalten haben, wenn es ums Unterwegssein ging und ja: “Was urlauben sie sich?” Die wahrgenommenen Übergänge und Wechselwirkungen zwischen alpiner, mitteleuropäischer und eben mediterraner Lebenskultur stellen “den sprachlich-gedanklichen Überbau” oder “die distanziert-reflektierte Beschreibung” dessen dar, was wir bei der Begegnung mit den sich dort begegnenden Kulturen so alles empfinden, erleben, und spüren.

Anders ausgedrückt: “Die Pizza schmeckt gut.” Ja, aber was genau meinst du mit “gut”? Kannst du das etwas detaillierter ausführen? Oder – wie fühlt sich das an, was du als ersten Eindruck mit “gut” beschreibst? Anderes Beispiel: “Dieser Song taugt mir voll.” Aha – bitte versteh mich nicht falsch, wenn ich jetzt “Warum?” frage. Ich will damit nicht an deinem Geschmack zweifeln, sondern verstehen, was genau an dem Song dein “gefällt mir” hervorruft. Ist es der Klang der Stimme? Oder ist es diese Verschiebung zwischen dem Schlagzeug und dem Gesangsrhythmus?”

Anmerkung: Für das Zustandekommen dieser Sendung waren einige Musiktipps sowie Hintergrundgeschichten meines Pizzaiolo Illy von der Pizzeria No. 1 überaus hilfreich.

 

Incontro culturale