Perlentaucher Nachtfahrt am Freitag, 11. September um 22:06 Uhr – Liebes unsichtbares und doch auf merkwürdige Weise auch aus dem Studio heraus immer wieder lebendig wahrnehmbares Publikum … über Synästhesie als neurologische Normvariante hat die moderne “Wissenschaft vom Abstrakten” schon so einiges durchaus Interessantes herausgefunden. Uns allerdings interessiert vornehmlich, was wir in und mit unseren über willkürliche Normen hinaus varianten Gehirnen, überhaupt Nervensystemen (nennen wirs neuroplastisch, neurodivers, resonant, interaktiv, dialogisch oder whatever), was wir also in und mit unseren natürlichen Systemen an neuen Signalwegverschaltungen selbst hervorbringen und erfahren können. Wir spielen die Symphonie des Lebens auf dem Instrument, das wir sind.
Und es spielt uns. Wie sehr sind wir das Lied des Lebens – oder haben wir es einmal “auf Pause” gestellt, um einstweilen irgendwas anderes “zu machen”? Finden wir jederzeit zurück “in den Flow” – oder haben wir uns (unser Ursprüngliches) auf unserem Weg woandershin – aus den Augen, aus dem Sinn, aus der Gefühlslandschaft – verloren? Sind wir von uns selbst entfremdet? Sind wir in unserem Innersten entkernt? John Lennon hat es sehr einfach gesagt (Oskar Haag) – in unserem Fall halt: “Life is what’s happening while you are busy making other plans and worrying about things that may never happen.” Während ich das hier schreibe bemerke ich ein leises Gefühl von Zuviel, einen ersten Anflug von “den Überblick verlieren”. Ein Gefühlszustand, in den ich leicht hineinkippen könnte und den der kleine Ich in seinen frühen Jahren bis zur Erschöpfung überlebt hat, wie wir zwei inzwischen wissen. Es ist angenehm, das jetzt gemeinschaftlich zu bekichern. In der Zwischenzeit hole ich mir einen Kaffee …
… und sage zu mir: “Ich möchte ja eigentlich so schreiben, dass die Geschichte, die dabei entsteht, mir etwas Neues erzählt, etwas, wo ich bis jetzt noch nicht war.” Aus dem Dort, wo bis vor kurzem nichts zu hören war, sagt es vernehmlich: “Du musst halt das Kontrollkasterl ausschalten.” Und aus dem Da, wo ich, seit ich denken kann, gedacht habe, rebelliert es nicht mehr wie mit 13, 14 (ich kann mich erinnern): “Wo soll der Schalter dafür sein, du blöde Kuh?” Nein, es grinst in Übereinstimmung und sagt: “Gute Idee, machen wir so.” Und es weiß, dass es sich so viel leichter und entspannter anfühlt und dass wir sowieso keine Zeit mehr haben für ausführliche Umschreibungen aus der abstrakten Welt der sprachlich-analytischen Erklärketten (das war übrigens der Trigger für das zuvorige Zuvielgefühl, bitte, danke, gegessen und verdaut). So. “Sprache ist eine große Quelle für Missverständnisse.”, heißt es bei Saint-Exupéry. Auf die abstrakte, die Sprache ohne Körper, trifft das wohl zu …
Wir alle sind entwurzelt und haben manche Zugänge zum Lebendigen verloren, und das schlicht deshalb, weil wir in einer “zivilisierten Welt” leben. Dadurch müssen wir im Lauf unseres Lebens Gefühlszustände und Wahrnehmungen abspalten, weil der Schmerz, der Schock, das Trauma uns sonst töten würden. In der modernen Zivilisation zu leben ist von vorn herein traumatisch, weil es den Verlust des Zugangs zu unserer Natur bedeutet. Das setzen wir in unseren Sendungen inzwischen als bekannt voraus. Wie aber eine Symphonie erst “funktioniert”, wenn alle Teile, aus denen sie besteht, vollumfänglich stattfinden – und von den Zuhörys (Phettberg) auch vollumfänglich wahrgenommen werden, so ist das mit unserem Leben als alleinige Menschen, zu zweit, in Gemeinschaften … und als gesamte Menschheit. Im Einklang mit der Natur bin ich, bist du, sind wir eine synästhetische Symphonie, in der alles in allem tönt, klingt, vibriert, leuchtet, sich anfühlt, bewegt, einfach stimmt.
Probieren wirs aus …









