Kate Tempest

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 8. April – Es ist schon so eine Sache mit dem Schöpferischen – und Salzburg ist wahrlich eine Hauptstadt – des Nachmachens. Vom Festspiel- bis zum Rockhouse klingt das Allermeiste irgendwie so ähnlich wie schon mal dagewesen. Nie gab es hier eine Punkband namens Thomas Bernhard oder Die Ursache, die Punk als Konzept ihrer Arbeit angewandt hätte und nicht fad nach der zwölfzigsten Wiederkehr des Erwartbaren schmeckt. Einen Unterschied zwischen originärem Schaffen und industrieller Reproduktion macht kaum noch jemand in diesem sich immer schwindliger drehenden Eventkasperltheater namens Kunst- und Kulturmartkt. Und der Mammonmoloch thront feist über den Dächern… Trotzdem gibt es Künstler_innen, die um ihrer Aussage willen auftreten – und wie!

Kate TempestKate Tempest aus London wird ja längst als “uncategorizable” oder “poet without borders” bezeichnet, was uns naturgemäß sehr gefällt, aber eben auch den Kontrapunkt zum eingangs Beklagten darstellt: Wie unsere fiktive Band das Wesen des Punk, so hat Kate Tempest das Wesen des Rap abstrahiert und in ein Schaffensprinzip übersetzt, das ihre Arbeiten erfrischend neuartig und überaus eigenständig macht – völlig im Gegentum zum sonst üblichen Genre-Abklatsch. Billy Bragg sagt über sie: “Zum einen bin ich beeindruckt, dass sie all das als weiße Frau tut. Und dass sie dabei ein echtes Gefühl von Verletzbarkeit rüber bringt, dazu auch ein Gespür für Humor. So etwas kriegt man nicht im Mainstream-Rap. Ich habe sie mit ihrer Band laut sein erlebt, ich habe sie ihr Publikums durch ihr leise sein geradezu hypnotisieren erlebt. Und das sieht man ja auch nicht oft in der Rap-Szene.” Gut gebrüllt, auch einige der Gründe, warum wir Hasen Rap nebst Hip-Hop & Co generell nicht soo genial finden, Spokenword und Performance Poetry in all ihren Spielarten dagegen durchaus! Ein gutes Beispiel dafür ist das Kate-Tempest-Projekt Let them eat Chaos, das zugleich als Gedicht in Buchform, als Studio-Album und als Live-Performance daherkommt.

Wir wollen euch diese Künslerin in einigen Facetten ihres vielseitigen Schaffens vorstellen. Sie einmal in Salzburg live zu erleben wäre begehrenswert, aber ist das leistbar, zahlt sich das rechnerisch aus? Geh scheißen, Geldsäckulum, g’stinkerts!

 

Ankündigung Sendung #18: Wir ersuchen um Aufmerksamkeit!

Sendetermin: Dienstag, 3. April 2018 um 20 Uhr auf der Radiofabrik Salzburg

In der letzten Sendung setzten wir uns mit dem Thema Achtsamkeit/Mindfullness auseinander. Dabei stellte sich heraus: Ein etwas großes Thema für so wenig Zeit. Daher haben wir uns für dieses mal zusätzlich Engelchen Theresa Meikl eingeladen. Sie arbeitet in Salzburg im Bereich Körperwahrnehmung und Aufmerksamkeit und bietet Seminare/Workshops an.

aufmerksamkeit

aufmerksamkeit

In dieser Sendung stellen wir uns die Frage, ob Aufmerksamkeit und Achtsamkeit etwas verschiedenes ist. Wir streiten – im besten Sinne des Wortes – miteinander um die Frage, ob diese Art der individuellen Veränderung die Welt zum besseren verändert oder einfach sie nur ein weiteres Instrument zur Befriedung der Massen ist.

Wir fordern Frühling!

Sendung: Artarium vom Sonntag, 25. März – Jetzt! Sofort! Augenblicklich!  Kalendarisch hätte der Frühling eigentlich schon angefangen, auch der Osterhase steht bereits erwartungsfroh vor der Tür – doch wir frieren immer noch an Leib und Seele, dass es nur so scheppert. Höchste Zeit also, einen lyrischen Kosmos gegen Kaltfront und Nachtfrust anzurühren! Einen inwendig warmen Polarluftschutz, aus dem heraus sich die Landschaft um uns wie durch Zauber verwandelt. Ein Wunder der Dichtung gegen die Tristesse der Vernunft. Ein Schlüsselblumenerlebnis gegen das sibirische Eisbärenballett. Lasset uns Frühling machen! Oder, wie ich es dem jüngst mit dem Günther-Anders-Preis für kritisches Denken ausgezeichneten Autor Dietmar Dath in den Mund schöbe: “Lasset uns davon berichten, wie es sein sollte!”

Ursprung FrühlingEinmal in der Woche strahlt der Radiosender Ö1 eine Art Collage namens “Du holde Kunst” aus, in der eine Stunde lang Gedichte und instrumentale Musik zu hören sind. Diese Sendung wurde erstmals im Oktober 1945 vom ORF-Vorläufer “Rot-Weiß-Rot” produziert – und läuft seitdem ununterbrochen im öffentlich-rechtlichen Programm. Ihr ursprüngliches Ziel war, “dem vom Krieg und den unmittelbaren Nachkriegswirren zerrütteten Publikum die schönsten und edelsten Schöpfungen von Literatur und Musik nahe zu bringen” und “den Schmutz des Krieges aus den Herzen zu vertreiben.” Zudem sollte ihre “Lyrische Ästhetik eine Art Flucht aus dem harten Alltag vermitteln, aber auch die Sehnsucht nach einer lichteren und schöneren Welt zum Ausdruck bringen.” Ein Anliegen von bleibender Brisanz und – angesichts der Weltlage – auch von erschreckender Aktualität. Die dienstälteste ORF-Sendung erreicht nach wie vor (abgesehen von den Nachrichten) das meiste Zuhören und wurde sogar schon als Forschungsprojekt zur Lyrikvermittlung im Radio gewürdigt. So begegnen sich nun unsere Interessen, das Vermitteln von poetischer Schönheit als Gegenpol zum Weltwetter ist fürwahr auch in unserem Konzept ein roter Faden.

Allerdings erweitern wir, bei der Musikauswahl wie bei den Darstellungsformen, den engen bildungsbürgerlichen Kanon in ein experimentelleres Ambiente aus Pop, Jazz, Spokenword und Spontaneität. So feiert sich der totale Frühling, 73 Jahre nach dem Ende des II. Weltkriegs – und 20 Jahre nach dem Fall des Rundfunkmonopols…

 

„So war’s einmal..“ Märchenupdates, Teil 2

„So war’s einmal…“ Märchenupdates, Teil 2

„So war’s einmal, aber…“ und „Wünschen ist ganz schön schwer, man ist es nicht mehr so gewohnt…“, wer von uns kennt das nicht? Auch Märchen brauchen ein Update. Was aus den Märchenfiguren geworden ist, das könnt ihr  in unserer Sendung hören. Wir waren nämlich Adabeis und haben die neuesten Nachrichten aus dem Märchenwald für euch.

„Es war einmal….“ Märchenupdates, Teil 1

„Es war einmal…“ Märchenupdates, Teil 1

Es war einmal…“ und „In den Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat…“ das klingt uns allen noch im Ohr. Märchen gibt es immer und überall. Und die meisten von uns lesen und hören sie auch gerne. Wir von „Spitz die Ohren, Mini Andrä“ haben es auch wieder einmal gemacht und einige Geschichten für euch nacherzählt. Aber Märchen brauchen auch ein wenig Werbung. Wir haben die besten Produkte aus der Märchenwelt gesucht und gefunden.

Battle&Hum#87

Samstag 17.03.2018 (Stairway zum Nachhören)

Der erste Spaziergang durch den frühlingshaften Garten, wir sehen nach den Ohrwürmern und sprenkeln die ersten zarten Triebe mit unserer GISkanne!

the playlist:

MC Randy Andy’s Soundkrümel:

  • 1. Frank Zappa and the Mothers of Invention (over nite sensation) – i‘m the slime
  • 4. Gustav (verlass die stadt) – neulich im kanal

DJ Ridi Mama‘s Broadkasten:

  • 2.Ernst Molden & Der Nino aus Wien (unser österreich) – der zwerg
  • 3. Kreiml & Samurai (wuff oink) – wuff oink
  • 4. Franz Ferdinand (always ascending) – paper cages

Ein Mann, der was zu sagen hat und keine Zuhörer findet, ist schlimm daran. Noch schlimmer sind Zuhörer daran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat. (Bertolt Brecht)

 !WICHTIGER HINWEIS!

Ab sofort stehen unsere Sendungen nur mehr beschnitten (ohne Musiktitel) auf der CBA Archivplattform zur Verfügung. Dies soll uns Sendungsmacher vor Urheberrechtlichen Verfolgungen schützen. Aber seid nicht traurig ihr könnt weiterhin mit Hilfe eines Passwort jede Sendung voll und ganz herunterhobeln.

Streamen ist ohne Passwort möglich nur für den Download benötigt man ein Zauberwort.

Dieses Passwort lassen wir jenen interessierten welche uns ein E-Mail schreiben gerne zukommen.

Opens window for sending emailinfo@battleandhum.at

Klicket das gelbe Schlößchen (links unter der Musikdatei) an und gebet dann das Passwort ein und das Glück kommt in Strömen!

Zur Abstimmung HIER entlang! (Die Wahlkabinen sind bis Monatsende geöffnet, wo gibts denn sowas…….)

Kein Anschluss unter dieser

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 18. März – Nummer! So tönte es einst aus dem analogen Telephon, wenn man sich zum Beispiel irgendwie verwählt hatte. Und rund um den sogenannten Anschluss Österreichs 1938 konnte man sich ja sowas von verwählen, dass einem die direkte Demagogie förmlich in die Existenz einbrach, was nicht wenigen im Anschluss (sic) daran selbige kostete. Zum 80-jährigen Gedenken an diesen historischen Schwachsinn überschlägt sich die Medienwelt geradezu in nichtendenwollenden Dokumentationen, was wiederum Unlust und Unmut erregt, doch warum? Vielleicht, weil die Darstellung der Ereignisse, die dem 12. März 1938 vorausgingen, seit 1945 so ideologisch verbrämt und parteipolitisch besetzt sind, dass kaum je ein Redakteur dem diesbezüglichen Nachkriegskonsens entkommt…

vor dem anschlussVon einem Dreiviertelfaschismus schrieb Erich Fried im Hinblick auf derlei akadämliche Diskussionen später in seinem Text “Der große Tag von Linz”, den er als damals 16-jähriger zusammen mit seinem Vater vor dem Radio erlebte, aus dem “der letzte Bundeskanzler” (einer seit 1934 verfassungswidrig zur ständestaatlichen Diktatur umgeschwindelten Ersten Republik Österreich), Kurt Schuschnigg, sein klares und eindeutiges JEIN zum Deutschöstertum verlauten ließ: “Damit verabschiede ich mich vom österreichischen Volk mit einem deutschen Wort und einem Herzenswunsch: Gott schütze Österreich!” Wes das Herz überquillt, des offenbart sich eben führer oder später. Derselbe so lauwarm daherweinerlnde “Führer der vaterländischen Front” hatte für die geplante Volksabstimmung über die Eigenstaatlickeit nicht einmal Stimmzettel für eventuelle Neinsager vorbereitet. Hätte man also für den Anschluss ans Deutsche Reich votieren wollen, dann hätte man sich den Stimmzettel dafür auch noch selbst mitbringen müssen. Alternativlos katholisch überhitlert der Austrofaschismus die deutschen Nazis dann doch – zumindest in diesem Detail. Denn deren Stimmzettel für die am 10. April tatsächlich durchgeführte Abstimmung hat immerhin ein Kreiserl fürs Nein – wenn auch klein.

nach dem anschlussIm Nachhinein ist es oft leicht zu erkennen, wozu man von Anfang an lieber doch Nein sagen hätte sollen, wollen. Ja, wollen! “Wollen hätten wir schon mögen, nur dürfen haben wir uns halt nicht getraut…” (Karl Valentin) Doch nach wie vor ist das Jasagen oberstes Staats- und Erziehungsprinzip, so wie es auch “Das Nein” von Peter Turrini darstellt (zitiert aus “Zur Gesundung der österreichischen Seele” von Erwin Ringel):

Das Nein
das ich endlich sagen will
ist hundertmal gedacht
still formuliert
nie ausgesprochen.

Es brennt mir im Magen
nimmt mir den Atem
wird zwischen meinen Zähnen zermalmt
und verläßt
als freundliches Ja
meinen Mund.

Versuch einer Verständigung zwischen Konstantin Weckers Klassiker “Sage Nein” (unlängst neu aufgenommen mit ASP, Cetin Oraner und Conchita Wurst) und dem so typisch österreichischen Herumlavieren nach Nestroy: “Nein, justament nicht!”