Takeshi’s Cashew

Artarium am Sonntag, 27. September um 17:00 Uhr – Dass es hier in nächster Zeit die eine oder andere musikalische Neuentdeckung zu erleben gibt, das hat sehr viel mit Hans Webersdorfer zu tun. Besser gesagt mit der nach ihm benannten Straße im Süden Salzburgs. Dorthin werde ich nämlich jetzt eine Zeit lang unterwegs sein. Und wenn man sozusagen “auf Reisen” ist, dann nimmt man ganz andere Eindrücke mit von dieser Welt, die da an einem vorüber zieht. Und man “sieht” auf einmal Details, “entdeckt” dahinter verborgene Geschichten und “erzeugt” (oder mediopassiv, es entstehen in einem) neue Verknüpfungen und Zusammenhänge, auf die man sonst nie gekommen wäre … Der kongeniale Soundtrack zu diesem Roadmovie kommt heute von Takeshi’s Cashew und heißt “Enter J’s Chamber”. Fare well, my love!

Takeshi's MahnmalIn der Hans Webersdorfer Straße steht ein eigenartiges Denkmal, das aus lauter Arbeitshandschuhen zu bestehen scheint. Bei näherer Betrachtung stellte sich mir die Frage, wie “die” das so derartig realistisch hingekriegt haben als Bronzeguss und so … Wie es der Zufall (oder die Regie des Lebens) haben will, traf ich kurz darauf einen Freund, der mir erzählte, dass er mit dem Schöpfer dieses Kunstwerks namens Benjamin Zsak gemeinsam die Bildhauer-HTL in Hallein besucht und sogar noch bei der Herstellung der Gussform mitgewirkt hat. Frage findet Antwort! Darüber hinaus erfuhr ich von ihm, dass besagter “Benji” nicht nur Banjo spielt, sondern auch Bass bei einem international erfolgreichen Musikprojekt namens Takeshi’s Cashew. Und deren Musik, die er mir nach unserem ersprießlichen Gespräch noch hinterher schickte, die berührt mich auf so ungewohnt angenehme Weise, dass ich sie schlicht nicht für mich allein behalten mag. Weshalb ich sie euch hier auch weiterempfehle.

Im MICA-Interview “Auskennen im Musikbusiness” erfährt man von Florian Feit (Woodwinds) einiges über den Werdegang der Multiinstrumentalistentruppe sowie deren Self-Learning-Odyssee durch die Wirrungen des Musikmarkts. Mich hat vor allem die Aufzählung der unterschiedlichsten Instrumente, die einige der Mitglieder da einsetzen, fasziniert: Benjamin Zsak und Lukas Zettl spielen etwa Gitarre(en) und dazu noch Synthesizer. Solches “Musik verstehen” aus Gitarrengefühl und zudem aus Keyboard-Soundigkeit heraus, das erzeugt einen ganz eigenen Klangteppich …

 

Welcome to my heart!

 

Battle&Hum#164

Samstag 19.09.2026 (Stairway zum Nachhören)

Die Füße tun uns weh, in den neuen Sandale des is a Skandale, Urlaub ist aus!

 

  MC Randy Andy’s Reisegruppe:

  1. Huun-Huur-Tu (the orphans lament) – prayer
  2. Fortuna Ehrenfeld (glitzerschwein) – leck mich am arsch, amore mio
  3. big boy bedauerlich & young jämmerlich (single) – om ah hum
  4. Bilderbuch (schick schock) – feinste seide

  DJ Ridi Mama’s Backpacker:

  1. Jochen Distelmeyer (songs from the bottom vol. 1) – toxic
  2. Danger Dan (das ist alles von der kunstfreiheit gedeckt) – ich verprügelte die sextouristen in bangkok
  3. Little Simz (no thank you) – gorilla
  4. Joy Crookes & Ravyn (single) – feet don’t fail me now (part 2)

 

„Auf kühlen Eisen will ich verreisen,

auf einer Bank, die rattern tut.

Schischischischischen.

Der Dampf dazwischen,

das tut den kranken Nerven gut.“

(Kurt Schwitters)  

Zur Abstimmung folget dem LINK!

 

Austrodrama

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 20. September – Machen wirs kurz: Im Jahr 2025, als wir selbst gerade mit der Produktion unserer dokumentarischen Erzählung “IN BETWEEN. Ein Doppelportrait” beschäftigt waren, geriet ein lieber Kollege, den ich noch aus seiner Salzburger Zeit kenne, in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. Mwita Mataro hatte da soeben seinen Film “Austroschwarz” erfolgreich in die Kinos gebracht, dessen Themen und Hinterfragungen vor allem mich selbst zu ein paar Nachforschungen im Kolonialwarengeschäft meiner Vorfahr*innen inspirierte. Und so sollte Kunst unserer Ansicht nach funktionieren, dass sie immer auch Anregungen zu wiederum neuen und eigenen Verbearbeitungen anbietet. So stellen wir euch heute das auf Vinyl bereits erschienene Soloalbum “Austrodrama” von Mwita Mataro vor …

AustrodramaEinige der Songs daraus hat er auf seinem YouTube-Kanal (auch als recht schräge, launige Musikvideos) auch schon vorab veröffentlicht. Die komplette digitale Playlist wird sich dann noch bis zum CD-Release im Oktober Zeit lassen … Wir spielen jedoch bereits heute “das ganze Album”, zumal wir finden, dass es gehört gehört (danke, Wolf Haas). Wir, das sind diesmal Der kleine Ich und Ben-Luca Malzer, der mich auf erfrischendste Weise schon beim Digitalisieren der “Schallplatte” (yes, it’s analogue, so wie damals) mit seiner zeitlosen Hardware unterstützt hat. Was uns sogleich in die klanglichen Finessen des vorliegenden Musikwerks einsteigen lässt. Der Produktion hört man die langjährige Erfahrung des Sängers von At Pavillon im Funkpop Indierock whatever jedenfalls genreverschmelzenden Musikbetrieb deutlich an – und auch sämtliche am Zustandekommen von einem so runden und schillernd vielseitigen “Austrodrama” wie diesem Beteiligten tragen zu seinem Gelungensein bei. Allein die Texte, die ich bemerkenswert finde, könnten da für meinen Geschmack noch deutlicher klingen …

 

Zum Beispiel “Es begann alles mit Feuer”

 

Hast du’s kommen geseh’n, kommen geseh’n, kommen geseh’n?
Hör’s auf dir schönzureden, schönzureden, schönzureden
Du weißt, nichts wird, wie’s früher einmal war
Schau mich an, wenn ich mit dir red‘, schau mich an
Die Blumen am Feldrain sind keine Blumen mehr
Sondern bunte Farbflecken, oder viel mehr
Bäume führen einen endlosen Tanz um uns rum

Es begann allеs mit Feuer, dann kam Strom
Es begann allеs mit Feuer

Es dampft aus dem Kopf, aus dem Kopf, aus dem Kopf
Du schaust zum Himmel auf, Himmel auf, Himmel auf
Beobachtest die Wolken, du schaust ihnen nach
Kann sein, dass sie von mir sind? Kann das sein?

Hören wir auf, in Metaphern zu reden
Hören wir auf, in Zahlen zu leben
Du weißt, es begann alles mit Feuer, dann kam Strom
Es begann alles mit Feuer

 

Mwita Mataro – Austroschwarz in progress

 

Steh auf

… wenn du am Boden bist. Diese Aufmunterung braucht jeder mal, wenn das Leben einem Steine in den Weg liegt. Gut das Musik dabei helfen kann. Nicht nur Die Toten Hosen, sondern einfach Musik, die man in bestimmten Situationen hört, kann helfen wieder auf die Füße zu kommen. Und heute im Studio Rene und Anuja, eine unserer FSJ’lerInnen. Da sie aus weiter Ferne zu uns kam, haben wir für diese Sendung unser bestes (Schul-)Englisch ausgegraben. Und keine Sorgen schon während der Zeit des FSJ „spielten“ wir mit unseren Sprachen.

PS: Die Sendung war noch vor den Sommerferien am 22.Juli 2026

Hört, Hört:Hier zum Nachhören.

A Mediterranean Odyssey

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 13. September – Nach über 15 Jahren gedeihlicher Zusammenarbeit schließt sich hiermit einer von nicht wenigen Kreisen, die eine spontan-assoziative, musik/textdramaturgische sowie themenvielfältige Arbeitsweise wie die unsere immer und immer wieder in neugieriger Bewegung gehalten haben. “A Mediterranean Odyssey” von Loreena McKennitt, ein ganzes Album, das im Zusammenwirken mit der Perlentaucher-Nachtfahrt zum Thema “Synästhetische Symphonie” zur Selbsterfahrung synästhetischer Phänomene einlädt, die in streng abgrenzenden Definitionen (entweder bist du im Schachterl drin oder eben draußen) nicht vorkommen: Das Entstehen von neuen Gefühlszuständen durch von äußeren Eindrücken ausgelöste Innenwahrnehmungen zum Beispiel.

A Mediterranean OdysseyOder auch die Möglichkeit, durch entsprechende Übungen neue und bisher nicht vorhanden gewesene Verknüpfungen von Nervenbahnen im eigenen Gehirn herzustellen. Ich erinnere mich da an einen in dieser Hinsicht ganz besonders begabten Musiklehrer, den ich in den 70er Jahren in der 5. Klasse Gymnasium erleben durfte. Professor Kaspar spielte uns die unterschiedlichsten klassischen und modernen und … Musikstücke vor – und stellte uns dabei jedes Mal die Aufgabe, die Augen zu schließen und darauf zu achten, was für innere Eindrücke (Bilder, Farben, Formen, Gerüche, Szenarien, Stimmungen, Geschichten …) wir in uns wahrnehmen würden. Und anschließend lud er uns dazu ein, die jeweiligen Wahrnehmungen mit ihm und der ganzen Klasse zu teilen. Sogar die wortkargsten Mitschüler*innen, die ich als irgendwie “emotional spröde” empfand, erzählten auf ein Mal von ihren inneren Erlebnissen. Bei mir selbst fand ich heraus, dass sich zunächst nur einzelne Eindrücke einstellten, die nach mehreren Versuchen zu ganzen Filmszenen wurden.

“A Mediterranean Odyssey”, wie überhaupt die Musik von Loreena McKennit ist für solche Experimente und Expeditionen (ins eigene Gehirn und dadurch auch darüber hinaus) ganz vortrefflich geeignet, weil sie so vieles ineinander verwebt, was unsere gewohnten und (von wem auch immer) normierten Vorstellungen von uns selbst und “von unserem Platz in der Welt” auflösen, fließend machen und neu (und vor allem selbstbestimmt) entdecken und dadurch bestimmen hilft. Hier begegnen sich uralte Weisheiten der keltischen Ursassen mit orientalischen Formen und Traditionen …

 

… und auch mit uns, wenn wir offen sind …

 

John Coltrane 100 – Teil 1


Gelderen, Hugo van / Anefo, CC0, via Wikimedia Commons

Zum 100. Geburtstag von John Coltrane gibt es bei Tuning Up eine zweiteilige Sondersendung. Im ersten Teil werden wichtige Stationen des Jazzinnovators nachgezeichnet. Im zweiten Teil gibt es dann spezielle Stücke zu hören.

In der Auswahl von Teil 1 erklingen Mr. P.C., Blue in Green, Impressions, A Love Supreme u.v.m.

Nachzuhören unter: https://cba.media/792383

Synästhetische Symphonie

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 11. September – Liebes unsichtbares und doch auf merkwürdige Weise auch aus dem Studio heraus immer wieder lebendig wahrnehmbares Publikum … über Synästhesie als neurologische Normvariante hat die moderne “Wissenschaft vom Abstrakten” schon so einiges durchaus Interessantes herausgefunden. Uns allerdings interessiert vornehmlich, was wir in und mit unseren über willkürliche Normen hinaus varianten Gehirnen, überhaupt Nervensystemen (nennen wirs neuroplastisch, neurodivers, resonant, interaktiv, dialogisch oder whatever), was wir also in und mit unseren natürlichen Systemen an neuen Signalwegverschaltungen selbst hervorbringen und erfahren können. Wir spielen die Symphonie des Lebens auf dem Instrument, das wir sind.

Synästhetische Symphonie 1Und es spielt uns. Wie sehr sind wir das Lied des Lebens – oder haben wir es einmal “auf Pause” gestellt, um einstweilen irgendwas anderes “zu machen”? Finden wir jederzeit zurück “in den Flow” – oder haben wir uns (unser Ursprüngliches) auf unserem Weg woandershin – aus den Augen, aus dem Sinn, aus der Gefühlslandschaft – verloren? Sind wir von uns selbst entfremdet? Sind wir in unserem Innersten entkernt? John Lennon hat es sehr einfach gesagt (Oskar Haag) – in unserem Fall halt: “Life is what’s happening while you are busy making other plans and worrying about things that may never happen.” Während ich das hier schreibe bemerke ich ein leises Gefühl von Zuviel, einen ersten Anflug von “den Überblick verlieren”. Ein Gefühlszustand, in den ich leicht hineinkippen könnte und den der kleine Ich in seinen frühen Jahren bis zur Erschöpfung überlebt hat, wie wir zwei inzwischen wissen. Es ist angenehm, das jetzt gemeinschaftlich zu bekichern. In der Zwischenzeit hole ich mir einen Kaffee …

Synästhetische Symphonie 2… und sage zu mir: “Ich möchte ja eigentlich so schreiben, dass die Geschichte, die dabei entsteht, mir etwas Neues erzählt, etwas, wo ich bis jetzt noch nicht war.” Aus dem Dort, wo bis vor kurzem nichts zu hören war, sagt es vernehmlich: “Du musst halt das Kontrollkasterl ausschalten.” Und aus dem Da, wo ich, seit ich denken kann, gedacht habe, rebelliert es nicht mehr wie mit 13, 14 (ich kann mich erinnern): “Wo soll der Schalter dafür sein, du blöde Kuh?” Nein, es grinst in Übereinstimmung und sagt: “Gute Idee, machen wir so.” Und es weiß, dass es sich so viel leichter und entspannter anfühlt und dass wir sowieso keine Zeit mehr haben für ausführliche Umschreibungen aus der abstrakten Welt der sprachlich-analytischen Erklärketten. “Keine Zeit mehr haben” war übrigens der Trigger für das zuvorige Zuvielgefühl, bitte, danke! Und: “Sprache ist eine große Quelle für Missverständnisse.”, heißt es bei Saint-Exupéry. Auf die abstrakte Sprache ohne Körper trifft das wohl zu …

Synästhetische Symphonie 3Wir alle sind entwurzelt und haben manche Zugänge zum Lebendigen verloren, unter anderem deshalb, weil wir in einer “zivilisierten Welt” leben. Dadurch müssen wir im Lauf unseres Lebens Gefühlszustände und Wahrnehmungen abspalten, weil der Schmerz, der Schock, das Trauma uns sonst töten würden. In der modernen Zivilisation zu leben ist von vorn herein traumatisch, weil es den Verlust des Zugangs zu unserer Natur bedeutet. Das setzen wir in unseren Sendungen inzwischen als bekannt voraus. Wie aber eine Symphonie erst “funktioniert”, wenn alle Teile, aus denen sie besteht, vollumfänglich stattfinden – und von den Zuhörys (Phettberg) auch vollumfänglich wahrgenommen werden, so ist das mit unserem Leben als alleinige Menschen, zu zweit, in Gemeinschaften … und als gesamte Menschheit. Im Einklang mit der Natur bin ich, bist du, sind wir eine synästhetische Symphonie, in der alles in allem tönt, klingt, vibriert, leuchtet, sich anfühlt, bewegt, einfach stimmt.

 

Probieren wirs aus …

 

lt128-Weltbilder einst und jetzt

Wissenschaft und Weltbilder – einst und jetzt

In der Sendung gibt es Beiträge über Weltbilder, Erfindungen, Astronomie und Wissenschaften alter Kulturen, machen dann einen Zeitsprung von ca. 2000 Jahren und schauen uns die heutigen „Wissenschaften und Weltbilder“ an.:

  • In der Astronomie schauen wir ja heute bis an den Rand des Weltalls und haben daraus auch Erkenntnisse zur Weltentstehung erlangt- Stichwort Urknall.
  • Und in der Quantenphysik die Welt der Verschränkung und vieler, wie es Einstein bezeichnet hat „Spukhafter Fernwirkungen“.

  • Spannendes aus alten Wissenschaften rund um den Erdball
  • Wissenschaftliche Erkenntnisse alter Kulturen
  • Mythologie & Weltbilder
  • Astronomie, Himmelsbeobachtung und  Bauten
  • Anfänge und Entwicklungen der Astronomie, Mathematik und Naturwissenschaften
  • Wissenschaft & Weltbilder heute:
    Astronomie-Urknall,  Dunkle Materie, Energie, Quanten, …

Die Hundeblume

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 30 August – Ein Mann sitzt im Gefängnis. Warum? Für wie lange? Man weiß es nicht. Das einzige, was wir wissen, ist, dass er in Einzelhaft ist und dass er sich dabei sehr genau beobachtet: “Und nun hat man mich mit dem Wesen allein gelassen, nein, nicht nur allein gelassen, zusammen eingesperrt hat man mich mit diesem Wesen, vor dem ich am meisten Angst habe: Mit mir selbst.” Einmal am Tag eine halbe Stunde in den Hof, das heißt immer in einer Reihe, immer in demselben Kreis, immer von denselben aggressiven Gefängniswärtern mit lautem Geschrei angetrieben. Sein einziger Lichtblick ist ein einsam blühender Löwenzahn, eine Hundeblume, wie man in Norddeutschland sagt, und an diesem einzigen farbigen Lebewesen inmitten all der grauen und grausamen Eintönigkeit hält er sich fest …

Die HundeblumeSie wird zum Objekt seiner Begierde und erst durch sie findet er – in einer Situation, die ihm nur aussichtslos erscheinen kann – zu einem neuen Ziel, auf das er sein ganzes Dasein ausrichtet. Die Geschichte, die hier erzählt wird, begleitet ihn dabei bis zur tatsächlichen Begegnung “mit dem Lebendigen”. In dem Moment, wo sich sein inneres Überleben und die äußere Wirklichkeit des Lebens berühren (das in seiner Hundeblume verkörpert ist), in dem Moment “erkennt sich das Leben im anderen selbst”. Und für den “lebendig Begrabenen”, dessen einzige Aussicht bislang das Zugrundegehen war, erschließt sich in einem zeitlosen Augenblick der eigentliche Sinn allen Lebens: “Er war so gelöst und glücklich, dass er alles abtat und abstreifte, was ihn belastete: Die Gefangenschaft, das Alleinsein, den Hunger nach Liebe, die Hilflosigkeit seiner zweiundzwanzig Jahre, die Gegenwart und die Zukunft, die Welt und das Christentum – ja, auch das!” Ihr könnt die ganze Geschichte hier lesen, sie heißt “Die Hundeblume”.

Geschrieben hat sie Wolfgang Borchert kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs, aus dem er sterbenskrank heimgekehrt war – als er bereits wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. An diesem Punkt seines Lebens entschied er sich, die ihm noch verbleibende Zeit zu nutzen, so viel als möglich von dem, was er selbst erlebt und überlebt hatte, zu verdichten und für die Nachwelt (uns) aufzuschreiben. Über sein bekanntestes Theaterstück “Draußen vor der Tür”, das noch in seinem Todesjahr 1947 auch als Hörspiel gefeiert wurde, haben wir im April eine Sendung gestaltet.

“Die Hundeblume” scheint mir jedoch noch dichter, noch wesentlicher zu sein. Weil sie nämlich einer grundsätzlichen Frage nachgeht: Was macht den Unterschied zwischen Untergehen und Überleben aus? Und dabei ähnliche Antworten gibt wie Viktor Frankls “Trotzdem Ja zum Leben sagen” – ebenso beglaubigt durch seine eigene Erfahrung: “Noch kurz vor seinem Tode erklärte Borchert, dass es diesen Hundeblumen-Mann gab, dass er 21 Jahre alt war und 100 Tage in einer Einzelzelle saß mit dem Antrag des Anklagevertreters auf Tod durch Erschießen.” (Wikipedia)

 

Walid Ben Selim & Agathe Di Piro – Live at the MuCEM, Marseille