Battle&Hum#91

Samstag 15.09.2018 (Stairway zum Nachhören)

Wir senden aus dem brandneuen Studio mit einem brand new digitalem Mischpult und kehren schön langsam den Sommer raus!

the playlist:

DJ Ridi Mama’s Laubbläser:

  • 2. Travis (everything at once) – radio song
  • 3. Los Crudos (doble lp discografia) – tiempos de miseria
  • 4. Jan Delay (wir kinder vom bahnhof soul) – oh jonny

MC Randy Andy’s Laubhaufen:

  • 2. Killah P (?) – To ανέγκιχτο βασίλειο

„Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub.“ (Franz Kafka)

Das Fliegen + Interviews und Vorträge im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung „Das Fliegen“ im Welios Science Center Wels

 

DAS FLIEGEN

In der Sendung werden Sie Hintergründe zum Thema Fliegen erfahren.

Kompetente WissenschaftlerInnen, AusstellungsmacherInnen und last not least ein Flugkapitän geben Auskunft über Hintergründe, Feinheiten und Besonderheiten des Fliegens.

 

 

Heben Sie also mit uns ab am Mo. 17.9.2018 16:00-17:00

und hier zum Nachhören: https://cba.fro.at/383365

 

Der Watzmann ruft

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 16. September – Jetzt ist schon wieder was passiert. Der Bua ist tot. Weil der Berg, der hot koa Einsehn nit. Und schuld an dem ganzen ist die Gailtalerin, das weiß doch jeder, die tragt auch feuerrote Unterröck. Seit den frühen 70ern begleitet uns “Der Watzmann ruft” nun schon durch das eher spezielle Verhältnis des allgemeinen Österreichers zu seiner ländlichen Volkskultur. Ein vielschichtiges Stück Musiktheater, an dem jede Genrezuordnung zerplatzt, wie sich mit erheblichem Lustgewinn feststellen lässt, wenn man diverse Doktorarbeiten zum Thema besucht. Von einem “Definitionsmoloch” ist da die Rede, und nicht ein Wissensgschaftler kann endgültig sagen, worum es sich dabei genau handelt. Ist es ein Hörspiel, ein Konzeptalbum, ein Popmusical oder eher eine Dialekt-Rockoper?

Der Watzmann ruftDa verrenken sich die lieben Kolleg_innen aber den Hirnarsch beim Schachterlscheißen. Lassen wir doch einen der Hervorbringer dieses über Generationen hinfort wirkenden Kunst-Stücks zu Wort kommen! Herr Ambros, was genau ist denn “Der Watzmann ruft”? “Ein ganz ein eigenes Format. Man kann ja net amoi sogn a Musical, sondern es is a Musiktheater oder ein Theaterstück mit erklärendem Bänkelgesang oder wos a immer. Auf jeden Foi ka richtigs Musical. Es gibt nix Vergleichbares. Und i denk, des hod natürlich a sein Grund.” Aha. Und wie ist das alles zustande gekommen? “Wir haben ein Jahr lang so gredt (“Wie schallts von der Höh? Hollorödulliöö!”), sind dann sogar Bergsteigen gangen und sind total auf den Karl-Heinrich Waggerl und den Luis Trenker abgfahren. Wir haben schon an echten Huscher ghabt. “Der Watzmann ruft”, das ist von einem winzigen Kern ausgangen, von einem Hund namens Watzmann, und dieses Ur-Gerippe hat sich weiter entwickelt zur Plattenversion und zur Bühnenfassung.” Das klingt doch einigermaßen lustig! “Die Geschichte unserer eingrauchten Nächte seit 1972.” (Sämtliche Zitate aus Worte, Bilder, Dokumente von 1987). Was uns die 3 Herren Ambros, Tauchen, Prokopetz hier hinterlassen haben, ist mehr als einfach nur ein “Rustical”. Wir spielen daher die aufgefrischte Original-Version dieses hypnotischen Hörweltspiels.

PS. Einen wohl noch schicksalsträchtigeren Gipfelsturm gibts demnächst in Salzburg zu besichtigen, wenn sich die EU-Staatsoberhäuptlinge zum Thema Migration treffen. Das Thomas Bernhard Institut setzt schon am Mittwoch, 19. September eine Nacht der Künste dagegen. Näheres dazu erfahrt ihr auch in diesem Nachtfahrtblogartikel.

 

Doktorspiele

Doktorspiele oder Training, das alles verändert

 

Irgendwann muss jeder Hund zum Tierarzt. Manche haben Glück und sind wirklich nur einmal im Jahr zur Kontrolle dran, andere sind Stammgast in der Tierarztpraxis. Für fast alle Tiere ist das ein unangenehmes Ereignis. Einer Studie nach, die Andrea Campa zitiert, sind tatsächlich 80 % der Tiere beim Betreten der Praxis zumindest ängstlich. Die meisten haben richtig Angst bis hin zur Panik. Entsprechend gestresst und entnervt sind  auch die zugehörigen Menschen und die Arbeit von Tierarzt oder Tierärztin wird enorm erschwert.

Blutabnahme bei Hund

Andrea Campa nimmt Lisa Blut ab

Die Schweizerin Andrea Campa ist „Die Wildtiertrainerin“ und bereitet viele Tierarten auf medizinische Behandlungen vor. Ihre heimlichen Favoriten dabei sind Krokodile. Die Trainingsgrundlagen sind bei allen Tierarten gleich, das Training mit dem Krokodil verläuft daher nicht wirklich anders als das Training mit einem Hund. Manches, was in den Tierarztpraxen passiert, ist ihrer Meinung nach tatsächlich tierschutzrelevant. Dabei kann man wirklich jedem Tier mit Medical Training helfen. Auch die Tiere, die bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben und überhaupt keine Annäherung mehr dulden, profitieren enorm von dieser Art von Training.

„Und das funktioniert unglaublich gut mit diesen Tieren, die sich so heftig zur Wehr setzen müssen, weil sie sich nicht gehört fühlen. Wenn sie merken, dass sie gehört werden, dann ist es wunderschön zu sehen.“

 

Über Medical Training erhält das Tier ein Mitspracherecht und kann dem Menschen deutlich signalisieren. „jetzt kannst du beginnen“. Genauso deutlich  – und das ist noch viel wichtiger – zeigt das Tier „hör‘ jetzt auf!“ Mensch und Tier treffen sozusagen eine Vereinbarung, die eine verbindliche Garantie enthält: das Tier kann sich fest darauf verlassen, dass der Mensch sofort reagiert und die Behandlung einstellt, wenn das Tier das möchte.

Interessant dabei ist, dass die Tiere diese Möglichkeit zur Unterbrechung bzw. Beendigung einer Behandlung recht wenig nützen, wenn sie das Konzept erst einmal verstanden haben.

Barbara Glatz mit Janosch, dem Leguan

Barbara Glatz mit Janosch, dem Leguan

Offenbar geht es um die die Sicherheit, jederzeit beenden zu können, getreu dem Motto „Ich könnte, wenn ich wollte.“ Barbara Glatz vom Animal Training Center in Graz trainiert ebenfalls mit vielen verschiedenen Tierarten und kann immer wieder diese Beobachtung machen.

 

Beide Spezialistinnen sind sich einig, dass gutes Medical Training auf  Grundlagen wie Vertrauen, Planung, Management und Kleinschrittigkeit beruht, ganz egal ob das Trainingstier ein Gecko, ein Goldfisch, ein Lama oder eine Riesenschildkröte ist – oder eben ein Hund.

Mythos „Angst bestärken“

Immer noch bekommen HundehalterInnen zu hören, dass sie ihre Tiere ignorieren sollen, wenn diese Angst haben. Was für ein grausamer und sinnloser Ratschlag. Zu vieles weiß man heute schon darüber, um diesen Unsinn aufrecht zu erhalten. Innerhalb einer vertrauensvollen Beziehung, wie sie zwischen dem Hund und seinem Menschen besteht, ist es geradezu essentiell, die Angst des anderen wahr- und ernstzunehmen und angemessen zu trösten und zu helfen. Und keine Sorge: Angst wird durch Zuwendung keinesfalls mehr!

 

„…weil Ängste als Emotionen nicht der operanten Konditionierung unterliegen und deshalb nicht bestärkt oder bestraft werden können wie Verhaltensweisen.“

 

Barbara Glatz mit Marabufreund Paulchen in Tansania in einer Tierauffangstation

Barbara Glatz mit Marabufreund Paulchen in Tansania in einer Tierauffangstation

Medical Training verändert die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund und es ist, so meint Barbara Glatz, endlich ein Training, mit dem wir dem Hund etwas zurückgeben können. Denn es ist endlich Training, das dem Hund zugute kommt und nicht dem Menschen.

Servicebox

Andrea Campa
Verhaltensbiologin MSc, Fearfree zert. & prof. Mitglied ISABC zur Zeit WB Verhaltensmedizin Uni. Edinburgh
Die Wildtiertrainerin
Facebook
Medicaltraining für HalterInnen diverser Tierarten Oktober 2018. http://diewildtiertrainerin.ch/medizinischestraining/.

Barbara Glatz
Tiertrainerin, internationales Consulting für Training in Zoos und anderen Einrichtungen
Animal Training Center
Facebook
Zootiertrainingstag am 27. Oktober
Tiertraininingsintensivwoche  vom 31.10-4.11.2018
Chicken Camps, Level 1  von 23.-25.11.2018

Lesefutter

„Medical Training für Hunde – Körperpflege und Tierarztbesuche vertrauensvoll meistern“,  Barbara Glatz und Anna Oblasser-Mirtl  (auch als DVD)

Fearfree Pets
https://www.youtube.com/watch?v=Dy-w-8eRy98&t=7s

Musik

Steffie Werger – Einsame Wölfe
Waylon Jennings – That dog wont hunt
Freddie Fender – How much is that Doggie in the window

 

Sendung anhören:

Live auf der Radiofabrik 107,5 oder per APP immer am 2. Mittwoch im Monat um 12:08 Uhr und am 2. Donnerstag im Monat um 19:08 Uhr. Nachhören ebenfalls über die Radiofabrik, über den Hunderunde Blog oder direkt über das Archiv .

Feedback und Kontakt: Karin Immler,  www.knowwau.com

 

Die letzten Tage

> Sendung: Perlentaucher Nachtfahrt vom Freitag, 14. September –  Wie heißt es so schön schon bei Element Of Crime? “Ich will immer so gern berauscht sein und werde doch immer nur breit. Und kaum, dass ich einmal nüchtern bin, ist der Sommer schon wieder vorbei.” Was waren die Sommer nicht unendlich, als wir noch jung und lustig waren, trunken allein von der Welt und all ihren Versprechungen, das schien einfach nie aufhören zu wollen, jeden Tag aufs neue! Der Herbst des Schulbeginns war so weit entfernt wie einst die Gestade des Columbus, von denen wir damals noch nichts wussten, naturgemäß. Und die letzten Tage vor dem Wiedereinritt in den Ernst des Lebens mit seinen Stundenplänen waren für uns als Kinder noch irgendwie heiter, unbeschwert und verspielt. Doch schon bald spürten wir die ersten Wehmutstropfen

Die letzten Tage des SommersDie letzten Tage des Sommers oder Der kleine Tod des Lebens. Wir alle wissen zwar nicht, wann (oder wie) wir sterben – doch dass unser Dasein endlich ist, das sollte uns doch eigentlich klar sein. Genau genommen zählt unsere Lebensuhr schon seit wir geboren sind einen gnadenlosen Countdown, ticktack, ticktack, ticktack, aus. Den Umstand beschreibt keine Textzeile treffender als jene von Das trojanische Pferd “Mein Herz schlägt mich innerlich tot.” Und wiewohl wir alle um die eigene Endlichkeit wissen, blenden wir diese Wahrnehmung ein Leben lang erfolgreich aus, verdrängen sie in den Keller unseres Unterbewussten – und machen halt weiter wie bisher. Was sollten wir auch sonst tun? Also tanzen wir fröhlich auf dem Vulkan und hoffen, dass er noch nicht so bald ausbricht, während sich in unserem seelischen Untergrund längst das Unvermeidliche zusammenbraut. Versteht mich bitte nicht falsch, ich glaube auch keineswegs, dass ein fortwährendes Memento-Mori-Singen unserer Lebensfreude allzu dienlich wäre. Doch ein gewisser Zusammenhang zwischen diesem “ewig so weiter” und all den Vorstellungen von “Wirtschaftswachstum” oder “unendlichen Ressourcen” scheint mir da schon zu bestehen. Was für eine morbide “Realität”

Die letzten Tage der MenschheitDie letzten Tage der Menschheit oder vielleicht Die letzten Tage der Menschlichkeit? Wenn rundum die Menschenfresser tanzen – und es sich unter Polizeischutz gut gehen lassen, wenn die menschförmigen Politbarometer verbindlich lächelnd unverbindliche Phrasen dreschen, sollten da nicht erst recht und vor allem die verstummten Stimmen der Gefressenen hörbar gemacht werden? Ich sage, dass es keinen Unterschied macht, ob man den Fisch, den man gefangen hat, aktiv erschlägt, oder ob man ihn bloß neben sich an der Luft verzappeln lässt. Schon gar nicht, wenn der Fisch ein Mensch ist. Die Politik der Europäischen Union zum Außengrenzschutz und zur “Migrationsbekämpfung” in Afrika sieht allerdings längst so aus, wie es der Dokumentarfilm “Türsteher Europas” aufzeigt. Zitat: “Mittlerweile sterben wohl mehr Menschen in der Wüste als im Mittelmeer.” Da freuen wir uns jetzt aber ganz furchtbar auf einen “Informellen EU-Gipfel” zum Thema Migration und Sicherheit, den unser oberster Routenplaner für Donnerstag, 20. September in Salzburg einberufen hat. Vielleicht können wir demnächst auch in ein Auto sprechen wie Matta und Lisbett. Oder Elfriede Jelinek als Sprechuppe sein. Weil Kunnst ist und bleibt grenzenlos.

Die Letzten sollen die Ersten seinDen Letzten beißen die Hunde?  Die Letzten sollen die Ersten sein! Stellen wir doch die verrückte Welt vom Kopf zurück auf die Füße und rücken wir ihre so verschrobenen Verhältnisse wieder einigermaßen zurecht. Zu RECHT! Dazu hat uns eine ehemalige Sendungsgästin, die in einer legendären Aufführung Patti Smith verkörperte (Artarium) informiert, dass am 19. September Studierende und Dozent*innen des Thomas Bernhard Instituts an der UNI Mozarteum (wo der EU-Gipfelsturm in Szene gesetzt wird) mit den Mitteln der Kunst gegen die Gefühllosigkeit der akuten Politik auftreten werden. Ihre Veranstaltung “NIGHT OF RESPONSIBILITY” findet ab 21 Uhr (bis ???) im Theater im Kunstquartier als Beitrag zum Alternativgipfel der Plattform Solidarisches Salzburg statt. Und in ihrem Manifest dazu schreiben sie:

“Mit Lesungen, Performances, Musik und Diskussionen wollen wir daran erinnern, dass Europa und unsere Universität ihrer Idee nach nicht als Festungen erbaut wurden. Sie dürfen es auch nicht werden. Hierfür treten wir als Studierende und Lehrende des Thomas Bernhard Instituts ein. Wir können und wollen uns nicht abschotten gegen Menschen in Not. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Verrohung im gesellschaftlichen und politischen Umgang so weit fortschreitet, dass wir unempfindlich werden für das Leid anderer.”

PS. Hier ist nun auch der gesamte Text dieser einladenden Einladung zu haben.

 

Dichtkunst oder Humor?

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 9. September – Neulich suchte ich in meinem Computer nach alten Tonaufnahmen von Max Goldt – und wähnte diese im Ordner namens Humor. Dort waren sie aber nicht, stattdessen fand ich sie in einem anderen Ordner namens Dichtkunst. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Umstand Endgültiges über die Zuordnung von Max Goldts Werken aussagt, aber ein Körnchen Wahrheit wohnt ja in jedem noch so blinden Huhn. So heißt Max Goldt ursprünglich Matthias Ernst und nicht etwa Franz Lustig, was schon mal ein dezenter Hinweis sein könnte. Ganz und gar erschüttert war ich dann allerdings über seinen fast seriösen Auftritt in “Druckfrisch”. Was haben wir uns früher nicht zerpeckt über herrliche Wortgetüme wie Spinnenabdomensalat, Seepockensperma oder Leihmumienanalsex!

Max Goldt - Dichtkunst UND HumorSelbige finden auch in einer sehr frühen Artarium-Ausgabe statt, in der unser Anstifter Peter.W. 2007 ein paar dadaeske Lesungen von Max Goldt mit Liedern von Funny van Dannen zu einer Art kleiner Hirnfeuerschau montiert hat. Und nun, gut 11 Jahre später, wollen wir dem knallbumsen Frühwerk des einstigen Songschreibers sowie Titanic-Kolumnisten auf ähnliche Weise, jedoch speziell unter dem Aspekt der Dichtkunst, unsere Resonanz erweisen. Dazu schneiden wir Songs seiner legendären Band “Foyer des Arts” ins Programm, vor allem aus dem Album “Ein Kuss in der Irrtumstaverne” von 1988. Dort finden sich Sprachperlen wie zum Beispiel: “Der Islam nervt und meine Hose ist zu eng.” Oder aber: “Zwei Leute heiraten. Die Frau riecht nach Niveacreme und der Mann findet das toll.” Das sind zugegeben nicht die Refraintexte, die damals in Mädchentoiletten gekritzelt wurden und von denen Bettina Dunkel in ihrem persönlichen Statement berichtet. Aber auf jeden Fall Indizien dafür, dass sich im poetischen Gesamtwerk von Max Goldt die Kategorien Humor UND Dichtkunst ganz vortrefflich verbinden.

Und Bettina Dunkel stellt fest: “Nachfolger hat die Band ohne Vorbild nie gefunden. Für mich allerdings wurde sie zum Vorbild in Sachen Selbstständigkeit. Max Goldt, der später als Schriftsteller die Kunst des Abschweifens perfektionierte, ist seitdem mein Zöllner an der Grenze zum guten Geschmack. Und wird es auch immer bleiben.”

 

Wen schützt Europa wovor? Beiträge Freier Radios zur EU-Präsidentschaft

Von Juli bis Dezember 2018 hat Österreich den Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne. Die Regierung hat den Ratsvorsitz unter das Motto „Ein Europa, das schützt“ gestellt und als zentrales Thema „Sicherheit und den Kampf gegen illegale Migration“ definiert.

Die Freien Radios in Österreich hinterfragen Themenstellungen wie Motto in einem vielstimmigen Programmschwerpunkt von 26. Oktober bis 4. November: 10 Tage mit 10 einstündigen Sendungen aus 10 verschiedenen Freien Radios – kritisch, informativ und crossmedial.

Hier geht’s zum Programm.

Zu hören in deinem Freien Radio

Der Sender mit dem Schorsch

Ein Schorsch mit Ohren – seit zwanzig Johren. Was soll das? In der Radiofabrik unseres Vertrauens werden Wahlen noch mit Geschmack gewonnen – und deshalb können ALLEganz nach Gehör – den ihrer Ansicht nach “besten” Jingle wählen, und zwar hier: Anhörung und Online-Abstimmung, ein Demokratie-Hörtheater für Anfänger und Insider. (Jeder nur ein Kreuz) Woselbst auch wir, die Perlentaucher, gleich mit 4 Beiträgen quasi gegen uns selbst antreten. Genug kann nie genügen, auch nach 20 Jahren nicht, das erkannte Konstantin Wecker ja schon vor vielen… Und so tauchen wir tief in unser Archiv, um der Fragestellung “Was soll das?” ein paar Perlen beizufügen, die sowohl unser Selbstverständnis als Sendungsmacher als auch die Wesensart der Radiofabrik darstellen. Die Ursuppe, eine Anstiftung:

Der mit dem Schorsch tanztDas Sinnbild oder die Grundidee des Perlentauchens ist ungemein zeitgemäß: Durch immer mehr und immer noch zäheren Schlaaz zu tauchen, um einzelne Perlen des Besonderen und somit subjektiv Wertvollen hervor zu stöbern, auf dass wir sie in diesem öffentlichen Raum Radio mit anderen kreativen Individualist_innen teilen können. Und passt auch wie der Topfdeckel aufs Freie Radio, einem der letzten öffentlichen Räume, der noch nicht von kommerziellen und/oder machtpolitischen Interessen verseucht ist. In dem genau jener Erfolgs- und Anpassungsdruck nicht herrscht, der sonst ja schon die meisten Lebensträume molochgleich verschlungen hat. Jener zutiefst soziopathische Wachstumswahn, der schöpferisches Arbeiten unmöglich macht und seelische Ausgeglichenheit zerstört. Diese Zerdepperung des Menschlichen durch Populismus, Krone und Fernsehblah. Jede Menge dicht verdichteter Schlamm also, Unflat und Gatsch, aus dem solche Kostbarkeiten wie etwa Eigenartiges oder Wesentliches hervorzusuchen immer anstrengender wird. Jedoch ein von unbeugsamen Sender_innen bevölkertes Radio hört nicht auf, all den Dringlingen Widerspruch zu leisten. Hier die Zutaten zu unserem Zaubertrank:

Schorsch 1: Was soll das feat. Norbert K.Hund (Kunstbiotop-Jingle) via CBA

Moderatorin: “Über die Alternativen einer lebendigen Salzburger Kultur machen sich nur die wenigsten Gedanken…”

Norbert K. Hund: “Und das, was wir unter Kultur verstehen würden, ist, dass Menschen etwas machen, das vergleichbar wäre mit einem Biotop. Das vergleichbar wäre mit einem kleinen Tümpel, einem Schlammloch, da stehen drei Bäume, da ist ein hohes Gras – und irgendwann einmal zwischen Nachmittag und Abend kommen dort zwei Verliebte vorbei oder ein Dichterling oder sonst irgendjemand, einfach Menschen. Und die genießen das, denen sagt das was. Und das ist in keiner Statistik festzuhalten, das kann man in keinem Subventionsansuchen rechtfertigen, und das kann man in keiner Weise systematisch dingfest machen.”

Schorsch 2: Was soll das feat. Thomas Oberender (Oberender-Jingle) via CBA

Interviewer: “Leidet der Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele an so etwas wie einem Salzburg-Syndrom?”

Thomas Oberender: “Alsozusagen, wenn sie über die Identifikation oder Identifizierung – des Aggressors sprechen, der sind wir. Ab da tuts weh, ja. Dass sie sich selber sozusagen auch als Täter erleben. Das ist die Urerfahrung des Dramas oder der Tragödie, die da eben lautet: Wir sind sterblich – und Leben heißt schuldig werden. Immer. Für jeden einzelnen von uns. Und dafür ein Auge zu öffnen und sich mit dieser Erfahrung zu konfrontieren – das ist das Privileg, aber auch die Aufgabe von Kunst.”

Schorsch 3: Was soll das feat. Perlentaucher (Perlentaucher-Jingle) via CBA

Christopher Schmall: “Vor allem, wenn man jetzt Romane schreibt und da wirklich sehr viele Personen irgendwie in sich hat, und über die Bescheid weiß und ihr ganzes Leben teilt – die lassen einen auch nicht los. Deswegen hat die Joanne K. Rowling, die ja Harry Potter geschrieben hat, jetzt wieder neue Bücher geschrieben, weil sie einfach nicht aus dieser Welt raus kann. Sie hat diese Welt für sich erschaffen und ist einfach so in dieser Welt drinnen…”

Norbert K.Hund: “Ah, du meinst, würde sie jetzt zuhause sitzen und mit diesen ganzen Charaktären schwätzen, dann würd man sie bald einmal holen…”

Christopher Schmall: “Ja, aber nachdem sie das in Büchern verpackt…”

Norbert K.Hund: “Genau. Um das zu vermeiden, schreibt sie immer weiter…”

Christopher Schmall: “Ja, voll. Also, ich glaub schon, dass Kunst einen vor psyschischen Krankheiten auch retten kann.”

Schorsch 4: Was soll das feat. Günther Paal aka Gunkl (Gunkl-Jingle) via CBA

Günther Paal (Gunkl): “Es muss die Möglichkeit bestehen. Eine Gesellschaft ist dann stark, wenn sie sich etwas leisten kann. Eine Gesellschaft, die sich Querdenker oder lautradikal Nichtdenker nicht leisten kann – also, wenn man das nicht abfedern kann, dann ist das ein Armutszeugnis für die Gesellschaft. Davon abgesehen passiert in diesen Freien Radios auch etwas, was ich sehr schätze, nämlich: Das machen Menschen, weil die das machen wollen.”

…………

Nicht zuletzt und nicht umsonst endet jedes der hier transkribierten Statements mit dem selben Dialog: “Die Radiofabrik – was soll das? – Freies Radio für Salzburg!” Ebenso absichtsvoll heißt der Titel des zitierten Musikstücks “Nothing else matters!” Und jetzt nehmt euer demokratisches Wahlrecht (oder wie das Ding heißt) endlich in den Mund – und gebt uns eure Stimme! Wir machen höchstens einen Jingle draus…

 

AUFRUF – Das Geräusch des Sommers

Liebe Tuning Up-Hörer*innen!

Für die nächste Sendung am 3. September – also im beginnenden Spätsommer – suchen wir mit Euch nach dem Geräusch des Sommers. Jede*r ist aufgerufen, ein Geräusch an uns zu senden, das diesen Sommer repräsentiert oder besonders wichtig, beeindruckend oder alltäglich war.


Wave vector created by Photoroyalty – Freepik.com

Das Klangbeispiel sollte min. 10 und max. 30 Sekunden dauern – Format vorzugsweise mp3, kann aber auch jedes andere sein.

Ablieferadresse: tuning_up@gmx.at

Wir freuen uns auf Eure Einsendungen bis 1. September – also schon sehr bald!
Bitte auch eine kurze Beschreibung dazu geben, was es ist, wann aufgenommen und alles was wir weiter dazu wissen sollten – und natürlich eine Sendeerlaubnis.

Wir sind schon sehr gespannt!!!!
Erik und Paul